Eine erschütternde neue Dokumentation zeigt die Heuchelei derjenigen auf, die LGBTQ+-Menschen als Bedrohung für Kinder darstellen, während sie selbst Kinder missbrauchen. Laut einem neuen Bericht wurden seit Jahresbeginn 2025 fast 200 christliche Leiter mit LGBTQ+-feindlicher Haltung wegen Kindesmissbrauch beschuldigt. Die Enthüllung wirft ein grelles Licht auf die Doppelmoral konservativer Kreise.
Eine Liste des Grauens: 188 Fälle dokumentiert
Der Journalist Evan Hurst, Chefredakteur der politischen Website Wonkette, führt eine fortlaufende Liste von christlichen und republikanischen Leitern, die wegen Missbrauchs oder Ausbeutung von Kindern gefasst, beschuldigt, verklagt oder verurteilt wurden. Die Zahlen sind erschreckend: Hurst hat bis Ende Oktober 2025 188 christliche und republikanische Leiter identifiziert.
Besonders brisant: Im Vergleich dazu sind ähnliche Vorwürfe gegen Drag Queens oder trans Personen – die von Republikanern typischerweise mit dem "Groomer"-Schimpfwort belegt werden – praktisch nicht existent. Hurst merkt in seinem jüngsten Update an: "Konservative christliche Leiter sind so produktive Groomer und Missbraucher von Kindern, die Nachrichten sind so voll von diesen Geschichten."
Der Fall Joshua Kemper: Heuchelei in Reinform
Ein besonders verstörender Fall illustriert das Ausmaß dieser Heuchelei: Ein christlicher Jugendpastor, der Beiträge teilte, die behaupteten, Kinder seien in der Nähe von LGBTQ+-Menschen nicht sicher, wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verhaftet. Der kalifornische Pastor Joshua David Kemper wurde Anfang der Woche wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit einem 15-jährigen Mädchen verhaftet.
Ermittler behaupten, dass Kemper zwischen März und Juli dieses Jahres eine sexuelle Beziehung mit der Teenagerin hatte. Die Vorfälle sollen in ihrem Zuhause, in seinem Fahrzeug und in der örtlichen Kirche stattgefunden haben. Während dieser Zeit teilte Kemper auf seinem Facebook-Account einen Beitrag, der suggerierte, dass LGBTQ+-Menschen eine Gefahr für Jugendliche darstellen.
Die "Groomer"-Lüge: Eine gefährliche Verschwörungstheorie
Die LGBTQ-Grooming-Verschwörungstheorie ist eine rechtsextreme Verschwörungstheorie und ein LGBTQ-feindliches Klischee, das behauptet, LGBTQ-Menschen und Unterstützer von LGBTQ-Rechten würden Child Grooming betreiben und sexuellen Kindesmissbrauch ermöglichen. Es gibt keine verlässlichen Beweise dafür, dass sexuelle Minderheiten eher Kinder missbrauchen.
Die Verbreitung dieser Rhetorik hat dramatisch zugenommen: Ein Bericht zeigt, dass die durchschnittliche Anzahl von Tweets pro Tag, die Schimpfwörter wie "Groomer" und "Pädophile" in Bezug auf LGBTQ+-Menschen verwenden, im Monat nach der Verabschiedung des Florida-Gesetzes um 406% anstieg. Vor der Übernahme durch Elon Musk gab es durchschnittlich 3.011 Tweets pro Tag, die die Groomer-Erzählung erwähnen. Diese Zahlen stiegen in den vier Monaten nach Musks Übernahme um 119 Prozent auf 6.596.
Deutschland: Parallelen im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche
Die Problematik ist nicht auf die USA beschränkt. Auch in Deutschland kämpft die katholische Kirche seit Jahren mit Missbrauchsskandalen. Die MHG-Studie stellte 2018 fest, dass 3.677 Kinder und Jugendliche seit dem Zweiten Weltkrieg Missbrauchsopfer katholischer Geistlicher geworden sind. 1.670 Priester und Diakone wurden zwischen 1946 und 2014 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.
Eine Studie des Ulmer Kinderpsychiaters Jörg Fegert geht von einer großen Zahl bislang nicht bekannter Missbrauchsfälle im kirchlichen Raum aus. Das Dunkelfeld liegt sowohl für die katholische als auch für die evangelische Kirche in Deutschland bei geschätzten 114.000 Missbrauchsopfern. Diese Zahlen verdeutlichen das erschreckende Ausmaß eines Problems, das lange Zeit systematisch vertuscht wurde.
Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland wurde zu Beginn des Jahres 2010 ein Thema von breitem öffentlichem Interesse. Ein Zeitungsbericht zu Missbrauchsfällen am Canisius-Kolleg in Berlin löste eine Welle der Berichterstattung aus.
Die wahre Bedrohung für Kinder
Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Während rechtskonservative Akteure LGBTQ+-Menschen systematisch als Bedrohung für Kinder brandmarken, zeigen die Daten, dass die wahre Gefahr von ganz anderer Seite kommt. Diese rechten Akteure diskutieren niemals die große Anzahl sexueller Übergriffe auf Kinder, die von christlichen Leitern und Kirchen begangen werden, noch arbeiten sie jemals mit Organisationen zusammen, die sich tatsächlich der Beendigung von Kinderhandel und Missbrauch widmen.
Business Insider bemerkte, dass "der starke Rückgang der Unterstützung unter einigen Amerikanern auf ein besonders aggressives Jahr LGBTQ-feindlicher Rhetorik und Politik folgt", einschließlich falscher Vorwürfe des "Groomings". Diese Rhetorik hat reale, gefährliche Konsequenzen für LGBTQ+-Menschen weltweit.
Die Enthüllungen über fast 200 beschuldigte christliche Leiter im Jahr 2025 allein sollten zu einem Umdenken führen. Es ist höchste Zeit, dass die Gesellschaft die wahren Täter zur Rechenschaft zieht – und aufhört, LGBTQ+-Menschen für Verbrechen zu verteufeln, die sie nicht begehen.
