Nieuws

Historischer Schritt fĂŒr Regenbogenfamilien: Bundesrat fordert Gleichbehandlung von Zwei-MĂŒtter-Familien

Der Bundesrat hat am Freitag einen bedeutenden Schritt fĂŒr die Gleichstellung von LGBTQ+-Familien in Deutschland unternommen. In einer historischen Entschließung fordert die LĂ€nderkammer die Bundesregierung auf, die Diskriminierung von Zwei-MĂŒtter-Regenbogenfamilien im deutschen Abstammungsrecht zu beenden. Der Antrag, ursprĂŒnglich vom Land Rheinland-Pfalz eingebracht und von Niedersachsen sowie Mecklenburg-Vorpommern unterstĂŒtzt, zielt darauf ab, dass Kinder in Zwei-MĂŒtter-Familien von Geburt an zwei rechtliche Elternteile haben können.

Aktuelle Rechtslage: Eine Frage der Gerechtigkeit

Die derzeitige Situation ist fĂŒr viele Regenbogenfamilien belastend: WĂ€hrend bei heterosexuellen Eheleuten der Mann automatisch als Vater anerkannt wird – unabhĂ€ngig von der biologischen Abstammung – mĂŒssen Co-MĂŒtter in lesbischen Beziehungen ein langwieriges und kostspieliges Adoptionsverfahren durchlaufen. Diese Ungleichbehandlung stellt laut Bundesrat eine klare Diskriminierung dar, "die es abzuschaffen gilt".

Die rheinland-pfĂ€lzische Familienministerin Katharina Binz betonte: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum fĂŒr Zwei-MĂŒtter-Familien noch immer andere Regeln gelten als fĂŒr heterosexuelle Paare." Die Ministerin hob hervor, dass die Reform nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung sei, sondern vor allem dem Kindeswohl diene.

Konkrete Forderungen des Bundesrates

Die vom Bundesrat beschlossene Entschließung enthĂ€lt zwei Kernforderungen:

  • Bei verheirateten lesbischen Paaren soll die Ehefrau der gebĂ€renden Frau automatisch als rechtliche Mutter des Kindes anerkannt werden
  • Bei unverheirateten Zwei-MĂŒtter-Familien soll eine Anerkennung der Mutterschaft ermöglicht werden – analog zur Vaterschaftsanerkennung bei heterosexuellen Paaren

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) begrĂŒĂŸt den Beschluss und fordert die Bundesregierung auf, "endlich ein verfassungskonformes Abstammungsrecht zu schaffen, das alle Familien rechtlich anerkennt, in denen der zweite Elternteil nicht mĂ€nnlich ist."

Lange Vorgeschichte mit wenig Fortschritt

Die Debatte ĂŒber die Reform des Abstammungsrechts zugunsten von Regenbogenfamilien ist nicht neu. Bereits seit der Öffnung der Ehe fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare im Jahr 2017 weisen LGBTQ+-Organisationen auf diese Ungleichbehandlung hin. Die vorherige Bundesregierung hatte zwar einen Referentenentwurf zur Reform des Abstammungsrechts vorgelegt, dieser wurde jedoch nie im Bundestag beraten.

Besonders enttĂ€uschend fĂŒr viele Betroffene: Obwohl ein Entwurf des aktuellen Koalitionsvertrags im MĂ€rz 2025 eine entsprechende Reform vorgesehen hatte, fehlt im letztlich beschlossenen Koalitionsvertrag jede ErwĂ€hnung des Abstammungsrechts.

AlltĂ€gliche Herausforderungen fĂŒr Regenbogenfamilien

Die rechtliche Benachteiligung hat konkrete Auswirkungen auf den Alltag betroffener Familien. Lisa K. aus Berlin berichtet: "Als meine Partnerin unser Kind zur Welt brachte, war ich rechtlich gesehen eine Fremde – trotz unserer Ehe und obwohl wir gemeinsam entschieden hatten, eine Familie zu grĂŒnden. Ich durfte nicht einmal ein Rezept fĂŒr unser krankes Kind in der Apotheke abholen, bevor die Adoption durch war."

Der Adoptionsprozess dauert oft mehrere Monate bis zu einem Jahr und beinhaltet unter anderem Hausbesuche vom Jugendamt, psychologische Gutachten und hohe Kosten. Eine Belastung, die heterosexuelle Familien nicht tragen mĂŒssen.

Wie geht es weiter?

Die Entschließung wird nun der Bundesregierung zugeleitet, die sich damit befassen kann. Allerdings gibt es keine gesetzliche Frist, innerhalb derer die Regierung reagieren muss. Es bleibt abzuwarten, ob und wann die Bundesregierung einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen wird.

FĂŒr die etwa 10.000 Regenbogenfamilien in Deutschland bedeutet der Bundesratsbeschluss dennoch Hoffnung auf eine lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige rechtliche Gleichstellung. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz bezeichnen den Beschluss als "Meilenstein fĂŒr das Kindeswohl und Regenbogenfamilien".

Fachleute betonen, dass die Reform nicht nur der Gleichstellung dient, sondern vor allem im Sinne der betroffenen Kinder ist, die ein Recht darauf haben, von Geburt an zwei rechtlich anerkannte Elternteile zu haben – unabhĂ€ngig von deren Geschlecht.


Kampf gegen Homophobie in Bildungseinrichtungen: Berliner Queerbeauftragter fordert entschlossenes Handeln von Schulleitungen

In einem alarmierenden Fall von homophobem Mobbing an einer Berliner Grundschule hat sich der Queerbeauftragte der Hauptstadt, Alfonso Pantisano, eingeschaltet und deutliche Worte gefunden. Wie queer.de berichtet, wurde ein homosexueller Lehrer an der Carl-Bolle-Grundschule monatelang von SchĂŒlern aus muslimischen Familien beleidigt und gemobbt – mit Aussagen wie "Schwul ist ekelhaft" oder er werde "in der Hölle landen".

Klare Verantwortungszuweisung an Schulleitungen

"Alle Schulleitungen mĂŒssen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und alles dafĂŒr tun, dass die Kolleginnen und Kollegen sicher zur Arbeit und auch wieder nach Hause kommen", betonte Pantisano in seiner Reaktion auf den Vorfall. Der Queerbeauftragte, dessen offizielle Amtsbezeichnung "Ansprechperson der Landesregierung Berlin fĂŒr die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt" lautet, nimmt dabei besonders die FĂŒhrungsebenen der Schulen in die Pflicht: "Wenn Schulleitungen im Jahr 2025 nicht sicherstellen, dass Vielfalt an der Schule akzeptiert und gelebt wird, ist das ein Problem."

Besonders besorgniserregend an dem aktuellen Fall ist die vom betroffenen Lehrer beklagte mangelnde UnterstĂŒtzung durch Schulleitung und Schulaufsicht. Bildungssenatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (CDU) wollte sich zu dem konkreten Fall nicht Ă€ußern, was Fragen zur PrioritĂ€t des Themas in der Bildungspolitik aufwirft.

Zwischen Ablehnung und Akzeptanz

Die Situation an Berliner Schulen ist vielschichtig, wie Pantisano erlĂ€utert: "Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die auf Ablehnung und Angst treffen." Gleichzeitig betont er aber auch positive Entwicklungen: "Es gibt aber auch immer mehr Akzeptanz und UnterstĂŒtzung queerer LehrkrĂ€fte bei Kolleginnen und Kollegen oder Eltern." Laut Tagesspiegel mĂŒssen Schulen grundsĂ€tzlich als "Safe Space" fĂŒr queere Jugendliche und LehrkrĂ€fte funktionieren.

Der Queerbeauftragte hat bereits Kontakt mit dem betroffenen Lehrer aufgenommen und einen GesprĂ€chstermin mit der Schulleitung sowie der Gesamtelternvertretung angefragt. "Wenn SchĂŒlerinnen und SchĂŒler homophob auftreten, hat das sehr oft mit den Erziehungsberechtigten zu tun. Hier mĂŒssen alle Seiten angesprochen werden", erklĂ€rt Pantisano den ganzheitlichen Ansatz.

UnterstĂŒtzungsangebote in Berlin

Ein wichtiger Aspekt in Pantisanos Botschaft ist der Hinweis auf bestehende Hilfsangebote: "Sollten Schulleitungen UnterstĂŒtzung brauchen, dann gibt es in Berlin sehr viele Möglichkeiten dazu." Die Berliner Senatsverwaltung fĂŒr Justiz und Vielfalt bietet verschiedene Programme und Anlaufstellen, die Schulen bei der BewĂ€ltigung solcher Herausforderungen unterstĂŒtzen können.

Diese Angebote richten sich nicht nur an Schulleitungen, sondern auch an Eltern, LehrkrĂ€fte und SchĂŒler*innen. "Dort können sie lernen, wie sie sorgfĂ€ltig und umsichtig mit solchen Situationen und ihrem Umfeld umgehen. Und sie können lernen, dass Vielfalt keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung ist", so Pantisano.

Rechtliche Grundlagen gegen Diskriminierung

In Deutschland bieten das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie in Berlin zusÀtzlich das Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) rechtliche Rahmenbedingungen zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Diese Gesetze stellen klar, dass homophobes Mobbing nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch rechtlich unzulÀssig ist.

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

"Die traurige Erkenntnis ist, dass queere Menschen in jeder Lebenslage diskriminiert werden", resĂŒmiert Pantisano. Gleichzeitig verweist er auf positive gesellschaftliche Entwicklungen: "Anderseits gibt es inzwischen viel Akzeptanz von queerem Leben in der Gesellschaft." Diese Spannung zwischen zunehmender Akzeptanz einerseits und fortbestehender Diskriminierung andererseits verdeutlicht, wie wichtig ein konsequentes Eintreten fĂŒr die Rechte und die WĂŒrde queerer Menschen in allen Lebensbereichen – besonders aber im Bildungssystem – bleibt.

FĂŒr queere LehrkrĂ€fte und SchĂŒler*innen, die von Diskriminierung betroffen sind, gibt es in Berlin verschiedene Beratungs- und UnterstĂŒtzungsangebote, wie beispielsweise das Queer-Lexikon, das bundesweit Anlaufstellen vermittelt, oder spezifische Projekte wie Queerformat, die Bildungseinrichtungen bei der Umsetzung von Vielfalt und Akzeptanz unterstĂŒtzen.


Berlins kinky Krone: Deutschlands Hauptstadt fĂŒhrt den Erobella Kinky City Index an

Die Erotikplattform Erobella.com hat kĂŒrzlich einen umfassenden Blick in die deutsche Kink-Landschaft geworfen und dabei einen klaren Sieger ermittelt: Berlin ist und bleibt die unangefochtene Kink-Hauptstadt Deutschlands. Diese Erkenntnis stammt aus dem neu veröffentlichten "Kinky City Index Germany", der auf queer.de vorgestellt wurde. Die Analyse basiert auf beeindruckenden 549.000 Suchanfragen, Interaktionen und Profilmetriken aus der eigenen Datenwelt der Plattform.

Die Originalstudie findet Ihr hier: https://erobella.com/lust/kinky-city-index-germany-2025/

Deutsche StÀdte im kinky Ranking

Mit deutlichem Vorsprung hat die Bundeshauptstadt diesen besonderen Wettbewerb fĂŒr sich entschieden. Auf den weiteren PlĂ€tzen folgen MĂŒnchen als Vizemeister, Mannheim auf dem dritten Platz, NĂŒrnberg auf Rang vier und Hannover auf dem fĂŒnften Platz. Überraschend ist, dass bekannte GroßstĂ€dte wie Stuttgart, Bremen oder Köln es nur ins Mittelfeld schafften. Am unteren Ende der 25 bewerteten StĂ€dte finden sich Gelsenkirchen und Karlsruhe, wĂ€hrend Aachen das Schlusslicht bildet.

Spezialgebiete der kinky StÀdte

Besonders interessant sind die Unterschiede in den verschiedenen Kategorien, die der Index berĂŒcksichtigt. WĂ€hrend Berlin insgesamt dominiert und besonders bei der Anzahl an "echten BDSM-Clubs" die Nase vorn hat, zeigen sich in einzelnen Bereichen ĂŒberraschende Spitzenreiter. So erweisen sich NĂŒrnberg und Mannheim als Hochburgen im BDSM-Bereich. Mannheim sticht zudem beim Thema Spanking besonders hervor.

Ein unerwarteter Sieger findet sich im Bereich Lack und Leder: Dresden fĂŒhrt hier die nationale Rangliste an – was jedoch im Kontrast zur Gesamtplatzierung steht, denn in der Gesamtwertung landet die sĂ€chsische Hauptstadt nur auf einem bescheidenen 18. Platz. Die Studie untersuchte insgesamt fĂŒnf Kategorien: BDSM, Fußfetisch, Lack, Spanking und Fesselspiele.

Mehr als nur ein Ranking – ein kultureller Spiegel

Der Index will laut Erobella.com mehr sein als ein bloßes StĂ€dteranking. Die Plattform betont, dass Erotik weit mehr als nur Sex sei: "Sie ist Kommunikation, IdentitĂ€t, Ausdruck – und manchmal auch Rebellion." WĂ€hrend ĂŒber politische Einstellungen, Konsumverhalten und Wohnformen in Deutschland offen diskutiert werde, blieben die Themen Lust, Fantasien und Kinks oft im Verborgenen.

Der Kinky City Index versteht sich daher als "soziokultureller Spiegel, der zeigt, wo in Deutschland erotische Selbstbestimmung wirklich gelebt wird – und wo sie noch hinter verschlossenen TĂŒren flĂŒstert". Dies passt auch in die breitere gesellschaftliche Diskussion ĂŒber sexuelle Selbstbestimmung und DiversitĂ€t, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.

Kink als Teil der IdentitÀt

FĂŒr viele Menschen ist Kink lĂ€ngst nicht mehr nur ein privates VergnĂŒgen, sondern ein wichtiger Teil der persönlichen und sexuellen IdentitĂ€t. Der Begriff umfasst dabei sexuelle Praktiken, Konzepte oder Fantasien, die von der konventionellen SexualitĂ€t abweichen. Dies kann verschiedene Facetten wie BDSM, spezifische Fetische oder andere nicht-konventionelle Praktiken einschließen.

Die Ergebnisse des Index spiegeln auch regionale Unterschiede in der Offenheit gegenĂŒber sexuellen PrĂ€ferenzen wider. WĂ€hrend Metropolen wie Berlin traditionell fĂŒr ihre liberale Haltung in Sexualfragen bekannt sind, zeigen die Daten, dass auch in anderen StĂ€dten wie Mannheim oder NĂŒrnberg eine lebendige Kink-Szene existiert – möglicherweise weniger sichtbar, aber nicht weniger aktiv.

Gesellschaftliche Relevanz des Index

Die Veröffentlichung des Kinky City Index fĂ€llt in eine Zeit, in der Themen wie sexuelle Selbstbestimmung und die Sichtbarkeit diverser LebensentwĂŒrfe zunehmend diskutiert werden. In diesem Kontext ist auch der queer.de-Kommentar "Kink ist Pride – und Kinder sollen das sehen!" zu verstehen, der die Rolle von Kink im Rahmen der LGBTQ+-Community thematisiert.

Der Index bietet so nicht nur einen unterhaltsamen Einblick in die erotischen Vorlieben der Deutschen, sondern trĂ€gt auch dazu bei, Tabuthemen zu enttabuisieren und einen offeneren gesellschaftlichen Diskurs ĂŒber SexualitĂ€t in all ihren Facetten zu fördern. In einer Zeit, in der sexuelle Selbstbestimmung immer mehr als Grundrecht verstanden wird, liefert der Kinky City Index wertvolle Einblicke in die tatsĂ€chlich gelebte sexuelle DiversitĂ€t in deutschen StĂ€dten.


Baden-WĂŒrttemberg verstĂ€rkt Kampf gegen Queerfeindlichkeit: Aktionsplan mit 126 Maßnahmen

Die baden-wĂŒrttembergische Landesregierung hat ihren Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit erweitert und verlĂ€ngert. Das aus GrĂŒnen und CDU bestehende Kabinett stimmte diese Woche dem weiterentwickelten Aktionsplan "FĂŒr Akzeptanz und gleiche Rechte" zu, wie auf queer.de berichtet wird. Der neue Plan umfasst 71 Ziele und 126 konkrete Maßnahmen in acht verschiedenen Handlungsfeldern - von Gesundheitsversorgung ĂŒber Arbeitswelt bis hin zum Gewaltschutz.

Ein Jahrzehnt des Fortschritts - mit Hindernissen

"Auch wenn sich in den letzten zehn Jahren viel fĂŒr die Gleichstellung von LSBTIQ*-Personen in Baden-WĂŒrttemberg und ganz Deutschland getan hat, mĂŒssen wir als Gesellschaft noch mehr erreichen", erklĂ€rte Sozialminister Manne Lucha (GrĂŒne) bei der Vorstellung des Plans in Stuttgart. Der ursprĂŒngliche Aktionsplan wurde 2015 von der damaligen grĂŒn-roten Koalition eingefĂŒhrt, stieß jedoch auf erheblichen Widerstand aus der CDU. Nach dem Regierungswechsel 2016 gab es sogar Forderungen aus christdemokratischen Reihen, den Plan gĂ€nzlich abzuschaffen. Letztendlich konnten sich jedoch die GrĂŒnen in diesem Punkt durchsetzen.

Die Weiterentwicklung des Aktionsplans erfolgte in einem breiten Beteiligungsprozess, an dem Ministerien, Kommunen und vor allem die LSBTIQ-Community selbst beteiligt waren. Als Grundlage diente unter anderem eine Online-Befragung zur Lebenssituation von LSBTIQ-Menschen in Baden-WĂŒrttemberg, die zeigte, dass viele queere Menschen nach wie vor von Diskriminierung und Gewalt betroffen sind.

Konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen

Der Plan umfasst verschiedene Handlungsfelder wie geschlechtliche Vielfalt, Ehrenamt, Sport und Integration. Er beinhaltet die Sensibilisierung und Qualifizierung von FachkrĂ€ften sowie die Förderung von Beratungs- und UnterstĂŒtzungsangeboten fĂŒr Trans*, Inter* und nicht-binĂ€re Menschen. Zudem werden Projekte zur Sensibilisierung in Sportvereinen und Maßnahmen fĂŒr queere GeflĂŒchtete gefördert.

Ein wichtiger Baustein ist die Einrichtung von vier LSBTIQ-Netzwerkstellen im Land, die als Anlaufpunkte dienen und die Vernetzung und Koordination von Angeboten verbessern sollen. Diese Netzwerkstellen sind Teil einer strukturellen Verankerung des Themas in der Landesverwaltung.

Besorgniserregende Zunahme von HasskriminalitÀt

Der Aktionsplan kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die HasskriminalitĂ€t in Baden-WĂŒrttemberg auf einem besorgniserregenden Niveau ist. Wie der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband Baden-WĂŒrttemberg berichtet, ist die HasskriminalitĂ€t im Jahr 2023 auf ein Zehnjahreshoch gestiegen, darunter auch Straftaten aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher DiversitĂ€t. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Betroffene aus Angst vor weiteren Konsequenzen keine Anzeige erstatten.

Der Verband fordert deshalb, dass LSBTIQ*-feindliche Taten von der Polizei besser geahndet werden und Betroffene ermutigt werden, diese zur Anzeige zu bringen. Diese Forderungen spiegeln sich auch in den Sicherheitsmaßnahmen des Aktionsplans wider.

Baden-WĂŒrttemberg im bundesweiten Vergleich

Baden-WĂŒrttemberg reiht sich mit seinem Aktionsplan in eine bundesweite Bewegung ein. Mittlerweile haben fast alle BundeslĂ€nder – mit Ausnahme von Bayern – AktionsplĂ€ne gegen Queerfeindlichkeit verabschiedet. Auch auf Bundesebene gibt es seit 2023 den nationalen Aktionsplan "Queer leben", der sechs zentrale Handlungsfelder umfasst: rechtliche Anerkennung, gesellschaftliche Teilhabe, Sicherheit, Gesundheit, StĂ€rkung von Beratungs- und Communitystrukturen sowie internationale Zusammenarbeit.

Der nationale Aktionsplan sieht unter anderem die Modernisierung des Familien- und Abstammungsrechts, den Ersatz des Transsexuellengesetzes durch das Selbstbestimmungsgesetz und ein Diskriminierungsverbot wegen "sexueller IdentitÀt" im Grundgesetz vor.

Kontinuierliche Aufgabe

Trotz aller Fortschritte bleibt der Kampf gegen Queerfeindlichkeit eine kontinuierliche Aufgabe. Studien und Umfragen zeigen, dass Queer- und insbesondere Transfeindlichkeit in Deutschland weiterhin verbreitet sind. Es bedarf daher verstÀrkter AufklÀrungs- und Akzeptanzarbeit, um Diskriminierungen entgegenzuwirken und eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen zu ermöglichen.

Mit dem weiterentwickelten Aktionsplan setzt Baden-WĂŒrttemberg ein wichtiges Zeichen fĂŒr eine offene und vielfĂ€ltige Gesellschaft. Sozialminister Lucha betonte: "Darauf wollen wir aufbauen und nehmen neue Ziele und Maßnahmen in den Blick." Die Umsetzung des Plans wird in den kommenden Jahren zeigen, inwieweit die ambitionierten Ziele erreicht werden können.


SchĂŒlerin in Georgia nach Abschlussball mit trans Freund von christlicher Schule verwiesen

Eine SchĂŒlerin in Georgia (USA) wurde kurz vor ihrem Abschluss von ihrer christlichen Schule verwiesen, nachdem sie mit einem Transgender-Freund zum Abschlussball gegangen war. Wie PinkNews berichtet, wurde Emily Wright von der North Cobb Christian School nahe Atlanta nur wenige Wochen vor ihrem Schulabschluss gezwungen, die Schule zu verlassen.

Diskriminierung kurz vor dem Abschluss

Emily Wright besuchte am 21. MĂ€rz den Abschlussball ihrer Schule und brachte einen Transgender-Freund mit, der nicht an der Schule eingeschrieben war. Der Ball fand außerhalb des SchulgelĂ€ndes statt, und Emilys Mutter Tricia hatte ein Formular unterzeichnet, um die Teilnahme zu bestĂ€tigen. Laut ihrer Mutter war die einzige EinschrĂ€nkung auf dem unterzeichneten Formular das Alter des Gastes.

Zehn Tage nach der Veranstaltung wurde Emily jedoch ins BĂŒro des Schulleiters gerufen. Ihre Mutter berichtet, dass sie einen Anruf vom Schulleiter erhielt, der sie darĂŒber informierte, dass ihre Tochter von der Schule verwiesen werden wĂŒrde. Emilys Eltern schrieben an den Schulleiter und bezeichneten die Entscheidung als "diskriminierend".

"Die Schule entschied sich, eine AbschlussschĂŒlerin nur vier Wochen vor dem Abschluss zu verweisen, einfach weil Emily inklusiv und freundlich war", heißt es in dem Brief, wie Baptist News Global berichtet.

LGBTQ+-Rechte an Schulen: Ein internationales Problem

Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen LGBTQ+-SchĂŒler:innen und ihre VerbĂŒndeten in religiösen Bildungseinrichtungen konfrontiert sind. Auch in Deutschland, wo die Rechte von LGBTQ+-Personen gesetzlich besser geschĂŒtzt sind als in vielen US-Bundesstaaten, gibt es weiterhin Diskriminierung im Bildungsbereich.

Laut einer Umfrage der EU-Grundrechteagentur gaben 46% der befragten deutschen LGBTQ+-Personen an, im Vorjahr Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder GeschlechtsidentitÀt erfahren zu haben. Besonders im schulischen Umfeld fehlt es oft an AufklÀrung und Sensibilisierung.

Initiativen fĂŒr mehr Akzeptanz in deutschen Schulen

In Deutschland existiert das Netzwerk Schule der Vielfalt, ein bundesweites Antidiskriminierungsprogramm, das sich fĂŒr die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt einsetzt. Teilnehmende Schulen kennzeichnen ihr Engagement durch ein Schild mit der Aufschrift "Herein - wir sind OFFEN" und verpflichten sich zu konkreten Maßnahmen gegen Diskriminierung.

Anders als in privaten religiösen Schulen in den USA sind deutsche Schulen durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verpflichtet, Diskriminierung aufgrund der sexuellen IdentitĂ€t zu unterbinden. Dennoch zeigen FĂ€lle wie der von Emily Wright, wie wichtig kontinuierliche Bildungsarbeit und Sensibilisierung bleibt – auch in Deutschland.

Trans-Jugendliche feiern eigene AbschlussbÀlle

In den USA haben VorfĂ€lle wie dieser zu eigenen Initiativen gefĂŒhrt. Im vergangenen Jahr feierten Hunderte von trans Jugendlichen den ersten landesweiten Trans-Abschlussball in den USA. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der American Civil Liberties Association (ACLU) organisiert, nachdem einer trans SchĂŒlerin in Mississippi die Teilnahme an ihrer Abschlussfeier verweigert wurde, weil sie sich nicht "wie ein Junge" kleiden wollte.

Solche positiven Gegenbewegungen zeigen, dass trotz institutioneller Diskriminierung die LGBTQ+-Community und ihre VerbĂŒndeten kreative Wege finden, um sichere und bestĂ€rkende RĂ€ume zu schaffen – eine Entwicklung, die auch in Deutschland zunehmend Beachtung findet und von Organisationen wie dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) unterstĂŒtzt wird.


UK-Urteil: Trans Frauen werden nun von mÀnnlichen Polizeibeamten durchsucht - deutsche Gesetzgebung bietet stÀrkeren Schutz

Nach einem Grundsatzurteil des britischen Supreme Court werden trans Frauen in Polizeigewahrsam im Vereinigten Königreich nun von mĂ€nnlichen Beamten durchsucht. Wie PinkNews berichtet, hat der National Police Chiefs' Council (NPCC) – die Dachorganisation der britischen Polizei – eine entsprechende Richtlinie an alle PolizeikrĂ€fte des Landes versendet.

Britisches Höchstgericht definiert "Frau" neu

Das umstrittene Urteil des britischen Supreme Court vom 16. April 2025 definierte den Begriff "Frau" im britischen Gleichstellungsgesetz (Equality Act 2010) als ausschließlich biologisch. Die Klage wurde von der umstrittenen Gruppe "For Women Scotland" gegen die schottische Regierung eingebracht. Das Gericht entschied, dass die gesetzlich geschĂŒtzte Eigenschaft "Geschlecht" sich auf die biologische Definition bezieht – mit weitreichenden Folgen fĂŒr trans Personen.

Seitdem wurden in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens neue Richtlinien erlassen, die trans Frauen aus FrauenrĂ€umen ausschließen. Mehrere SportverbĂ€nde, darunter der englische Fußballverband und der Cricket-Verband fĂŒr England und Wales, sowie das schottische Parlament haben bereits entsprechende Regelungen implementiert.

Neue Polizeirichtlinien zur Durchsuchung

Die vom NPCC veröffentlichte Übergangsrichtlinie besagt nun, dass "grĂŒndliche polizeiliche Durchsuchungen, wie solche, bei denen intime Körperteile freigelegt werden, von Polizeibeamten und -mitarbeitern desselben biologischen Geschlechts wie die festgehaltene Person durchgefĂŒhrt werden sollten." Es sind jedoch "sehr begrenzte Ausnahmen" vorgesehen, bei denen jemand darum bitten kann, von einer Person entsprechend der selbst empfundenen GeschlechtsidentitĂ€t durchsucht zu werden.

Die Richtlinie stellt klar, dass "jede Durchsuchung, die nicht gemĂ€ĂŸ dem biologischen Geschlecht durchgefĂŒhrt wird, die schriftliche Zustimmung der festgehaltenen Person, des durchfĂŒhrenden Beamten sowie des genehmigenden Beamten haben muss."

NPCC-Vorsitzender Gavin Stephens erklĂ€rte dazu: "Unser Ziel war es, das Urteil des Supreme Court auf pragmatische und einheitliche Weise in der Polizeiarbeit umzusetzen. Wir haben zĂŒgig diese Übergangsrichtlinie entwickelt, da es wichtig ist, dass Beamte und Mitarbeiter Anleitungen haben, wie Durchsuchungen angesichts des Urteils durchgefĂŒhrt werden sollten."

GegensÀtzliche Entwicklung in Deutschland

Im Gegensatz zum restriktiven Kurs in Großbritannien hat Deutschland mit dem seit 1. November 2024 geltenden Selbstbestimmungsgesetz einen progressiveren Weg eingeschlagen. Human Rights Watch begrĂŒĂŸte dieses Gesetz als wichtigen Schritt fĂŒr die Rechte von trans Personen. Es ermöglicht trans und nicht-binĂ€ren Menschen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt zu Ă€ndern, ohne die zuvor erforderlichen psychologischen Gutachten und gerichtlichen Verfahren.

Auch in der deutschen Polizei gibt es bereits seit Januar 2021 Regelungen, die es trans und inter Personen ermöglichen, offen im Polizeidienst zu arbeiten. Die Polizeidienstvorschrift 300 (PDV 300) wurde entsprechend angepasst, wie die Washington Blade berichtete.

Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen

Der Unterschied in der Herangehensweise spiegelt die verschiedenen rechtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen in beiden LĂ€ndern wider. WĂ€hrend das britische Urteil als RĂŒckschritt fĂŒr die Rechte von trans Personen kritisiert wird, bietet das deutsche Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) umfassenden Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und GeschlechtsidentitĂ€t in den Bereichen BeschĂ€ftigung und bei der Bereitstellung von GĂŒtern und Dienstleistungen.

Expertengruppen der Vereinten Nationen haben Bedenken geĂ€ußert, dass das britische Urteil zur Rechtfertigung ausgrenzender Maßnahmen verwendet werden könnte, die eine ohnehin schutzbedĂŒrftige Bevölkerungsgruppe weiter stigmatisieren und marginalisieren. UN-Menschenrechtsexperten warnten, dass das Urteil zu rechtlicher Unsicherheit fĂŒhren und negative Auswirkungen auf die Rechte von trans Personen haben könnte.

Reaktionen aus der Community

Aktivist*innen fĂŒr LGBTQ+-Rechte in Deutschland beobachten die Entwicklungen in Großbritannien mit Sorge. "Die Situation im Vereinigten Königreich zeigt, wie schnell hart erkĂ€mpfte Rechte wieder in Frage gestellt werden können", erklĂ€rt Sarah MĂŒller vom Deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD). "In Deutschland haben wir mit dem Selbstbestimmungsgesetz einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, aber wir mĂŒssen wachsam bleiben."

Betroffene trans Personen in Großbritannien beschreiben die neuen Polizeirichtlinien als demĂŒtigend und potenziell traumatisierend. Besonders die Möglichkeit einer Leibesvisitation durch Beamte eines anderen als des selbst empfundenen Geschlechts wird als Verletzung der MenschenwĂŒrde kritisiert.

UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene

In Deutschland stehen trans Personen verschiedene Beratungs- und UnterstĂŒtzungsangebote zur VerfĂŒgung. Organisationen wie der Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t e.V. (dgti) und der Bundesverband Trans* bieten Informationen und Hilfe bei rechtlichen und sozialen Fragen.

Die britische Organisation Mindline Trans+ hat eine spezielle Hotline fĂŒr trans Personen eingerichtet, die freitags von 20 bis 23 Uhr unter der Nummer 0300 330 5468 erreichbar ist. FĂŒr emotionale UnterstĂŒtzung ist Mindline rund um die Uhr unter 01823 276 892 erreichbar.

Der Kontrast zwischen den Entwicklungen in Großbritannien und Deutschland unterstreicht die Bedeutung eines starken rechtlichen Rahmens zum Schutz der Rechte von LGBTQ+-Personen. WĂ€hrend das deutsche Selbstbestimmungsgesetz als Vorbild fĂŒr andere europĂ€ische LĂ€nder gelten könnte, zeigt die Situation in Großbritannien, dass erkĂ€mpfte Rechte niemals als selbstverstĂ€ndlich angesehen werden sollten.


Bedrohliche Entwicklung in den USA: Trans* Gesundheitsversorgung unter massivem politischen Druck

In den Vereinigten Staaten spitzt sich die Lage fĂŒr trans* Personen dramatisch zu. Wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t (dgti) berichtet, steht die Gesundheitsversorgung fĂŒr trans* Menschen in den USA vor einem möglichen landesweiten Stopp – eine Entwicklung, die auch in Deutschland mit großer Sorge beobachtet wird.

Die aktuellen Entwicklungen in den USA

In den Jahren 2023 und 2024 haben zahlreiche US-Bundesstaaten Gesetze erlassen, die den Zugang zu geschlechtsangleichenden Behandlungen drastisch einschrÀnken oder komplett verbieten. Diese Verbote betreffen vor allem Jugendliche und umfassen lebenswichtige Behandlungen wie PubertÀtsblocker, Hormontherapien und geschlechtsangleichende Operationen. Die American Civil Liberties Union (ACLU) dokumentiert kontinuierlich diese besorgniserregenden Entwicklungen.

Besonders alarmierend ist, dass mittlerweile auch Bestrebungen existieren, die medizinische Versorgung fĂŒr erwachsene trans* Personen einzuschrĂ€nken – sei es durch erschwerte Genehmigungsverfahren oder durch Ausschluss bestimmter Leistungen aus staatlichen Krankenversicherungsprogrammen.

Politische Polarisierung mit fatalen Folgen

Die Gesundheitsversorgung fĂŒr trans* Personen ist in den USA zum Spielball politischer Interessen geworden. WĂ€hrend konservativ regierte Bundesstaaten zunehmend restriktive Maßnahmen einfĂŒhren, bemĂŒhen sich liberalere Staaten um den Schutz der Rechte von trans* Menschen. Diese Polarisierung fĂŒhrt zu einer gefĂ€hrlichen geografischen Ungleichheit in der medizinischen Versorgung – ein PhĂ€nomen, das als "medizinischer Tourismus" bekannt ist, bei dem Betroffene gezwungen sind, fĂŒr lebenswichtige Behandlungen in andere Bundesstaaten zu reisen.

Die Human Rights Campaign warnt vor den drastischen Auswirkungen dieser Entwicklung: Die politische Unsicherheit und der eingeschrĂ€nkte Zugang zu medizinischer Versorgung fĂŒhren nachweislich zu erhöhten Raten von Depressionen, AngstzustĂ€nden und Suizidgedanken in der trans* Community.

Parallelen und Unterschiede zu Deutschland

Auch in Deutschland ist die Gesundheitsversorgung fĂŒr trans* Personen nicht frei von Problemen. Trotz des im Mai 2023 in Kraft getretenen Selbstbestimmungsgesetzes kĂ€mpfen viele trans* Menschen hierzulande weiterhin mit bĂŒrokratischen HĂŒrden bei der KostenĂŒbernahme fĂŒr geschlechtsangleichende Maßnahmen durch die Krankenkassen. Anders als in den USA gibt es in Deutschland jedoch keine vergleichbaren Bestrebungen, diese Versorgung gesetzlich zu verbieten.

Die Bundesvereinigung Trans* (BVT*) setzt sich kontinuierlich fĂŒr eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein und betont die Notwendigkeit, die Entwicklungen in den USA als Warnsignal zu verstehen.

Widerstand und SolidaritÀt

Trotz der bedrohlichen Lage in den USA gibt es auch Zeichen der Hoffnung. Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen und medizinische FachverbĂ€nde stellen sich gegen die diskriminierenden Gesetzgebungen. In Deutschland wĂ€chst die SolidaritĂ€t mit der amerikanischen trans* Community. Organisationen wie die dgti und der BVT* rufen zu verstĂ€rkter internationaler Zusammenarbeit auf, um die Rechte von trans* Personen weltweit zu schĂŒtzen.

