Ein Verfassungsgericht in Kolumbien hat eine wegweisende Entscheidung getroffen: Die Liga Antioqueña de Voleibol, ein kolumbianischer Volleyball-Verband in Antioquia, wurde vom Verfassungsgericht angewiesen, ihre Richtlinien zu ändern, die trans Personen von ihren Wettbewerben ausschließen. Das Urteil markiert einen wichtigen Moment für die Rechte von trans Athletinnen und Athleten – nicht nur in Lateinamerika, sondern weltweit. Die Entscheidung wurde von Pink News berichtet.
Zehn Jahre Spielpraxis plötzlich illegal
Eine namentlich nicht genannte trans Athletin verklagte den Sportverband, nachdem er ihr mitten in einem Turnier die Teilnahme an Frauen-Volleyball-Spielen untersagte. Obwohl sie über ein Jahrzehnt lang ohne Probleme an Antioquia-Spielen teilgenommen hatte, sperrten die Verantwortlichen die Spielerin von weiblichen Events aus, nachdem sie eine Richtlinie eingeführt hatten, die trans Sportlerinnen von Ligen ausschließt, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen.
In einem Urteil vom Mittwoch, 1. Oktober, argumentierte ein dreiköpfiges Richtergremium, dass die Richtlinie die Menschenrechte der Spielerin und ihr verfassungsmäßiges Recht auf Würde und Gleichheit verletze. Die Richterinnen und Richter ordneten an, dass die Athletin das Turnier zu Ende spielen dürfe und der Verband seine Regelungen mit Hilfe des Sportministeriums ändern müsse.
Wissenschaft widerspricht pauschalen Verboten
Das Gericht setzte ein klares Zeichen gegen diskriminierende Praktiken im Sport. Die Richterinnen Natalia Ángel Cabo und José Fernando Reyes Cuartos argumentierten, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass trans Athletinnen einen inhärenten Wettbewerbsvorteil gegenüber cis-geschlechtlichen Athletinnen haben, und stellten fest, dass die körperliche Leistungsfähigkeit eher mit "Körperzusammensetzung", Training und Ernährung zusammenhängt.
Diese Argumentation wird durch aktuelle Forschung gestützt. Eine 2024 vom Internationalen Olympischen Komitee unterstützte Studie deutete darauf hin, dass trans Athletinnen tatsächlich Nachteile im Sport haben können, aufgrund von Veränderungen der Muskelmasse und kardiovaskulären Fähigkeiten. Trans Frauen zeigten in bestimmten kardiovaskulären Tests schlechtere Leistungen als ihre cis-geschlechtlichen Kolleginnen und hatten weniger Unterkörperkraft.
Deutsche Parallelen: Auch hier wird diskutiert
Die Debatte über trans Personen im Sport ist auch in Deutschland hochaktuell. Die Teilnahme von Transmenschen am Leistungssport ist ein kontroverses Thema. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Transfrauen, die nach einer männlichen Pubertät im Frauensport erfolgreich sind, und in Bezug auf erhöhte Verletzungsgefahr für biologische Frauen.
Während das IOC 2021 einen neuen Rahmen zur Regelung der Teilnahme von Transathleten vorstellte, in dem das IOC selbst keine Restriktionen mehr vorsieht, haben verschiedene deutsche Sportverbände unterschiedliche Wege eingeschlagen. Es gibt verschiedene Verbände, die dafür gesorgt haben, dass trans Personen besser am Sport teilnehmen können. Der DFB zum Beispiel, oder auch der Deutsche Hockey-Bund. Es gibt auch einen queeren Sportverein in Deutschland, das ist der SC Janus in Köln.
Kolumbien als Vorreiter für LGBTQ+-Rechte
Das Urteil passt zu Kolumbiens progressiver Haltung in Bezug auf LGBTQ+-Rechte. Die Rechte Homosexueller in Kolumbien sind weit entwickelt, besonders für ein sich entwickelndes, konservatives und überwiegend katholisches Land wie Kolumbien. Strafgesetze gegen homosexuelle Handlungen bestehen in Kolumbien nicht. Im April 2016 bestätigte das Verfassungsgericht in einer weiteren Grundsatzentscheidung die sofortige landesweite Eheöffnung.
Dennoch ist die Lage für LGBTQ+-Personen nicht ohne Herausforderungen. Feminizide sowie Gewalt gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI+) geben weiterhin Anlass zu großer Sorge. Das Regionale Informationsnetzwerk zu Gewalt gegen LGBT registrierte 2023 insgesamt 21 Tötungen von LGBTI+ in Kolumbien, die in die Kategorie "vorurteilsbedingte Gewalt" fielen.
Ein Signal für faire Teilhabe
Das kolumbianische Urteil sendet eine wichtige Botschaft: Sport muss für alle zugänglich sein, unabhängig von der Geschlechtsidentität. Die urteilenden Richterinnen und Richter stellten fest, dass die trans Spielerin bereits an mindestens vier Turnierspielen ohne Einwände teilgenommen hatte, bevor der Verband seine Richtlinie verabschiedete, was deren Zweck in Frage stellte. Es gab keine Beschwerden von Mitspielerinnen, keine Vorfälle – nur eine nachträgliche Diskriminierung.
Während die internationale Debatte über trans Athletinnen oft von Ängsten und Vorurteilen dominiert wird, zeigt dieses Urteil einen anderen Weg: einen, der auf Menschenrechten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und der gelebten Realität basiert. Es ist ein Schritt in Richtung echter Inklusion – im Sport und darüber hinaus.
