Am 5. März 2026 verabschiedete New Hampshire eines der härtesten Anti-Trans-Gesetze der USA. House Bill 1442 droht transgender Personen mit drastischen Strafen, sollten sie Toiletten nutzen, die nicht ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprechen.
Drastische Strafen: Bis zu 5.000 Dollar und Haftstrafen
Das Gesetz sieht vor, dass Personen, die in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Regierungseinrichtungen Toiletten nutzen, die nicht mit dem Geschlechtseintrag in ihren offiziellen Dokumenten übereinstimmen, mit Geldstrafen von bis zu 5.000 Dollar pro Verstoß belegt werden können. Noch drastischer: Bei Missachtung einer gerichtlichen Verfügung droht sogar Gefängnisstrafe.
Die Legislative Journalistin Erin Reed bezeichnete HB 1442 als "eines der extremsten Toilettenverbote, das derzeit durch ein Staatsparlament in den USA geht". Der Gesetzesentwurf wurde mit 181 zu 164 Stimmen im Repräsentantenhaus angenommen, wobei 13 republikanische Abgeordnete die Initiative eingebracht hatten.
Gouverneurin Ayotte hatte dreimal zuvor Veto eingelegt
Bemerkenswert ist, dass die republikanische Gouverneurin Kelly Ayotte in den Wochen zuvor bereits dreimal ähnliche Gesetzesentwürfe mit einem Veto blockiert hatte. Im Februar 2026 bezeichnete sie einen vorherigen Versuch als "zu weitreichend" und "unpraktisch umsetzbar". Sie betonte, dass die Privatsphäre, Sicherheit und Rechte aller Bürgerinnen und Bürger New Hampshires geschützt werden müssten.
Trotz dieser Vetos haben die republikanischen Gesetzgeber nun einen noch schärferen Entwurf vorgelegt. HB 1442 geht über die vorherigen Versuche hinaus, indem es eine rechtliche Definition von "biologischem Geschlecht" etabliert – eine Formulierung, die als Grundlage für weitere diskriminierende Gesetze dienen könnte, etwa Verbote im Sport oder Einschränkungen beim Zugang zu medizinischer Versorgung.
Neuengland-Ausnahme: Erster Staat der Region mit solchem Verbot
New Hampshire würde damit der erste Bundesstaat in der traditionell liberalen Neuengland-Region sein, der ein derartiges Trans-Toilettenverbot einführt. Die Region galt bislang als Vorreiter bei LGBTQ+-Rechten in den USA.
Bei der Abstimmung am 5. März schlossen sich drei Republikaner den 161 Demokraten an, die gegen das Gesetz stimmten. Neun Republikaner und sechs Demokraten enthielten sich, 31 Abgeordnete waren abwesend. Der Gesetzesentwurf muss nun noch den Senat von New Hampshire passieren.
Gefahr für alle: Auch cis Personen betroffen
Expert*innen warnen: Solche Gesetze treffen nicht nur transgender Menschen, sondern gefährden alle, die nicht traditionellen Geschlechtervorstellungen entsprechen. In Minnesota wurde beispielsweise im August 2025 die cisgender Teenagerin Gerika Mudra auf einer Restaurant-Toilette belästigt. Eine Frau hämmerte gegen ihre Kabinentür und forderte, der "Mann müsse hier raus" – obwohl Mudra völlig legal die Damentoilette nutzte und sich schließlich gezwungen sah, ihre Brüste zu entblößen, um ihre Identität zu beweisen.
Vergleich mit Deutschland: Keine Ausweiskontrollen
Deutschland kennt keine gesetzlichen Kontrollen der Toilettennutzung. Mit dem Selbstbestimmungsgesetz, das 2024 in Kraft trat, können trans Personen ihren Geschlechtseintrag und Vornamen relativ unkompliziert ändern lassen.
Die Organisation TransInterQueer e.V. setzt sich in Deutschland für diskriminierungsfreie Toilettennutzung für alle ein und betont, dass Toiletten sichere Räume für alle Menschen sein sollten – unabhängig von Geschlechtsidentität oder -ausdruck. Ausweiskontrollen vor Toiletten gibt es hierzulande nicht und wären mit dem Grundgesetz auch kaum vereinbar.
Landesweiter Trend: Auch andere Bundesstaaten verschärfen Gesetze
New Hampshire steht mit seinem Gesetzesentwurf nicht allein da. In mehreren republikanisch regierten Bundesstaaten wurden in den vergangenen Monaten ähnliche Maßnahmen ergriffen. Kansas hat beispielsweise ein System eingeführt, bei dem Personen bis zu 1.000 Dollar "Kopfgeld" erhalten können, wenn sie transgender Personen bei der Nutzung "falscher" Toiletten melden.
LGBTQ+-Organisationen rufen den Senat von New Hampshire dazu auf, gegen HB 1442 zu stimmen. Sie warnen vor den weitreichenden Folgen solcher Gesetze für die Sicherheit und Würde von transgender Menschen und betonen, dass diese Regelungen auf Angstmacherei basieren, nicht auf realen Sicherheitsbedenken.
Die Abstimmung im Senat wird in den kommenden Wochen erwartet. Sollte das Gesetz dort ebenfalls angenommen werden, bliebe nur noch das Veto der Gouverneurin als mögliche Hürde – doch ob Ayotte erneut ihr Veto einlegen wird, nachdem die Republikaner den Gesetzesentwurf bereits mehrfach überarbeitet haben, bleibt abzuwarten.