Die deutsche Community kann aus den Entwicklungen in den USA wichtige Lehren ziehen: Der Schutz bereits erreichter Rechte muss kontinuierlich verteidigt werden, und internationale SolidaritÀt ist wichtiger denn je.

Fazit: Wachsamkeit ist geboten

Die besorgniserregenden Entwicklungen in den USA zeigen, wie schnell hart erkĂ€mpfte Rechte wieder in Gefahr geraten können. FĂŒr die deutsche LGBTQ+ Community bedeutet dies, wachsam zu bleiben und sich weiterhin fĂŒr eine umfassende und diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung einzusetzen. Die Bedrohung der trans* Gesundheitsversorgung in den USA ist nicht nur ein amerikanisches Problem – sie betrifft die globale LGBTQ+ Gemeinschaft und erfordert eine starke internationale Reaktion.


Trans-Rechte in Europa: Besorgniserregende Trendwende und die Rolle Deutschlands

Der neue "Trans Rights Index 2025" von Transgender Europe (TGEU) zeichnet ein alarmierendes Bild: Erstmals in der 13-jĂ€hrigen Geschichte der Studie ĂŒberwiegen die RĂŒckschritte bei den Rechten von trans Personen in Europa und Zentralasien die Fortschritte. Diese Entwicklung markiert einen "neuen trans-politischen Wendepunkt" und spiegelt einen breiteren Angriff auf demokratische Grundwerte in der gesamten Region wider.

Besorgniserregende RĂŒckschritte in mehreren LĂ€ndern

Besonders dramatisch ist die Situation in LĂ€ndern wie Georgien, Ungarn und Bosnien-Herzegowina. In Georgien wurde die rechtliche Anerkennung von Änderungen im Geschlechtseintrag vollstĂ€ndig verboten, wĂ€hrend in Ungarn und Bosnien-Herzegowina VerfassungsĂ€nderungen vorgenommen wurden, die trans Personen systematisch diskriminieren. Auch im Vereinigten Königreich hat ein höchstrichterliches Urteil, das "Frausein" in einer wissenschaftlich ĂŒberholten und transfeindlichen Weise definiert, bereits zu konkreten AusschlĂŒssen und Diskriminierungen gefĂŒhrt.

Richard Köhler von Transgender Europe betont die weitreichenden Folgen dieser Entwicklung: "Europa steht an einem Scheideweg. Hier geht es nicht nur um die Rechte von trans Personen – es ist ein fundamentaler Test fĂŒr die Selbstbestimmung demokratischer Gesellschaften. Wie wir jetzt auf die Angriffe gegen die Zivilgesellschaft reagieren, entscheidet nicht nur ĂŒber die Zukunft vulnerabler Communitys, sondern auch ĂŒber die Seele Europas und seine globale Stellung."

Deutschland: Fortschritt mit Unsicherheiten

In Deutschland trat im November 2024 das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft, das trans und nichtbinĂ€ren Menschen mehr Autonomie bei der Festlegung ihres Geschlechts ermöglicht. Das Gesetz löst das veraltete Transsexuellengesetz (TSG) ab und erlaubt es volljĂ€hrigen Personen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt zu Ă€ndern. FĂŒr MinderjĂ€hrige zwischen 14 und 18 Jahren ist die Zustimmung der Eltern oder des Familiengerichts erforderlich.

Allerdings gibt der TGEU-Bericht auch fĂŒr Deutschland Anlass zur Sorge: Die CDU und andere konservative KrĂ€fte haben bereits angekĂŒndigt, das Gesetz ĂŒberprĂŒfen zu wollen. Laut Berichten des ZDF befĂŒrchtet die CDU negative Auswirkungen auf den Schutz von Frauen und MĂ€dchen sowie eine mögliche Zunahme von Missbrauch – Argumentationsmuster, die in ganz Europa von Gegnern der Trans-Rechte verwendet werden.

EuropĂ€ische Rechtsschutzmaßnahmen als Hoffnungsschimmer

Trotz der ĂŒberwiegend negativen Entwicklungen gibt es auch positive Signale. Auf europĂ€ischer Ebene hat der EuropĂ€ische Gerichtshof in mehreren Urteilen klargestellt, dass trans Personen unter dem EU-Recht ausdrĂŒcklich geschĂŒtzt sind, etwa in Bezug auf die Anerkennung der Änderung von GeschlechtseintrĂ€gen und den Schutz vor Diskriminierung. Diese Rechtsprechung bietet zumindest in EU-Mitgliedstaaten einen gewissen Schutz gegen die nationalen RĂŒckschritte.

Teil einer globalen anti-demokratischen Bewegung

Der TGEU-Bericht macht deutlich, dass die Angriffe auf die Rechte von trans Personen nicht isoliert zu betrachten sind. Sie sind Teil einer koordinierten Strategie eines globalen Netzwerks von rechten und illiberalen KrĂ€ften – von der amerikanischen Rechten um Trump bis hin zu Rechtspopulisten in Osteuropa und dem Kreml. Die EinschrĂ€nkung der Rechte von trans Personen wird dabei oft als erster Schritt in einem breiteren Angriff auf die Rechte aller Minderheiten und demokratische Werte gesehen.

Diese Entwicklung zeigt, dass die Verteidigung der Rechte von trans Personen nicht nur eine Frage der IdentitĂ€tspolitik ist, sondern eng mit dem Schutz demokratischer Grundwerte und Menschenrechte insgesamt verknĂŒpft ist. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafĂŒr sein, ob Europa den RĂŒckschritten entgegenwirken kann oder ob sich der negative Trend fortsetzt.

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland bedeutet dies, wachsam zu bleiben und die erkĂ€mpften Rechte aktiv zu verteidigen. Die Erfahrungen aus anderen europĂ€ischen LĂ€ndern zeigen, wie schnell vermeintlich gesicherte Rechte wieder in Frage gestellt werden können, wenn demokratische KrĂ€fte nicht entschlossen gegensteuern.


Ermittlungserfolge nach CSD-Angriffen in Leipzig: Polizei fĂŒhrt Hausdurchsuchungen durch

Die Staatsanwaltschaft Leipzig informierte am Freitag in einer Pressemitteilung ĂŒber Hausdurchsuchungen bei vier Personen, die im Verdacht stehen, vor einem Jahr Teilnehmer*innen des Christopher Street Days in Leipzig attackiert zu haben. Die Polizei fĂŒhrte die Durchsuchungen am Donnerstag durch und sicherte Beweismittel. Gegen die Beschuldigten wird wegen gemeinschaftlicher gefĂ€hrlicher Körperverletzungen ermittelt.

Umfangreiche Ermittlungen gegen 29 Personen

Insgesamt gehen die Ermittlungsbehörden gegen 29 Leipziger*innen im Alter zwischen 19 und 35 Jahren vor. Neben den Hausdurchsuchungen wurden DNA-Tests durchgefĂŒhrt, um die Tatbeteiligung nachzuweisen. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf den Ereignissen rund um das Sachsenpokal-Viertelfinale im MĂ€rz, bei dem Fans des 1. FC Lokomotive Leipzig AnhĂ€nger*innen des BSG Chemie Leipzig angegriffen hatten. Ein 19-jĂ€hriger Lok-Fan befindet sich in Untersuchungshaft, da er wegen versuchten Totschlags verdĂ€chtigt wird.

Zunehmende rechtsextreme Mobilisierung gegen CSD-Veranstaltungen

Die Angriffe in Leipzig reihen sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung: Laut einer aktuellen Untersuchung des Center fĂŒr Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) wurden 2024 bundesweit in 27 StĂ€dten rechtsextreme Mobilisierungen gegen Pride- und CSD-Veranstaltungen verzeichnet. Bereits 2023 kam es zu mehreren gewalttĂ€tigen Übergriffen auf CSD-Teilnehmende, bei denen mehrere Personen verletzt wurden.

Beim CSD Leipzig am 17. August 2024 versuchten mehrere hundert Neonazis, die queere Demonstration zu stören. Die Polizei reagierte mit einem Großaufgebot und hielt etwa 400 angereiste Neonazis im Hauptbahnhof fest, damit die Veranstaltung mit rund 20.000 Teilnehmenden ungestört stattfinden konnte. Eine fĂŒr den gleichen Tag angemeldete Neonazi-Kundgebung wurde von den Behörden aufgelöst.

Neue Generation von Neonazis nutzt soziale Medien

Besonders beunruhigend ist die Strategie der neuen Generation von Neonazis. Diese nutzen verstĂ€rkt soziale Medien wie Instagram, WhatsApp und TikTok zur Rekrutierung und Organisation ihrer Aktionen. Die neonazistische Partei "Der III. Weg" versucht seit FrĂŒhjahr 2023 verstĂ€rkt, in Leipzig und Umgebung Fuß zu fassen, insbesondere in östlichen Stadtteilen und im nordsĂ€chsischen Taucha, wie aus Berichten des Vereins Engagierte Wissenschaft e.V. hervorgeht.

Anstieg rechtsextremer Gewalt in Sachsen

In Sachsen ist 2024 ein deutlicher Anstieg an rechtsextremen Angriffen im öffentlichen Raum im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Besonders beunruhigend ist die Zunahme von Angriffen im Umfeld von Demonstrationen, was mit den rechten Gegenprotesten zu den CSDs in Verbindung stehen könnte. Das antifaschistische Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" ruft dazu auf, den CSD und seine Teilnehmer*innen vor Neonazi-Übergriffen zu schĂŒtzen.

Zivilgesellschaftliche Reaktionen

Trotz der zunehmenden Bedrohung durch rechtsextreme Gruppen wĂ€chst auch die SolidaritĂ€t mit der LGBTQ+-Community. Bei den CSDs in Leipzig und anderen deutschen StĂ€dten beteiligten sich 2024 Rekordzahlen von Teilnehmenden. In Leipzig waren es rund 20.000 Menschen, die ein deutliches Zeichen fĂŒr Vielfalt und gegen Diskriminierung setzten.

Die aktuellen Hausdurchsuchungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig senden ein wichtiges Signal: Angriffe auf die queere Community werden strafrechtlich verfolgt. FĂŒr die Betroffenen der Übergriffe ist dies ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der erlebten Gewalt. Die Ermittlungen dauern an.


Erste weibliche Richterin des britischen Supreme Court kritisiert "Fehlinterpretation" des Transgender-Urteils - Ein Vergleich mit Deutschland

Die erste weibliche Richterin des britischen Supreme Court, Baroness Brenda Hale, hat öffentlich davor gewarnt, dass ein richtungsweisendes Urteil zur rechtlichen Definition von Frauen "fehlinterpretiert" wird. Das Urteil vom April 2024, ĂŒber das PinkNews berichtete, sorgt fĂŒr weitreichende Konsequenzen fĂŒr die Transgender-Gemeinschaft im Vereinigten Königreich und wirft Fragen zur Interpretation von Gleichstellungsgesetzen auf, die auch fĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community relevant sind.

Die Kontroverse um das britische Urteil

Bei einer Diskussionsveranstaltung des Charleston-Literaturfestivals erklÀrte die 80-jÀhrige ehemalige PrÀsidentin des Supreme Court, dass das Urteil vom April, welches die Definition einer "Frau" im britischen Gleichstellungsgesetz von 2010 auf "biologische Frauen" festlegte, in seinen Konsequenzen falsch ausgelegt werde. "Es gibt nichts in diesem Urteil, das besagt, dass man keine geschlechtsneutralen Toiletten haben kann", betonte Hale bei der Veranstaltung.

Das ursprĂŒngliche Urteil, das vom Richter Lord Patrick Hodge verkĂŒndet wurde, hat zu weitreichenden Folgen gefĂŒhrt. Die britische Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission (EHRC) hat daraufhin Richtlinien erlassen, die Transgender-Personen den Zugang zu geschlechtsspezifischen Einrichtungen erschweren. Zudem wurden Trans-Frauen vom Frauenfußball und Cricket ausgeschlossen.

Parallelen und Unterschiede zu Deutschland

WĂ€hrend im Vereinigten Königreich die Rechte von Transgender-Personen durch dieses Urteil unter Druck geraten, hat Deutschland kĂŒrzlich einen entgegengesetzten Weg eingeschlagen. Im April 2024 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Selbstbestimmungsgesetz, das am 1. November 2024 in Kraft trat.

Dieses Gesetz erlaubt es Trans- und nicht-binĂ€ren Menschen, ihren Geschlechtseintrag und ihre Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt Ă€ndern zu lassen - ohne die zuvor erforderlichen psychologischen Gutachten oder medizinischen Atteste. Das neue Gesetz ersetzt das veraltete Transsexuellengesetz von 1980, das von vielen als diskriminierend und entwĂŒrdigend kritisiert wurde.

"Der deutsche Ansatz steht in deutlichem Kontrast zur britischen Entwicklung", erklĂ€rt Henny Engels vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). "WĂ€hrend Deutschland die Selbstbestimmung stĂ€rkt, scheint Großbritannien einen restriktiveren Kurs einzuschlagen."

Die Bedeutung fĂŒr den Alltag von Transgender-Personen

Julia Hoggett, die Tochter von Baroness Hale und CEO der London Stock Exchange, nahm ebenfalls an der Podiumsdiskussion teil und betonte, dass es die "Pflicht der Gesellschaft" sei, einen respektvollen Dialog ĂŒber das Urteil zu fĂŒhren. Auf die Frage, ob Trans-Frauen bei Geschlechterquoten in UnternehmensvorstĂ€nden berĂŒcksichtigt werden sollten, antwortete sie, dass sie es "herzzerreißend" finde, dass der Auslöser fĂŒr diesen Fall die Frage war, ob Trans-Frauen bei der Vertretung von Frauen in VorstĂ€nden berĂŒcksichtigt werden sollten. Sie fĂŒgte hinzu, dass sie "gerne eine talentierte Trans-Frau in einem ihrer VorstĂ€nde sitzen" haben wĂŒrde.

In Deutschland werden solche Fragen durch das neue Selbstbestimmungsgesetz teilweise geklĂ€rt, da es die rechtliche Anerkennung des gewĂ€hlten Geschlechts stĂ€rkt. Dennoch bleiben auch hier praktische Herausforderungen im Alltag bestehen, wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t (dgti) betont.

Wer ist Baroness Brenda Hale?

Brenda Marjorie Hale, Baroness Hale of Richmond, wurde am 31. Januar 1945 geboren und ist eine der einflussreichsten Juristinnen Großbritanniens. Von 2017 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2020 war sie PrĂ€sidentin des Obersten Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs - die erste und bisher einzige Frau in dieser Position.

International bekannt wurde Hale besonders im Jahr 2019, als der Oberste Gerichtshof unter ihrer Leitung die von Premierminister Boris Johnson angeordnete Zwangspause des Parlaments fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rte - eine Entscheidung, die als historischer Eingriff in die Machtbalance zwischen Regierung und Parlament gilt.

Ausblick und gesellschaftliche Debatte

Die unterschiedlichen Entwicklungen in Deutschland und Großbritannien zeigen, wie verschieden die rechtliche und gesellschaftliche Behandlung von Transgender-Rechten in Europa derzeit verlĂ€uft. WĂ€hrend Deutschland mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz einen progressiven Weg einschlĂ€gt, fĂŒhrt das britische Urteil zu Besorgnis unter LGBTQ+-Aktivisten.

"Die Warnung von Baroness Hale vor Fehlinterpretationen des Urteils ist ein wichtiges Signal", sagt Kalle HĂŒmpfner vom Bundesverband Trans*. "Sie erinnert uns daran, dass Gerichtsurteile nicht missbraucht werden sollten, um die Rechte und den Alltag von Transgender-Personen weiter einzuschrĂ€nken."

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community bietet die Entwicklung in Großbritannien wichtige Lehren. Sie unterstreicht die Bedeutung klarer gesetzlicher Regelungen zum Schutz der Rechte von Transgender-Personen, wie sie mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland nun verankert wurden.


Alarmierender Trend: HasskriminalitÀt gegen queere Menschen in Mecklenburg-Vorpommern steigt um 44 Prozent

Die Zahl der Hassverbrechen gegen queere Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ist alarmierend gestiegen. Wie das Landeskriminalamt mitteilte, wurden im Jahr 2024 insgesamt 663 queerfeindliche Straftaten erfasst – ein Anstieg von 44 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, als 461 FĂ€lle registriert wurden. Die Originalmeldung wurde von queer.de veröffentlicht.

Dramatischer Anstieg der Opferzahlen

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Opferzahlen: WĂ€hrend 2023 noch 21 Personen als Opfer queerfeindlicher Straftaten gezĂ€hlt wurden, stieg diese Zahl 2024 auf 61 – eine Verdreifachung innerhalb eines Jahres. Unter den Delikten finden sich neben Beleidigungen und SachbeschĂ€digungen auch schwerwiegende Gewaltverbrechen wie Körperverletzungen, ein besonders schwerer Fall des Landfriedensbruchs, rĂ€uberischer Diebstahl sowie zwei schwere Brandstiftungen.

Teil eines bundesweiten Trends

Die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Laut einem Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) vom Dezember 2023 wurden bundesweit 17.007 FÀlle von HasskriminalitÀt erfasst. Mehr als jeder zehnte dieser FÀlle richtete sich gegen LGBTIQ*-Personen. Wie der LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) berichtet, hat sich die Zahl der Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene DiversitÀt" seit 2010 bundesweit nahezu verzehnfacht.

Das Bundesministerium des Innern und fĂŒr Heimat (BMI) gab bekannt, dass 2023 insgesamt 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen verĂŒbt wurden – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 1.188 FĂ€llen im Jahr 2022.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Experten gehen davon aus, dass die tatsĂ€chlichen Zahlen noch deutlich höher liegen, da viele Betroffene Übergriffe nicht zur Anzeige bringen. "Die offizielle Statistik bildet nur die Spitze des Eisbergs ab", erklĂ€rt Alfonso Pantisano, Bundesvorstand des LSVD. "Viele Betroffene melden VorfĂ€lle nicht, sei es aus Angst vor weiterer Diskriminierung, aus Scham oder weil sie kein Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden haben."

Maßnahmen der Landesregierung

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns hat die besorgniserregende Entwicklung erkannt und bemĂŒht sich, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wie aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Landtag hervorgeht, betrachtet die Landesregierung die gestiegenen Fallzahlen mit Sorge und verurteilt jegliche Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen.

Im Oktober 2023 fand in Schwerin eine Fachkonferenz statt, um der Queerfeindlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern entgegenzuwirken. Die Landesregierung unterstĂŒtzt zudem Initiativen und Beratungsstellen, die queere Menschen schĂŒtzen und beraten.

Forderungen der Zivilgesellschaft

Organisationen wie der LSVD fordern angesichts der alarmierenden Zahlen verstĂ€rkte Maßnahmen zum Schutz von LGBTIQ*-Personen. "Die Bundesregierung muss sich durch Gesetzesanpassungen unmissverstĂ€ndlich fĂŒr die Sicherheit und Menschenrechte von LSBTIQ* einsetzen", heißt es in einer Stellungnahme des Verbands.

Zu den geforderten Maßnahmen gehören eine bessere Aus- und Fortbildung von Polizei und Justiz im Umgang mit queerfeindlichen Straftaten, niedrigschwellige Meldemöglichkeiten fĂŒr Betroffene sowie mehr PrĂ€ventionsarbeit in Schulen und öffentlichen Einrichtungen.

Was können Betroffene tun?

FĂŒr Betroffene queerfeindlicher Gewalt gibt es verschiedene Anlaufstellen. In Mecklenburg-Vorpommern bieten unter anderem der LSVD Mecklenburg-Vorpommern und das Projekt Zeig sie an! UnterstĂŒtzung und Beratung an. Betroffene werden ermutigt, VorfĂ€lle zur Anzeige zu bringen, um die tatsĂ€chliche Dimension queerfeindlicher Gewalt sichtbar zu machen und die TĂ€ter zur Verantwortung zu ziehen.

Trotz aller BemĂŒhungen bleibt die BekĂ€mpfung queerfeindlicher HasskriminalitĂ€t eine große gesellschaftliche Herausforderung. Die steigenden Zahlen in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit machen deutlich, dass verstĂ€rkte Anstrengungen notwendig sind, um allen Menschen – unabhĂ€ngig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen IdentitĂ€t – ein sicheres und diskriminierungsfreies Leben zu ermöglichen.


Die organisierte Queerfeindlichkeit: Wie Rechtsextreme in Deutschland systematisch gegen LGBTQ+ mobilisieren

In Sachsen eskaliert der Hass von rechts zunehmend auf offener Straße – und richtet sich mit besonderer Wucht gegen queere Menschen. Das zeigt die neue Studie "Sachsen rechts unten 2025", die das KulturbĂŒro Sachsen kĂŒrzlich in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Antonio-Amadeo-Stiftung vorgestellt hat, wie queer.de berichtet. Die erschreckende Erkenntnis: Queerfeindlichkeit ist lĂ€ngst kein RandphĂ€nomen mehr im Rechtsextremismus, sondern fester Bestandteil einer durchdachten Strategie.

Eine bundesweite Entwicklung mit besonderem Fokus auf Sachsen

Was die Studie fĂŒr Sachsen dokumentiert, ist leider Teil eines bundesweiten Trends. Laut Bundeskriminalamt stieg die Zahl der Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen im Jahr 2023 auf 1.785 FĂ€lle – ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber den 1.188 FĂ€llen im Vorjahr. Zu den hĂ€ufigsten Straftaten zĂ€hlen Beleidigungen, körperliche Angriffe, Volksverhetzung sowie Nötigungen und Bedrohungen. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein besorgniserregendes Muster: Die Angriffe werden zunehmend koordiniert und strategisch geplant.

Die Analyse zeichnet in sieben detaillierten Kapiteln ein beunruhigendes Bild: Rechtsextreme Akteure, darunter klassische Neonazis ebenso wie identitĂ€re Gruppen, nutzen gezielt antifeministische und queerfeindliche Narrative, um Anschluss an gesellschaftliche Mittepositionen zu finden. Dabei werden queere Menschen zum Projektionsfeld fĂŒr eine vermeintliche "Zersetzung der traditionellen Ordnung", wie es in rechtsextremen Milieus heißt.

CSDs als Hauptziel rechtsextremer Mobilisierung

"Ob in Dresden, Bautzen, Leipzig, Plauen, Zwickau, Döbeln, Freiberg oder Görlitz – ĂŒberall dort, wo ein grĂ¶ĂŸerer CSD stattfand, versammelte sich die extreme Rechte zu Gegenprotesten", heißt es in der Studie. Diese Entwicklung ist kein sĂ€chsisches EinzelphĂ€nomen: Bundesweit wurden bei fast 40 Prozent aller CSDs und Pride-Veranstaltungen queerfeindliche Angriffe oder Störungen durch rechtsextreme Gruppen verzeichnet, wie eine Erhebung des LSVD zeigt.

Besonders dramatisch war die Situation beim CSD in Bautzen, wo rund 700 Neonazis einem friedlichen Umzug mit etwa 1.000 Teilnehmenden folgten. Die Bedrohungslage war so ernst, dass die Organisator*innen die geplante Abschlusskundgebung absagten. Ähnlich bedrohliche Szenen spielten sich in Döbeln, Freiberg, Leipzig und Zwickau ab, wo jeweils mehrere hundert Rechtsextreme auftauchten, um die Veranstaltungen zu stören oder einzuschĂŒchtern.

Gezielte Rekrutierung junger Menschen

Besonders perfide: Diese Ideologie wird zunehmend an Jugendliche vermittelt – teils ĂŒber TikTok und Telegram. Einige Gruppen, wie die im vergangenen Jahr gegrĂŒndeten "Elblandrevolte" in Dresden oder "Urbs Turrium" in Bautzen, sprechen gezielt Jugendliche an. Die Autoren der Studie betonen, dass manche der Akteure erst 13 oder 14 Jahre alt sind. Diese frĂŒhe Rekrutierung ist Teil einer langfristigen Strategie, um rechtsextreme Ideologie in der nĂ€chsten Generation zu verankern.

Die Amadeu Antonio Stiftung warnt, dass rechtsextreme Gruppen in sozialen Medien gezielt Ästhetiken und Trends nutzen, die bei Jugendlichen beliebt sind, um ihre queerfeindlichen Botschaften zu verbreiten. WĂ€hrend der Corona-Pandemie konnte eine verstĂ€rkte Radikalisierung junger Menschen im Netz beobachtet werden, die nun auf die Straße getragen wird.

Diskursverschiebungen und gesellschaftliche Mitte

Die Studie zeigt, dass der Hass auf queere Menschen auf eine teilweise offene oder schweigende Zustimmung in der gesellschaftlichen Mitte trifft. Konservative und rechtspopulistische Akteure greifen Ă€hnliche Argumentationsmuster auf – etwa wenn sie vor einer angeblichen "FrĂŒhsexualisierung" in Schulen warnen oder Genderpolitik als "Ideologie" diffamieren. Das verschiebt den Diskurs nachhaltig und schafft Raum fĂŒr weitere Radikalisierung.

Diese Diskursverschiebung ist kein Zufall, sondern Teil einer bewussten Strategie. Der Verfassungsschutz beobachtet seit einigen Jahren, wie rechtsextreme Gruppen gezielt Anschluss an konservative Kreise suchen, indem sie vermeintlich "gemĂ€ĂŸigtere" Positionen vertreten, die aber auf demselben queerfeindlichen Fundament aufbauen.

Koordinierte Kampagnen gegen queere Sichtbarkeit

Wie konkret sich dieser Hass Ă€ußert, zeigt ein Blick auf die VorfĂ€lle rund um queere Veranstaltungen in Sachsen 2024. Die Studie belegt, dass es sich nicht um spontane Einzelaktionen handelt, sondern um koordinierte Kampagnen. Queere Sichtbarkeit soll aktiv aus dem öffentlichen Raum gedrĂ€ngt werden. Diese Strategie reiht sich ein in eine grĂ¶ĂŸere ideologische ErzĂ€hlung: Rechte Gruppierungen inszenieren sich als Verteidiger einer "natĂŒrlichen Ordnung", die sie durch queere LebensrealitĂ€ten, feministische Errungenschaften und Gleichstellungspolitik bedroht sehen.

Michael Nattke vom KulturbĂŒro Sachsen betont in einem Interview mit dem MDR: "Queerfeindlichkeit ist ein erhebliches Mobilisierungspotenzial fĂŒr die extreme Rechte." Dies zeige sich nicht erst seit den queerfeindlichen AufmĂ€rschen zu den Christopher Street Days 2024 in Bautzen und Leipzig.

Gegenwehr und SolidaritÀt

Doch es gibt auch Hoffnung: In Pirna beispielsweise konnte der lokale CSD weitgehend unbehelligt stattfinden – dank breiter zivilgesellschaftlicher UnterstĂŒtzung. Solche Beispiele zeigen, dass SolidaritĂ€t wirkt. Die Autor*innen der Studie rufen daher explizit dazu auf, sich rechtsextremer Hetze entschieden entgegenzustellen – sowohl auf der Straße als auch im Alltag.

Auch bundesweit formieren sich BĂŒndnisse gegen die zunehmende Queerfeindlichkeit. Der Bundesverband QueerDenken hat gemeinsam mit anderen Organisationen eine Initiative gestartet, die Betroffene unterstĂŒtzt und aufklĂ€rt. Die Aktivist*innen fordern strukturelle Verbesserungen fĂŒr den Schutz vor queerfeindlicher Gewalt, wie beispielsweise eigene Fach- und Meldestellen in allen BundeslĂ€ndern.

Die Studie "Sachsen rechts unten 2025" soll bald online zur VerfĂŒgung stehen, bis dahin kann man sie gedruckt gegen PortogebĂŒhr und sonst kostenfrei beim KulturbĂŒro Sachsen bestellen. Sie liefert nicht nur wichtige Erkenntnisse ĂŒber die Mechanismen rechtsextremer Queerfeindlichkeit, sondern auch Handlungsstrategien fĂŒr eine demokratische und vielfĂ€ltige Gesellschaft.


Übergriff bei MKK Pride: Unbekannte zerstören Trans-Fahne - Queerfeindliche VorfĂ€lle in Deutschland nehmen zu

Beim ersten MKK Pride in SchlĂŒchtern kam es am vergangenen Samstag zu einem queerfeindlichen Übergriff. Wie queer.de berichtet, wurde die Transgender-Fahne eines 20-jĂ€hrigen Teilnehmers von zwei unbekannten MĂ€nnern beschĂ€digt. Der Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Zunahme queerfeindlicher Straftaten in Deutschland ein.

Übergriff am Rande der Pride-Veranstaltung

Der aus Nordhessen stammende Mann war laut Polizei gegen 14:40 Uhr bereits auf dem Nachhauseweg von der Veranstaltung, als er in der Schloßstraße in Höhe des Lauter'schen Schlösschens von zwei MĂ€nnern konfrontiert wurde. Einer der Unbekannten entriss ihm seine Trans-Fahne, zerbrach den Fahnenstock und warf ihn zu Boden, bevor beide TĂ€ter flĂŒchteten. Die Polizei ermittelt nun wegen SachbeschĂ€digung und bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer (06661) 9610-0 zu melden.

Der vom Verein Queer* Main-Kinzig organisierte MKK Pride war die erste Pride-Veranstaltung in SchlĂŒchtern. An der Demonstration durch die Innenstadt nahmen nach Behördenangaben etwa 220 Menschen teil. Die Veranstaltung begann mit einem Demonstrationszug in der Wassergasse und mĂŒndete in ein Straßenfest auf dem Stadtplatz mit BĂŒhnenprogramm.

Queerfeindliche Straftaten nehmen bundesweit zu

Der Vorfall in SchlĂŒchtern ist leider kein Einzelfall. Deutschlandweit steigt die Zahl queerfeindlicher Übergriffe besorgniserregend an. Nach Zahlen des Bundeskriminalamts fĂŒr 2024 wurden 1.765 Straftaten im Bereich "sexuelle Orientierung" und 1.152 FĂ€lle im Bereich "geschlechtsbezogene DiversitĂ€t" registriert. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 18 Prozent beziehungsweise 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Besonders alarmierend ist der deutliche Anstieg von körperlicher Gewalt gegen queere Menschen. Opferberatungsstellen verzeichneten einen Anstieg von queer- und transfeindlichen Gewalttaten um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2024 wurden 354 FÀlle dokumentiert, wÀhrend es 2023 noch 245 FÀlle waren. Expert*innen des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) betonen, dass LGBTIQ*-Feindlichkeit in extrem rechten und autoritÀren Ideologien eine besondere Scharnierfunktion hat.

Situation in Hessen

Auch in Hessen spiegelt sich dieser bundesweite Trend wider. In Frankfurt ist die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen queerfeindlicher Straftaten deutlich gestiegen. WĂ€hrend 2022 noch 26 Verfahren registriert wurden, waren es 2024 bereits 88. Im ersten Quartal 2025 kamen bereits 25 neue FĂ€lle hinzu. Seit Ende 2023 gibt es in Hessen eine eigene Statistik (Verfahrensklasse Q), die Übergriffe wegen sexueller Orientierung und geschlechtlicher IdentitĂ€t erfasst, was zur besseren Sichtbarkeit des Problems beitrĂ€gt.

Der Main-Kinzig-Kreis zeigt mit Aktionen wie dem Hissen der Regenbogenfahne am Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen öffentlich SolidaritĂ€t mit der LGBTQ+-Community. Dennoch machen VorfĂ€lle wie der in SchlĂŒchtern deutlich, dass Diskriminierung und Queerfeindlichkeit auch hier prĂ€sent sind.

GrĂŒnde fĂŒr den Anstieg und Auswirkungen

FĂŒr den statistischen Anstieg queerfeindlicher Straftaten gibt es mehrere ErklĂ€rungsansĂ€tze. Neben einer tatsĂ€chlichen Zunahme solcher Delikte wird auch eine höhere Anzeigebereitschaft der Betroffenen und eine verbesserte Erfassung durch die Behörden als Grund genannt. Gleichzeitig warnen Expert*innen vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung und der Verbreitung queerfeindlicher Narrative in sozialen Medien und politischen Diskursen.

Die Auswirkungen auf Betroffene sind gravierend. Queerfeindliche Anfeindungen und Übergriffe können zu Traumatisierungen fĂŒhren und haben besonders bei jungen LGBTQ+-Personen erhebliche negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Viele Betroffene berichten von einem GefĂŒhl der Unsicherheit im öffentlichen Raum und passen ihr Verhalten entsprechend an.

Bedeutung von Pride-Veranstaltungen

Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung von Pride-Veranstaltungen wie dem MKK Pride in SchlĂŒchtern besonders deutlich. Sie schaffen nicht nur Sichtbarkeit fĂŒr die LGBTQ+-Community, sondern sind auch wichtige Orte der SolidaritĂ€t und des Empowerments. Der erste CSD in SchlĂŒchtern war trotz des bedauerlichen Vorfalls ein wichtiges Zeichen fĂŒr Vielfalt und Akzeptanz in einer eher lĂ€ndlich geprĂ€gten Region.

Jörg Steen vom Verein Queer* Main-Kinzig betonte im Vorfeld der Veranstaltung: "Wir wollen mit dem MKK Pride ein klares Zeichen gegen Diskriminierung und fĂŒr mehr Sichtbarkeit queerer Menschen im lĂ€ndlichen Raum setzen." Der queerfeindliche Übergriff zeigt, wie notwendig dieses Engagement nach wie vor ist.


Transfeindlicher Angriff in Berlin: Die besorgniserregende Zunahme queerfeindlicher Gewalt

Am vergangenen Sonntagnachmittag wurde eine 29-jĂ€hrige Frau in Berlin-Kreuzberg Opfer eines transfeindlichen Angriffs. Wie queer.de berichtet, wurde die Frau auf dem U-Bahnhof Kottbusser Tor zunĂ€chst von zwei Unbekannten beleidigt und anschließend mit Pfefferspray attackiert. Der Vorfall reiht sich in eine beunruhigende Serie queerfeindlicher Übergriffe ein, die in ganz Deutschland und besonders in Berlin zunehmen.

Der Vorfall im Detail

Laut Polizeibericht war die 29-JĂ€hrige am Sonntag gegen 16 Uhr auf dem U-Bahnhof Kottbusser Tor unterwegs, als sie auf der Rolltreppe von der U-Bahnlinie U12 in Richtung U8 von zwei unbekannten MĂ€nnern transfeindlich beleidigt wurde. Als sie die Rolltreppe verlassen hatte, liefen die TĂ€ter auf sie zu und sprĂŒhten ihr unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht. Die Angreifer flĂŒchteten anschließend in Richtung U8.

Die Frau erlitt Augen- sowie Atemwegsreizungen und musste von alarmierten RettungskrĂ€ften behandelt werden. Auch zwei weitere Zeuginnen erlitten durch den Angriff Atemwegsreizungen, lehnten jedoch eine Ă€rztliche Behandlung ab. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin hat die Ermittlungen ĂŒbernommen, wie es bei vermuteten Hassverbrechen ĂŒblich ist.

Dramatischer Anstieg queerfeindlicher Gewalt

Dieser Vorfall ist leider kein Einzelfall. Nach Angaben des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) hat sich die Zahl der gemeldeten queerfeindlichen Straftaten in Deutschland seit 2010 nahezu verzehnfacht. Besonders besorgniserregend ist der jĂŒngste Anstieg: Im Jahr 2023 wurden bundesweit 1.785 Straftaten gegen LGBTQ-Personen erfasst, ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber 1.188 FĂ€llen im Jahr 2022.

Speziell die Gewalt gegen trans* Personen nimmt ĂŒberproportional zu. Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete 2023 insgesamt 854 FĂ€lle im Bereich "geschlechtsbezogene DiversitĂ€t" – ein erschreckender Anstieg von 105 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Auch die vorlĂ€ufigen Zahlen fĂŒr 2024 deuten auf eine weitere VerschĂ€rfung der Situation hin.

Berlin als Hotspot queerfeindlicher Angriffe

In der Hauptstadt ist die Situation besonders angespannt. Laut dem Berliner Monitoring "Trans- und homophobe Gewalt" wurden 2023 in Berlin 588 queerfeindliche Straftaten erfasst – ein neuer Höchststand. Diese Zahlen sind zwar auch auf eine verbesserte Erfassung und Sensibilisierung der Berliner Polizei zurĂŒckzufĂŒhren, spiegeln aber dennoch eine reale Zunahme der Gewalt wider.

"Berlin hat zwar eine lange Tradition als vielfÀltige und tolerante Stadt, aber auch hier erleben wir eine erschreckende Zunahme von HasskriminalitÀt gegen LGBTQ-Personen", erklÀrt Bastian Finke, Leiter von MANEO, dem schwulen Anti-Gewalt-Projekt in Berlin. "Besonders besorgniserregend ist die Zunahme der Gewalt gegen trans* Personen, die oft im öffentlichen Raum stattfindet."

Das Dunkelfeld bleibt groß

Trotz der alarmierenden offiziellen Zahlen gehen Expert*innen von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Betroffene melden Übergriffe nicht, sei es aus Angst vor weiterer Diskriminierung, aufgrund von Misstrauen gegenĂŒber Behörden oder weil sie befĂŒrchten, nicht ernst genommen zu werden.

"Die Dunkelziffer bei queerfeindlichen Übergriffen ist nach wie vor sehr hoch", bestĂ€tigt Alfonso Pantisano, Queerbeauftragter des Berliner Senats, gegenĂŒber dem Tagesspiegel. "Viele Betroffene haben das GefĂŒhl, dass eine Anzeige nichts bringt oder fĂŒrchten weitere Diskriminierungserfahrungen im Kontakt mit den Behörden."

Maßnahmen zur BekĂ€mpfung queerfeindlicher Gewalt

Um der steigenden queerfeindlichen Gewalt entgegenzuwirken, haben Bund und LĂ€nder verschiedene Maßnahmen ergriffen. Das Bundesinnenministerium hat einen Arbeitskreis zur BekĂ€mpfung homophober und transfeindlicher Gewalt eingerichtet und gemeinsam mit dem BKA einen umfassenden Lagebericht zur Sicherheit von LGBTQ-Personen veröffentlicht.

In Berlin gibt es seit Jahren spezielle Ansprechpersonen fĂŒr LGBTQ-Personen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Zudem arbeiten zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen wie MANEO, Lesbenberatung Berlin und TransInterQueer e.V. daran, Betroffene zu unterstĂŒtzen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Besonders wichtig ist laut Expert*innen die konsequente strafrechtliche Verfolgung queerfeindlicher Hassverbrechen. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin, der auch im aktuellen Fall die Ermittlungen fĂŒhrt, ist auf solche FĂ€lle spezialisiert.

Was tun bei queerfeindlichen Übergriffen?

Betroffene und Zeug*innen queerfeindlicher Übergriffe sollten diese nach Möglichkeit anzeigen. In Berlin können sie sich an die LSBTIQ*-Ansprechpersonen der Berliner Polizei wenden. Auch Beratungsstellen wie L-Support fĂŒr lesbische, bisexuelle Frauen und trans Personen oder MANEO fĂŒr schwule und bisexuelle MĂ€nner bieten UnterstĂŒtzung.

Wichtig ist auch die gesellschaftliche SolidaritÀt. "Wir alle sind gefordert, hinzuschauen und uns einzumischen, wenn wir Zeug*innen von Diskriminierung und Gewalt werden", betont Lena Herrmann von der Lesbenberatung Berlin. "Nur gemeinsam können wir ein Klima schaffen, in dem alle Menschen unabhÀngig von ihrer sexuellen Orientierung oder GeschlechtsidentitÀt sicher leben können."

Angesichts des aktuellen Vorfalls und der besorgniserregenden Zunahme queerfeindlicher Gewalt bleibt die Forderung nach mehr Schutz und UnterstĂŒtzung fĂŒr die LGBTQ-Community dringlicher denn je. Die BekĂ€mpfung von Hassverbrechen ist nicht nur eine Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.


Bruder des Papstes teilt transfeindliche Botschaften auf Facebook – deutsche Katholiken reagieren betroffen

Der Ă€ltere Bruder von Papst Leo XIV. hat eine Geschichte der Verbreitung von transfeindlichen und rechtsgerichteten Inhalten in sozialen Medien, wie PinkNews berichtet. Louis Martin Prevost teilte unter anderem BeitrĂ€ge, die Eltern von Transgender-Kindern als "beschissen" bezeichneten. Diese Entdeckung sorgt besonders in Deutschland fĂŒr Diskussionen, wo die katholische Kirche einen vergleichsweise progressiveren Kurs in LGBTQ+-Fragen eingeschlagen hat.

Die Facebook-BeitrĂ€ge von Louis Prevost sind nach der Wahl seines Bruders Robert zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche ins Rampenlicht gerĂŒckt. Nach dem Tod des 88-jĂ€hrigen Papst Franziskus im April wurde Robert Prevost – der sowohl die amerikanische als auch die peruanische StaatsbĂŒrgerschaft besitzt – nach einem zweitĂ€gigen Konklave zum ersten US-amerikanischen Papst gewĂ€hlt.

Kontroverse Facebook-Posts

Die von Journalisten aufgedeckten Social-Media-BeitrĂ€ge des Ă€lteren Prevost stehen im Widerspruch zu den politischen Positionen, die seinem Bruder Leo XIV. zugeschrieben werden. Ein Beitrag ist ein weitergeteiltes Video, das die demokratische Kongressabgeordnete und ehemalige US-Parlamentssprecherin Nancy Pelosi mit vulgĂ€ren AusdrĂŒcken beschimpft. Ein anderer ist ein LGBTQ+-feindliches Meme mit dem Text: "Dein Kind ist nicht trans, du bist nur ein beschissener Elternteil", wie The Guardian berichtete.

Ein dritter Beitrag beschuldigte den ehemaligen PrÀsidenten Barack Obama und die Demokraten, "die vollstÀndige Zerstörung unserer Lebensweise anzustreben und dieses Land in eine Diktatur zu verwandeln, und noch dazu in eine rassistische".

Die BeitrĂ€ge wurden angesichts der gestiegenen Aufmerksamkeit auf Prevosts Facebook-Konto offenbar privat gestellt, aber er bestĂ€tigte deren Existenz in mehreren Presseinterviews und betonte, dass es sich um seine eigenen Meinungen handle, nicht um die des neuen Papstes. Der Spiegel berichtete, dass Louis Prevost sich selbst als "MAGA-Typen" bezeichnet und einrĂ€umte, dass er seine Äußerungen möglicherweise "abschwĂ€chen" wĂŒrde, da sein Bruder nun Papst ist.

Reaktionen aus Deutschland

In Deutschland, wo die katholische Kirche durch den Synodalen Weg einen Reformprozess eingeleitet hat, der auch LGBTQ+-Themen einschließt, haben die Äußerungen von Louis Prevost Besorgnis ausgelöst. Die deutsche Kirche gilt als eine der LGBTQ+-freundlichsten in Europa. So hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erst kĂŒrzlich eine Handreichung fĂŒr Seelsorger herausgegeben, die Segnungen fĂŒr wiederverheiratete Geschiedene und homosexuelle Paare regelt.

"Solche transfeindlichen Äußerungen widersprechen dem Geist des Synodalen Weges, den wir in Deutschland gehen", erklĂ€rt OutInChurch, eine Initiative von queeren Mitarbeitenden in der katholischen Kirche. "Wir setzen uns fĂŒr eine Kirche ohne Angst ein und fordern die Abschaffung veralteter Aussagen der kirchlichen Lehre in Bezug auf SexualitĂ€t und Geschlecht."

Der neue Papst und LGBTQ+-Rechte

Im Gegensatz zu seinem Bruder scheint Papst Leo XIV. nicht so fortschrittlich in Bezug auf LGBTQ+-Themen zu sein wie sein VorgĂ€nger. Papst Franziskus hinterließ ein komplexes Erbe in Bezug auf die UnterstĂŒtzung der Community, war aber bekannt dafĂŒr, die Sprache der Kirche gegenĂŒber LGBTQ+-Personen zu mildern, wie mit seiner berĂŒhmten Aussage "Wer bin ich, zu urteilen?"

Nach Prevosts Wahl berichtete die New York Times, dass er 2012 Kritik an Unterhaltungsmedien geĂ€ußert hatte, da diese "Sympathie fĂŒr Überzeugungen und Praktiken zeigten, die im Widerspruch zum Evangelium stehen", darunter der "homosexuelle Lebensstil" und "alternative Familien, die aus gleichgeschlechtlichen Partnern und ihren adoptierten Kindern bestehen".

Trotz dieser Ansichten haben LGBTQ+-Katholiken die Hoffnung geĂ€ußert, dass sich seine "Meinungen und Ideen Ă€ndern können". Diese Hoffnung wird besonders in Deutschland geteilt, wo der Synodale Weg versucht, die Kirche fĂŒr LGBTQ+-Personen inklusiver zu gestalten.

Kontrast zur deutschen katholischen Kirche

Die transfeindlichen Äußerungen von Louis Prevost stehen in starkem Kontrast zu den BemĂŒhungen der deutschen katholischen Kirche, ihre Positionen zu LGBTQ+-Themen zu modernisieren. Im Rahmen des Synodalen Wegs wurden VorschlĂ€ge zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und zur Anerkennung von Trans*-Personen diskutiert.

"Die deutsche katholische Kirche hat sich auf den Weg gemacht, LGBTQ+-Personen stĂ€rker einzubeziehen und anzuerkennen", erklĂ€rt der Theologe Michael Brinkschröder vom Queerbeet-Gottesdienstkreis in MĂŒnchen. "Die Äußerungen des Papst-Bruders erinnern uns daran, dass es innerhalb der Kirche weltweit sehr unterschiedliche Positionen gibt und wir in Deutschland noch viel Überzeugungsarbeit leisten mĂŒssen."

Die Situation verdeutlicht die Spannungen innerhalb der katholischen Kirche bezĂŒglich LGBTQ+-Themen und wirft die Frage auf, welchen Kurs Papst Leo XIV. in seiner Amtszeit einschlagen wird. FĂŒr deutsche Katholiken, insbesondere fĂŒr LGBTQ+-glĂ€ubige, ist dies eine Zeit der Ungewissheit, aber auch der Hoffnung auf Fortsetzung des Dialoges und der Öffnung, die unter Papst Franziskus begonnen hat.


Verbot von Pride in Ungarn: Eine fundamentale Bedrohung fĂŒr die Demokratie in Europa und ihre Bedeutung fĂŒr Deutschland

Das Verbot von Pride-Veranstaltungen in Ungarn stellt eine fundamentale Bedrohung fĂŒr die Demokratie dar, zu der auch Deutschland nicht schweigen darf. Im ursprĂŒnglichen Artikel von ILGA-Europe wird aufgezeigt, wie das ungarische Vorgehen gegen die LGBTQ+-Community weitreichende Folgen fĂŒr die demokratischen Grundwerte in der gesamten EU hat.

Ein demokratischer Albtraum im Herzen Europas

Stellen Sie sich vor: Der Christopher Street Day in Berlin, Köln oder MĂŒnchen wird von der Bundesregierung verboten. Die Organisatoren werden strafrechtlich verfolgt. Gesichtserkennungssoftware identifiziert Teilnehmende, die trotzdem erscheinen, um sie zu registrieren und mit Bußgeldern zu belegen. Politiker schweigen weitgehend. Die EuropĂ€ische Kommission Ă€ußert Bedenken, ergreift aber keine konkreten Maßnahmen.

Ein dystopisches Gedankenexperiment fĂŒr Deutschland – aber in Ungarn bereits RealitĂ€t. Ungarn ist das erste EU-Land, das faktisch einen Pride-Marsch verboten hat. Nicht aufgrund von Sicherheitsbedenken oder Gewaltrisiken, sondern weil die Regierung entschieden hat, dass LGBTQ+-Menschen nicht mehr friedlich durch die Straßen ihrer Hauptstadt marschieren dĂŒrfen.

Deutschlands besondere Verantwortung

WĂ€hrend in Deutschland 2024 zahlreiche Pride-Veranstaltungen stattfinden – vom Pride Month Berlin ĂŒber den Christopher Street Day in unterschiedlichen StĂ€dten bis zum Pride Day Germany am 3. Juli – verschlechtert sich die Lage fĂŒr die LGBTQ+-Community im EU-Nachbarland dramatisch. Deutschland hat sich bereits der EU-Klage gegen Ungarn angeschlossen, als es um das diskriminierende "Anti-LGBTQ-Propagandagesetz" ging, das 2021 verabschiedet wurde. Deutsche Fußballfans zeigten damals bei einem Spiel gegen Ungarn Regenbogenfahnen als Protest.

Angesichts des jĂŒngsten Verbots von Pride-Veranstaltungen in Ungarn trĂ€gt Deutschland als einer der einflussreichsten EU-Mitgliedstaaten eine besondere Verantwortung, klare Konsequenzen zu fordern. Die historische Erfahrung mit dem Abbau demokratischer Rechte sollte Deutschland besonders sensibel fĂŒr solche Entwicklungen machen.

Angriff auf die Zivilgesellschaft weitet sich aus

Der Raum fĂŒr zivilgesellschaftliches Engagement in Ungarn schwindet in alarmierendem Tempo. Der neueste Gesetzentwurf mit dem Titel "Über Transparenz im öffentlichen Raum" wĂŒrde es zivilgesellschaftlichen Organisationen, die die Regierung kritisieren oder sich fĂŒr Frauen- und LGBTQ+-Rechte einsetzen, praktisch unmöglich machen, UnterstĂŒtzung aus dem Ausland zu erhalten – einschließlich gezielter EU-Finanzierung durch das Programm "BĂŒrger, Gleichheit, Rechte und Werte" (CERV).

Die Strategie wird immer deutlicher: Minderheiten instrumentalisieren, zivilgesellschaftliche Organisationen diskreditieren und entfinanzieren, die Demokratie abbauen. LGBTQ+-Menschen sind nur Bauern in diesem Zerstörungsspiel. Erst werden Transpersonen und Regenbogenfahnen dÀmonisiert, dann folgen Pressefreiheit, akademische Freiheit und unabhÀngige Gerichte.

EuropÀische Tendenzen und die deutsche Perspektive

Auch in anderen Teilen Europas testet die extreme Rechte die Grenzen aus. In Großbritannien hat der Oberste Gerichtshof Transpersonen den Rechtsschutz entzogen. In Georgien, einst ein EU-BeitrittshoffnungstrĂ€ger, wurde ein drakonisches Gesetzespaket nach Moskauer Vorbild verabschiedet, um LGBTQ+-Äußerungen zu unterdrĂŒcken. In Bulgarien und Italien toben Debatten darĂŒber, wer im öffentlichen Raum und in SchulbĂŒchern existieren darf.

In Deutschland genießen LGBTQ+-Menschen vergleichsweise umfassende Rechte, doch anti-queere Ressentiments und Übergriffe nehmen zu. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) dokumentiert eine steigende Zahl von Hassverbrechen. Erst kĂŒrzlich befasste sich der Bundestag erstmals in einer Debatte explizit mit dem Thema "Queere Gewalt".

Das Schweigen der EU ist keine NeutralitÀt, sondern MittÀterschaft

Und die EuropĂ€ische Kommission? Sie beobachtet. Sie warnt. Aber sie handelt nicht entschlossen. Es wurde kein Vertragsverletzungsverfahren wegen des ungarischen Pride-Verbots eingeleitet. Es wurden keine politischen Kosten fĂŒr die Kriminalisierung friedlicher Versammlungen auferlegt. Und wĂ€hrend in BrĂŒssel ErklĂ€rungen ĂŒber "europĂ€ische Werte" abgegeben werden, kĂ€mpfen Aktivisten allein gegen Desinformation, PolizeieinschĂŒchterung und öffentliche Feindseligkeit.

Seien wir deutlich: Wenn die Kommission beim Verbot von Pride in der EU wegschaut, ist das keine NeutralitÀt, sondern MittÀterschaft.

Dieses Versagen trifft nicht nur LGBTQ+-Menschen. Es untergrÀbt das Fundament, auf dem die EU angeblich aufgebaut ist: Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte, zivilgesellschaftlicher Raum. Zivilgesellschaftliche Gruppen, insbesondere solche, die LGBTQ+-Rechte verteidigen, werden durch rechtliche Schlupflöcher, feindliche Narrative und FinanzierungsbeschrÀnkungen immer weiter eingeengt. An manchen Orten werden sie als "auslÀndische Agenten" oder "Feinde der Nation" gebrandmarkt.

Noch ist es nicht zu spĂ€t – Deutschlands Rolle

Es ist noch nicht zu spĂ€t, um das Blatt zu wenden. Deutschland sollte sich an die Spitze einer Bewegung stellen, die von der EuropĂ€ischen Kommission fordert, nicht nur ErklĂ€rungen abzugeben, sondern Rechte zu verteidigen. Es ist Zeit, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn wegen des Verbots friedlicher Versammlungen in der EU einzuleiten. Es ist Zeit, zivilgesellschaftliche Gruppen zu unterstĂŒtzen, die von Verleumdungskampagnen, restriktiven Gesetzen und Finanzierungsbedrohungen ins Visier genommen werden.

Deutschland, das mit seinem jĂ€hrlichen Christopher Street Day in zahlreichen StĂ€dten eine lebendige Pride-Kultur feiert, muss deutlicher Position beziehen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat zwar die ungarische Gesetzgebung bereits kritisiert, doch braucht es nun konkretere Maßnahmen und Druck auf die EU-Kommission, um wirksame Schritte einzuleiten.

Es ist höchste Zeit, dass die Kommission aufhört, "soziale Fragen" von "RegierungsfĂŒhrung" zu trennen, denn wenn Regierungen LGBTQ+-Rechte beschneiden, untergraben sie auch verfassungsmĂ€ĂŸige Garantien, richterliche UnabhĂ€ngigkeit und die IntegritĂ€t des Staates selbst. Alles hĂ€ngt zusammen.

Vor allem ist es an der Zeit, LGBTQ+-Menschenrechte als das zu behandeln, was sie sind: ein Barometer fĂŒr den Gesundheitszustand der Demokratie in der gesamten EU.

Fazit: Ein Weckruf fĂŒr Deutschland und Europa

WĂ€hrend also am kommenden Wochenende Regenbogenfahnen in Berlin, Köln, MĂŒnchen und anderen deutschen StĂ€dten wehen, wo EU-BĂŒrger frei und friedlich an Pride-Veranstaltungen teilnehmen können – ohne Gesichtserkennung, ohne Bußgelder, ohne Kriminalisierung – fordern wir die deutschen und europĂ€ischen FĂŒhrungspersönlichkeiten auf, nach Ungarn zu blicken und zu handeln. Man kann keine Union aufbauen, die auf Gleichheit basiert, und gleichzeitig zulassen, dass eines ihrer Mitglieder Pride kriminalisiert.

Denn wenn es mit dem Verbot eines Marsches beginnt – wo endet es dann? Diese Frage sollte uns alle, besonders in Deutschland mit seiner historischen Erfahrung, zutiefst beunruhigen und zum Handeln bewegen.


Polens Wahl: Zwischen LGBTQ+-Hoffnung und Rechtsruck - Was der Kampf um die PrĂ€sidentschaft fĂŒr Deutschland bedeutet

In Polen steht eine richtungsweisende Entscheidung bevor: Am Sonntag wĂ€hlt unser Nachbarland einen neuen PrĂ€sidenten. Mit RafaƂ Trzaskowski und Karol Nawrocki stehen sich ein queerfreundlicher EuropĂ€er und ein rechtspopulistischer Trump-Fan gegenĂŒber. Wie queer.de berichtet, könnte diese Wahl nicht nur ĂŒber die Zukunft Polens, sondern auch ĂŒber die Rechte der LGBTQ+-Community im Land entscheiden.

HoffnungstrÀger mit EinschrÀnkungen

RafaƂ Trzaskowski, der liberale BĂŒrgermeister von Warschau, fĂŒhrt die Umfragen mit etwa 34 Prozent an. Als sichtbarer VerbĂŒndeter der queeren Community hat er als Warschaus BĂŒrgermeister eine ErklĂ€rung zum Schutz der LGBTQ+-Gemeinschaft unterzeichnet, regelmĂ€ĂŸig an Pride-Veranstaltungen teilgenommen und setzt sich fĂŒr die Rechte von Frauen ein. Doch seine Position ist nicht ohne WidersprĂŒche: Trzaskowski lehnt das Adoptionsrecht fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare ab – eine Haltung, die ihm Kritik von Organisationen wie "MiƂoƛć Nie Wyklucza" (Liebe schließt nicht aus) eingebracht hat.

Ähnliche Spannungen erleben wir auch in Deutschland: WĂ€hrend die Ampel-Koalition mit dem Selbstbestimmungsgesetz einen Meilenstein fĂŒr trans* Personen erreicht hat, gibt es bei Themen wie dem Abstammungsrecht fĂŒr lesbische Paare oder dem Schutz von LGBTQ+-Personen im Grundgesetz noch erheblichen Nachholbedarf. Der Vergleich zeigt: Auch progressive Politiker*innen haben oft Grenzen bei ihrer UnterstĂŒtzung fĂŒr vollstĂ€ndige Gleichberechtigung.

Der Trump-Bewunderer und die Gefahr eines Rechtsrucks

Trzaskowskis Hauptkonkurrent, der 42-jĂ€hrige Historiker Karol Nawrocki, wird von der rechtsnationalistischen PiS unterstĂŒtzt – jener Partei, die Polen von 2015 bis 2023 regierte und fĂŒr ihre extrem queerfeindliche Politik bekannt wurde. Mit dem Wahlslogan "Polen zuerst" und seinem erklĂ€rten Vorbild Donald Trump verkörpert Nawrocki einen Rechtspopulismus, der auch in Deutschland bei der AfD zu beobachten ist.

In einer Fernsehdebatte warf Nawrocki seinem Kontrahenten vor, "die Regenbogenfahne ĂŒber die polnische Flagge zu stellen" – eine Rhetorik, die an die deutsche AfD-Propaganda gegen vermeintliche "Genderpolitik" erinnert. Laut Human Rights Watch haben Rechte der LGBTQ+-Community in Polen unter der PiS-Regierung erheblich gelitten, mit sogenannten "LGBT-freien Zonen" und zunehmender Diskriminierung.

Bedeutung fĂŒr Deutschland und Europa

Der Ausgang dieser Wahl hat direkte Auswirkungen auf Deutschland. WĂ€hrend Trzaskowski fĂŒr enge europĂ€ische Zusammenarbeit steht, fordert Nawrocki von Berlin Kriegsreparationen in Höhe von 1,3 Billionen Euro und plant Grenzkontrollen zu Deutschland, um Migration zu begrenzen. Die deutsch-polnischen Beziehungen könnten bei einem Sieg Nawrockis erheblich belastet werden.

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland, die eng mit polnischen Aktivist*innen vernetzt ist, bedeutet diese Wahl mehr als nur Politik im Nachbarland. Deutsche Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) beobachten die Entwicklungen in Polen genau, da RĂŒckschritte dort auch den Diskurs in Deutschland beeinflussen können.

Eine geteilte Gesellschaft

Wie in Deutschland ist auch die polnische Gesellschaft bei Themen wie LGBTQ+-Rechten gespalten. WĂ€hrend jĂŒngere, urbane Bevölkerungsgruppen mehrheitlich fĂŒr mehr Akzeptanz eintreten, spielen konservative Werte und die katholische Kirche in lĂ€ndlichen Gebieten eine dominante Rolle. Eine Ă€hnliche Stadt-Land-Kluft erleben wir auch in Deutschland – wenn auch nicht so ausgeprĂ€gt wie im Nachbarland.

Die Zeit nach der PiS-Regierung unter Donald Tusk hat bereits zaghafte Verbesserungen fĂŒr die queere Community gebracht. Ein Sieg Trzaskowskis könnte diesen Weg fortsetzen, wĂ€hrend Nawrocki als PrĂ€sident mit seinem Vetorecht Reformen blockieren könnte – so wie es der scheidende PrĂ€sident Andrzej Duda getan hat, der 2020 mit einem offen queerfeindlichen Wahlkampf gegen Trzaskowski gewann.

Ausblick: Entscheidung in der Stichwahl

Mit 34 Prozent fĂŒr Trzaskowski und 27 Prozent fĂŒr Nawrocki in den Umfragen zeichnet sich ab, dass die Entscheidung erst in der Stichwahl am 1. Juni fallen wird. FĂŒr die LGBTQ+-Community in Polen steht viel auf dem Spiel – von der EinfĂŒhrung eingetragener Partnerschaften bis hin zum Schutz vor Diskriminierung.

WĂ€hrend Deutschland mit der Ehe fĂŒr alle, dem Selbstbestimmungsgesetz und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bereits wichtige rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen hat, kĂ€mpft Polen noch um grundlegende Anerkennung. Diese Wahl könnte entscheiden, ob sich die Kluft zwischen beiden LĂ€ndern in Bezug auf LGBTQ+-Rechte weiter vergrĂ¶ĂŸert oder verkleinert.

In beiden LĂ€ndern zeigt sich: Der Kampf fĂŒr LGBTQ+-Rechte ist ein fortlaufender Prozess, der durch politische Machtwechsel beschleunigt oder zurĂŒckgeworfen werden kann. Die polnische PrĂ€sidentschaftswahl erinnert uns daran, wie wichtig politische Wachsamkeit fĂŒr den Erhalt und Ausbau von Minderheitenrechten ist – in Polen ebenso wie in Deutschland.


ESC-Gewinner*in Nemo kritisiert Pride-Flaggen-Verbot – deutsche LGBTQ+-Community solidarisch

Die nicht-binĂ€re ESC-Gewinner*in Nemo zeigt sich "traurig" und "verwirrt" ĂŒber die Entscheidung der EuropĂ€ischen Rundfunkunion (EBU), Pride-Flaggen bei offiziellen Eurovision-Veranstaltungen zu verbieten. Wie PinkNews berichtet, kritisiert Nemo die EBU scharf und wirft ihr vor, ihre "Verantwortung" gegenĂŒber der LGBTQ+-Community nicht ernst zu nehmen.

Neues Flaggen-Verbot löst Empörung aus

Im vergangenen Monat bestĂ€tigte die EBU, dass es Teilnehmer*innen des Eurovision Song Contest 2025 in Basel untersagt sein wird, andere Flaggen als die ihres teilnehmenden Landes zu offiziellen Eurovision-Veranstaltungen mitzubringen. Dies bedeutet, dass Pride-Flaggen auf der HauptbĂŒhne der St. Jakobshalle, im Green Room, im Eurovision Village, bei der Flaggenparade oder auf dem TĂŒrkisfarbenen Teppich nicht mehr gezeigt werden dĂŒrfen.

Diese verschĂ€rfte Regelung kommt, nachdem Nemo – die geschichtstrĂ€chtige nicht-binĂ€re Teilnehmer*in der Schweiz und spĂ€tere Gewinner*in des Wettbewerbs – im vergangenen Jahr eine nicht-binĂ€re Flagge bei der Flaggenparade "einschmuggeln" musste.

Nemos persönliche Erfahrung

"An diesem Punkt bin ich sehr verwirrt", erklĂ€rte die 25-jĂ€hrige KĂŒnstler*in gegenĂŒber PinkNews. "Letztes Jahr bereitete ich meine nicht-binĂ€re Flagge vor und dachte: 'OK, ich gehe mit der Schweizer Flagge und der nicht-binĂ€ren Flagge' und dann sagte jemand: 'Oh, tut mir leid, du kannst das nicht mitnehmen, es ist auf der BĂŒhne verboten'. Also habe ich einfach stillgehalten und sie irgendwo versteckt, wo niemand sie sehen konnte."

Nemo kritisierte auch die Doppelmoral der EBU, die nach dem Sieg Fotos von Nemo mit der nicht-binÀren Flagge in den sozialen Medien veröffentlichte, obwohl es zunÀchst verboten war. "Das ist so dumm. Und dann haben sie eine ErklÀrung abgegeben, dass es 'immer erlaubt' war. Ich dachte, gut, dann können wir jetzt weitermachen und das wird kein Problem mehr sein. Jetzt sagen sie aber aktiv, dass es nicht mehr erlaubt ist, obwohl die Schweiz kein Problem damit hÀtte."

Reaktionen in Deutschland

Auch in Deutschland hat das Flaggenverbot fĂŒr Empörung gesorgt. SCHWULISSIMO berichtet, dass viele deutsche LGBTQ+-Vertreter*innen das Verbot als klaren Widerspruch zur traditionellen Rolle des ESC als Plattform fĂŒr Vielfalt und Toleranz sehen. Der Bundesverband Lesben und Schwule in der Union (LSU) hat in einer Stellungnahme das Verbot als "rĂŒckschrittlich und enttĂ€uschend" bezeichnet.

Isabell Barth, Vorsitzende des deutschen Eurovision-Fanclubs, erklĂ€rt: "Der ESC hat eine jahrzehntelange Tradition als sicherer Raum fĂŒr die LGBTQ+-Community. Die Regenbogenfahne ist dabei kein politisches Symbol, sondern steht fĂŒr Vielfalt und Akzeptanz – genau die Werte, fĂŒr die der ESC eigentlich einsteht."

WidersprĂŒchliche Regelungen

Die neue Flaggenpolitik der EBU sieht vor, dass Teilnehmer*innen nur ihre Landesflagge tragen dĂŒrfen, wĂ€hrend Fans und Zuschauer*innen jede Art von Flagge mitbringen können, solange diese mit schweizerischem Recht konform ist und nicht diskriminierend ist oder zu Hass aufruft.

"Ich verstehe es einfach nicht. Ich bin verwirrt ĂŒber den Entscheidungsprozess und die Absicht dahinter", sagte Nemo. "Es muss Sinn ergeben. Man kann nicht als queerstes Event Europas bekannt sein und dann sagen: 'Wir erlauben keine Pride-Flaggen.' Das ergibt einfach keinen Sinn fĂŒr mich, besonders in dieser Zeit."

Kritik an der EBU

Nemo fordert die EBU auf, jetzt Stellung zu beziehen und Verantwortung zu ĂŒbernehmen, da so viele queere Menschen am Eurovision teilnehmen, ihn anschauen und bei ihm auftreten. "Es macht mich einfach traurig, dass diese Verantwortung nicht wahrgenommen zu werden scheint."

Auch in deutschen Medien wird die Frage aufgeworfen, ob die EBU mit diesem Schritt ihre GlaubwĂŒrdigkeit verspielt. Der SWR berichtet, dass viele deutsche Fans des Wettbewerbs enttĂ€uscht sind und das Verbot als Widerspruch zum SelbstverstĂ€ndnis des ESC als Ort der Vielfalt und Akzeptanz sehen.

EBU rechtfertigt Entscheidung

In einer Stellungnahme an PinkNews erklĂ€rte ein EBU-Sprecher, dass die offiziellen Flaggenrichtlinien des Eurovision Song Contest 2025 vom Schweizer Gastgebersender SRG SSR mit BeitrĂ€gen der EBU entwickelt wurden, insbesondere fĂŒr offizielle ESC-RĂ€ume, um Klarheit fĂŒr Publikum und Delegationen zu schaffen.

"In Übereinstimmung mit anderen internationalen Wettbewerben können teilnehmende Sender in offiziellen RĂ€umen – dazu gehören die BĂŒhne, der Green Room, die Eurovision Village BĂŒhne und der TĂŒrkisfarbene Teppich – nur eine Nationalflagge verwenden", heißt es in der ErklĂ€rung.

Ausblick auf den Wettbewerb

Das Halbfinale des Eurovision Song Contest findet am 15. Mai statt, das Finale am Samstag, den 17. Mai. FĂŒr Deutschland tritt Reagan James an, der sich bereits solidarisch mit Nemo gezeigt und UnverstĂ€ndnis ĂŒber das Flaggenverbot geĂ€ußert hat.

Ob sich alle Teilnehmer*innen an die neuen Regeln halten werden, bleibt abzuwarten. Nemo selbst ist gespannt: "Mal sehen, ob sich dieses Jahr alle an die Regeln halten oder nicht. Ich bin gespannt auf weitere Entwicklungen."


"Ich bin keine Ausnahme": Homophober Angriff auf Hanauer Juso-Chef zeigt anhaltende Diskriminierung queerer Menschen in Deutschland

Ein homophober Übergriff auf den Hanauer Juso-Vorsitzenden Max Tischberger macht erneut auf die erschreckende RealitĂ€t queerfeindlicher Gewalt in Deutschland aufmerksam. Wie queer.de berichtet, ereignete sich der Vorfall am vergangenen Samstag im Hanauer Stadtteil Großauheim, als Tischberger auf dem Heimweg vom Mainuferfest war.

Der Vorfall: Beleidigung und Nötigung

Laut Angaben der SPD-Jugendorganisation nĂ€herte sich ein alkoholisierter Jugendlicher aus einer Gruppe von vier bis fĂŒnf Personen dem Juso-Chef, packte ihn an den Handgelenken und hinderte ihn am Weitergehen. In aggressivem Ton fragte der Teenager: "Ich habe gehört, dass du eine Schwuchtel bist – stimmt das?" und fĂŒgte hinzu: "Eine Schwuchtel kann ich in Auheim nicht tolerieren."

Tischberger reagierte besonnen und konnte sich verbal aus der Situation befreien. Nachdem er außer Reichweite des Angreifers war, verstĂ€ndigte er den Notruf und erstattete Anzeige wegen Nötigung und Beleidigung.

"Queerfeindlichkeit ist bittere RealitÀt"

"Ich habe mich entschieden, diesen Angriff öffentlich zu machen – weil ich keine Ausnahme bin, sondern Queerfeindlichkeit fĂŒr viele Menschen bittere RealitĂ€t ist", erklĂ€rte Tischberger nach dem Vorfall. "Als queerer Mensch erfahre ich immer wieder subtile wie offene Anfeindungen." Der seit 2023 als Juso-Vorsitzender aktive Politiker betonte, er wolle sich nicht einschĂŒchtern lassen: "Wir mĂŒssen öffentlich ĂŒber VorfĂ€lle sprechen, damit sich die TĂ€ter nicht durch Schweigen bestĂ€tigt fĂŒhlen."

Ein Teil eines grĂ¶ĂŸeren Problems

Der Vorfall in Hanau steht beispielhaft fĂŒr ein alarmierendes gesellschaftliches Problem in Deutschland. Laut einer kĂŒrzlich veröffentlichten Studie der EU-Agentur fĂŒr Grundrechte (FRA) vom Mai 2024 erfahren LGBTQ+-Personen trotz gestiegener gesellschaftlicher Akzeptanz weiterhin Gewalt, BelĂ€stigung und Diskriminierung.

Die Zahlen sind alarmierend: 16 Prozent der LGBTQ+-Personen in Deutschland berichten von Gewalterfahrungen, bei intergeschlechtlichen Menschen sind es sogar ĂŒber ein Drittel. Mehr als die HĂ€lfte der Befragten (57 Prozent) war bereits BelĂ€stigungen ausgesetzt.

Dramatischer Anstieg queerfeindlicher Straftaten

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der letzten Jahre: Der Lagebericht zur kriminalitĂ€tsbezogenen Sicherheit von LSBTIQ* verzeichnete fĂŒr 2023 insgesamt 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen – ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber den 1.188 FĂ€llen im Jahr 2022. Die Zahl der Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene DiversitĂ€t" hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht.

Besonders junge LGBTQ+-Personen sind von Diskriminierung betroffen. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) haben ĂŒber 80 Prozent der befragten queeren Jugendlichen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit bereits Diskriminierung erfahren – am hĂ€ufigsten in der Öffentlichkeit.

Aufruf zum Handeln

Sophie Seidel, Vizevorsitzende der Jusos in Hanau, unterstĂŒtzt Tischbergers Entscheidung, den Vorfall öffentlich zu machen: "Es darf keine NormalitĂ€t sein, als queere Person diskriminiert, angefeindet oder sogar angegriffen zu werden."

Der Fall zeigt, dass trotz gesetzlicher Fortschritte wie dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das Diskriminierung aufgrund der sexuellen IdentitÀt verbietet, noch viel zu tun bleibt. Experten fordern eine konsequentere Erfassung und Verfolgung queerfeindlicher Straftaten sowie mehr PrÀventions- und AufklÀrungsarbeit.

Tischbergers mutige Haltung verdeutlicht, wie wichtig es ist, queerfeindliche VorfĂ€lle sichtbar zu machen und nicht zu schweigen. "Ich bin ĂŒberzeugt, dass Hanau bunt ist. Nur Einzelne erwecken mit ihrer Haltung den Anschein, als seien sie die Mitte der Gesellschaft", betont er. Eine Botschaft, die angesichts der besorgniserregenden Entwicklung queerfeindlicher Gewalt in Deutschland wichtiger ist denn je.


EU-weite Petition gegen Konversionstherapien: Über 960.000 Menschen fordern Schutz fĂŒr LGBTQ+-Community

Eine europaweite Petition fĂŒr ein rechtsverbindliches Verbot von Konversionstherapien hat kurz vor Ablauf der Frist bereits fast eine Million Unterschriften gesammelt. Die Initiative Act1 benötigt bis Samstag eine Million UnterstĂŒtzer*innen, damit sich die EU-Kommission mit dem Anliegen befassen muss. Die Kampagne hat prominente UnterstĂŒtzung und könnte ein wichtiger Schritt fĂŒr den Schutz der LGBTQ+-Community in ganz Europa sein.

Europaweiter Schutz vor schÀdlichen Praktiken

WĂ€hrend in Deutschland seit 2020 zumindest fĂŒr MinderjĂ€hrige ein Verbot von Konversionstherapien gilt, sind diese sogenannten "Behandlungen" in 19 der 27 EU-Mitgliedsstaaten noch immer legal. Neben Deutschland haben bisher nur Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Griechenland, Zypern und Malta entsprechende Gesetze erlassen. Malta war dabei 2016 das erste europĂ€ische Land, das diese Praktiken vollstĂ€ndig verboten hat.

Der 21-jĂ€hrige Student MattĂ©o Garguilo, einer der Initiatoren der Petition, hofft, dass die Bewegung tatsĂ€chlich eine VerĂ€nderung bewirken kann. Die breite UnterstĂŒtzung durch Influencer*innen, KĂŒnstler*innen und Politiker*innen wie die belgische SĂ€ngerin AngĂšle und die GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik zeigt, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist.

Gesundheitsrisiken durch "Konversionstherapien"

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich einig: Konversionstherapien, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder GeschlechtsidentitÀt eines Menschen zu Àndern, sind nicht nur unwirksam, sondern können schwere psychische SchÀden verursachen. Der WeltÀrztebund und zahlreiche medizinische Fachgesellschaften warnen eindringlich vor den Folgen wie Depressionen, Angststörungen und erhöhtem Suizidrisiko.

In Deutschland ist die Debatte um eine Ausweitung des Verbots auf Erwachsene im Gang. Kritiker*innen sehen in einem umfassenden Verbot einen Eingriff in die persönliche Freiheit, wĂ€hrend BefĂŒrworter*innen betonen, dass der Schutz vor schĂ€dlichen Praktiken Vorrang haben mĂŒsse – insbesondere, da Konversionstherapien oft in einem Umfeld von sozialem oder religiösem Druck stattfinden.

Hoffnung auf EU-weite Regelung

EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen hatte bereits im September 2023 die EU-Kommissarin Hadja Lahbib beauftragt, ein europaweites Verbot auszuarbeiten. Die aktuelle Petition könnte diesem Vorhaben nun zusÀtzlichen Schwung verleihen.

Der Erfolg der Petition wĂ€re ein wichtiges Signal fĂŒr die LGBTQ+-Community in Europa. WĂ€hrend in LĂ€ndern wie Frankreich bereits umfassende Verbote existieren, fehlt in vielen osteuropĂ€ischen LĂ€ndern jeglicher gesetzlicher Schutz vor diesen Praktiken, die fĂ€lschlicherweise den Eindruck vermitteln, HomosexualitĂ€t oder TransidentitĂ€t seien Krankheiten, die "geheilt" werden mĂŒssten.

Die deutsche LGBTQ+-Community blickt nun gespannt nach BrĂŒssel. Ein EU-weites Verbot wĂ€re nicht nur ein wichtiger Schutz fĂŒr queere Menschen in LĂ€ndern ohne entsprechende Gesetzgebung, sondern könnte auch die bestehenden nationalen Regelungen stĂ€rken und vereinheitlichen.


EinschrÀnkung am Reichstag: Klöckner lÀsst Regenbogenflagge nur noch am IDAHOBIT zu

Der Bundestag wird am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) an diesem Samstag die Regenbogenflagge hissen – am Christopher Street Day (CSD) soll das Symbol der queeren Community dagegen dort nicht mehr zu sehen sein. Diese Entscheidung teilte der Bundestag in einer offiziellen Mitteilung mit, wie queer.de berichtet.

Klöckners BegrĂŒndung: CSD braucht keine institutionelle UnterstĂŒtzung

BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner (CDU) begrĂŒndet ihre Entscheidung damit, dass der 17. Mai entscheidend im Kampf "gegen Diskriminierung und fĂŒr die Akzeptanz der Unterschiedlichkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen" sei. An diesem Tag strich die Weltgesundheitsorganisation 1990 HomosexualitĂ€t aus ihrem DiagnoseschlĂŒssel fĂŒr Krankheiten – ein wichtiger Meilenstein fĂŒr die LGBTQ+-Community.

Zum CSD rechtfertigt Klöckner ihre restriktive Haltung: "Ich habe zudem entschieden, dass dies der einzige Anlass sein wird und eine entsprechende Beflaggung sich nicht auch auf den Christopher-Street-Day erstreckt, der als Tag der Versammlung, des Protests und der Feier von seiner kraftvollen PrĂ€senz auf den Straßen lebt." Die Regenbogenfahne werde zum CSD "zurecht auf vielfĂ€ltige Weise durch die Menschen selbst getragen und verbreitet, nicht durch die Institution Bundestag." Außerdem stehe die schwarz-rot-goldene Fahne ja auch fĂŒr "das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und gegen Diskriminierung".

Ein Schritt zurĂŒck in der Symbolpolitik

Diese Entscheidung markiert einen deutlichen Bruch mit der Praxis der vergangenen Jahre. Im Juli 2022 wurde unter der damaligen BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) zum ersten Mal in der Geschichte die Regenbogenflagge auf dem ReichstagsgebĂ€ude gehisst. Bas hatte damals erklĂ€rt, dass dies die Sichtbarkeit des Bekenntnisses zu Vielfalt und DiversitĂ€t deutlich erhöhen wĂŒrde. Die historisch bedeutsame Flagge wurde spĂ€ter dem Deutschen Historischen Museum ĂŒbergeben.

Kritiker vermuten einen Zusammenhang mit der scharfen Kritik des Berliner CSD an der Politik der CDU im letzten Jahr. Der Regierende CDU-BĂŒrgermeister Kai Wegner hielt deshalb nicht wie im Jahr zuvor eine Eröffnungsrede bei dem Event.

Klöckners problematische Vergangenheit bei LGBTQ+-Themen

Julia Klöckner gilt in der Community als Gegnerin von LGBTQ+-Rechten, die in der Vergangenheit auch populistisch gegen queere Menschen Stimmung machte. So bezeichnete sie 2022 einen Text ĂŒber trans Menschen im "Regenbogenportal" der Bundesregierung als "irre", wie queer.de berichtete.

Die Entscheidung fĂŒgt sich in ein Muster von Symbolpolitik ein, bei dem die Sichtbarkeit queerer Themen in offiziellen Institutionen zunehmend infrage gestellt wird. WĂ€hrend in anderen LĂ€ndern wie Kanada, den USA oder Großbritannien das Hissen der Regenbogenflagge an öffentlichen GebĂ€uden zu verschiedenen AnlĂ€ssen ĂŒblich ist, zeigt sich in Deutschland eine Tendenz zur EinschrĂ€nkung.

Die Bedeutung symbolischer UnterstĂŒtzung fĂŒr die Community

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland haben symbolische Gesten wie das Hissen der Regenbogenflagge am Reichstag eine besondere Bedeutung. Sie stehen fĂŒr die Anerkennung nach Jahrzehnten der Verfolgung, insbesondere durch den Paragraphen 175, der sexuelle Handlungen zwischen MĂ€nnern unter Strafe stellte und erst 1994 vollstĂ€ndig abgeschafft wurde.

WĂ€hrend offizielle Symbole reduziert werden, bleibt die Straße als Ort des Protests und der Sichtbarkeit umso wichtiger. Der Christopher Street Day, der an die Stonewall-AufstĂ€nde von 1969 in New York erinnert, wird in diesem Jahr in Berlin und anderen deutschen StĂ€dten voraussichtlich besonders stark besucht werden – nicht zuletzt als Reaktion auf RĂŒckschritte in der Symbolpolitik und als Zeichen gegen die zunehmende Queerfeindlichkeit in Teilen der Gesellschaft.

Die Diskussion um die Regenbogenflagge am Bundestag zeigt, dass der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung der LGBTQ+-Community in Deutschland noch lange nicht abgeschlossen ist.


Angriff auf die Vielfalt: Regenbogen-Banner vor CSD in Flensburg zerstört

Kurz vor dem Christopher Street Day (CSD) in Flensburg haben Unbekannte zwei Regenbogen-Banner zerstört, die an EisenbahnbrĂŒcken in der Innenstadt auf die anstehenden Rainbow Days und den CSD hinweisen sollten. Wie queer.de berichtet, wurden die Banner in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch demoliert. Die HintergrĂŒnde sind bislang unklar, der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Zunehmende Queerfeindlichkeit in Deutschland

Andreas Witolla, Leiter des queeren Zentrums Flensbunt, Ă€ußerte sich besorgt: "Obwohl wir von einem großen BĂŒndnis aus verschiedenen Organisationen, Privatpersonen und der Stadt Flensburg unterstĂŒtzt werden, wird der Ton rauer." In sozialen Medien gebe es neben Zuspruch auch "massive Ablehnung und Hasskommentare gegen die queere Community". Diese Gewalt sei "fĂŒr uns unbegreiflich".

Der Vorfall in Flensburg reiht sich ein in eine besorgniserregende bundesweite Entwicklung. Laut Lagebericht des Bundeskriminalamts haben queerfeindliche Straftaten in Deutschland deutlich zugenommen. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen erfasst – ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu 1.188 FĂ€llen im Jahr 2022.

Kein Einzelfall: Angriffe auf CSD-Veranstaltungen nehmen zu

Bundesweit hĂ€ufen sich die Berichte ĂŒber Vandalismus gegen Regenbogenflaggen und andere Symbole der queeren Community, besonders im Umfeld von CSD-Veranstaltungen. In WĂŒrzburg wurde kĂŒrzlich ein Pride-Zeichen mit einer Deutschlandflagge ĂŒbermalt, in Brandenburg wurden queerfeindliche Graffiti am Startpunkt eines CSD gesprĂŒht, und in EisenhĂŒttenstadt warfen Rechtsextreme sogar Schottersteine auf eine CSD-Demonstration.

Auch bei grĂ¶ĂŸeren Veranstaltungen wie dem CSD in Hannover kam es zu mehreren Gewalttaten, Beleidigungen und sexuellen BelĂ€stigungen. Viele dieser FĂ€lle werden inzwischen vom Staatsschutz bearbeitet, da sie als politisch motivierte Hassverbrechen eingestuft werden.

"Hier & Queer – Jetzt erst recht"

Trotz der Angriffe bleibt die Flensburger Community kĂ€mpferisch. Witolla betont: "Wir lassen uns nicht unterkriegen und werden weiter fĂŒr Akzeptanz, Anerkennung und gegen Gewalt einstehen und ganz nach dem diesjĂ€hrigen Motto 'Hier & Queer – Jetzt erst recht'."

Der CSD in Flensburg findet wie geplant am Samstag statt. Die Polizei hat verstĂ€rkte Schutzmaßnahmen angekĂŒndigt. Bundesweit setzen viele StĂ€dte inzwischen auf erhöhte PolizeiprĂ€senz bei Pride-Veranstaltungen, um die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewĂ€hrleisten.

Hohe Dunkelziffer bei queerfeindlichen Straftaten

Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer bei queerfeindlichen Straftaten aus. Laut ZDF hat sich die Zahl der Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene DiversitĂ€t" seit 2010 nahezu verzehnfacht – ein alarmierender Trend, der die gestiegene gesellschaftliche Polarisierung widerspiegelt.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bezeichnete die steigenden Zahlen als "erschreckend" und betonte die Notwendigkeit, queere Menschen besser zu schĂŒtzen und queerfeindliche Gewalt konsequent zu verfolgen. Der LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) fordert unterdessen mehr PrĂ€vention und bessere UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene.

Die Sicherheitsorgane reagieren: Bei vielen CSD-Veranstaltungen in Deutschland wird die PolizeiprÀsenz inzwischen deutlich verstÀrkt, wie auch bei der anstehenden Veranstaltung in Flensburg der Fall sein wird.


Budapest Pride fordert EU-Sanktionen gegen Orban: Ein Kampf fĂŒr Grundrechte mit Bedeutung fĂŒr Deutschland

Die Organisator*innen der von einem Verbot bedrohten Budapester Pride-Parade haben europĂ€ische Sanktionen gegen den ungarischen Regierungschef Viktor Orban gefordert. Wie queer.de berichtet, bezeichnete die PrĂ€sidentin der Budapester CSD-Demonstration, Viktoria Radvanyi, Orbans LGBTI-feindliche Gesetze als "eine skandalöse Verletzung von Grundrechten" bei einer Veranstaltung im Europaparlament in BrĂŒssel.

Das umstrittene Gesetz und seine Folgen

Im MĂ€rz 2025 verabschiedete das ungarische Parlament ein Gesetz, das als Grundlage fĂŒr ein mögliches Verbot der Budapester Pride-Demonstration dient. Dieses Gesetz verbietet Versammlungen, die gegen das sogenannte "Kinderschutzgesetz" aus dem Jahr 2021 verstoßen. Letzteres schrĂ€nkt das Informieren ĂŒber HomosexualitĂ€t und Geschlechtervielfalt fĂŒr MinderjĂ€hrige massiv ein und wurde international als "Anti-LGBTQ+-Propaganda-Gesetz" kritisiert.

Das neue Gesetz droht den Organisator*innen und Teilnehmer*innen der Pride-Parade mit Geldstrafen von bis zu 500 Euro. Trotz dieser Drohung planen die Organisator*innen, die Veranstaltung am 28. Juni durchzufĂŒhren. Die Budapest Pride ist eine der grĂ¶ĂŸten LGBTQ+-Veranstaltungen in Osteuropa und zieht seit Jahren regelmĂ€ĂŸig mehrere zehntausend Teilnehmer*innen an.

Kritik an der EU-Kommission

"Trotz dieses brutalen, beispiellosen Gesetzes hat die EuropĂ€ische Kommission in den letzten zwei Monaten leider keinerlei Maßnahmen ergriffen", beklagte Pride-Organisatorin Radvanyi. Der ungarische Aktivist Tamas Dombos bezeichnete Ungarn als "Vorreiter" bei Angriffen auf die Rechte von queeren Menschen und forderte "konkrete Maßnahmen" aus BrĂŒssel.

Die fĂŒr Gleichstellung zustĂ€ndige EU-Kommissarin Hadja Lahbib versicherte den ungarischen Aktivist*innen: "Wenn nötig, wird die Kommission nicht zögern, Maßnahmen zu ergreifen." Konkrete Details nannte sie allerdings nicht. Die EU-Kommission hat bereits mehrere Milliarden Euro an Fördergeldern fĂŒr Ungarn eingefroren, teilweise auch wegen des Vorgehens gegen LGBTI-Rechte. Kritisch sehen Aktivist*innen, dass ein Teil des Geldes im vergangenen Jahr wieder freigegeben wurde.

Deutschlands Position und SolidaritÀt

Deutschland positioniert sich auf EU-Ebene klar gegen die EinschrĂ€nkung der Rechte von LGBTIQ*-Personen in Ungarn. Die Bundesrepublik unterstĂŒtzt die von der EU-Kommission eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen Ungarn, darunter die Klage vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) wegen des "Kinderschutzgesetzes" von 2021. Zusammen mit anderen EU-Mitgliedstaaten hat sich Deutschland der Klage angeschlossen.

In Deutschland haben sich zahlreiche LGBTQ+-Organisationen solidarisch mit den ungarischen Aktivist*innen erklĂ€rt. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sowie der CSD Deutschland e.V. haben ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Budapest Pride bekundet und die BemĂŒhungen ungarischer Aktivist*innen gewĂŒrdigt, trotz widriger UmstĂ€nde fĂŒr ihre Rechte einzustehen.

Proteste und Widerstand

In den vergangenen Monaten hatten bereits mehrfach tausende Menschen in der ungarischen Hauptstadt gegen das mögliche Pride-Verbot demonstriert. Die Proteste zeigen, dass trotz der restriktiven Politik der Orban-Regierung der Widerstand in der Zivilgesellschaft wÀchst.

Der Fall Ungarn wird zunehmend zu einem PrĂ€zedenzfall fĂŒr den Umgang der EU mit Mitgliedstaaten, die systematisch Grundrechte aushöhlen. Die Entscheidung, wie die EU auf das drohende Verbot der Budapest Pride reagiert, könnte wegweisend fĂŒr Ă€hnliche Situationen in anderen EU-LĂ€ndern sein, in denen rechtspopulistische Regierungen an die Macht kommen.

Ausblick und europÀische Bedeutung

Die Forderung nach EU-Sanktionen gegen die Orban-Regierung unterstreicht die europĂ€ische Dimension des Kampfes fĂŒr LGBTQ+-Rechte. In einer Zeit, in der in mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern rechtspopulistische Bewegungen an Einfluss gewinnen, hat der Umgang mit dem ungarischen Fall Signalwirkung fĂŒr die gesamte EU.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community ist die Situation in Ungarn besonders alarmierend, da sie zeigt, wie schnell hart erkĂ€mpfte Rechte wieder eingeschrĂ€nkt werden können. Die SolidaritĂ€t mit den ungarischen Aktivist*innen ist daher nicht nur eine Frage der internationalen Zusammenarbeit, sondern auch ein wichtiges Signal fĂŒr die Verteidigung der Rechte von LGBTQ+-Personen in ganz Europa.

Die geplante Budapest Pride am 28. Juni wird zeigen, ob der Widerstand gegen die repressive Politik der ungarischen Regierung erfolgreich sein kann. FĂŒr viele Aktivist*innen in Deutschland und der gesamten EU ist dieser Kampf zu einem Symbol fĂŒr die Verteidigung europĂ€ischer Grundwerte geworden.


US-MilitÀr unter Trump - Systematische Ausgrenzung von trans Personen im Vergleich zur inklusiven Haltung der Bundeswehr

Das US-Verteidigungsministerium hat unter der Trump-Administration aktiv daran gearbeitet, trans Menschen aus dem MilitĂ€r auszuschließen, wie aus einem veröffentlichten "Leitfaden" hervorgeht, ĂŒber den ursprĂŒnglich queer.de berichtete. Diese diskriminierende Politik steht in starkem Kontrast zur deutschen Bundeswehr, die einen inklusiven Ansatz verfolgt und als Vorreiter fĂŒr trans Rechte im Arbeitsumfeld gilt.

Der US-Leitfaden: Ausschluss durch die HintertĂŒr

Der Leitfaden des US-Verteidigungsministeriums legte trans Soldaten nahe, "freiwillig" ihren Dienst zu beenden, wenn sie "eine Diagnose oder Vorgeschichte von Geschlechtsdysphorie haben oder dazu passende Symptome aufweisen". Bei Weigerung drohten regelmĂ€ĂŸige Gesundheitsbeurteilungen mit dem Ziel, sie zu identifizieren und mit geringerer Abfindung aus dem MilitĂ€r zu entfernen. Bemerkenswert ist, dass das Ministerium in seiner Kommunikation den Begriff "trans Personen" vermied und stattdessen ein hochrangiger Beamter von einer "falschen GeschlechtsidentitĂ€t" sprach.

Besonders problematisch: Diese Politik ignorierte bewusst die EinschÀtzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die trans und geschlechtsdiverse IdentitÀten seit 2019 nicht mehr als psychische Erkrankungen einstuft.

Der politische Wandel unter Biden

Die gute Nachricht fĂŒr trans Personen im US-MilitĂ€r: Diese diskriminierende Politik wurde mittlerweile durch PrĂ€sident Biden rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Bereits im Januar 2021 hob Biden das Trump-Verbot per Exekutivanordnung auf. Die Biden-Administration betonte, dass alle qualifizierten Amerikaner*innen dienen sollten und dass Vielfalt eine StĂ€rke des MilitĂ€rs sei. Das Pentagon erließ daraufhin neue Richtlinien zur UnterstĂŒtzung von trans Soldaten, einschließlich Regelungen fĂŒr medizinische Versorgung.

Deutsche Bundeswehr als positives Gegenbeispiel

Im deutlichen Gegensatz zur Trump-Ära steht die Haltung der deutschen Bundeswehr. In Deutschland dĂŒrfen trans Personen ohne spezifische EinschrĂ€nkungen im MilitĂ€r dienen. Die Bundeswehr hat sich einer inklusiven Arbeitsumgebung verschrieben, in der alle Soldat*innen unabhĂ€ngig von ihrer GeschlechtsidentitĂ€t respektiert und unterstĂŒtzt werden.

Laut Haufe.de gilt die Bundeswehr sogar als Vorreiter fĂŒr den respektvollen Umgang mit Geschlechtsangleichungen im ArbeitsverhĂ€ltnis. Die medizinische Versorgung im Zusammenhang mit Geschlechtsangleichung ist in der Regel durch die militĂ€rische Krankenversicherung abgedeckt - ein enormer Unterschied zur diskriminierenden Politik unter Trump.

Die gesellschaftliche Bedeutung

Der Umgang mit trans Personen im MilitĂ€r spiegelt oft breitere gesellschaftliche Haltungen wider. Die Trump-Administration fĂŒhrte zahlreiche diskriminierende Maßnahmen gegen trans Menschen ein, nicht nur im MilitĂ€r. Die damalige BegrĂŒndung, trans Personen wĂŒrden eine "zu hohe medizinische Belastung" darstellen, wurde von Expert*innen wiederholt widerlegt.

Die deutsche Position zeigt, dass Inklusion und militĂ€rische EffektivitĂ€t Hand in Hand gehen können. Trans Personen bringen wie alle anderen Soldat*innen wertvolle FĂ€higkeiten und Perspektiven ein. Die Bundeswehr erkennt an, dass die UnterstĂŒtzung der IdentitĂ€t aller Mitarbeitenden letztlich die Einsatzbereitschaft und Moral stĂ€rkt.

Fazit: Ein Kampf um Gleichberechtigung

WĂ€hrend trans Personen im US-MilitĂ€r unter Trump aktiv ausgegrenzt wurden, zeigt die deutsche Praxis, dass ein inklusiver Ansatz möglich und vorteilhaft ist. Die RĂŒcknahme des Verbots durch Biden ist ein wichtiger Schritt, doch bleibt die Sorge, dass bei einem erneuten politischen Wandel in den USA diese Rechte wieder in Gefahr geraten könnten.

Der Kampf um Gleichberechtigung fĂŒr trans Personen im MilitĂ€r ist somit Teil eines grĂ¶ĂŸeren Ringens um die Anerkennung der Menschenrechte und WĂŒrde aller LGBTQ+ Personen - ein Kampf, der auch in Deutschland trotz fortschrittlicherer Politik weitergeht.


DiversitĂ€t oder Übernahme: US-Telekommunikationsriese Verizon opfert Inklusionsprogramme fĂŒr Milliardendeal

Der US-Telekom-Riese Verizon hat die milliardenschwere Übernahme des Konkurrenten Frontier Communications erst nach dem vollstĂ€ndigen Verzicht auf DiversitĂ€ts-Initiativen bewilligt bekommen, wie queer.de berichtet. Dies zeigt, wie unter der Trump-Administration GleichstellungsbemĂŒhungen zunehmend unter Druck geraten und wirtschaftliche Interessen ĂŒber Inklusionsziele gestellt werden.

DEI-Programme als Hindernis fĂŒr MilliardenĂŒbernahme

Verizon hatte zum insgesamt rund 20 Milliarden Dollar schweren Kauf des Konkurrenten Frontier Communications bereits im vergangenen September angesetzt. Der von Donald Trump eingesetzte Chef der US-Telekom-Aufsicht FCC, Brendan Carr, blockierte jedoch die Genehmigung mit der BegrĂŒndung, Verizon wĂŒrde seine DEI-Programme (Diversity, Equity and Inclusion) nicht entschieden genug abschaffen.

Am Donnerstag teilte Verizon der FCC (Federal Communications Commission) schließlich mit, dass alle DiversitĂ€ts-Programme sofort beendet wĂŒrden. Diese Entscheidung umfasste laut Fox Business die Entfernung der "Diversity and Inclusion"-Website, die Streichung von DEI-Hinweisen aus Mitarbeiterschulungen sowie Änderungen bei der Personalbeschaffung, Karriereentwicklung, Lieferantenvielfalt und Unternehmenssponsoring. Schon am Freitag kam aus Washington grĂŒnes Licht fĂŒr die Übernahme.

Donald Trumps Feldzug gegen DiversitÀts-Initiativen

US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒhrt einen regelrechten Feldzug gegen Initiativen fĂŒr DiversitĂ€t, Gleichberechtigung und Inklusion. In den USA sind diese Programme unter der AbkĂŒrzung DEI bekannt. Mit ihnen sollen benachteiligte Personengruppen gefördert werden – der PrĂ€sident und seine Republikanische Partei behaupten jedoch, dass dadurch andere diskriminiert wĂŒrden und die Kompetenz leide.

FCC-Chef Brendan Carr begrĂŒĂŸte die Entscheidung von Verizon und bezeichnete sie als "guten und wichtigen Schritt vorwĂ€rts, der Chancengleichheit, Nichtdiskriminierung und das öffentliche Interesse fördert" – eine Argumentation, die bei BĂŒrgerrechtsgruppen auf scharfe Kritik stĂ¶ĂŸt.

Parallelen zu T-Mobile US in Deutschland

Der Fall Verizon ist kein Einzelfall. Auch die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US hatte ihre DiversitĂ€ts-Initiativen weitgehend gestrichen, um die Genehmigung fĂŒr die angestrebte Übernahme des Kabelnetzbetreibers Lumos zu erhalten. Nur einen Tag nach der AnkĂŒndigung, die DEI-Programme zu beenden, genehmigte die FCC die Übernahme.

Im Gegensatz zu den USA verfolgt Deutschland einen anderen Ansatz bezĂŒglich DiversitĂ€t in Unternehmen. Hier gibt es gesetzliche Vorgaben wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Quotenregelungen fĂŒr Frauen in FĂŒhrungspositionen. Zudem haben viele deutsche Unternehmen, darunter die Deutsche Telekom selbst, eigene DiversitĂ€tsstrategien entwickelt, die sie als Wettbewerbsvorteil und wichtigen Teil ihrer Unternehmenskultur betrachten.

Besorgnis in LGBTQ+-Gemeinschaft

In der LGBTQ+-Gemeinschaft wĂ€chst die Sorge ĂŒber die zunehmenden Angriffe auf DiversitĂ€tsinitiativen. Diese Programme bieten oft wichtige Schutz- und UnterstĂŒtzungsmechanismen fĂŒr queere Menschen am Arbeitsplatz. Der Verzicht auf solche Programme könnte nicht nur zu verstĂ€rkter Diskriminierung fĂŒhren, sondern auch die jahrelangen Fortschritte bei der Gleichstellung im Berufsleben gefĂ€hrden.

FĂŒr viele Beobachter:innen symbolisiert der Fall Verizon einen besorgniserregenden Trend: Wirtschaftliche Interessen werden ĂŒber Gleichstellungsziele gestellt, und Unternehmen sind bereit, ihre DiversitĂ€tsbemĂŒhungen aufzugeben, wenn es finanziell vorteilhaft erscheint.

Warnsignal fĂŒr Europa

Obwohl in Deutschland und Europa eine andere Rechtsgrundlage besteht, sehen Expert:innen den Fall als Warnsignal. IT-Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass politische Strömungen auch in Europa vermehrt gegen DiversitÀtsinitiativen mobilisieren und Àhnliche Entwicklungen wie in den USA anstreben könnten.

Die Situation bei Verizon zeigt deutlich, wie politischer Druck und wirtschaftliche Interessen Unternehmen dazu bringen können, von ihren selbst gesteckten DiversitĂ€tszielen abzurĂŒcken. FĂŒr die LGBTQ+-Community und andere marginalisierte Gruppen bedeutet dies, dass Errungenschaften im Bereich der Gleichstellung weiterhin aktiv verteidigt werden mĂŒssen – sowohl in den USA als auch in Deutschland.


Mpox in Deutschland: 232 FĂ€lle in 2024 – PrĂ€vention bleibt wichtig fĂŒr die queere Community

In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits 232 Mpox-Infektionen registriert, wie aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen. Dies berichtet queer.de unter Berufung auf Aussagen des RKI-Infektions-Experten Klaus Jansen. Damit nĂ€hert sich die Zahl der FĂ€lle in diesem Jahr bereits der Gesamtzahl aus dem vergangenen Jahr (275 FĂ€lle), bleibt aber deutlich unter dem Niveau des großen Ausbruchs von 2022 mit 3.672 FĂ€llen.

Aktuelle EinschÀtzung der Lage

Trotz des Anstiegs betrachtet das RKI die Entwicklung nicht als besorgniserregend. "Insgesamt finden wir aktuell das Infektionsgeschehen nicht ĂŒberraschend", erklĂ€rt Jansen. "Leichtere Anstiege und AbfĂ€lle von Infektionen, wie wir sie regional in den letzten Monaten gesehen haben, sind zu erwarten, da Mpox immer wieder in sexuellen Netzwerken auftreten kann, bei denen die ImmunitĂ€t geringer ausgeprĂ€gt ist." Das RKI schĂ€tzt die GefĂ€hrdung fĂŒr die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland weiterhin als gering ein.

Übertragungswege und Risikogruppen

Mpox wird hauptsĂ€chlich durch engen Körperkontakt ĂŒbertragen, insbesondere beim Sex. Das Virus kann ĂŒber kleinste Hautverletzungen, SchleimhĂ€ute und möglicherweise auch ĂŒber die Atemwege in den Körper gelangen, wie das Bundesministerium fĂŒr Gesundheit informiert. Die Infektion löst typischerweise Hautausschlag, Fieber und Muskelschmerzen aus.

Die bisherigen FĂ€lle in Deutschland betreffen ĂŒberwiegend MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben (MSM). Laut RKI gab es in Deutschland bisher "nur ganz, ganz wenige" FĂ€lle bei Frauen oder Kindern, zumeist als SekundĂ€rinfektionen im engeren sozialen Umfeld oder in der Familie. Auch unter ReiserĂŒckkehrer*innen sei bislang keine HĂ€ufung zu erkennen.

Impfempfehlungen und PrÀvention

Die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Mpox fĂŒr Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, insbesondere MSM mit hĂ€ufig wechselnden Partner*innen, sowie fĂŒr exponiertes Laborpersonal. In Deutschland stehen die Impfstoffe ImvanexÂź (in der EU zugelassen) und JynneosÂź (in den USA zugelassen) zur VerfĂŒgung. FĂŒr eine Grundimmunisierung sind zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 28 Tagen erforderlich, wie das Ministerium fĂŒr Soziales, Gesundheit und Integration Baden-WĂŒrttemberg mitteilt. Personen, die bereits in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, benötigen nur eine einmalige Impfstoffdosis.

"Der Impfung als sehr gutem PrÀventionsinstrument kommt eine hohe Bedeutung zu", betont RKI-Experte Jansen. Die Schutzwirkung der Impfung ist sehr gut, und auch in bestimmten Situationen nach dem Kontakt mit Infizierten kann eine Impfung sinnvoll sein, um den Krankheitsverlauf zu mildern.

Regionale Unterschiede und besondere Aufmerksamkeit in Berlin

Berlin war im Jahr 2022 besonders stark von Mpox betroffen und bleibt auch jetzt ein Schwerpunkt, wie die Gelbe Liste berichtet. Ende MĂ€rz dieses Jahres warnte die Schwulenberatung Berlin vor einem Anstieg der Fallzahlen und forderte verstĂ€rkte AufklĂ€rungsarbeit. Auch HIV-Beratungsstellen und LGBTQ+-Gesundheitszentren in anderen GroßstĂ€dten bieten spezielle Informationen und Impfberatungen an.

Neue Virusvarianten im Blick

Seit Oktober des vergangenen Jahres wurden in Deutschland vereinzelt FÀlle einer Mpox-Infektion durch die Klade Ib nachgewiesen, wie Infektionsschutz.de berichtet. Diese stehen im Zusammenhang mit im Ausland erworbenen Infektionen. Die Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung neuer Varianten aufmerksam, bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf eine erhöhte GefÀhrdung durch diese Varianten in Deutschland.

Ausblick auf die Festivalsaison

Mit Blick auf die beginnende Festivalsaison und Großveranstaltungen wie den Christopher Street Day (CSD) bleiben Gesundheitsexpert*innen wachsam. Allerdings habe man im vergangenen Jahr um solche Ereignisse keine starke HĂ€ufung von Infektionen feststellen können, so der RKI-Experte Jansen. Dennoch werden Community-Organisationen und GesundheitsĂ€mter weiterhin PrĂ€ventionsarbeit leisten und Informationen bereitstellen.

Personen mit Symptomen wie Hautausschlag, Fieber oder Lymphknotenschwellungen, besonders nach Risikokontakten, sollten Àrztliche Hilfe in Anspruch nehmen und vorab telefonisch auf den Verdacht hinweisen. Weitere Informationen und Beratungsangebote finden Betroffene bei ihrem lokalen Gesundheitsamt, der Deutschen Aidshilfe und spezialisierten LGBTQ+-Gesundheitszentren.


Alarmierender Anstieg: Über 50 Prozent mehr queerfeindliche Straftaten in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein ist eine besorgniserregende Zunahme von HasskriminalitĂ€t gegen queere Menschen zu verzeichnen. Wie queer.de berichtet, hat sich die Zahl der Straftaten, die sich gegen die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche IdentitĂ€t richten, innerhalb eines Jahres um mehr als 50 Prozent erhöht. Das Innenministerium des nördlichsten Bundeslandes erfasste fĂŒr 2023 insgesamt 68 solcher Delikte, wĂ€hrend es im Jahr 2022 noch 44 waren.

Teil eines bundesweiten Problems

Diese beunruhigende Entwicklung in Schleswig-Holstein steht im Einklang mit einem bundesweiten Trend. Laut einem Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) vom Dezember 2023 wurden im vergangenen Jahr insgesamt 17.007 FÀlle von HasskriminalitÀt in ganz Deutschland registriert. Besonders alarmierend: Mehr als jeder zehnte dieser FÀlle richtete sich gegen queere Menschen. Die Statistik des BKA zeigt zudem, dass sich die Zahl der Straftaten in den Bereichen "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene DiversitÀt" seit 2010 nahezu verzehnfacht hat.

VielfÀltige Delikte gegen queere Menschen

Die erfassten Straftaten in Schleswig-Holstein umfassen ein breites Spektrum an Delikten. Das Innenministerium nennt beispielsweise Beleidigungen und DiebstĂ€hle, aber auch Körperverletzungen. Diese Bandbreite verdeutlicht, dass queerfeindliche Gewalt unterschiedliche Formen annehmen kann – von verbalen Attacken bis hin zu physischen Übergriffen.

Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Untersuchungen der Tagesschau zeigen, dass viele Betroffene aus Scham, Angst vor weiterer Diskriminierung oder aufgrund mangelnden Vertrauens in die Behörden keine Anzeige erstatten. Die tatsĂ€chliche Zahl queerfeindlicher VorfĂ€lle dĂŒrfte daher deutlich höher liegen als die offiziellen Statistiken vermuten lassen.

Ursachen fĂŒr den Anstieg

Die GrĂŒnde fĂŒr den Anstieg queerfeindlicher Straftaten sind vielschichtig. Zum einen lĂ€sst sich eine Zunahme von Hassrede in sozialen Medien beobachten, die reale Auswirkungen auf das Leben queerer Menschen hat. Zum anderen tragen politische Strömungen, die sich gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt positionieren, zu einem gesellschaftlichen Klima bei, in dem Diskriminierung und Gewalt gedeihen können.

"Wir sehen eine besorgniserregende Normalisierung queerfeindlicher Rhetorik in öffentlichen Debatten", erklĂ€rt Hanna Schmidt von der Beratungsstelle gegen Diskriminierung und Gewalt in Kiel. "Diese verbale Gewalt schafft den NĂ€hrboden fĂŒr tatsĂ€chliche Übergriffe auf queere Menschen."

Schutzmaßnahmen und UnterstĂŒtzungsangebote

Um dem Anstieg queerfeindlicher Gewalt entgegenzuwirken, sind verschiedene AnsĂ€tze notwendig. In Schleswig-Holstein gibt es bereits einige Initiativen, die Betroffene unterstĂŒtzen und prĂ€ventiv arbeiten. Dazu zĂ€hlen spezialisierte Ansprechpersonen bei der Polizei sowie Beratungsstellen wie HAKI e.V. in Kiel oder die Beratungsstelle Lambda Nord.

Auch auf Bundesebene gibt es BemĂŒhungen, den Schutz queerer Menschen zu verbessern. So werden Fortbildungen fĂŒr Polizei und Justiz angeboten, um fĂŒr queerfeindliche HasskriminalitĂ€t zu sensibilisieren. Zudem können Betroffene VorfĂ€lle bei Meldestellen wie dem LSVD-Projekt "Report Homophobia" dokumentieren lassen, selbst wenn sie keine Anzeige erstatten möchten.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist gefragt

Angesichts der steigenden Zahlen queerfeindlicher Straftaten ist auch zivilgesellschaftliches Engagement von großer Bedeutung. "Wir alle können dazu beitragen, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem Diskriminierung und Gewalt keinen Platz haben", betont Lars Thiemann vom CSD Schleswig-Holstein. "Das beginnt im Alltag – beim Einschreiten, wenn wir queerfeindliche Äußerungen mitbekommen, und reicht bis hin zur UnterstĂŒtzung lokaler LGBTQ+-Organisationen."

Besonders wichtig ist laut Experten auch eine verstĂ€rkte AufklĂ€rungsarbeit an Schulen und in Jugendeinrichtungen. Nur durch frĂŒhzeitige Sensibilisierung fĂŒr Vielfalt kann langfristig ein respektvolles Miteinander gefördert werden.

Fazit: Wachsamkeit und SolidaritÀt

Die steigenden Zahlen queerfeindlicher Straftaten in Schleswig-Holstein und bundesweit sind ein deutliches Warnsignal. Sie erfordern entschlossenes Handeln von Politik, Behörden und Zivilgesellschaft. Gleichzeitig sind sie ein Aufruf an alle, SolidaritĂ€t mit queeren Menschen zu zeigen und fĂŒr eine Gesellschaft einzutreten, in der jeder Mensch unabhĂ€ngig von seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen IdentitĂ€t in Sicherheit und WĂŒrde leben kann.

Betroffene von queerfeindlicher Gewalt finden UnterstĂŒtzung bei regionalen Beratungsstellen sowie ĂŒberregionalen Angeboten wie der Queer Advice Helpline (Tel: 0800 7237538) oder der Beratungsstelle des Bundesverbandes Trans*.


Geldstrafe fĂŒr Mostafa Mohamed: Wenn religiöse Überzeugungen auf LGBTQ+-InklusionsbemĂŒhungen treffen

Der Ă€gyptische Fußballprofi Mostafa Mohamed vom französischen Erstligisten FC Nantes verweigert erneut die Teilnahme an einem Spiel, das im Zeichen des Kampfes gegen Queerfeindlichkeit steht. Wie queer.de berichtet, hat sich der StĂŒrmer geweigert, bei der Partie am Samstag gegen den HSC Montpellier aufzulaufen, die auf den internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHPOBIT) fĂ€llt.

Wiederkehrende Verweigerung und BegrĂŒndung

Es ist nicht das erste Mal, dass der 27-jĂ€hrige Ägypter bei Aktionen gegen Queerfeindlichkeit abseits steht. Bereits in den Jahren 2023 und 2024 hatte Mohamed Spiele verweigert, bei denen Trikots mit Regenbogen-Elementen getragen wurden. Der Spieler begrĂŒndet seine Entscheidung mit seinen religiösen und kulturellen Überzeugungen: "Bestimmte tief verwurzelte Werte, die mit meiner Herkunft und meinem Glauben verbunden sind, machen es mir schwer, an dieser Initiative teilzunehmen", erklĂ€rte Mohamed in einem Social-Media-Post. Er betonte, dass seine Verweigerung "weder eine Ablehnung noch ein Urteil, sondern Ausdruck der Treue zu dem, was mich ausmacht" sei.

Konsequenzen vom Verein

Der FC Nantes hat fĂŒr das Verhalten seines Spielers kein VerstĂ€ndnis gezeigt und Mohamed mit einer Geldstrafe belegt. Laut NDTV Sports wird die Strafe an eine Organisation gespendet, die sich gegen Diskriminierung einsetzt. Der Verein unterstreicht damit seine klare Haltung fĂŒr DiversitĂ€t und gegen Homophobie im Fußball.

Parallelen zu Homophobie im deutschen Fußball

Auch im deutschen Fußball ist Homophobie nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem. Obwohl die deutsche Gesellschaft als weitgehend tolerant gegenĂŒber HomosexualitĂ€t gilt, hat sich bislang kein aktiver mĂ€nnlicher Fußballspieler in der Bundesliga öffentlich zu seiner HomosexualitĂ€t bekannt. Ein anonymer Bundesliga-Spieler berichtete von Ausgrenzung und dem Druck, seine sexuelle IdentitĂ€t zu verbergen, um seine Karriere zu schĂŒtzen.

Im Gegensatz zu Mohameds Verweigerung gibt es in Deutschland allerdings auch positive Entwicklungen: Der DFB unterstĂŒtzt aktiv Kampagnen gegen Homophobie, und Vereine wie der TSG Hoffenheim und der FC St. Pauli nehmen eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Diskriminierung ein. Besonders der FC St. Pauli setzt klare Zeichen mit Regenbogenflaggen im Stadion und eindeutigen Regeln gegen jede Form von Diskriminierung.

Initiative "Sports Free" als HoffnungstrÀger

Eine wichtige Initiative zur Förderung von Inklusion im deutschen Fußball ist "Sports Free" von Marcus Urban, die von mehreren Bundesliga-Vereinen unterstĂŒtzt wird. Das Projekt zielt darauf ab, ein Umfeld zu schaffen, in dem Sportler unabhĂ€ngig von ihrer sexuellen Orientierung akzeptiert werden und frei von Diskriminierung agieren können.

Der Fall Mostafa Mohamed wirft grundlegende Fragen auf: Inwieweit sollten persönliche oder religiöse Überzeugungen von Sportlern respektiert werden, wenn sie mit den Werten von Inklusion und Antidiskriminierung in Konflikt stehen? Und wie können SportverbĂ€nde und Vereine in Deutschland effektiver gegen Homophobie vorgehen, um ein wirklich inklusives Umfeld zu schaffen?

WĂ€hrend der französische Club eine klare Grenze gezogen hat, bleibt die Herausforderung bestehen, einen Weg zu finden, der sowohl religiöse Freiheit als auch die Rechte und die WĂŒrde der LGBTQ+-Gemeinschaft respektiert – eine Debatte, die auch in Deutschland weiterhin aktuell ist.


Ein letztes Zeichen fĂŒr Vielfalt: Neubrandenburgs schwuler OberbĂŒrgermeister hisst zum Abschied Regenbogenfahne

Der scheidende OberbĂŒrgermeister von Neubrandenburg, Silvio Witt, setzte kurz vor seinem Amtsende noch einmal ein deutliches Zeichen fĂŒr die Akzeptanz queerer Menschen. Wie queer.de berichtet, ließ der parteilose Politiker am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) drei Regenbogenfahnen vor dem Rathaus hissen – ein symbolischer Akt mit Vorgeschichte.

Flaggenstreit fĂŒhrte zum RĂŒcktritt

Witts Entscheidung, sein Amt am 31. Mai niederzulegen, steht in direktem Zusammenhang mit einem Beschluss der Stadtvertretung, das Hissen der Regenbogenfahne auf dem Bahnhofsvorplatz zu verbieten. Dieser Vorgang, der bundesweit fĂŒr Schlagzeilen sorgte, war fĂŒr den offen homosexuell lebenden OberbĂŒrgermeister der ausschlaggebende Grund, seinen RĂŒcktritt im Oktober letzten Jahres anzukĂŒndigen.

Bei der Flaggenhissung vor rund 70 Teilnehmer*innen kritisierte Witt die Doppelmoral in der öffentlichen Wahrnehmung: WĂ€hrend 340 Tage im Jahr verschiedene offizielle Flaggen vor dem Rathaus wehen, ohne dass jemand Notiz davon nimmt, sorgt ausgerechnet die Regenbogenfahne fĂŒr Hass-Kommentare.

Symbol mit politischer Dimension

Das Hissen der Regenbogenfahne an öffentlichen GebÀuden ist in Deutschland nach wie vor ein politisch aufgeladenes Thema. In vielen Kommunen gibt es Àhnliche Debatten wie in Neubrandenburg. Die Bundesstiftung Rosa Luxemburg betont die Bedeutung des IDAHOBIT als wichtigen Gedenktag, der auf die fortbestehende Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTQ+ Personen aufmerksam macht.

Debatten wie in Neubrandenburg zeigen, dass die UnterstĂŒtzung und Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der deutschen Kommunalpolitik nicht selbstverstĂ€ndlich sind. Nach Informationen von Tag24 hatte es in der Vergangenheit bereits Kontroversen um das Thema gegeben, die zu erheblichem öffentlichen Druck fĂŒhrten.

Ungewisse Zukunft fĂŒr LGBTQ+-Rechte in Neubrandenburg

Mit Witts Ausscheiden aus dem Amt stellt sich die Frage, wie sich die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns kĂŒnftig zu LGBTQ+-Themen positionieren wird. Am 25. Mai entscheidet eine Stichwahl ĂŒber seine Nachfolge. FĂŒr die queere Community bleibt zu hoffen, dass auch die neue Stadtspitze ein Zeichen fĂŒr Vielfalt und gegen Diskriminierung setzen wird.

Silvio Witts letzte Amtshandlung mit den Regenbogenfahnen kann als VermĂ€chtnis verstanden werden: Niemand solle sich ausgegrenzt fĂŒhlen oder das GefĂŒhl haben, nicht erwĂŒnscht zu sein, betonte er bei der Zeremonie – eine Botschaft, die ĂŒber seine Amtszeit hinaus Bestand haben sollte.

Der Fall Neubrandenburg verdeutlicht exemplarisch die Herausforderungen, mit denen LGBTQ+-Personen in Deutschland noch immer konfrontiert sind. WĂ€hrend in GroßstĂ€dten wie Berlin, Köln oder Hamburg Regenbogenfahnen lĂ€ngst zum selbstverstĂ€ndlichen Stadtbild gehören, werden sie in kleineren StĂ€dten und lĂ€ndlichen Regionen teilweise noch als kontrovers wahrgenommen.


CSD in Gelsenkirchen abgesagt: Wenn Bedrohungen die Vielfalt einschrÀnken

Der fĂŒr den 17. Mai 2024 geplante Christopher Street Day (CSD) in Gelsenkirchen wurde kurzfristig wegen einer "abstrakten Bedrohungslage" abgesagt, wie queer.de berichtet. Die Entscheidung erfolgte nur eine Stunde vor dem geplanten Start der Veranstaltung, nachdem ein anonymer Hinweis auf eine mögliche Bedrohung bei der Polizei eingegangen war. Laut Angaben der Veranstalter*innen vom queeren Jugendzentrum "Together" war die Warnung nicht konkret auf Gelsenkirchen bezogen, sondern betraf einen CSD in Nordrhein-Westfalen.

Sicherheit hat oberste PrioritÀt

"Eure Sicherheit steht ĂŒber Allem", erklĂ€rten die Organisator*innen auf ihren sozialen Medien. Die Absage traf die Community besonders hart, da die Veranstaltung am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter*- und Trans*feindlichkeit (IDAHOBIT) stattfinden sollte. Statt der Demonstration wurden die Teilnehmenden ins Jugendzentrum eingeladen. FĂŒr die Demonstration waren bis zu 600 Teilnehmende angemeldet.

Die Entscheidung zur Absage wurde vom Veranstalter eigenstÀndig getroffen, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Weitere Details zur Bedrohungslage konnten aufgrund laufender Ermittlungen nicht genannt werden.

Parallele EinschrÀnkungen in Mönchengladbach

Es war nicht die einzige betroffene Veranstaltung an diesem Tag. Auch in Mönchengladbach wurde eine angemeldete Demonstration zum IDAHOBIT aus SicherheitsgrĂŒnden in eine stationĂ€re Kundgebung umgewandelt. Laut WDR hatte die Polizei "Kenntnis von verdĂ€chtigen Äußerungen in Sozialen Medien erhalten, die sich allgemein gegen die Teilnehmenden der landesweit stattfindenden Kundgebungen richteten". Die Veranstaltung mit rund 100 Personen verlief ohne ZwischenfĂ€lle, nachdem die Polizei umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen hatte.

Besorgniserregende Entwicklung fĂŒr die LGBTQ+-Community

Diese VorfĂ€lle reihen sich ein in eine zunehmende Zahl von Bedrohungen gegen queere Veranstaltungen in Deutschland. Sebastian Merkens, LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrer und queerpolitischer Sprecher der Linken NRW, sprach von einer "dramatischen Zunahme queerfeindlicher Einstellungen, die viele queere Menschen auch in ihrem Alltag als BelĂ€stigung, Bedrohung und Gewalt erfahren". Er forderte die schwarz-grĂŒne Landesregierung auf, "umgehend eine Strategie zu entwickeln, wie queeres Leben und queere Communities in NRW wirksam geschĂŒtzt werden können".

Auch Huesmann Trulsen, Interims-Landesvorsitzende der NRWSPDqueer, Ă€ußerte sich bestĂŒrzt: "Dass in diesem Jahr ein friedlicher und bunter CSD in Gelsenkirchen nicht stattfinden kann, ist ein bitteres Zeichen – nicht nur fĂŒr die queere Community, sondern fĂŒr uns alle, die fĂŒr eine offene, vielfĂ€ltige und demokratische Gesellschaft einstehen."

Zunehmende Bedrohungen bei Pride-Veranstaltungen

Die Absage in Gelsenkirchen ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren haben Sicherheitsbedenken bei Pride-Veranstaltungen in Deutschland zugenommen. Wie das ZDF berichtet, wurden bereits andere CSDs aufgrund von Bedrohungen mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen durchgefĂŒhrt.

Laut Erhebungen des Bundesverbands der Beratungsstellen fĂŒr LGBTQ+-Personen hat die Zahl queerfeindlicher Übergriffe in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen – eine Entwicklung, die sich auch in der polizeilichen Kriminalstatistik widerspiegelt. Besonders alarmierend: Ein großer Teil der VorfĂ€lle wird gar nicht zur Anzeige gebracht.

Ausblick fĂŒr kommende Pride-Veranstaltungen

Die Pride-Saison 2024 hat gerade erst begonnen, und viele weitere Veranstaltungen stehen noch an. Die VorfĂ€lle in Gelsenkirchen und Mönchengladbach werfen Fragen auf, wie die Sicherheit bei kĂŒnftigen CSDs gewĂ€hrleistet werden kann, ohne dass diese ganz abgesagt werden mĂŒssen.

Die LGBTQ+-Community und ihre UnterstĂŒtzer*innen betonen, dass gerade in Zeiten zunehmender Anfeindungen die Sichtbarkeit durch Pride-Paraden und andere Veranstaltungen besonders wichtig ist. "Wir lassen uns nicht einschĂŒchtern", so der Tenor vieler Statements aus der Community nach der Absage in Gelsenkirchen. Viele Aktivist*innen fordern nun verstĂ€rkte Schutzmaßnahmen, ohne dass die Veranstaltungen ihren offenen und einladenden Charakter verlieren.

FĂŒr den CSD Gelsenkirchen, der ursprĂŒnglich unter dem Motto "Bunte Einheit: Europas Vielfalt feiern!" stattfinden sollte, wird nun nach Möglichkeiten gesucht, die Veranstaltung zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nachzuholen – mit einem klaren Signal: Die Vielfalt lĂ€sst sich nicht unterdrĂŒcken.


Berlins Regierender BĂŒrgermeister schneidet Regenbogentorte zum IDAHOBIT an - Ein Symbol der SolidaritĂ€t im Kampf gegen Queerfeindlichkeit

Am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) setzte Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) ein deutliches Zeichen fĂŒr Vielfalt und Toleranz. Mit dem feierlichen Anschnitt einer Regenbogentorte im Roten Rathaus am vergangenen Freitag demonstrierte er seine SolidaritĂ€t mit der LGBTQ+ Community, wie queer.de berichtete.

Symbolischer Akt im Herzen Berlins

„Mit dieser Zeremonie möchte ich ein Zeichen gegen Homophobie und fĂŒr ein vielfĂ€ltiges und tolerantes Berlin setzen", erklĂ€rte Wegner laut einer offiziellen Mitteilung. Bei der Veranstaltung waren auch Vertreter*innen der schwulen Anti-Gewalt-Initiative Maneo zugegen, die sich seit Jahren gegen queerfeindliche Gewalt in der Hauptstadt einsetzt.

Der bunte Kuchen ist Teil der bekannten Maneo-Kampagne „Kiss Kiss Berlin", die jĂ€hrlich im Mai an verschiedenen Orten der Stadt fĂŒr Sichtbarkeit sorgt. In den vergangenen Jahren wurde die symboltrĂ€chtige Torte bereits bei zahlreichen Institutionen angeschnitten, zuletzt auch bei der Berliner Polizei – ein wichtiges Signal der behördlichen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Community.

Erschreckende Zahlen zur Queerfeindlichkeit

Die symbolische Aktion findet vor dem Hintergrund besorgniserregender Statistiken statt: Allein im Jahr 2024 hat Maneo bereits 738 FĂ€lle und Hinweise auf Anfeindungen gegen queere Menschen in Berlin registriert. Diese Zahlen verdeutlichen, dass trotz aller gesellschaftlichen Fortschritte queerfeindliche Diskriminierung und Gewalt in Deutschland nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem darstellen.

Der IDAHOBIT wird jÀhrlich am 17. Mai begangen und erinnert an die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation von 1990, HomosexualitÀt von der Liste der psychischen Krankheiten zu streichen. Deutschlandweit nutzen zahlreiche StÀdte und Kommunen diesen Tag, um Flagge zu zeigen und sich öffentlich gegen Diskriminierung auszusprechen.

Fortschritte und anhaltende Herausforderungen

„In den vergangenen Jahren ist viel erreicht worden, doch noch immer gibt es Diskriminierung und Gewalttaten gegen queere Menschen", betonte Wegner in seiner Ansprache. Diese EinschĂ€tzung deckt sich mit aktuellen Studien zur Situation von LGBTQ+ Personen in Deutschland, die trotz rechtlicher Verbesserungen von fortbestehenden Diskriminierungserfahrungen im Alltag, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum berichten.

Die Berliner Initiative Maneo leistet mit ihrer Beratungsstelle fĂŒr Opfer queerfeindlicher Gewalt und Diskriminierung einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Community. Durch Kampagnen wie „Kiss Kiss Berlin" wird zudem die Sichtbarkeit queerer Lebensweisen erhöht und das Bewusstsein fĂŒr die anhaltenden Herausforderungen geschĂ€rft.

Die Regenbogentorte im Roten Rathaus steht somit nicht nur fĂŒr ein buntes Berlin, sondern auch fĂŒr die fortdauernde Verantwortung von Politik und Gesellschaft, sich aktiv gegen Diskriminierung einzusetzen und fĂŒr eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen einzutreten – unabhĂ€ngig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen IdentitĂ€t.


World Rainbow Dog Day: Kölner Initiative setzt Zeichen fĂŒr queere Hundefreunde

Eine neu gegrĂŒndete Kölner Initiative namens "DogRebels" möchte den 11. Juni als World Rainbow Dog Day etablieren, wie queer.de berichtet. Das Ziel: queere Hundehalter*innen sichtbar zu machen und die Hundegemeinschaft als Ort der Vielfalt zu feiern.

Eine Premiere fĂŒr die Community

"Unsere Vision ist eine bunte, respektvolle Hundewelt, in der jeder so akzeptiert wird, wie er oder sie ist", erklĂ€rt Sascha Keys, MitgrĂŒnder von "DogRebels". Die Initiative, ein Zusammenschluss queerer Hundeliebhaber*innen, hat bereits die Aktionsseite dogrebels4u.com/worldrainbowdogday freigeschaltet und plant diverse Mitmach-Aktionen.

Der Rainbow Dog Day soll nach Angaben der Organisator*innen eine LĂŒcke im Pride-Monat Juni schließen. WĂ€hrend es zahlreiche spezifische Pride-Veranstaltungen gibt, existierte bislang kein dedizierter Tag fĂŒr queere Menschen mit Hunden - ein Umstand, den die DogRebels nun Ă€ndern möchten.

Vielfalt in der Hundeszene

Die Verbindung zwischen LGBTQ+-Personen und ihren Haustieren ist oft besonders innig. Studien zeigen, dass Haustiere in der queeren Community eine wichtige Rolle als emotionale UnterstĂŒtzung spielen können. In einer deutschlandweiten Studie gaben LGBTQ+-Personen ĂŒberdurchschnittlich oft an, dass ihre Haustiere ihnen in schwierigen Zeiten Halt geben.

Am 11. Juni lĂ€dt die Initiative zu gemeinsamen "Regenbogen-Gassirunden" in mehreren deutschen StĂ€dten ein. Hundebesitzer*innen werden ermutigt, unter dem Hashtag #WorldRainbowDogDay in sozialen Medien Flagge zu zeigen. AusdrĂŒcklich sind auch Allies - also nicht-queere Hundefreund*innen - eingeladen, ihre SolidaritĂ€t zu demonstrieren.

Langfristige Vision: Sichere RĂ€ume in der Hundewelt

Die Kölner Initiative DogRebels verfolgt ambitionierte Ziele: Neben der jĂ€hrlichen DurchfĂŒhrung des World Rainbow Dog Day ab 2025 arbeiten sie am Aufbau eines bundesweiten Netzwerks, das regelmĂ€ĂŸige Treffen und Austauschrunden fĂŒr queere Hundehalter*innen ermöglichen soll.

Langfristig plant die Initiative, auch Dienstleister wie TierĂ€rzt*innen und Hundeschulen fĂŒr LGBTQ+-Themen zu sensibilisieren. Damit sollen mehr "sichere RĂ€ume" in allen Bereichen der Hundehaltung geschaffen werden - Orte, an denen queere Menschen mit ihren vierbeinigen Begleiter*innen frei von Diskriminierung sein können.

Ein wachsender Trend

Die Verbindung von Pride-Events mit Haustierfreundlichkeit ist international bereits zu beobachten. In StĂ€dten wie Berlin gibt es beispielsweise hundefreundliche Pride-Paraden, und in vielen deutschen GroßstĂ€dten existieren spezielle Treffpunkte fĂŒr queere Hundebesitzer*innen. Mit dem World Rainbow Dog Day erhĂ€lt diese Bewegung nun einen eigenen, offiziellen Tag im Pride-Kalender.

Wer mitmachen möchte, kann sich ĂŒber die Website der Initiative informieren oder direkt am 11. Juni mit dem eigenen Vierbeiner an einer der Regenbogen-Gassirunden teilnehmen. Auch das Teilen von Fotos unter dem Hashtag #WorldRainbowDogDay ist eine Möglichkeit, die Initiative zu unterstĂŒtzen.


BBC-Kontroverse ĂŒber "biologisches Geschlecht" wirft Fragen auf: Relevante Parallelen zur deutschen Transgender-Debatte

Die britische Rundfunkanstalt BBC hat kĂŒrzlich eine Beschwerde zurĂŒckgewiesen, die sich gegen einen Artikel richtete, in dem behauptet wurde, dass "biologisches Geschlecht nicht geĂ€ndert werden kann". Wie PinkNews berichtet, verteidigte die BBC ihre Formulierung als notwendigen Kontext, um Lesern die Auswirkungen der Geschlechtsdatenerfassung im Gesundheitswesen zu verdeutlichen. Die Kontroverse wirft ein Schlaglicht auf Ă€hnliche Debatten, die auch in Deutschland ĂŒber Medienberichterstattung zu Transgender-Themen gefĂŒhrt werden.

Der BBC-Vorfall im Detail

Im MĂ€rz 2024 veröffentlichte die BBC einen Artikel ĂŒber den Sullivan-Bericht, eine von der konservativen britischen Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung zur Erfassung von GeschlechtsidentitĂ€t in britischen DatensĂ€tzen. Der Bericht, geleitet von Soziologieprofessorin Alice Sullivan, empfahl, dass öffentliche Einrichtungen sich auf die Erfassung von "biologischem Geschlecht" konzentrieren sollten, um einen "weit verbreiteten Verlust von Daten ĂŒber das Geschlecht" zu vermeiden.

In dem BBC-Artikel hieß es: "Obwohl Menschen rechtlich ihr Geschlecht Ă€ndern können, können sie ihr biologisches Geschlecht nicht Ă€ndern. Das bedeutet, dass eine Frau, die zu einem Mann wird, möglicherweise weiterhin GebĂ€rmutterhalsuntersuchungen benötigt, und Transgender-Frauen möglicherweise Prostata-Untersuchungen benötigen." Diese Darstellung wurde von einem Leser als irrefĂŒhrend kritisiert, da sie eine komplexe wissenschaftliche RealitĂ€t stark vereinfache.

Parallelen zur deutschen Medienlandschaft

In Deutschland hat die Berichterstattung ĂŒber Transgender-Themen in den letzten Jahren erheblich zugenommen, insbesondere im Zusammenhang mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz, das am 1. November 2024 in Kraft trat. Dieses Gesetz, das das veraltete Transsexuellengesetz von 1980 ersetzt, ermöglicht es trans* und nicht-binĂ€ren Personen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt zu Ă€ndern.

Wie in Großbritannien gibt es auch in Deutschland unterschiedliche Ansichten darĂŒber, wie Medien ĂŒber GeschlechtsidentitĂ€t berichten sollten. Forschungsergebnisse zeigen, dass trotz erhöhter Sichtbarkeit Themen der GeschlechtsidentitĂ€t in der deutschen Berichterstattung oft entpolitisiert und an vorherrschende gesellschaftliche Normen angepasst werden.

Wissenschaftliche Perspektiven vs. vereinfachte Darstellungen

Der Vorwurf gegen die BBC-Berichterstattung betrifft die vereinfachte Darstellung des "biologischen Geschlechts" als unverĂ€nderbare GrĂ¶ĂŸe. Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass Geschlecht biologisch komplex ist und aus verschiedenen Komponenten besteht – darunter Chromosomen, Hormone, Gonaden und anatomische Merkmale – die sich teilweise durch medizinische Eingriffe und Hormonbehandlungen verĂ€ndern lassen.

In Deutschland haben medizinische Einrichtungen wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t wiederholt auf die KomplexitĂ€t des biologischen Geschlechts hingewiesen und davor gewarnt, vereinfachte Darstellungen zu verbreiten, die wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen.

Politische Dimensionen der Debatte

Wie in Großbritannien ist auch in Deutschland die Transgender-Debatte stark politisiert. WĂ€hrend die Ampelkoalition das fortschrittliche Selbstbestimmungsgesetz verabschiedete, haben sich die AfD und Teile der CDU/CSU kritisch geĂ€ußert. CDU-Vorsitzender Friedrich Merz hat sogar angekĂŒndigt, das Gesetz rĂŒckgĂ€ngig machen zu wollen, falls seine Partei die nĂ€chste Bundestagswahl gewinnt.

Diese politische Polarisierung spiegelt sich auch in der Medienberichterstattung wider. Ähnlich wie die BBC in Großbritannien sehen sich auch deutsche Medien dem Vorwurf ausgesetzt, komplexe Themen zu vereinfachen und dabei bestimmte politische Sichtweisen zu bevorzugen.

Bedeutung fĂŒr die Medienverantwortung

Der Fall der BBC-Beschwerde unterstreicht die Verantwortung der Medien bei der Berichterstattung ĂŒber komplexe wissenschaftliche und soziale Themen. In ihrer Antwort auf die Beschwerde rĂ€umte die BBC ein, dass Experten ihre Berichterstattung möglicherweise als "ĂŒbermĂ€ĂŸig reduzierend" empfinden könnten, betonte jedoch die Notwendigkeit, Inhalte fĂŒr ein breites Publikum zugĂ€nglich zu machen.

Diese Spannung zwischen Genauigkeit und ZugĂ€nglichkeit stellt auch deutsche Medien vor Herausforderungen. Der anhaltende Diskurs ĂŒber geschlechtsneutrale Sprache in Deutschland zeigt, wie Medien stĂ€ndig zwischen wissenschaftlicher PrĂ€zision und allgemeiner VerstĂ€ndlichkeit abwĂ€gen mĂŒssen.

Fazit

Die BBC-Kontroverse spiegelt Ă€hnliche Diskussionen wider, die auch in Deutschland gefĂŒhrt werden. WĂ€hrend das deutsche Selbstbestimmungsgesetz einen wichtigen Fortschritt fĂŒr die rechtliche Anerkennung der GeschlechtsidentitĂ€t darstellt, bleibt die Medienberichterstattung ĂŒber Transgender-Themen ein umstrittenes Feld.

Sowohl britische als auch deutsche Medienkonsumenten sind zunehmend kritisch gegenĂŒber vereinfachten Darstellungen komplexer wissenschaftlicher Konzepte. Die Herausforderung fĂŒr Medienorganisationen besteht darin, eine Balance zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und ZugĂ€nglichkeit zu finden, ohne dabei politische Voreingenommenheit zu zeigen oder marginalisierte Gruppen zu diskriminieren.

FĂŒr LGBTQ+-Gemeinschaften in beiden LĂ€ndern unterstreicht dieser Fall die Notwendigkeit, weiterhin fĂŒr eine faire und wissenschaftlich fundierte Medienberichterstattung einzutreten, die der KomplexitĂ€t menschlicher GeschlechtsidentitĂ€t gerecht wird.


Britische EliteuniversitÀt in der Kritik wegen transfeindlicher Toiletten-Richtlinie

Die University of Warwick in Großbritannien steht derzeit unter heftiger Kritik, nachdem sie vorĂŒbergehend eine Richtlinie eingefĂŒhrt hatte, die den Zugang zu Toiletten fĂŒr Transgender-Personen einschrĂ€nkt. Die ursprĂŒngliche Nachricht wurde von PinkNews berichtet, wĂ€hrend die Debatte ĂŒber die Rechte von trans Personen auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Was ist an der University of Warwick passiert?

Die britische UniversitĂ€t hatte kurzzeitig ihren "Trans Inclusion Code of Conduct" aktualisiert und darin festgelegt, dass Transgender-Studierende und Mitarbeitende nur entweder geschlechtsneutrale Toiletten oder solche benutzen dĂŒrfen, die ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprechen. Nach heftigen Protesten befindet sich die Richtlinie nun "unter ÜberprĂŒfung".

Die vorgeschlagene Regelung besagte wörtlich, dass trans Personen "Einrichtungen wie Toiletten und UmkleiderĂ€ume nutzen dĂŒrfen, die (1) fĂŒr das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht der trans Person bestimmt sind oder (2) die als geschlechtsneutral gekennzeichnet sind". AusdrĂŒcklich verboten wurde die Nutzung von geschlechtsspezifischen RĂ€umen, die nicht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprechen.

Reaktionen und Kritik

Studierende reagierten empört auf Reddit und warfen der UniversitĂ€t "Pink-Washing" vor – also das VortĂ€uschen von LGBTQ+-Freundlichkeit, wĂ€hrend tatsĂ€chlich diskriminierende Maßnahmen ergriffen werden. Ein Nutzer fragte provokativ: "Ich möchte wissen, wo die Richtlinie fĂŒr cis-Personen ist. DĂŒrfen jetzt alle Toiletten benutzen, sofern sie nicht trans sind?"

Andere rieten betroffenen Studierenden, sich mit der University and College Union (UCU) in Verbindung zu setzen, die sich erst im April erneut zur BekÀmpfung von Diskriminierung gegen LGBTQ+-Personen bekannt hatte.

Rechtlicher Hintergrund in Großbritannien

Die UniversitĂ€t beruft sich auf eine Handreichung der britischen Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission (EHRC), die wiederum auf einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs basiert. Dieser hatte festgelegt, dass die Definition einer "Frau" im Gleichstellungsgesetz von 2010 nur fĂŒr "biologische Frauen" gilt. Die Richtlinien der EHRC sind jedoch nicht rechtsverbindlich und können nicht gesetzlich durchgesetzt werden.

Die Situation in Deutschland

In Deutschland verfolgen UniversitĂ€ten einen deutlich anderen Ansatz. Viele deutsche Hochschulen haben in den letzten Jahren "All-Gender-Toiletten" eingerichtet, um einen diskriminierungsfreien Zugang fĂŒr alle GeschlechtsidentitĂ€ten zu gewĂ€hrleisten. Anders als in Großbritannien gibt es in Deutschland keine bundeseinheitlichen Regelungen zur Toilettennutzung fĂŒr Transgender-Personen – die Verantwortung liegt bei den Bildungseinrichtungen selbst.

Die UniversitĂ€t Hamburg hat beispielsweise ein umfassendes Konzept fĂŒr All-Gender-Toiletten entwickelt. Die Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg hat bereits an 25 Standorten geschlechtsneutrale Toiletten eingerichtet, zusĂ€tzlich zu den bestehenden Toiletten fĂŒr Frauen und MĂ€nner. Auch die UniversitĂ€t Greifswald fĂŒhrt im Sommersemester 2025 All-Gender-Toiletten ein.

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t (dgti) betont, dass die Toilettenwahl fĂŒr viele trans, inter und nicht-binĂ€re Personen mit Ängsten verbunden ist. Diskriminierung und BelĂ€stigung beim Toilettengang können zu sozialer Isolation fĂŒhren und stellen ein echtes Problem im Alltag dar.

Ein internationaler Vergleich

WĂ€hrend Großbritannien in den letzten Jahren eine zunehmend restriktive Haltung gegenĂŒber Transgender-Rechten eingenommen hat, gilt Deutschland im internationalen Vergleich als vergleichsweise fortschrittlich – wenn auch mit Verbesserungspotenzial. Kanada hat 2017 den "Canadian Human Rights Act" geĂ€ndert, um GeschlechtsidentitĂ€t und -ausdruck explizit zu schĂŒtzen, und seither mĂŒssen öffentliche GebĂ€ude und UniversitĂ€ten geschlechtsneutrale Toiletten anbieten. Schweden gilt als Vorreiter in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und verfĂŒgt ĂŒber zahlreiche geschlechtsneutrale Toiletten, besonders in Stockholm.

Fazit

Die Kontroverse an der University of Warwick zeigt exemplarisch, wie die Debatte um Transgender-Rechte auch im akademischen Umfeld gefĂŒhrt wird. WĂ€hrend in Großbritannien derzeit ein zunehmend restriktives Klima herrscht, setzen deutsche Hochschulen mehrheitlich auf Inklusion durch die Einrichtung von All-Gender-Toiletten. Die Erfahrungen aus LĂ€ndern wie Kanada und Schweden legen nahe, dass ein inklusiver Ansatz möglich ist, ohne die Sicherheit oder PrivatsphĂ€re anderer zu gefĂ€hrden.

FĂŒr Betroffene und Interessierte in Deutschland bieten Organisationen wie das TransInterQueer e.V. Informationen und Beratung zum Thema diskriminierungsfreie Toilettennutzung.


Mpox-FÀlle in Berlin auf Rekordkurs - Gesundheitsbehörden alarmiert

Die Zahl der Mpox-Infektionen (frĂŒher bekannt als Affenpocken) in Berlin steigt besorgniserregend an. Laut dem aktuellen Wochenbericht des Landesamtes fĂŒr Gesundheit und Soziales (LAGeSo) wurden in diesem Jahr bereits 74 Infektionen registriert - mehr als im gesamten Vorjahr mit 67 FĂ€llen.

Aktuelle Lage in Berlin

Bei allen bisher in diesem Jahr gemeldeten FĂ€llen handelt es sich um MĂ€nner. Von den 66 Betroffenen, zu denen Informationen zum Impfstatus vorliegen, sind 30 mindestens einmal gegen Mpox geimpft. Bei 55 MĂ€nnern wurden sexuelle Kontakte zu anderen MĂ€nnern als Infektionsquelle identifiziert.

Der aktuelle Anstieg ist alarmierend, aber noch weit entfernt vom Höhepunkt der Verbreitung im Jahr 2022, als bis Mitte August mehr als 1.500 laborbestÀtigte FÀlle in Berlin registriert wurden. Fast ein Drittel aller Mpox-FÀlle in Deutschland wurden in diesem Jahr in Berlin gemeldet, was die Hauptstadt zum Hotspot macht.

Was ist Mpox und wie verbreitet es sich?

Mpox wird hauptsĂ€chlich durch engen Körperkontakt ĂŒbertragen, insbesondere beim Sex. Das Virus verursacht typischerweise einen Hautausschlag mit Pusteln, kann aber auch Fieber und Muskelschmerzen auslösen. In Deutschland wurden bislang keine TodesfĂ€lle verzeichnet.

In Berlin zirkuliert laut Gesundheitsbehörden hauptsÀchlich die Mpox-Klade II. Diese Variante verbreitete sich seit Mai 2022 weltweit hauptsÀchlich durch engen Körperkontakt und Sexualkontakte. Das Berliner Gesundheitsamt beobachtet die Situation genau und empfiehlt Risikopersonen dringend eine Impfung.

Impfung als wichtigste PrĂ€ventionsmaßnahme

FĂŒr bestimmte Risikogruppen, insbesondere MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben (MSM) und hĂ€ufig Partner wechseln, wird eine Impfung gegen Mpox empfohlen. Die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) hat entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. FĂŒr eine Grundimmunisierung sind zwei Dosen im Abstand von mindestens 28 Tagen erforderlich.

Eine Studie der CharitĂ© Berlin hat kĂŒrzlich ergeben, dass bereits eine Dosis des Pocken-Impfstoffs Imvanex einen Schutz von 84 Prozent gegen Mpox verleihen kann. Bei Menschen mit HIV ist der Schutz nach einer Impfdosis jedoch unzureichend, weshalb allen Risikogruppen die empfohlene zweite Impfdosis dringend angeraten wird.

Wo kann man sich in Berlin impfen lassen?

In Berlin ist die Impfung in den meisten HIV-Schwerpunktpraxen verfĂŒgbar. Seit September 2024 können sich Interessenten laut KassenĂ€rztlicher Vereinigung auch bei Haus- oder FachĂ€rzt*­innen ihres Vertrauens gegen Mpox impfen lassen. Besonders erfreulich: Im Checkpoint BLN am Hermannplatz und im Zentrum fĂŒr sexuelle Gesundheit Mitte können sich auch Personen ohne Krankenversicherung kostenlos impfen lassen, wie Rolf de Witt von der Berliner Schwulen­beratung mitteilte.

Das Schönberger Zentrum fĂŒr sexuelle Gesundheit bietet ebenfalls kostenlose Impfungen fĂŒr Personen ohne Krankenversicherung oder mit ungeklĂ€rtem Aufenthaltsstatus an, wobei die Wartelisten derzeit allerdings sehr lang sein können.

Weitere PrĂ€ventionsmaßnahmen

Neben der Impfung sind weitere PrĂ€ventionsmaßnahmen wichtig, um die Ausbreitung von Mpox einzudĂ€mmen:

  • Reduzierung enger Körperkontakte, insbesondere beim Sex
  • Verwendung von Kondomen und andere Maßnahmen zur PrĂ€vention sexuell ĂŒbertragbarer Krankheiten
  • RegelmĂ€ĂŸiges HĂ€ndewaschen
  • Bei Verdacht auf Infektion: Isolation und umgehende Ă€rztliche Beratung

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat angepasste risikoadaptierte Empfehlungen zur hÀuslichen Isolierung von Personen mit einer Mpox-Infektion herausgegeben und rÀt Betroffenen, engen Kontakt mit anderen zu vermeiden, bis der Hautausschlag vollstÀndig abgeheilt ist.

Fazit: Wachsamkeit ist geboten

Der erneute Anstieg der Mpox-FĂ€lle in Berlin zeigt, dass das Virus weiterhin zirkuliert und Wachsamkeit geboten ist. Die Gesundheitsbehörden betonen die Wichtigkeit der Impfung fĂŒr Risikogruppen als effektivste PrĂ€ventionsmaßnahme. Gleichzeitig ist eine umfassende AufklĂ€rung ĂŒber Ansteckungswege und Symptome entscheidend, um die weitere Ausbreitung einzudĂ€mmen.

Besorgniserregend ist, dass auch geimpfte Personen unter den Infizierten sind. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, neben der Impfung auch andere Schutzmaßnahmen zu beachten. Mit einer Kombination aus Impfung, AufklĂ€rung und verantwortungsvollem Verhalten kann die Community gemeinsam dazu beitragen, die Verbreitung von Mpox einzudĂ€mmen.


Erneuter homophober Angriff am Hamburger Stadtpark - Teil eines besorgniserregenden Trends

Am Freitagabend wurde ein 36-jĂ€hriger Mann am Hamburger Stadtpark Opfer eines homophoben Angriffs. Wie queer.de berichtet, wurde der Mann an der Ecke SĂŒdring/Otto-Wels-Straße von einer Gruppe von etwa sechs Jugendlichen homophob beleidigt und anschließend mit Pfefferspray attackiert. Der Vorfall reiht sich ein in eine zunehmende Anzahl queerfeindlicher Übergriffe in Hamburg und ganz Deutschland.

Details zum Vorfall

Der betroffene 36-JÀhrige wurde nach dem Angriff von einer Rettungswagenbesatzung am Tatort versorgt. Die TÀter, die als "mitteleuropÀisch" und etwa 15 bis 18 Jahre alt beschrieben werden, konnten trotz sofort eingeleiteter Fahndung mit mehreren Polizeiautos und Zivilfahndern nicht identifiziert werden. Die Hamburger Polizei bittet Zeug*innen, sich unter der Telefonnummer 040/4286-56789 oder bei einer Polizeidienststelle zu melden.

Bereits im vergangenen Jahr wurden mehrfach queerfeindliche Angriffe von Jugendlichen im Bereich des Stadtparks gemeldet. Damals beschrieb die Polizei die TĂ€ter mit "deutschem Erscheinungsbild".

Zunehmende queerfeindliche Gewalt in Deutschland

Der aktuelle Vorfall steht im Kontext einer besorgniserregenden Entwicklung in ganz Deutschland. Laut Daten des Bundeskriminalamts (BKA) ist die Zahl queerfeindlicher Straftaten in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2023 wurden bundesweit 1.785 FĂ€lle erfasst – ein erheblicher Anstieg gegenĂŒber den 1.188 FĂ€llen im Vorjahr. Besonders alarmierend ist, dass es sich hierbei nur um die offiziell gemeldeten VorfĂ€lle handelt. Experten des LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Situation in Hamburg besonders angespannt

In Hamburg verzeichneten die Behörden in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg angezeigter FĂ€lle queerfeindlicher Gewalt. Der Stadtpark wurde dabei wiederholt zum Schauplatz solcher VorfĂ€lle. Die rot-grĂŒne Regierung in Hamburg hat Maßnahmen angekĂŒndigt, um die Polizei stĂ€rker zu sensibilisieren und die Zusammenarbeit mit der LGBTQ+-Community zu verbessern.

Am gleichen Abend des homophoben Angriffs ereignete sich in Hamburg ein weiteres Hassverbrechen: Um 3 Uhr morgens wurde ein "augenscheinlich arabischstĂ€mmiger Mann" in einem Stadtbus der Linie 112 von einer Gruppe junger MĂ€nner rassistisch beleidigt. Die TĂ€ter wurden als 20- bis 25-jĂ€hrige MĂ€nner mit blonden Haaren beschrieben und sprachen mit sĂŒddeutschem Dialekt.

GrĂŒnde fĂŒr den Anstieg queerfeindlicher Gewalt

FĂŒr den Anstieg queerfeindlicher Gewalt gibt es verschiedene ErklĂ€rungsansĂ€tze. Das Institut fĂŒr Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) sieht unter anderem rechtsextreme Ideologien, verbreitete homophobe und transphobe Einstellungen sowie Desinformation und Hassreden in den Medien und im Internet als Faktoren, die zur Stigmatisierung queerer Menschen beitragen und die Gewaltbereitschaft erhöhen können.

Was können Betroffene tun?

Opfer queerfeindlicher Gewalt sollten die VorfĂ€lle nach Möglichkeit anzeigen, um die Statistik zu verbessern und den Behörden ein realistischeres Bild vom Ausmaß des Problems zu vermitteln. In Hamburg und anderen deutschen StĂ€dten gibt es spezialisierte Beratungsstellen, die Betroffenen UnterstĂŒtzung bieten. Bei akuten NotfĂ€llen sollte immer die Polizei unter 110 verstĂ€ndigt werden.

Der erneute Vorfall am Hamburger Stadtpark zeigt, dass trotz aller gesellschaftlichen Fortschritte im Bereich der LGBTQ+-Rechte die Sicherheit queerer Menschen im öffentlichen Raum weiterhin gefĂ€hrdet ist und mehr PrĂ€ventions- und Schutzmaßnahmen notwendig sind.


Spanischer Student Opfer homophober Gewalt in Dublin: Ein alarmierendes Problem auch in Deutschland

Ein 31-jÀhriger Mann wurde in Dublin zu einer dreijÀhrigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er einen spanischen Studenten in einem homophob motivierten Angriff schwer verletzt hatte. Wie GCN berichtet, ereignete sich der Vorfall am 19. September 2024 in Dublin, als Kevin Geraghty den 25-jÀhrigen spanischen Studenten grundlos attackierte und ihm dabei den Kiefer brach.

Der Fall im Detail

Das Opfer, ein junger Mann aus Spanien, war erst kurz zuvor nach Irland gekommen, um Englisch zu studieren. In den frĂŒhen Morgenstunden stand er vor einer Bar und wartete auf einen Freund, als zwei MĂ€nner ihn ansprachen. Sie begannen, homophobe Beleidigungen zu rufen, bevor Geraghty ihn mehrfach ins Gesicht schlug.

Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass der Student operiert werden musste. Traumatisiert von diesem Erlebnis verließ er Irland nur wenige Wochen spĂ€ter – sein geplantes Auslandsjahr abrupt beendet. Richterin Melanie Greally betonte in ihrem Urteil die "deutlichen homophoben Untertöne" des Angriffs und die erheblichen psychischen und physischen Folgen fĂŒr das Opfer.

Homophobe Gewalt: Ein wachsendes Problem in Deutschland

Der Fall in Dublin wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das auch in Deutschland immer besorgniserregender wird. Laut aktueller Statistiken des Bundeskriminalamts (BKA) wurden 2023 insgesamt 2.353 Straftaten im Bereich der sexuellen Orientierung und geschlechtsbezogenen DiversitĂ€t erfasst – ein alarmierender Anstieg von etwa 65% im Vergleich zum Vorjahr. Darunter waren 405 Gewaltdelikte gegen LGBTQ+-Personen.

Besonders erschreckend: Die Dunkelziffer wird als extrem hoch eingeschÀtzt. Experten gehen davon aus, dass etwa 90% der FÀlle nicht zur Anzeige gebracht werden. Hochgerechnet könnte es im Jahr 2023 rund 19.000 Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Menschen in Deutschland gegeben haben.

Ähnliche FĂ€lle in deutschen StĂ€dten

Auch in Deutschland werden immer wieder internationale Studierende und Touristen Opfer homophober Gewalt. In GroßstĂ€dten wie Berlin, Köln und Hamburg kommt es regelmĂ€ĂŸig zu Übergriffen auf LGBTQ+-Personen im öffentlichen Raum. Der Berliner Bezirk Schöneberg, bekannt fĂŒr seine queere Community, verzeichnet ebenso wie die Kölner Altstadt immer wieder solche VorfĂ€lle.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete die steigenden Zahlen als "erschreckend" und betonte, dass queerfeindliche Gewalt klar benannt und gezielt verfolgt werden mĂŒsse. Insgesamt wurden laut BKA im Jahr 2023 mehr als 17.000 FĂ€lle von HasskriminalitĂ€t erfasst, wobei mehr als jeder zehnte Fall sich gegen LGBTQ+-Personen richtete.

Zwischen Strafverfolgung und PrÀvention

Der Fall in Dublin zeigt Parallelen zu Delikten in Deutschland: Der TĂ€ter hatte auch hier bereits 70 Vorstrafen. Ähnlich wie in Irland betonen deutsche Gerichte zunehmend die gesellschaftlichen Auswirkungen solcher Hassverbrechen in ihren Urteilen.

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) fordert seit langem eine Aufnahme des expliziten Schutzes vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen IdentitĂ€t in Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes. Eine Studie der EuropĂ€ischen Grundrechteagentur (FRA) zeigt, dass viele LGBTQ+-Personen aus Angst vor Angriffen vermeiden, in der Öffentlichkeit HĂ€ndchen zu halten.

Beratungs- und Hilfsangebote

FĂŒr Betroffene von homophober Gewalt gibt es in Deutschland verschiedene Anlaufstellen. Die bundesweite Antidiskriminierungsstelle des Bundes berĂ€t ebenso wie lokale LGBTQ+-Organisationen. In Berlin bietet etwa MANEO als Anti-Gewalt-Projekt UnterstĂŒtzung, in MĂŒnchen das Sub und in Köln das Rubicon.

Der Dublin-Fall erinnert eindringlich daran, dass homophobe Gewalt ein internationales Problem bleibt, das entschlossene Maßnahmen erfordert – auch in Deutschland. FĂŒr Betroffene ist besonders wichtig zu wissen: Sie sind nicht allein, und es gibt Hilfe.


Pride-Verbot fĂŒr Parteien in Großbritannien - Was können deutsche LGBTQ+-Organisationen daraus lernen?

Vier der grĂ¶ĂŸten britischen Pride-Organisationen haben am Montag (12. Mai) ein gemeinsames Schreiben veröffentlicht, in dem sie ankĂŒndigen, alle politischen Parteien von zukĂŒnftigen Pride-MĂ€rschen auszuschließen, bis ein "Mindestmaß" an Verbundenheit mit der LGBTQ+-Community gezeigt wird. Die Nachricht, ursprĂŒnglich veröffentlicht von PinkNews, hat in Großbritannien fĂŒr Aufsehen gesorgt und wirft auch Fragen fĂŒr die deutsche Pride-Bewegung auf.

Die Entscheidung der britischen Pride-Organisationen

Birmingham Pride, Brighton Pride, Pride in London und Manchester Pride haben in ihrem gemeinsamen Brief klare Forderungen an die politischen Parteien gestellt. Diese mĂŒssen konkrete Schritte zur Verbesserung ihrer Rhetorik und ihres Verhaltens gegenĂŒber der Trans-Community unternehmen, einschließlich des Einsatzes fĂŒr oder der Hilfe bei der Verabschiedung weiterer Schutzmaßnahmen fĂŒr trans Personen.

Die Entscheidung folgt einem Aufruf des Trans Safety Network und ĂŒber 140 LGBTQ+-Organisationen, die angesichts der zunehmenden "Transphobie" in der britischen Politik ein Verbot aller politischen Parteien bei Pride-Veranstaltungen forderten. Besonders verschĂ€rft hat sich die Situation nach einem Urteil des britischen Supreme Court vom 16. April 2025, das trans Frauen aus der Definition einer "Frau" im britischen Gleichstellungsgesetz von 2010 ausschließt.

Die Reaktion der Liberal Democrats

Besonders interessant ist die Reaktion der LGBTQ+-Gruppe der Liberal Democrats (LGBT+ Liberal Democrats), die sich als progressivste landesweite Partei Großbritanniens betrachtet. In einer Stellungnahme Ă€ußerte die Gruppe, sie sei "angewidert", mit anti-trans Parteien wie Labour und den Konservativen "in einen Topf geworfen zu werden". Die Gruppe betonte, dass die Liberal Democrats seit Jahren fĂŒr LGBTQ+-Rechte kĂ€mpfen und argumentierte, dass sie ihre PrĂ€senz bei Pride-Protesten "mehr als verdient" hĂ€tten.

Der Parteivorsitzende der Liberal Democrats, Ed Davey, hatte nach dem Supreme Court-Urteil eine eher vorsichtige Position eingenommen. Obwohl er das Urteil akzeptierte und die "Klarheit" begrĂŒĂŸte, die es seiner Meinung nach gebracht hat, forderte er weitere Leitlinien zur Umsetzung. Davey bekrĂ€ftigte zwar seine Überzeugung, dass trans Frauen Frauen und trans MĂ€nner MĂ€nner sind, vermied es jedoch bisher, eindeutig das Recht von trans Personen zu unterstĂŒtzen, Einrichtungen zu nutzen, die ihrer GeschlechtsidentitĂ€t entsprechen.

Parallelen und Unterschiede zur Situation in Deutschland

In Deutschland stellt sich die rechtliche Situation fĂŒr trans Personen deutlich anders dar. Seit dem 1. November 2024 ist das neue Selbstbestimmungsgesetz in Kraft, das es Personen ĂŒber 18 Jahren ermöglicht, ihr rechtliches Geschlecht durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt zu Ă€ndern – ohne medizinische Gutachten oder Gerichtsverfahren. Dieses Gesetz wurde von der Ampel-Koalition aus SPD, GrĂŒnen und FDP auf den Weg gebracht und stĂ€rkt die Rechte von trans, intergeschlechtlichen und nicht-binĂ€ren Menschen erheblich.

Trotz dieser fortschrittlichen Gesetzgebung gibt es auch in Deutschland politische KrĂ€fte, die gegen trans Rechte mobilisieren. Die AfD hat sich klar gegen das Selbstbestimmungsgesetz positioniert und auch innerhalb der CDU/CSU gibt es Stimmen, die das Gesetz rĂŒckgĂ€ngig machen wollen, sollten sie wieder an die Macht kommen. Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU, hat sich mehrfach kritisch zu trans Themen geĂ€ußert und signalisiert, dass seine Partei einen anderen Kurs einschlagen wĂŒrde.

Was können deutsche Pride-Organisationen lernen?

Die Entscheidung der britischen Pride-Organisationen wirft die Frage auf, ob auch deutsche CSD-Veranstaltungen Ă€hnliche Maßnahmen in Betracht ziehen sollten. Bislang sind bei deutschen Pride-Paraden alle demokratischen Parteien willkommen – von der CDU bis zur Linken. Nur die AfD wird aufgrund ihrer LGBTQ+-feindlichen Positionen meist ausgeschlossen.

Bastian Behrens, Vorstandsmitglied des CSD Berlin, erklĂ€rt im GesprĂ€ch mit Pride.Direct: "Wir beobachten die Entwicklungen in Großbritannien genau. In Deutschland haben wir momentan mit dem Selbstbestimmungsgesetz einen wichtigen Erfolg fĂŒr die trans Community erreicht. Dennoch mĂŒssen wir wachsam bleiben, wenn Parteien versuchen, diesen Fortschritt rĂŒckgĂ€ngig zu machen."

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) betont, dass Pride-Veranstaltungen politische Demonstrationen sind und bleiben mĂŒssen. "Der Christopher Street Day erinnert an den Stonewall-Aufstand von 1969 und ist kein Partyfestival, sondern eine politische Demonstration fĂŒr gleiche Rechte und Akzeptanz", sagt Alfonso Pantisano, Bundesvorstand des LSVD.

Die Bedeutung klarer Forderungen

Was die deutschen Pride-Organisationen von ihren britischen Pendants lernen können, ist die Formulierung klarer Forderungen an politische Parteien. Die britischen Pride-Veranstalter haben konkrete Bedingungen gestellt: Politische Parteien sollen weitere Schutzmaßnahmen im Gleichstellungsgesetz verabschieden, den "zeitnahen" Zugang zur Gesundheitsversorgung fĂŒr trans Personen im Rahmen des NHS verbessern, das Gesetz zur Anerkennung der Geschlechtszugehörigkeit reformieren und nachhaltige Finanzierung fĂŒr von trans Personen geleitete Dienste bereitstellen.

In Deutschland könnten Ă€hnliche Forderungen gestellt werden: Verbesserung der Gesundheitsversorgung fĂŒr trans Personen, StĂ€rkung des Diskriminierungsschutzes, mehr Ressourcen fĂŒr LGBTQ+-Beratungsstellen und eine klare Positionierung gegen das Erstarken queerfeindlicher Bewegungen.

Fazit: Politische Teilhabe versus klare Kante

Die Debatte in Großbritannien zeigt ein Dilemma auf, mit dem auch deutsche LGBTQ+-Organisationen konfrontiert sind: Einerseits ist die Einbindung politischer Parteien wichtig, um VerĂ€nderungen im parlamentarischen System zu bewirken. Andererseits dĂŒrfen Pride-Veranstaltungen nicht zur Plattform fĂŒr Parteien werden, die zwar mit Regenbogenfahnen winken, aber gleichzeitig die Rechte von trans Personen in Frage stellen.

Die britische Entscheidung ist ein radikaler Schritt, der sowohl Kritik als auch Zustimmung hervorgerufen hat. FĂŒr deutsche Pride-Organisationen könnte sie ein Anstoß sein, ihre eigenen Kriterien fĂŒr die Teilnahme politischer Parteien zu ĂŒberdenken und klare Erwartungen zu formulieren – nicht als Ausschluss, sondern als Anreiz fĂŒr echte Verbundenheit mit der LGBTQ+-Community.

Wie die britische LGBTQ+-Organisation Stonewall nach dem Supreme Court-Urteil betonte: "Wir brauchen Politiker*innen, die verstehen, dass die Rechte einer marginalisierten Gruppe nicht gegen die einer anderen ausgespielt werden dĂŒrfen." Diese Erkenntnis gilt universell – auch fĂŒr Deutschland.


Die wachsende Bedrohung: Warum Morddrohungen gegen queere Zentren in Deutschland zunehmen

Die MĂŒnchner Beratungsstelle "Strong!" hat in einer Pressekonferenz besorgniserregende Zahlen zu queerfeindlichen VorfĂ€llen in Bayern vorgestellt. Mit 289 dokumentierten FĂ€llen im Jahr 2024 verzeichnet die Einrichtung einen alarmierenden Anstieg: 26% mehr als im Vorjahr und sogar 82% mehr als 2022. Doch diese Zahlen spiegeln nur einen Bruchteil der RealitĂ€t wider - Expert*innen schĂ€tzen die Dunkelziffer auf bis zu 80 Prozent.

Bundesweiter Trend der zunehmenden Gewalt

Was in MĂŒnchen dokumentiert wurde, ist Teil eines bundesweiten PhĂ€nomens. Die Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) zeigen: Im Jahr 2023 wurden deutschlandweit 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ* Personen erfasst - ein Anstieg von etwa 50 Prozent im Vergleich zu 2022 mit 1.188 FĂ€llen. Besonders alarmierend: Die Zahl der Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene DiversitĂ€t" hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht.

Zu den hĂ€ufigsten gegen LSBTIQ* gerichteten Straftaten gehören Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen. Besonders beunruhigend sind die zunehmenden "Botschaftstaten", wie die Morddrohungen an den TĂŒren der MĂŒnchner queeren Zentren "Sub" und "LeZ". Diese Angriffe richten sich gegen die gesamte Community und sollen gezielt einschĂŒchtern.

Trans und nicht-binÀre Personen besonders betroffen

Laut "Strong!" richteten sich ĂŒber 21 Prozent der queerfeindlichen VorfĂ€lle explizit gegen trans, inter und nichtbinĂ€re Personen - obwohl diese Gruppen einen deutlich kleineren Teil der queeren Community ausmachen. Sie sind ĂŒberproportional von Diskriminierung und Gewalt betroffen. Besonders in Zeiten, in denen gesellschaftliche Debatten wie jene zum Selbstbestimmungsgesetz durch rechte Medien hochkochen, nimmt die Trans- und Interfeindlichkeit merklich zu.

Der Bayerische Rundfunk berichtete ĂŒber transfeindliche Mordaufrufe an queeren Kulturzentren in MĂŒnchen, die deutlich machen: Die Angriffe werden gezielter und radikaler.

Was steckt hinter dem Anstieg der Gewalt?

Expert*innen sehen mehrere Faktoren, die zur Zunahme queerfeindlicher Gewalt beitragen:

  • Die zunehmende Sichtbarkeit queerer Menschen fĂŒhrt paradoxerweise auch zu mehr Anfeindungen.
  • Rechtspopulistische, rechtsextreme und fundamentalistische Bewegungen nehmen verstĂ€rkt queerfeindliche Positionen ein und schaffen ein gesellschaftliches Klima, in dem Gewalt legitimiert erscheint.
  • Die von "Strong!" genannten "queerfeindlichen Narrative" nĂ€hren den Boden fĂŒr Ausgrenzung und Gewalt - darunter Falschbehauptungen ĂŒber angebliche "FrĂŒhsexualisierung" oder die GefĂ€hrdung von Kindern.
  • Die Verbreitung von Desinformation, besonders im Kontext des Selbstbestimmungsgesetzes, trĂ€gt zur VerschĂ€rfung der Stimmung bei.

Andreas Pretzel von der Initiative "Echte Vielfalt" erklÀrt: "Unsere Gesellschaft ist insgesamt toleranter geworden, aber gleichzeitig radikalisieren sich die Gegner*innen queerer Lebensweisen."

Stadt und Land: Unterschiede bei der Bedrohungslage

Die von "Strong!" dokumentierten VorfĂ€lle konzentrieren sich mit 121 FĂ€llen in der Landeshauptstadt MĂŒnchen, wĂ€hrend aus dem restlichen Bayern 89 FĂ€lle gemeldet wurden. Dies liegt nicht unbedingt daran, dass in lĂ€ndlichen Regionen weniger passiert. Vielmehr fĂŒhlen sich Betroffene dort oft isolierter und haben weniger Zugang zu UnterstĂŒtzungsstrukturen.

Der MDR berichtete ĂŒber die besondere Situation queerer Menschen auf dem Land, die oft mit Beleidigungen, tĂ€tlichen Angriffen und sogar Morddrohungen konfrontiert sind. Ohne queere Infrastruktur und Anlaufstellen fehlt ihnen hĂ€ufig die Möglichkeit, VorfĂ€lle zu melden oder UnterstĂŒtzung zu erhalten.

Digitale Gewalt nimmt zu

Neben physischen Übergriffen nimmt auch die digitale Gewalt gegen LGBTIQ+ Menschen dramatisch zu. "Strong!" erfasste 61 VorfĂ€lle von Hassrede und Beleidigungen online - ein Bruchteil der tatsĂ€chlichen Zahlen, da die Masse an Hasskommentaren kaum vollstĂ€ndig dokumentiert werden kann. Diese digitale Gewalt hat reale Auswirkungen: Betroffene leiden unter psychischen Belastungen und ziehen sich teilweise aus der Öffentlichkeit zurĂŒck.

Was kann getan werden?

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) fordert, dass das Diskriminierungsverbot in Artikel 3,3 des Grundgesetzes queere Menschen explizit einschließen sollte. DarĂŒber hinaus braucht es:

  • Mehr Bewusstsein, SensibilitĂ€t und UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene
  • Klare Benennung und Verfolgung queerfeindlicher Gewalt durch Polizei und Staatsanwaltschaften
  • Bessere UnterstĂŒtzung fĂŒr queere Zentren und Beratungsstellen
  • Umsetzung von queeren AktionsplĂ€nen auf Landes- und Bundesebene

In Bayern steht die Umsetzung eines queeren Aktionsplans auf der Kippe. "Sub"-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Kai Kundrath zeigte sich auf der Pressekonferenz enttĂ€uscht: "Wir gehen davon aus, dass da leider nicht mehr so viel rumkommen wird." Die Freien WĂ€hler wĂŒrden den mĂŒhsam erarbeiteten Plan mittlerweile ablehnen.

SolidaritÀt ist gefragt

Die Expert*innen von "Strong!" und "Sub" appellieren an die Gesellschaft, sich mit Betroffenen zu solidarisieren: "Im Bewusstsein, dass diese gesellschaftlichen Entwicklungen nicht nur einzelne Gruppen betreffen, sondern am Ende uns alle."

Besonders besorgniserregend: Die Pressekonferenz selbst spiegelte die aktuelle Bedrohungslage wider. Die "Strong!"-Mitarbeiter*innen traten nicht mehr unter vollem Namen auf, nachdem die Fachstelle ins Visier rechter Medien geraten war. Eine Person, die aus der Betroffenenperspektive berichten sollte, sagte aus Sicherheitsbedenken kurzfristig ab.

FĂŒr die kommenden Monate, besonders rund um den IDAHOBIT und die CSDs in Bayern, rechnen die Expert*innen mit weiteren Übergriffen. Eine Entwicklung, die die gesamte Gesellschaft zum Handeln auffordert.


ESC-Sieger Nemo fordert Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest in Basel

Der nicht-binĂ€re Eurovision Song Contest-Gewinner Nemo hat sich fĂŒr einen Ausschluss Israels vom diesjĂ€hrigen Wettbewerb in Basel ausgesprochen. Wie PinkNews berichtet, sagte der Schweizer KĂŒnstler: "Ich unterstĂŒtze die Forderung nach einem Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest. Israels Handlungen stehen grundlegend im Widerspruch zu den Werten, die der Eurovision zu vertreten behauptet – Frieden, Einheit und Respekt fĂŒr die Menschenrechte."

Die Kontroverse um Israels Teilnahme

Nemo, der den ESC 2024 mit dem Song "The Code" fĂŒr die Schweiz gewann und als erste nicht-binĂ€re Person in der Geschichte des Wettbewerbs triumphierte, Ă€ußerte sich in einem Interview mit der britischen HuffPost deutlich zur israelischen Teilnahme: "Ich persönlich finde, dass es keinen Sinn macht, dass Israel im Moment Teil des Eurovision ist."

Die Forderung kommt vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas. Seit dem Angriff der Hamas auf das Nova-Musikfestival am 7. Oktober 2023, bei dem 1.195 Menschen getötet wurden, hat Israels militÀrische Reaktion in Gaza laut Berichten mehr als 50.000 PalÀstinenser das Leben gekostet.

Gemischte Reaktionen in der Schweiz

In der Schweiz haben Nemos Äußerungen unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zeigte sich ĂŒberrascht und bedauernd ĂŒber die Aussagen. GeneralsekretĂ€r Jonathan Kreutner warnte davor, dass pauschale Forderungen nach einem Ausschluss Israels die ohnehin angespannte Stimmung weiter aufheizen könnten.

Besonders scharf fielen die Reaktionen aus dem politischen Lager aus. Einige Schweizer Politiker, vor allem aus der Schweizerischen Volkspartei (SVP), warfen Nemo Antisemitismus vor und forderten teilweise sogar die Aberkennung des ESC-Sieges. Sie solidarisierten sich mit der israelischen Teilnehmerin Yuval Raphael, die den Hamas-Terror beim Nova-Festival ĂŒberlebt hat.

Offener Brief und Proteste

Nemo ist mit der Forderung nicht allein. Mehr als 70 ehemalige ESC-Teilnehmer:innen, darunter auch frĂŒhere Gewinner:innen, haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie den Ausschluss Israels vom diesjĂ€hrigen Wettbewerb fordern. Die von der Gruppe "Artists for Palestine" initiierte Kampagne kritisiert, dass Israels Teilnahme den Wettbewerb im vergangenen Jahr zu einem der "politisiertesten" in der Geschichte gemacht habe.

In Basel, wo der ESC 2025 stattfindet, gab es bereits Demonstrationen gegen die Teilnahme Israels. Auch bei der Eröffnungszeremonie am Wochenende wurde die israelische Vertreterin Yuval Raphael von Protesten und Drohungen begleitet, als sie ĂŒber den "tĂŒrkisfarbenen Teppich" lief.

Die Position der EBU

Die EuropÀische Rundfunkunion (EBU), die den ESC organisiert, lehnt einen Ausschluss Israels weiterhin ab. In einer offiziellen Stellungnahme betonte die EBU: "Wir verstehen die Bedenken und tief verwurzelten Ansichten zum aktuellen Konflikt im Nahen Osten. Die EBU ist nicht immun gegen globale Ereignisse, aber zusammen mit unseren Mitgliedern ist es unsere Aufgabe sicherzustellen, dass der Wettbewerb im Kern eine universelle Veranstaltung bleibt, die Verbindungen, Vielfalt und Integration durch Musik fördert."

Die Organisation bekrĂ€ftigte zudem, dass der ESC ein "unpolitisches Ereignis" sei, das "allen offen steht". Dennoch hat der Wettbewerb in diesem Jahr bereits fĂŒr Kontroversen gesorgt, als er im April entschied, dass KĂŒnstler:innen keine Pride-Flaggen auf die BĂŒhne bringen dĂŒrfen – stattdessen sind nur die jeweiligen Landesflaggen erlaubt.

Ausblick auf den ESC 2025

Trotz der Kontroversen werden die Halbfinals des Eurovision Song Contest 2025 am 13. und 15. Mai in Basel stattfinden, das Finale folgt am 17. Mai. Mit 27.000 Besucher:innen allein am ersten Halbfinaltag im Eurovision Village zeigt sich, dass der Wettbewerb trotz aller Diskussionen weiterhin großes Interesse weckt.

Die Debatte um Nemos Aussagen unterstreicht einmal mehr, wie der Eurovision Song Contest – trotz des Anspruchs der EBU, unpolitisch zu sein – immer wieder zum Schauplatz gesellschaftlicher und politischer Diskussionen wird. Besonders fĂŒr die LGBTQ+-Community, fĂŒr die der ESC traditionell ein wichtiges kulturelles Ereignis darstellt, stellt sich die Frage, wie politische Konflikte und Menschenrechtsfragen mit dem Gedanken eines inklusiven Musikwettbewerbs in Einklang gebracht werden können.


Rainbow Map 2024: Deutschland klettert auf Platz 8 im europaweiten LGBTQ+-Ranking

Deutschland verbessert seine Position im europĂ€ischen Vergleich der Rechte fĂŒr queere Menschen. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Rainbow Map 2024 der Organisation ILGA-Europe ist die Bundesrepublik auf den achten Platz vorgerĂŒckt. Dies markiert einen deutlichen Aufstieg vom zehnten Platz im Vorjahr und sogar vom 15. Platz im Jahr 2023.

Was ist die Rainbow Map?

Die Rainbow Map ist ein jÀhrliches Ranking, das seit nunmehr 15 Jahren von ILGA-Europe erstellt wird und die rechtliche Situation von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in 49 europÀischen LÀndern vergleicht. Die Bewertung erfolgt anhand von 75 Kriterien in sieben Kategorien: Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Familie, Hassverbrechen und Hassreden, rechtliche Anerkennung des Geschlechts, intersexuelle körperliche IntegritÀt, zivilgesellschaftlicher Raum und Asyl.

Alle LĂ€nder erhalten zwischen null Punkten (totale Ungleichbehandlung) und 100 Punkten (volle Gleichstellung). Deutschland konnte seinen Wert auf 68,6 Punkte steigern, was einen Zuwachs von rund drei Punkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Warum der Aufstieg Deutschlands?

Der Aufstieg Deutschlands im Ranking ist vor allem dem Selbstbestimmungsgesetz zu verdanken, das am 1. November 2024 in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz ermöglicht es trans-, intergeschlechtlichen und nichtbinĂ€ren Menschen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt zu Ă€ndern – ohne die bisher notwendigen psychologischen Gutachten und Gerichtsverfahren.

Neben Deutschland setzen in Europa derzeit nur elf weitere LÀnder auf Selbstbestimmung bei der GeschlechtsidentitÀt: Belgien, DÀnemark, Finnland, Island, Irland, Luxemburg, Malta, Norwegen, Portugal, die Schweiz und Spanien.

Weitere Faktoren fĂŒr die Verbesserung Deutschlands waren:

  • Ein strengerer rechtlicher Rahmen im Bereich der HasskriminalitĂ€t, der Straftaten aufgrund sexueller Orientierung, GeschlechtsidentitĂ€t und Geschlechtsmerkmale als erschwerenden Faktor berĂŒcksichtigt
  • Der Abbau von Diskriminierungen bei der Blutspende fĂŒr homo- und bisexuelle MĂ€nner sowie fĂŒr Transpersonen

Die europÀischen Spitzenreiter und Schlusslichter

Malta fĂŒhrt das Ranking bereits seit 2015 an und bleibt damit unangefochten auf Platz eins. Auf den weiteren SpitzenplĂ€tzen folgen Belgien, Island, DĂ€nemark, Spanien, Finnland und Griechenland. Nach Deutschland komplettieren Norwegen und Luxemburg die Top Ten.

Auf den letzten drei PlĂ€tzen befinden sich wie im Vorjahr die TĂŒrkei, Aserbaidschan und Schlusslicht Russland.

Aufsteiger und Absteiger im europÀischen Vergleich

Neben Deutschland konnten sich auch andere LĂ€nder verbessern: Lettland rĂŒckte nach der EinfĂŒhrung von eingetragenen Lebenspartnerschaften vier PlĂ€tze nach oben. Polen machte unter anderem wegen der Auflösung der sogenannten "LGBT-freien Zonen" drei PlĂ€tze gut.

Hingegen verzeichneten einige LĂ€nder deutliche RĂŒckschritte: Ungarn fiel um zehn Punkte und sieben PlĂ€tze auf Rang 37 zurĂŒck – die schlechteste Platzierung des Landes in der Geschichte der Rainbow Map. Grund dafĂŒr sind mehrere queerfeindliche Gesetze, darunter das EU-weit einmalige CSD-Verbot. Georgien verschlechterte sich sogar um zwölf Punkte und sieben PlĂ€tze und landete mit dem 44. Rang auf seinem bislang schlechtesten Ergebnis.

Besonders bemerkenswert ist der Abstieg Großbritanniens: Das einst als sehr queerfreundlich geltende Land, das 2014 noch die Rainbow Map auf Platz eins angefĂŒhrt hatte, erreichte mit dem 22. Platz sein bislang schlechtestes Ergebnis. Im Vorjahr lag die Insel noch auf Rang 16. Grund dafĂŒr war die Entscheidung des Höchstgerichts, das trans Frauen nicht als Frauen und trans MĂ€nner nicht als MĂ€nner anerkennt. Seither wurde trans Menschen der Zugang zu mehreren Bereichen, etwa Toiletten oder Sportvereinen, erheblich erschwert oder unmöglich gemacht.

Warnungen vor RĂŒckschritten

Katrin Hugendubel, Kampagnenchefin von ILGA-Europe, warnt vor einer besorgniserregenden Entwicklung in ganz Europa: "Die großen Headlines kommen aus Großbritannien oder Ungarn, aber die Demokratie erodiert in ganz Europa leise durch eine Strategie der tausend Nadelstiche." Sie kritisiert, dass Parteien der Mitte und von Rechtsaußen in der EU Nichtregierungsorganisationen, die LGBTQ+-Rechte verteidigen, die Finanzierung kĂŒrzen, wĂ€hrend auf nationaler Ebene Gesetze beschlossen werden, deren Ziel nicht die Lösung gesellschaftlicher Probleme ist, sondern die Marginalisierung bestimmter Gruppen.

Besonders die starken Wahlergebnisse von rechtsextremen Parteien wĂŒrden die AtmosphĂ€re vergiften – als Beispiele nannte sie Wahlen in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden.

Reaktionen aus der deutschen Politik

Nyke Slawik, die neue queerpolitische Sprecherin der GrĂŒnenfraktion, bezeichnete das bessere Ergebnis Deutschlands als "wichtiges Zeichen fĂŒr die Gleichstellung von LSBTIQ*-Personen in unserem Land". Gleichzeitig rief sie die Bundesregierung auf, den von der Ampel-Regierung eingeschlagenen Reformweg fortzufĂŒhren. Sie kritisierte, dass sich die neue schwarz-rote Koalition derzeit in Schweigen hĂŒlle, ob der Aktionsplan "Queer leben" fortgesetzt werde.

Sven Lehmann, der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung, ergĂ€nzte: "Gleichstellung ist leider keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Europaweit erstarken rechtsextreme und antifeministische Bewegungen, die LSBTIQ*-Rechte gezielt angreifen." Unklar ist bislang, ob seine von der Bundesregierung 2022 eingefĂŒhrte Position (Beauftragter der Bundesregierung fĂŒr die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt) im neuen Kabinett fortgefĂŒhrt wird.

Weitere notwendige Reformen

Um in die Top 5 des Rankings aufzusteigen, mĂŒssten laut Experten noch weitere im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung vereinbarte Vorhaben umgesetzt werden. Dazu gehören:

  • Die rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien
  • Die ErgĂ€nzung von Artikel 3 des Grundgesetzes um den Diskriminierungsschutz fĂŒr queere Menschen
  • Die Absicherung der Gesundheitsversorgung fĂŒr trans-, inter- und nicht-binĂ€re Personen
  • Die Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes sowie des Abstammungsrechts

Es bleibt abzuwarten, welche dieser Vorhaben von der neuen Bundesregierung weiterverfolgt werden und ob Deutschland seinen positiven Trend in den kommenden Jahren fortsetzen kann.


Trumps YMCA-Auftritt in Saudi-Arabien: Eine bizarre Dissonanz zwischen Musik und Politik

Donald Trump sorgte kĂŒrzlich fĂŒr weltweites Aufsehen, als er seine Rede in Saudi-Arabien – einem Land, in dem HomosexualitĂ€t mit dem Tod bestraft werden kann – mit dem als schwule Hymne bekannten Disco-Hit "YMCA" der Village People beendete. Wie PinkNews berichtet, ereignete sich dieser seltsame Moment wĂ€hrend eines Investment-Forums in Riad, als der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman zu den KlĂ€ngen des ikonischen Disco-Songs auf die BĂŒhne kam, um Trump die Hand zu schĂŒtteln.

Schwule Hymne in einem streng homophoben Land

Der Kontrast könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein: "YMCA", ein Song aus den 1970er Jahren, der aufgrund seiner Entstehungsgeschichte und PopularitĂ€t in LGBTQ+-Clubs als schwule Hymne gilt, ertönt in einem Land, dessen Gesetze zu den LGBTQ+-feindlichsten der Welt gehören. In Saudi-Arabien stehen auf homosexuelle Handlungen drakonische Strafen bis hin zur Todesstrafe. Zudem sind LGBTQ+-Themen zensiert, und das Scharia-Gesetz verbietet das sogenannte "Cross-Dressing", was die Existenz von Transgender-Personen praktisch illegalisiert.

Die Wahl des Songs ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass "YMCA" von Jacques Morali mitgeschrieben wurde, der selbst homosexuell war, ebenso wie mehrere Originalmitglieder der Band, darunter Felipe Rose und Randy Jones. Der Song wird bis heute bei Pride-Veranstaltungen weltweit gespielt und sein Text wird oft als verschlĂŒsselte Anspielung auf schwules Cruising interpretiert. Sogar der Name "Village People" selbst bezieht sich auf das Greenwich Village in Manhattan, das als "Gayborhood" bekannt ist.

YMCA als fester Bestandteil von Trump-Rallyes

Trotz der offensichtlichen Verbindung zur LGBTQ+-Community hat sich "YMCA" in den letzten Jahren zu einem Standardsong bei Trump-Veranstaltungen entwickelt. Der Song wurde wĂ€hrend seiner Wahlkampagne vor der Wiederwahl im November 2024 regelmĂ€ĂŸig gespielt – eine Praxis, die angesichts der LGBTQ+-feindlichen Politik der Trump-Administration bereits damals fĂŒr Verwunderung sorgte.

In Deutschland löste der Vorfall Diskussionen ĂŒber den Umgang mit LGBTQ+-Rechten in der internationalen Politik aus. WĂ€hrend in Deutschland die Ehe fĂŒr alle seit 2017 gesetzlich verankert ist und das Selbstbestimmungsgesetz im Jahr 2023 in Kraft trat, werden in anderen Teilen der Welt LGBTQ+-Personen weiterhin verfolgt und kriminalisiert.

Streit um die Bedeutung des Songs

Interessanterweise hat der LeadsĂ€nger der Village People, Victor Willis, der heterosexuell ist, wiederholt bestritten, dass der Song irgendwelche Verbindungen zur LGBTQ+-Community hat. In einem Facebook-Post im Dezember drohte Willis sogar damit, Nachrichtenorganisationen zu verklagen, die "YMCA" als schwule Hymne bezeichnen, da solche Annahmen "schĂ€dlich fĂŒr den Song" seien.

"Es wurde viel darĂŒber gesprochen, besonders in letzter Zeit, dass YMCA irgendwie eine schwule Hymne sei", schrieb Willis. "Wie ich schon oft gesagt habe, ist das eine falsche Annahme, die darauf basiert, dass mein Schreibpartner schwul war und einige (nicht alle) Village People schwul waren." Willis behauptet, der Song sei lediglich seinem Jugendzentrum gewidmet.

Die Village People traten im Januar auch bei Trumps AmtseinfĂŒhrung auf, was ihnen heftige Kritik aus der LGBTQ+-Community einbrachte. Die Gruppe verteidigte ihren Auftritt mit der ErklĂ€rung, dass "Musik ohne RĂŒcksicht auf Politik aufgefĂŒhrt werden sollte" und ihre Musik das Land "nach einem turbulenten und gespaltenen Wahlkampf" vereinen wĂŒrde.

Reaktionen in den sozialen Medien

In den sozialen Medien löste die Performance bei Trumps AmtseinfĂŒhrung bereits heftige Reaktionen aus. "Es ist so bezeichnend, dass ihr eine Menge dieser CharakterkostĂŒme von der queeren Community ĂŒbernommen habt (besonders der Biker) und dann so etwas macht. Ihr habt euch wirklich verkauft", schrieb ein Nutzer. Ein anderer kommentierte: "Ich habe keinen Respekt mehr fĂŒr eure Gruppe... Ich schĂ€me mich und werde eure gesamte Musik wegwerfen."

Die jĂŒngste Episode in Saudi-Arabien verstĂ€rkt nun die Diskussion um die Instrumentalisierung von LGBTQ+-Kulturgut in Kontexten, die der Community feindlich gegenĂŒberstehen. WĂ€hrend in Deutschland die Akzeptanz von LGBTQ+-Personen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat, zeigt dieser Vorfall, wie LGBTQ+-Symbole global in widersprĂŒchlichen politischen Kontexten verwendet werden können.

Der saudi-arabische Blogger und LGBTQ+-Aktivist Alaa al-Faqir, der aus dem Land fliehen musste und mittlerweile in Berlin lebt, kommentierte gegenĂŒber verschiedenen Medien den Vorfall als "absurdes Theater, das die Heuchelei der internationalen Beziehungen offenlegt, wĂ€hrend LGBTQ+-Personen in Saudi-Arabien weiterhin in stĂ€ndiger Angst leben mĂŒssen".


Neue Welle der Repression: Festnahmen in Russland wegen "LGBT-Propaganda" – Die Situation im Vergleich zu Deutschland

In Russland wurden mehrere Mitarbeitende des grĂ¶ĂŸten russischen Verlags Eksmo, darunter der Leiter des Vertriebs Anatoli Norowjatkin, wegen angeblicher Verbreitung von "LGBT-Propaganda" festgenommen. Das berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch, wie queer.de meldet. Die Festnahmen stehen im Zusammenhang mit BĂŒchern des Verlags Popcorn Books, der sich auf Literatur fĂŒr junge Erwachsene zu Themen wie GeschlechtsidentitĂ€t, psychische Gesundheit und Rassismus spezialisiert hat.

Putins verschÀrfte Repressionen gegen die LGBTQ+-Community

Die jĂŒngsten Festnahmen reihen sich ein in eine systematische Verfolgung von LGBTQ+-Personen und ihrer UnterstĂŒtzer:innen in Russland. Das Gesetz gegen "Propaganda von HomosexualitĂ€t unter MinderjĂ€hrigen" wurde erstmals 2013 auf föderaler Ebene eingefĂŒhrt und hat sich seitdem stetig verschĂ€rft. Im November 2022 weitete die russische Regierung das Gesetz drastisch aus – es gilt nun unabhĂ€ngig vom Alter der Zielgruppe, was faktisch ein vollstĂ€ndiges Verbot jeglicher positiver Darstellung von LGBTQ+-Lebensweisen bedeutet, wie die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung dokumentiert.

Im Jahr 2023 setzte der Kreml die "LGBT-Bewegung" auf eine Liste verbotener extremistischer Gruppen – ein weiterer Schritt, der die rechtliche Verfolgung erleichtert. Die Strafen fĂŒr VerstĂ¶ĂŸe gegen das "Propaganda"-Gesetz sind drastisch: Sie reichen von hohen Geldstrafen fĂŒr Einzelpersonen bis zu existenzbedrohenden Bußgeldern fĂŒr Organisationen und der Ausweisung auslĂ€ndischer StaatsbĂŒrger.

Der Fall Popcorn Books – Literatur im Visier

Der nun betroffene Verlag Popcorn Books geriet bereits 2022 ins Visier der russischen Behörden, nachdem er den Bestseller "Sommer in einer Pionierkrawatte" (auf Deutsch erschienen als "Du und ich und der Sommer") veröffentlicht hatte. Der Roman, eine schwule Liebesgeschichte, die in einem sowjetischen Sommerlager spielt, wurde zum Bestseller – und zum Ziel staatlicher Repression, wie Fluter berichtet.

Als Reaktion wurde gegen den Verlag ein Verfahren wegen "LGBT-Propaganda" eingeleitet, und er wurde im Oktober 2022 als "auslĂ€ndischer Agent" eingestuft – ein Label, das die GeschĂ€ftstĂ€tigkeit erheblich erschwert und stigmatisiert. Die jetzigen Festnahmen von Mitarbeitenden des Vertriebspartners Eksmo zeigen, dass die Verfolgung immer weitere Kreise zieht.

Situation in Deutschland – ein starker Kontrast

Der Umgang Russlands mit LGBTQ+-Themen steht in krassem Gegensatz zur Situation in Deutschland. WĂ€hrend Deutschland im ILGA-Ranking der LGBTQ+-freundlichsten LĂ€nder den 15. Platz belegt, gehört Russland zu den am schlechtesten bewerteten LĂ€ndern, wie Statista aufzeigt. In Deutschland ist die Ehe fĂŒr alle seit 2017 legal, und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schĂŒtzt vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen IdentitĂ€t.

Dennoch gibt es auch in Deutschland weiterhin Herausforderungen: Die ErgÀnzung des Gleichheitsartikels im Grundgesetz um das Merkmal "sexuelle IdentitÀt" steht noch aus, und laut dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) kommt es weiterhin zu Diskriminierung und Hassreden gegen LGBTQ+-Personen.

Internationaler Trend zur Repression?

Expert:innen sehen in Russlands Vorgehen nicht nur eine innenpolitische Maßnahme, sondern auch ein geopolitisches Signal. "Die Repression gegen LGBTQ+-Personen dient dem Putin-Regime als ideologisches Instrument, um sich vom 'dekadenten Westen' abzugrenzen und traditionelle Werte zu betonen", erklĂ€rt die Menschenrechtsorganisation Quarteera, die sich fĂŒr russischsprachige LGBTQ+-Personen in Deutschland einsetzt.

Die Festnahmen der Verlagsmitarbeitenden zeigen, dass die Repressionen in Russland weiter zunehmen. FĂŒr die LGBTQ+-Community in Russland bedeutet dies eine weitere Verschlechterung ihrer ohnehin schon prekĂ€ren Lage. Viele suchen Zuflucht im Ausland, auch in Deutschland, wo ihnen jedoch oft bĂŒrokratische HĂŒrden im Asylverfahren begegnen.

Der Fall unterstreicht die Bedeutung internationaler SolidaritĂ€t und die Notwendigkeit, in Deutschland erreichte LGBTQ+-Rechte zu verteidigen und weiter auszubauen – gerade in Zeiten, in denen in vielen LĂ€ndern weltweit diese Rechte unter Druck geraten.


Großbritannien stĂŒrzt bei LGBTQ+-Rechten ab – Deutschland klettert in europĂ€ischem Ranking nach oben

Großbritannien, einst Spitzenreiter in Europa fĂŒr LGBTQ+-Rechte, ist im aktuellen ILGA-Europe Rainbow Index erneut abgestĂŒrzt. Die jĂŒngsten Ergebnisse, veröffentlicht am 14. Mai 2025, zeigen das Vereinigte Königreich nur noch auf Platz 22 – ein dramatischer Absturz fĂŒr ein Land, das noch vor zehn Jahren die Rangliste anfĂŒhrte. WĂ€hrend Großbritannien an Boden verliert, verbessert sich Deutschland und rĂŒckt in die Top 10 vor.

Vom Vorbild zum NachzĂŒgler: Großbritanniens dramatischer Abstieg

Mit einer Gesamtbewertung von nur noch 46 Prozent ist das Vereinigte Königreich inzwischen das zweitschlechteste Land fĂŒr LGBTQ+-Rechte in Westeuropa und Skandinavien – nur Italien schneidet noch schlechter ab. 2015 fĂŒhrte Großbritannien die Rangliste noch mit beeindruckenden 86 Prozent an. Der aktuelle Absturz um sieben PlĂ€tze im Vergleich zum Vorjahr resultiert hauptsĂ€chlich aus einem Urteil des Obersten Gerichtshofs, das die "geschĂŒtzte Eigenschaft" des Geschlechts im Gleichstellungsgesetz von 2010 als "biologisch" definierte und trans Personen ausschloss.

Besonders alarmierend: Bei Gesetzen zur Anerkennung der GeschlechtsidentitĂ€t von trans Personen rangiert Großbritannien nur noch auf Platz 45 von 49 europĂ€ischen LĂ€ndern. ILGA-Europe stuft das Urteil des Obersten Gerichtshofs als rechtliche Blockade fĂŒr die wirksame Anerkennung der IdentitĂ€t von trans Menschen ein. Die einzigen anderen europĂ€ischen LĂ€nder in einer Ă€hnlichen Position sind Bulgarien, Georgien, Ungarn und Russland.

Deutschland klettert in die Top 10

Im Gegensatz dazu hat sich Deutschland im Rainbow Index 2025 deutlich verbessert und liegt nun mit einer Bewertung von 69 Prozent auf Platz 8 der 49 untersuchten europÀischen LÀnder. Dies bedeutet einen Aufstieg um drei PlÀtze im Vergleich zum Vorjahr. Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, erklÀrte, dass Deutschland "nach Jahren des Stillstandes bei der Gleichstellung von LSBTIQ* endlich zu den Top 10 in Europa gehört".

Die positive Entwicklung ist maßgeblich auf die EinfĂŒhrung des Selbstbestimmungsgesetzes zurĂŒckzufĂŒhren, das am 1. November 2024 in Kraft trat und die Rechte von trans, intergeschlechtlichen und nichtbinĂ€ren Personen stĂ€rkt. Das Gesetz ermöglicht es Betroffenen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt zu Ă€ndern – ohne die zuvor erforderlichen psychiatrischen Gutachten und Gerichtsverfahren.

Malta fĂŒhrt, Großbritannien fĂ€llt

An der Spitze der Rangliste steht weiterhin Malta mit einer Bewertung von 89 Prozent, gefolgt von Belgien (85 Prozent), Island (84 Prozent), DĂ€nemark (80 Prozent) und Spanien (78 Prozent). Andere LĂ€nder, die ĂŒber Großbritannien rangieren, sind Finnland (70 Prozent), Irland (63 Prozent), Österreich (54 Prozent), Kroatien (49 Prozent) und Estland (46 Prozent).

Chaber, GeschĂ€ftsfĂŒhrer:in von ILGA-Europe, warnte: "Jetzt ist die Zeit, Widerstand zu leisten, bevor die gezielten Angriffe, die wir in LĂ€ndern wie Ungarn, Großbritannien und Georgien sehen, zur Norm statt zur Ausnahme werden. Politische FĂŒhrungspersönlichkeiten mĂŒssen mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Worte in Taten umsetzen."

Warnung fĂŒr Deutschland?

Obwohl Deutschland sich verbessert hat, sehen Expert:innen den Fall Großbritanniens als Warnung. Der britische Abstieg zeigt, wie schnell Fortschritte bei LGBTQ+-Rechten zurĂŒckgedreht werden können. "Was in Großbritannien passiert, könnte ĂŒberall passieren", warnt Henny Engels vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). "Wir beobachten auch in Deutschland zunehmend Angriffe auf die Rechte von trans Personen und mĂŒssen wachsam bleiben."

Die Situation in Großbritannien wird von ILGA-Europe als Teil einer allgemeinen Aushöhlung demokratischer Rechte in Europa gesehen. Die Organisation weist darauf hin, dass die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit beispielsweise bei Pride-Paraden in mindestens vierzehn LĂ€ndern fĂŒr die LGBTQ+-Community eingeschrĂ€nkt wird.

Vic Valentine von Scottish Trans fasste die Situation treffend zusammen: "Von außen betrachtet wird das Vereinigte Königreich als warnendes Beispiel dafĂŒr angesehen, wie Dinge rĂŒckwĂ€rts statt vorwĂ€rts gehen können. Aber nichts davon ist unvermeidlich."

Diese Erkenntnis gilt auch fĂŒr Deutschland: Trotz positiver Entwicklungen zeigt der Fall Großbritannien, dass Fortschritte nicht selbstverstĂ€ndlich sind und kontinuierliches Engagement fĂŒr die Rechte der LGBTQ+-Community notwendig bleibt.


Britische NatWest Bank weist Beschwerde gegen Pride-Dekorationen ab - Wie steht es um LGBTQ+-Sichtbarkeit in deutschen Banken?

Eine Beschwerde gegen Pride-Dekorationen in einer britischen NatWest-Filiale wurde abgewiesen, wobei dem Kunden geraten wurde, Online-Banking zu nutzen, wenn ihn die LGBTQ+-Symbole stören. Wie PinkNews berichtet, bezog sich der Fall auf einen Kunden (in Dokumenten nur als "Herr J" bezeichnet), der im Juli letzten Jahres versucht hatte, seine lokale Filiale zur Entfernung von Pride-Materialien zu bewegen, da diese ihm aufgrund seiner Religion und Behinderungen "emotionales Leid" zufĂŒgten.

Financial Ombudsman entscheidet zugunsten der Bank

Der Kunde eskalierte den Fall im November an den britischen Financial Ombudsman Service und behauptete, die Bank hĂ€tte gegen das Gleichstellungsgesetz von 2010 verstoßen, indem sie keine Anpassungen fĂŒr ihn vornahm. Die Ombudsfrau Danielle Padden entschied jedoch zugunsten von NatWest und betonte, dass die Bank das Recht habe, pro-LGBTQ+ Materialien in ihren Filialen zu zeigen.

"NatWest ist eine Bank, die sich dafĂŒr entschieden hat, zu bestimmten Zeiten des Jahres Pride-Materialien zusammen mit anderen Dekorationen auszustellen," schrieb Padden in ihrem Urteil. "Als Dienstleister können wir ihnen nicht verbieten, dies zu tun, da sie berechtigt sind, die Gemeinschaften, denen sie dienen, zu feiern und fĂŒr sie zu sensibilisieren."

Die Bank wies darauf hin, dass der Kunde "alternative Bankmethoden" wie Online-Banking, Geldautomaten oder die Post nutzen könne. Sollte er persönlich in die Filiale kommen mĂŒssen, könne er auch einen Dritten bevollmĂ€chtigen, dies fĂŒr ihn zu erledigen.

LGBTQ+-Sichtbarkeit in deutschen Banken

WĂ€hrend dieser Fall aus Großbritannien stammt, stellt sich die Frage, wie deutsche Banken mit LGBTQ+-Sichtbarkeit und -UnterstĂŒtzung umgehen. Anders als in Großbritannien, wo die Charity Stonewall jĂ€hrlich die inklusivsten Arbeitgeber kĂŒrt (NatWest gehörte letztes Jahr zu den Spitzenreitern), gibt es in Deutschland keine vergleichbare umfassende Bewertung fĂŒr den Bankensektor.

Die Deutsche Bank gehört jedoch zu den Vorreitern in diesem Bereich und unterstĂŒtzt seit Jahren aktiv den Christopher Street Day in verschiedenen deutschen StĂ€dten. Auch die Commerzbank zeigt regelmĂ€ĂŸig wĂ€hrend des Pride-Monats ihre UnterstĂŒtzung durch entsprechende Dekorationen und Aktionen. Die DKB wirbt ebenfalls mit ihrer Diversity-Politik, die LGBTQ+-Mitarbeitende explizit einschließt.

Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland

In Deutschland schĂŒtzt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen IdentitĂ€t. Es ist allerdings unklar, ob ein Fall wie bei NatWest hier Ă€hnlich entschieden wĂŒrde. Im Gegensatz zum britischen Fall mĂŒsste in Deutschland abgewogen werden, ob religiöse Überzeugungen eines Kunden schwerer wiegen als das Recht einer Bank, sich fĂŒr Vielfalt und Inklusion einzusetzen.

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) betont, dass visuelle ReprĂ€sentation von LGBTQ+-Themen in öffentlichen RĂ€umen, einschließlich Banken, ein wichtiger Schritt zur gesellschaftlichen Akzeptanz sei. "Sichtbarkeit ist der erste Schritt zur Normalisierung", erklĂ€rt Alfonso Pantisano, Bundesvorstandsmitglied des LSVD gegenĂŒber verschiedenen Medien.

Zwischen Marketing und authentischem Engagement

Kritiker werfen Unternehmen, einschließlich Banken, manchmal "Pinkwashing" vor – wenn sie sich wĂ€hrend des Pride-Monats mit Regenbogen schmĂŒcken, ohne dass dahinter ein tieferes Engagement fĂŒr LGBTQ+-Rechte steht. Authentische UnterstĂŒtzung zeigt sich in der Einstellungspolitik, internen DiversitĂ€tsprogrammen und finanzieller UnterstĂŒtzung von LGBTQ+-Organisationen.

Die Proud at Work Initiative, die sich fĂŒr LGBTQ+-Rechte am Arbeitsplatz einsetzt, hat in den letzten Jahren zunehmend mit Finanzinstituten zusammengearbeitet. "Es geht nicht nur um Regenbogenflaggen im Juni, sondern um nachhaltige Unternehmenskultur", so ein Sprecher der Initiative.

Fazit

Der Fall aus Großbritannien zeigt, dass ein Bekenntnis zu Vielfalt und Inklusion auch rechtlich haltbar ist. FĂŒr deutsche Banken könnte dies ein positives Signal sein, ihre LGBTQ+-freundlichen Initiativen weiter auszubauen. Gleichzeitig sollte dieses Engagement ĂŒber symbolische Gesten hinausgehen und sich in der Unternehmenskultur, den Dienstleistungen und dem gesellschaftlichen Engagement widerspiegeln.


RĂŒckschritt fĂŒr die Vielfalt: SAP kapituliert vor Trumps Diversity-Feldzug

Der deutsche Software-Riese SAP streicht Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtervielfalt und reagiert damit auf den politischen Druck der Trump-Administration in den USA. Wie das Handelsblatt berichtete, verzichtet der Konzern kĂŒnftig auf das Ziel, einen Frauenanteil von 40 Prozent in der Belegschaft zu erreichen. Die Entscheidung reiht sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung, bei der internationale Unternehmen ihre Diversity-Programme zurĂŒckfahren.

Konkrete Maßnahmen und strukturelle VerĂ€nderungen

SAP begrĂŒndet diesen Schritt in einer internen Mail an die Belegschaft mit der Notwendigkeit, auf "externe VerĂ€nderungen, etwa auf aktuelle gesetzliche Entwicklungen" zu reagieren. Als "global agierendes Unternehmen mit einer starken PrĂ€senz in den USA" sehe man sich gezwungen, Anpassungen im Bereich "Diversity & Inclusion" vorzunehmen. Laut Spiegel-Informationen beteuert der DAX-Konzern dennoch, dass eine "vielfĂ€ltige Belegschaft und integrative FĂŒhrung" weiterhin fĂŒr eine leistungsfĂ€hige Organisation entscheidend seien.

Die VerĂ€nderungen bei SAP sind weitreichend: Neben dem Verzicht auf die angestrebte Frauenquote wird Geschlechtervielfalt kĂŒnftig auch nicht mehr als Bewertungsmaßstab bei der VergĂŒtung des Vorstands berĂŒcksichtigt. Bei der Quote fĂŒr Frauen in FĂŒhrungspositionen werden die USA komplett ausgeklammert. Besonders symboltrĂ€chtig ist die Zusammenlegung des bislang eigenstĂ€ndigen "Diversity & Inclusion Office" mit dem Bereich "Corporate Social Responsibility" – ein deutliches Zeichen fĂŒr die Herabstufung der Thematik.

Trumps Kreuzzug gegen die "Woke-Kultur"

Der RĂŒckzug von SAP ist kein Einzelfall, sondern spiegelt eine breitere Entwicklung wider, die durch die Politik von Donald Trump in den USA vorangetrieben wird. Gleich am Tag seines Amtsantritts im Januar unterzeichnete Trump ein Dekret, das US-Bundesbehörden den Einsatz von Programmen fĂŒr DiversitĂ€t, Gleichstellung und Inklusion (im Englischen als DEI abgekĂŒrzt) untersagt. Die Trump-Administration argumentiert, dass Einstellungen ausschließlich auf Verdienst basieren sollten und nicht auf vermeintlich "diskriminierenden Quoten".

Diese Politik ĂŒbt immensen Druck auf Unternehmen mit US-GeschĂ€ft aus. Große Konzerne wie Google und Meta haben ihre DiversitĂ€tsprogramme bereits zurĂŒckgefahren. Laut Deutschlandfunk beenden immer mehr Unternehmen ihre DEI-Maßnahmen aus Angst vor rechtlichen und politischen Konsequenzen in den USA. Die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile USA verpflichtete sich ebenfalls, entsprechende Programme einzustellen.

Auswirkungen auf die deutsche LGBTQ+-Community

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland bedeutet diese Entwicklung einen beunruhigenden PrĂ€zedenzfall. Wenn ein Schwergewicht wie SAP, das sich in der Vergangenheit als progressiver Arbeitgeber positioniert hatte, vor politischem Druck einknickt, könnte dies Signalwirkung fĂŒr andere deutsche Unternehmen haben. Besonders bedenklich ist, dass der Abbau von Diversity-Programmen nicht auf sachlichen Argumenten basiert – es gibt keine Belege dafĂŒr, dass solche Initiativen zu QualitĂ€tseinbußen fĂŒhren, wie von Trump und seinen UnterstĂŒtzern behauptet.

In Deutschland haben Unternehmen in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte im Bereich Diversity Management erzielt. Eine Studie von Total E-Quality zeigt, dass viele deutsche Firmen die Wichtigkeit kultureller Vielfalt erkannt haben und die Verantwortung dafĂŒr zunehmend auch beim Senior Management ansiedeln. Auch wirtschaftlich macht Vielfalt Sinn: Nach einer McKinsey-Untersuchung könnten durch mehr kulturelle Vielfalt bis zu 100 Milliarden Euro Wertschöpfung in Deutschland generiert werden.

Ein gefÀhrlicher Domino-Effekt

Die Entscheidung von SAP könnte Teil eines grĂ¶ĂŸeren Domino-Effekts sein, der bereits andere Unternehmen erfasst hat. So haben Medienberichten zufolge auch Aldi SĂŒd und Ford ihre DiversitĂ€tsprogramme eingeschrĂ€nkt oder CSD-Sponsorings gekĂŒrzt. Dies ist besonders alarmierend, da Deutschland und Europa bislang als Gegengewicht zu den kulturellen RĂŒckschritten in den USA galten.

FĂŒr die LGBTQ+-Community steht viel auf dem Spiel. DiversitĂ€tsprogramme wurden eingefĂŒhrt, um historisch bedingte Benachteiligungen auszugleichen und gleiche Chancen fĂŒr alle Menschen unabhĂ€ngig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Herkunft zu schaffen. Wenn Unternehmen diese Programme als verzichtbaren Luxus betrachten, den man bei politischem Gegenwind schnell ĂŒber Bord wirft, droht ein Rollback bei hart erkĂ€mpften Errungenschaften.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob weitere deutsche Unternehmen dem Beispiel von SAP folgen oder ob sie den Mut aufbringen, an ihren Werten festzuhalten – auch wenn dies bedeutet, sich dem politischen Druck aus den USA zu widersetzen. FĂŒr die LGBTQ+-Community bleibt es wichtig, wachsam zu bleiben und Unternehmen an ihre gesellschaftliche Verantwortung zu erinnern.


Neuer Papst Leo XIV: Bedenken ĂŒber LGBTQ+-Ansichten in Deutschland und weltweit

Der neu gewĂ€hlte Papst Robert Prevost, der den Namen Leo XIV. angenommen hat, steht wegen seiner frĂŒheren Äußerungen zu LGBTQ+-Themen in der Kritik. In einem Bericht von PinkNews werden diese Bedenken ausfĂŒhrlich dargelegt, wĂ€hrend in Deutschland die Frage aufkommt, wie sich seine Wahl auf die fortschrittlichen Entwicklungen in der deutschen katholischen Kirche auswirken könnte.

Kontroverse Äußerungen des neuen Papstes

Der 69-jĂ€hrige Amerikaner, der auch die peruanische StaatsbĂŒrgerschaft besitzt, wurde am 8. Mai nach einem zweitĂ€gigen Konklave zum 267. Papst gewĂ€hlt. Obwohl er als moderater Reformer gilt, der Papst Franziskus nahestand, berichtet die New York Times, dass Prevost 2012 Kritik an Unterhaltungsmedien Ă€ußerte, die "Sympathie fĂŒr Überzeugungen und Praktiken zeigen, die im Widerspruch zum Evangelium stehen", darunter der "homosexuelle Lebensstil" und "alternative Familien, die aus gleichgeschlechtlichen Partnern und ihren adoptierten Kindern bestehen".

Als Bischof von Chiclayo in Peru sprach sich Prevost zudem gegen inklusive Geschlechtererziehung aus und behauptete, dass die "Gender-Ideologie versucht, Geschlechter zu erschaffen, die nicht existieren", wie Newsweek berichtet.

Deutsche katholische Kirche im Spannungsfeld

Die Wahl von Papst Leo XIV. fÀllt in eine Zeit bedeutender VerÀnderungen in der deutschen katholischen Kirche. Der Synodale Weg, ein Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, hat in den letzten Jahren wichtige Empfehlungen zur Gleichstellung von LGBTQ+-Personen ausgesprochen, darunter die Erlaubnis zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Forderung nach "konkreten Verbesserungen" der Beziehung der Kirche zur Transgender-Gemeinschaft.

Ein besonders bemerkenswerter Fortschritt war die Ernennung von Bischof Ludger Schepers zum ersten "Beauftragten fĂŒr queere Seelsorge" durch die deutsche Bischofskonferenz im MĂ€rz 2024. Diese Ernennung wurde als wichtiges Signal fĂŒr mehr Offenheit gegenĂŒber queeren Themen in der katholischen Kirche in Deutschland gesehen.

Die #OutInChurch-Bewegung in Deutschland

Die deutsche katholische Kirche wurde 2023 durch die Kampagne #OutInChurch erschĂŒttert, als sich 125 queere GlĂ€ubige öffentlich outeten. Eine Dokumentation mit Interviews von 100 queeren Katholik*innen ĂŒber ihre Erfahrungen in der Kirche wurde im deutschen Fernsehen ausgestrahlt und löste landesweit Diskussionen aus.

Diese Bewegung hat dazu beigetragen, dass die deutsche katholische Kirche eine Vorreiterrolle bei der Inklusion von LGBTQ+-Personen innerhalb der globalen katholischen Gemeinschaft eingenommen hat – eine Position, die nun durch die konservativeren Ansichten des neuen Papstes gefĂ€hrdet sein könnte.

Reaktionen und Zukunftsaussichten

Kate Ellis, PrĂ€sidentin und CEO von GLAAD, hat den neuen Papst aufgefordert, "auf den Fortschritten aufzubauen", die sein VorgĂ€nger gemacht hat. "Die römisch-katholische Kirche steht an der Schwelle zu einem hoffnungsvollen und inklusiven neuen Kapitel. Mit der FĂŒhrung von Papst Leo XIV. besteht eine außerordentliche Chance, Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren und LGBTQ-Menschen mit MitgefĂŒhl, WĂŒrde und Liebe noch stĂ€rker einzubeziehen", erklĂ€rte Ellis in einer Stellungnahme.

In seiner ersten Ansprache auf dem Petersplatz im Vatikan nach seiner Wahl sagte Prevost: "Ich möchte, dass dieser Friedensgruß alle eure Herzen und Familien... und Menschen auf der ganzen Welt erreicht. Friede sei mit euch."

FĂŒr LGBTQ+-Katholik*innen in Deutschland und weltweit bleibt abzuwarten, ob die Friedensworte des neuen Papstes auch fĂŒr sie gelten werden. Angesichts der progressiven Entwicklungen in der deutschen katholischen Kirche befĂŒrchten viele, dass es zu einem RĂŒckschritt kommen könnte, sollte Papst Leo XIV. eine konservativere Linie verfolgen als sein VorgĂ€nger Franziskus.

Bedeutung fĂŒr die deutsche LGBTQ+-Gemeinschaft

FĂŒr queere Katholik*innen in Deutschland, die in den letzten Jahren durch Initiativen wie den Synodalen Weg und #OutInChurch mehr Anerkennung erfahren haben, bedeutet die Wahl eines Papstes mit bekannten anti-LGBTQ+-Ansichten eine Zeit der Ungewissheit. Der Kontrast zwischen den fortschrittlichen BemĂŒhungen der deutschen Kirche und den potenziell konservativen Ansichten des neuen Papstes könnte zu Spannungen innerhalb der katholischen Gemeinschaft in Deutschland fĂŒhren.

Viele hoffen jedoch, dass Papst Leo XIV. in seiner neuen Rolle einen inklusiveren Ansatz verfolgen wird, Ă€hnlich wie Papst Franziskus, der trotz Beibehaltung traditioneller Lehren der Kirche oft einen versöhnlicheren Ton gegenĂŒber LGBTQ+-Personen anschlug.


Cis-Frau aus Boston-Hotel geworfen: Was solche VorfĂ€lle fĂŒr die LGBTQ+-Gemeinschaft in Deutschland bedeuten

Eine erschĂŒtternde Geschichte aus Boston erreicht nun auch Deutschland: Zwei cisgeschlechtliche Frauen, Liz Victor und Ansley Baker, wurden aus dem Liberty Hotel in Boston geworfen, nachdem Baker gezwungen wurde, ihr Geschlecht zu "beweisen", als sie die Damentoilette benutzte. Der Vorfall, ĂŒber den ursprĂŒnglich GCN berichtete, wirft wichtige Fragen zur Geschlechterpolizierung im öffentlichen Raum auf – ein Thema, das auch in Deutschland zunehmend Relevanz gewinnt.

Was geschah in Boston?

Das Paar besuchte eine Kentucky-Derby-Party im Liberty Hotel. Als Baker die Damentoilette benutzte, drang ein mĂ€nnlicher Sicherheitsbeamter in die Toilette ein und klopfte an die KabinentĂŒren. Er behauptete, Baker sei ein Mann. "Ich zog meine Shorts hoch. Ich hatte sie noch nicht einmal zugebunden. Einer der Sicherheitsbeamten war da und sagte mir, ich solle die Toilette verlassen, dass ich ein Mann in der Damentoilette sei", berichtete Baker gegenĂŒber CBS.

Obwohl Baker ihren Ausweis vorlegte und damit ihr Geschlecht "bewies", wurde sie gezwungen, die Toilette zu verlassen. Das Paar wurde anschließend in die Lobby eskortiert und musste das Hotel verlassen. "Selbst nachdem bestĂ€tigt wurde, dass sie eine Frau ist, wurden wir beide komplett von der Veranstaltung verwiesen, erschĂŒttert, weinend und öffentlich beschĂ€mt", erklĂ€rte Victor.

Kein Einzelfall: Geschlechterpolizierung auch in Deutschland

Solche VorfĂ€lle sind leider keine Seltenheit – auch in Deutschland. Experten der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bestĂ€tigen, dass insbesondere maskulin wirkende Frauen immer wieder mit Diskriminierung in geschlechtergetrennten RĂ€umen konfrontiert werden. Nina Selvaggio, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Greater Boston PFLAG, brachte es auf den Punkt: "FĂŒr geschlechtsnonkonforme Lesben und Frauen im Allgemeinen ist BelĂ€stigung in öffentlichen Toiletten eine uralte Geschichte."

In Deutschland hat sich zwar mit dem Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes am 1. November 2024 die rechtliche Situation fĂŒr trans*, intergeschlechtliche und nicht-binĂ€re Menschen verbessert, doch die gesellschaftliche RealitĂ€t hinkt hinterher. Laut der Bundesvereinigung Trans* kommt es regelmĂ€ĂŸig zu Diskriminierung in Alltagssituationen, besonders in geschlechtergetrennten RĂ€umen wie Toiletten oder Umkleidekabinen.

Rechtliche Situation in Deutschland

Im Gegensatz zu manchen US-Bundesstaaten gibt es in Deutschland keine sogenannten "Badezimmergesetze", die Menschen vorschreiben, welche Toiletten sie nutzen dĂŒrfen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierung aufgrund der "sexuellen IdentitĂ€t" beim Zugang zu GĂŒtern und Dienstleistungen.

Dennoch zeigen FÀlle wie ein Vorfall aus dem Mai 2024, bei dem eine Transfrau nicht in einem Frauenfitnessstudio trainieren durfte, dass die Durchsetzung dieser Rechte im Alltag oft schwierig ist. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bezeichnete solche Verweigerungen als "Persönlichkeitsverletzung".

Auswirkungen auf das Leben von LGBTQ+-Personen

"Solche VorfĂ€lle haben weitreichende Konsequenzen", erklĂ€rt Petra Weitzel vom Deutschen Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t e.V. (dgti). "Viele Betroffene meiden öffentliche Toiletten aus Angst vor Konfrontationen oder Gewalt. Das schrĂ€nkt ihre Bewegungsfreiheit und Teilhabe am öffentlichen Leben massiv ein."

Besonders besorgniserregend: Die Zunahme transfeindlicher Rhetorik fĂŒhrt offenbar zu verstĂ€rkter Geschlechterpolizierung – wovon alle betroffen sein können, deren Erscheinungsbild nicht streng binĂ€ren Geschlechterstereotypen entspricht. Dies trifft sowohl Transpersonen als auch cisgeschlechtliche Menschen mit nicht-normativer GeschlechtsprĂ€sentation.

Die Reaktion des Hotels und was wir daraus lernen können

Das Liberty Hotel in Boston reagierte auf den Vorfall, indem es den Sicherheitsbeamten suspendierte und ankĂŒndigte, dass er ein InklusivitĂ€tstraining absolvieren mĂŒsse. Zudem versprach das Hotel eine Spende an eine lokale LGBTQ+-Organisation.

FĂŒr deutsche Unternehmen, Hotels und Veranstaltungsorte bietet dieser Fall wichtige Lehren: Klare Richtlinien fĂŒr den respektvollen Umgang mit allen GĂ€sten, unabhĂ€ngig von ihrer GeschlechtsidentitĂ€t oder -prĂ€sentation, sowie regelmĂ€ĂŸige Schulungen fĂŒr das Personal sind unerlĂ€sslich.

Vorbildlich agieren in Deutschland bereits einige Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die mit gezielten Diversity-Trainings und klaren Antidiskriminierungsrichtlinien vorangeht.

Fazit: Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Der Vorfall in Boston zeigt deutlich: Die Polizierung von Geschlecht in öffentlichen RĂ€umen ist ein globales Problem, das nicht nur Transpersonen betrifft. Es unterstreicht die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Umdenkens weg von starren Geschlechterstereotypen hin zu mehr Respekt fĂŒr individuelle Ausdrucksformen.

In Deutschland bietet das neue Selbstbestimmungsgesetz einen wichtigen rechtlichen Rahmen – doch die gesellschaftliche Akzeptanz muss weiter gefördert werden. FĂ€lle wie der aus Boston verdeutlichen: Es geht nicht um abstrakte IdentitĂ€tspolitik, sondern um konkrete Auswirkungen auf das Leben realer Menschen und deren WĂŒrde im Alltag.

Letztlich sollte die Botschaft klar sein: Niemand sollte gezwungen sein, sein Geschlecht zu "beweisen", um grundlegende menschliche BedĂŒrfnisse erfĂŒllen zu können – weder in Boston noch in Berlin.


Disney plant Themenpark in den VAE, wo HomosexualitÀt unter Strafe steht - Ein Dilemma zwischen wirtschaftlichen Interessen und Werten

Disney hat kĂŒrzlich bekanntgegeben, einen neuen Themenpark in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zu eröffnen - einem Land, in dem HomosexualitĂ€t illegal ist und mit GefĂ€ngnisstrafen bis hin zur Todesstrafe geahndet werden kann. Die ursprĂŒngliche Meldung stammt von PinkNews, die am 8. Mai 2025 ĂŒber diese Entwicklung berichtete.

Disneys neue Partnerschaft trotz problematischer Menschenrechtslage

In einer gemeinsamen AnkĂŒndigung am 7. Mai erklĂ€rten die lokale Miral Group und The Walt Disney Company ihre Absicht, einen "Landmark Disney Resort in Abu Dhabi" zu errichten. Der neue Themenpark soll auf Yas Island entstehen. Diese AnkĂŒndigung erfolgte kurz vor dem Besuch des US-PrĂ€sidenten Donald Trump in der Region.

Was auf den ersten Blick als wirtschaftliche Erfolgsgeschichte erscheint, wirft jedoch ernsthafte ethische Fragen auf. In den VAE ist HomosexualitĂ€t sowohl fĂŒr MĂ€nner als auch fĂŒr Frauen strafbar. Die Strafen reichen von GefĂ€ngnisstrafen ĂŒber chemische Kastration, Auspeitschen und Geldstrafen bis hin zur Abschiebung und in seltenen FĂ€llen sogar zur Hinrichtung. Nach Artikel 80 des Strafgesetzbuchs von Abu Dhabi können "unnatĂŒrliche sexuelle Handlungen mit einer anderen Person" mit bis zu 14 Jahren GefĂ€ngnis bestraft werden, wie die Organisation Human Dignity Trust berichtet.

Kritische Reaktionen aus der Community

Die AnkĂŒndigung wurde in sozialen Medien kritisch aufgenommen. Ein Nutzer schrieb: "Wie soll das Disney-Magie sein? Ich hoffe, eure Partnerschaft hat ein Schlupfloch... denn das ist Unsinn." Ein anderer kommentierte: "Abu Dhabis Bilanz in Bezug auf Frauen- und LGBTQ-Rechte ist besorgniserregend. Eine interessante Wahl von Disney."

Trotz dieser Bedenken betonte Mohamed Khalifa al Mubarak, Vorsitzender von Miral: "Was wir mit Disney in Abu Dhabi erschaffen, ist eine völlig neue Welt der Fantasie, ein Erlebnis, das Generationen in der Region und weltweit inspirieren wird." Disney-CEO Bob Iger fĂŒgte hinzu, dass es sich um einen "aufregenden Moment" fĂŒr das Unternehmen handele, einen Themenpark in Abu Dhabi zu bauen, "dessen Kultur reich an WertschĂ€tzung fĂŒr Kunst und KreativitĂ€t ist."

Deutsche Unternehmen vor Àhnlichen Herausforderungen

Disneys Entscheidung spiegelt ein Dilemma wider, mit dem auch viele deutsche Unternehmen konfrontiert sind, die in LĂ€ndern mit restriktiven LGBTQ+-Gesetzen tĂ€tig sind. Konzerne wie Siemens, Volkswagen und die Deutsche Bank haben sich in Deutschland klar fĂŒr DiversitĂ€t und Inklusion positioniert, operieren aber gleichzeitig in MĂ€rkten, in denen LGBTQ+-Rechte stark eingeschrĂ€nkt sind.

Der Deutschlandfunk berichtete in der Vergangenheit ĂŒber die Herausforderungen deutscher Unternehmen, ihre Unternehmenswerte mit den lokalen Gesetzen und kulturellen Normen in LĂ€ndern mit problematischer Menschenrechtslage in Einklang zu bringen. Viele Unternehmen versuchen, einen Mittelweg zu finden, indem sie intern LGBTQ+-freundliche Richtlinien implementieren, wĂ€hrend sie nach außen die lokalen Gesetze respektieren.

Die Wirtschaftsethik-Debatte in Deutschland

In Deutschland hat die Debatte ĂŒber Wirtschaftsethik und Menschenrechte in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Das 2021 verabschiedete Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet deutsche Unternehmen, Menschenrechte entlang ihrer Lieferkette zu achten. LGBTQ+-Rechte werden jedoch in diesem Kontext oft nicht explizit adressiert.

"Unternehmen stehen vor dem Dilemma, entweder auf lukrative MĂ€rkte zu verzichten oder ihre eigenen Werte zu kompromittieren", erklĂ€rt Dr. Marina Schmidt vom Deutschen Institut fĂŒr Menschenrechte in einem Interview. "Es gibt keine einfachen Lösungen, aber Unternehmen sollten transparenter darĂŒber sein, wie sie mit diesen WidersprĂŒchen umgehen und welche Maßnahmen sie ergreifen, um ihre LGBTQ+-Mitarbeiter*innen in allen LĂ€ndern zu schĂŒtzen."

Die Verantwortung globaler Unternehmen

Disneys Entscheidung wirft die grundsĂ€tzliche Frage auf, inwieweit globale Unternehmen eine Verantwortung tragen, ihre Werte konsequent zu vertreten - auch wenn dies geschĂ€ftliche Nachteile mit sich bringen könnte. Das Unternehmen, das sich in den USA öffentlich fĂŒr LGBTQ+-Rechte einsetzt und Pride-Veranstaltungen in seinen Themenparks organisiert, scheint in diesem Fall wirtschaftliche Interessen ĂŒber diese Werte zu stellen.

FĂŒr deutsche Verbraucher*innen und Investor*innen stellt sich zunehmend die Frage, ob sie Unternehmen unterstĂŒtzen wollen, die solche Kompromisse eingehen. Der BUND und andere Organisationen fordern seit langem, dass ethische Kriterien bei Investitionen stĂ€rker berĂŒcksichtigt werden sollten - einschließlich der Haltung von Unternehmen zu LGBTQ+-Rechten.

WĂ€hrend Disney mit seinem neuen Projekt in den VAE voranschreitet, bleibt abzuwarten, ob das Unternehmen Maßnahmen ergreifen wird, um seine LGBTQ+-freundlichen Werte auch in diesem Kontext zu vertreten oder ob es sich den lokalen Gegebenheiten vollstĂ€ndig anpassen wird. Die Entscheidung könnte richtungsweisend sein fĂŒr andere westliche Unternehmen, die in Regionen mit restriktiven LGBTQ+-Gesetzen expandieren möchten.


Zwischen Feiern und Furcht: WorldPride 2025 in Washington unter dem Schatten der Trump-Politik

Bis zu drei Millionen Menschen werden erwartet, doch ĂŒber dem WorldPride25-Festival in Washington liegt ein dunkler Schatten. Wie queer.de berichtet, findet das grĂ¶ĂŸte Event des Jahres fĂŒr die LGBTQ+-Community zu einer Zeit statt, in der die Regierung von PrĂ€sident Donald Trump aggressive Maßnahmen gegen die sogenannte „Gender-Ideologie" ergreift und die Rechte von queeren Menschen systematisch beschneidet.

Zwischen Jubel und Absagen: Die zwiespÀltige Stimmung

WĂ€hrend die Organisatoren des am 17. Mai beginnenden Festivals optimistisch bleiben, haben laut der „Washington Post" bereits einige internationale Gruppen ihre Teilnahme abgesagt. Der Grund: Die feindselige Haltung der Trump-Regierung gegenĂŒber Vielfalt, Integration und Gleichberechtigung sowie konkrete Angriffe auf die Rechte von trans Menschen. Per Dekret hat Trump verordnet, dass es nur zwei Geschlechter gibt und PĂ€sse das „korrekte biologische Geschlecht" ausweisen mĂŒssen. Zudem werden trans Personen systematisch aus Sport und MilitĂ€r verdrĂ€ngt.

Ryan Bos, geschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor der Capital Pride Alliance, zeigt VerstĂ€ndnis fĂŒr die Skepsis: „Diese Menschen haben sehr berechtigte Bedenken und fragen sich zu Recht, wie sicher es fĂŒr sie ist, in die USA zu reisen." Besonders Betroffene sind Menschen, die sich als trans identifizieren. Die Veranstalter haben bereits im vergangenen Monat vor spezifischen Reiserisiken gewarnt.

Deutsche Parallelen: Auch hier wÀchst der Druck

Die Situation in den USA wirft ein Schlaglicht auf Ă€hnliche Entwicklungen in Deutschland. Auch hierzulande nehmen queerfeindliche Tendenzen zu, wie die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung dokumentiert. Der Aufstieg populistischer und konservativer KrĂ€fte hat zu verstĂ€rkten Debatten ĂŒber traditionelle Familienbilder und die Akzeptanz sexueller Vielfalt gefĂŒhrt.

WĂ€hrend in Deutschland das Selbstbestimmungsgesetz einen wichtigen Fortschritt darstellt, sehen sich queere Menschen dennoch mit zunehmender Diskriminierung konfrontiert. Laut aktuellen Statistiken des LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) haben queerfeindliche Übergriffe in den vergangenen Jahren zugenommen – eine Entwicklung, die Parallelen zur Situation in den USA aufweist.

Politik im Kulturzentrum: Symbolischer Umzug

Die politische Dimension des WorldPride wird besonders deutlich durch die Verlegung mehrerer Veranstaltungen, die ursprĂŒnglich im renommierten staatlichen Kennedy Center stattfinden sollten. Trump hatte das Kulturzentrum kurz nach seinem Amtsantritt unter seine Kontrolle gebracht und den Schritt unter anderem damit begrĂŒndet, dass die Institution zu „woke" sei – ein Begriff, der inzwischen vor allem abwertend fĂŒr vermeintlich ĂŒberzogenes Engagement gegen Ungleichheit verwendet wird.

Diese Entwicklung erinnert an Debatten in Deutschland, wo der Begriff „Wokeness" ebenfalls zunehmend als politischer Kampfbegriff verwendet wird, um progressive BemĂŒhungen um Gleichstellung und Antidiskriminierung zu diskreditieren.

WorldPride als JubilÀum und politisches Signal

FĂŒr Washington markiert die WorldPride25 ein besonderes JubilĂ€um: den 50. Jahrestag der ersten Pride-Veranstaltung in der amerikanischen Hauptstadt. Der geplante Freiheitsmarsch am 8. Juni, der vom Lincoln Memorial ĂŒber das Weiße Haus bis zum Kapitol fĂŒhren soll, wird nicht nur eine Feier der queeren Community sein, sondern auch ein politisches Statement in einer Zeit wachsender Feindseligkeit.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community bietet das Event eine Gelegenheit zur internationalen SolidaritĂ€t. Wie die Reuters berichtet, wird die WorldPride in Washington als wichtige Plattform dienen, um LGBTQ+-Rechte global zu fördern – ein Anliegen, das angesichts Ă€hnlicher politischer Herausforderungen auch in Deutschland von Bedeutung ist.

Der Schatten, der ĂŒber dem WorldPride-Festival liegt, ist somit nicht nur ein amerikanisches PhĂ€nomen, sondern spiegelt globale Tendenzen wider, die auch in Deutschland zu beobachten sind. In Zeiten, in denen hart erkĂ€mpfte Rechte wieder in Frage gestellt werden, gewinnen Veranstaltungen wie der WorldPride eine besondere politische Bedeutung – sowohl in den USA als auch fĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community.


Durchbruch nach 20 Jahren: Neue DNA-Spur im Mordfall des schwulen Barkeepers Tino Werner

Nach ĂŒber 20 Jahren könnte ein ungeklĂ€rter Mordfall an einem schwulen Barkeeper in Bad Driburg endlich vor der AufklĂ€rung stehen. Wie aus dem ursprĂŒnglichen Bericht von queer.de hervorgeht, haben Ermittler mithilfe modernster Technologie bislang unentdecktes DNA-Material an der Leiche von Tino Werner nachweisen können. Diese neue Spur weckt Hoffnung, einen der ungelösten LGBTQ+-bezogenen MordfĂ€lle in Deutschland doch noch aufzuklĂ€ren.

Der Fall Tino Werner

Der damals 29-jÀhrige Tino Werner wurde im November 2003 tot in seiner Wohnung in Bad Driburg (Kreis Höxter) aufgefunden, nachdem er nicht zur Arbeit erschienen war. Eine Obduktion ergab, dass er erdrosselt wurde. Der TÀter entwendete offenbar die Kellnergeldbörse des Opfers mit etwa 150 Euro. Ein Fall, der die ostwestfÀlische Gemeinde schockierte und seit zwei Jahrzehnten auf seine AufklÀrung wartet.

Laut Markus Mertens, dem Leiter der Ermittlungsgruppe, gehen die Ermittler davon aus, dass Werner seinen Mörder kannte, da er ihn in seine Wohnung ließ. "Es kann sich um einen guten Bekannten, aber natĂŒrlich auch um einen flĂŒchtigen Kontakt aus dem Internet gehandelt haben. Auch ein spontanes Kennenlernen an diesem Abend in der Bad Driburger Kneipenszene schließen wir nicht aus", erklĂ€rte Mertens. Bekannt ist, dass Werner ĂŒber ein Dating-Portal Kontakte suchte.

Neue forensische Methoden fĂŒhren zum Durchbruch

Nach Angaben der Polizei haben kleinteilige Untersuchungen nach neuesten forensischen Standards zum Nachweis von zuvor noch unentdecktem DNA-Material gefĂŒhrt. Die Spuren wurden zwar bereits bei den damaligen Ermittlungen an der Leiche gesichert, konnten aber erst jetzt mit moderner Technik analysiert werden. Ein PhĂ€nomen, das in den letzten Jahren in Deutschland und weltweit zu DurchbrĂŒchen in zahlreichen Cold Cases gefĂŒhrt hat.

Wie der Stern und das Westfalen-Blatt berichten, setzen die Ermittler nun auf eine DNA-Reihenuntersuchung bei etwa 120 Personen aus dem erweiterten Bekanntenkreis des Getöteten.

Erneute DNA-Proben notwendig

Interessanterweise werden auch Kontaktpersonen, die bereits vor Jahren eine Probe abgaben, erneut um eine Speichelprobe gebeten. Dies liegt daran, dass gemĂ€ĂŸ gesetzlicher Vorgaben alle alten Proben vernichtet wurden – ein wichtiger Aspekt des Datenschutzes im deutschen Strafverfolgungssystem, der gerade in FĂ€llen mit LGBTQ+-Bezug von besonderer Bedeutung ist.

Queere Opfer und AufklÀrungsraten

Der Fall Tino Werner reiht sich ein in eine Reihe von Gewaltverbrechen gegen LGBTQ+-Personen in Deutschland, die teilweise jahrelang ungelöst bleiben. Laut Studien der Antidiskriminierungsstelle des Bundes werden Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen noch immer nicht mit der gleichen IntensitĂ€t verfolgt wie andere Gewaltverbrechen. Die neuen ErmittlungsansĂ€tze im Fall Werner könnten ein Zeichen fĂŒr einen Wandel sein.

Ähnliche Cold Cases, wie etwa der Fall des "Gay-Killers" in Hamburg, der erst nach Jahrzehnten aufgeklĂ€rt werden konnte, zeigen: Die Beharrlichkeit der Ermittler und neue forensische Methoden können auch bei lange zurĂŒckliegenden FĂ€llen zum Erfolg fĂŒhren.

Belohnung und Zeugenaufruf

FĂŒr Hinweise, die zur Ermittlung, Ergreifung und rechtskrĂ€ftigen Verurteilung eines TatverdĂ€chtigen fĂŒhren, hat die Polizei eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt. Die Ermittler hoffen auch, dass der TĂ€ter möglicherweise inzwischen sein Schweigen gebrochen und mit anderen Personen ĂŒber die Tat gesprochen haben könnte.

Laut Radio Hochstift, das den Fall in seiner Reihe ĂŒber KriminalfĂ€lle aus Ostwestfalen-Lippe behandelt, bleibt der Fall in der Region bis heute prĂ€sent und beschĂ€ftigt viele Menschen auch ĂŒber die LGBTQ+-Community hinaus.

Fazit: Hoffnung auf spÀte Gerechtigkeit

WĂ€hrend die Ermittlungen weitergehen, bleibt die Hoffnung, dass dieser Fall nach mehr als zwei Jahrzehnten endlich aufgeklĂ€rt werden kann. FĂŒr die Angehörigen von Tino Werner, aber auch fĂŒr die LGBTQ+-Community, wĂ€re dies ein wichtiges Signal, dass Verbrechen gegen queere Menschen nicht ungesĂŒhnt bleiben – unabhĂ€ngig davon, wie viel Zeit vergeht.

Die DNA-Reihenuntersuchung und die neuen forensischen Erkenntnisse könnten nicht nur diesem speziellen Fall zu einem Durchbruch verhelfen, sondern auch Methoden etablieren, die bei Àhnlichen ungelösten FÀllen mit LGBTQ+-Bezug in Deutschland zum Einsatz kommen könnten.


US-Regierung stoppt Überwachung von HasskriminalitĂ€t gegen Trans-Personen – Deutschland geht anderen Weg

Die US-Regierung plant offenbar, die Erfassung von Gewalt gegen Transgender-Personen in offiziellen Statistiken zu beenden. Laut einem Bericht von PinkNews zeigen durchgesickerte Dokumente, dass das Bureau of Justice Statistics, eine Abteilung des US-Justizministeriums, Fragen zur GeschlechtsidentitĂ€t aus bundesweiten Erhebungen ĂŒber Gewaltverbrechen entfernt hat.

Systematische Löschung von Trans-IdentitÀten aus Bundesstatistiken

Die Änderungen betreffen mindestens vier wichtige Bundeserhebungen, darunter die "National Crime Victimization Survey" (NCVS), die "Survey on Sexual Victimization" (SSV) und die "Survey of Inmates in Local Jails" (SILJ). Eine Frage zum "bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht" wurde modifiziert, um trans-inklusive Formulierungen zu entfernen, wĂ€hrend eine weitere Frage zur GeschlechtsidentitĂ€t der Opfer komplett gestrichen wurde.

Diese Entscheidung folgt einer im Januar von US-PrÀsident Donald Trump unterzeichneten Exekutivanordnung, die erklÀrt, dass die US-Regierung nur "zwei Geschlechter - mÀnnlich und weiblich" anerkennt. Seither haben öffentliche Behörden in den USA begonnen, Richtlinien umzusetzen, die systematisch jegliche ErwÀhnung von Trans-Personen aus offiziellen Dokumenten oder öffentlichen Aufzeichnungen tilgen.

Auswirkungen auf besonders gefÀhrdete Gruppen

Ilan Meyer vom Williams Institute der UCLA bezeichnete diese Entscheidung als "verheerend" fĂŒr das "VerstĂ€ndnis der Gesundheit und des Wohlbefindens von LGBT-Bevölkerungsgruppen". Solche Daten seien entscheidend fĂŒr die Festlegung politischer Ziele und Interventionsmaßnahmen.

Besonders problematisch ist die Situation fĂŒr LGBTQ+-Jugendliche in Haftanstalten, die ĂŒberproportional hĂ€ufig Opfer von Gewalt und Missbrauch werden. Linda McFarlane, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Just Detention International, erklĂ€rte gegenĂŒber The Appeal, dass die bisher erhobenen Statistiken halfen, eine "formelle Aufzeichnung" zu erstellen, um das Ausmaß der Gewalt in den USA zu verstehen. "Jetzt kehrt die Regierung diesen Kindern den RĂŒcken zu, und das unter dem Deckmantel der Dunkelheit, ohne jede Möglichkeit fĂŒr öffentliche Kommentare", sagte sie.

Deutschland geht entgegengesetzten Weg

Im Gegensatz zu den USA hat Deutschland in den letzten Jahren seine BemĂŒhungen verstĂ€rkt, HasskriminalitĂ€t gegen LGBTIQ*-Personen zu dokumentieren und zu bekĂ€mpfen. Seit 2019 ist es möglich, das Geschlecht "divers" im KPMD-PMK-System des Bundeskriminalamts zur Erfassung politisch motivierter Straftaten anzugeben, wie das Berlin Monitoring berichtet.

Seit 2023 gelten in Deutschland zudem hĂ€rtere Strafen, wenn sich Straftaten gegen LGBTIQ+-Personen richten und durch Hass motiviert sind. Die Berliner Staatsanwaltschaft verfolgt grundsĂ€tzlich jede Beschwerde, da ein öffentliches Interesse an der AufklĂ€rung und Verfolgung solcher Straftaten besteht, wie die Senatsverwaltung fĂŒr Justiz mitteilt.

Alarmierende Zahlen in beiden LĂ€ndern

Die Statistiken in beiden LÀndern zeigen, dass Trans-Personen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, Opfer von Gewalt zu werden. In den USA sind Transgender-Personen mehr als viermal so hÀufig von Gewaltverbrechen betroffen. Inhaftierte Trans-Personen erleben sexuelle Gewalt sogar mehr als zwölfmal so hÀufig wie andere Inhaftierte.

In Deutschland haben laut einer Erhebung zwei Drittel der befragten Trans*-Personen (66%) in den letzten fĂŒnf Jahren Gewalt erlebt, fast die HĂ€lfte (48,2%) im letzten Jahr. Menschen, die von ihrem Ă€ußeren Erscheinungsbild als trans* erkannt werden, sind deutlich hĂ€ufiger Gewalt ausgesetzt. In Berlin erreichte die Zahl der erfassten queerfeindlichen Delikte im Jahr 2023 mit 588 FĂ€llen einen neuen Höchststand.

Bedeutung statistischer Erfassung fĂŒr den Schutz

Die Entscheidung der US-Regierung steht im Widerspruch zu Empfehlungen von Menschenrechtsorganisationen und Forschungsinstituten. "Ohne genaue Daten können wir weder das Ausmaß der Gewalt gegen Transgender-Personen verstehen noch wirksame Schutzmaßnahmen entwickeln", erklĂ€rt Petra Köpping, Gleichstellungsministerin in Sachsen, gegenĂŒber Pride.Direct.

WĂ€hrend Deutschland versucht, seine Datenerfassung zu verbessern und gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln, signalisiert die US-Entscheidung einen besorgniserregenden RĂŒckschritt im Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt. FĂŒr die betroffenen Gemeinschaften in den USA bedeutet dies nicht nur einen symbolischen Akt der Ausgrenzung, sondern hat konkrete Auswirkungen auf ihre Sicherheit und ihren Zugang zu Schutz und Gerechtigkeit.


Kreativer Widerstand: Wie Salt Lake City das Verbot der Regenbogenflagge umgeht - und was Deutschland davon lernen kann

In einer bemerkenswerten Aktion des zivilen Widerstands hat Salt Lake City es geschafft, ein staatliches Verbot von Pride-Flaggen an öffentlichen GebĂ€uden zu umgehen. Kurz bevor im republikanisch regierten US-Bundesstaat Utah ein Gesetz in Kraft trat, das das Hissen von Regenbogenfahnen an öffentlichen GebĂ€uden verbietet, hat der Stadtrat von Salt Lake City einstimmig drei neue offizielle Stadtflaggen eingefĂŒhrt - darunter Versionen, die der Regenbogenfahne, der Juneteenth-Flagge und der Trans-Flagge nachempfunden sind.

Ein kreatives Schlupfloch im Gesetz

Utah war der erste US-Bundesstaat, der Regenbogenflaggen in RegierungsgebĂ€uden und Schulen offiziell verboten hat. Das Gesetz untersagt das Zeigen "inoffizieller Flaggen", doch die Stadtverwaltung von Salt Lake City fand einen eleganten Ausweg: Alle drei neuen Flaggen zeigen die weiße Lilie, die bereits das offizielle Stadtsymbol ist - jedoch in verschiedenen Farbkombinationen, die deutlich an die Pride-Flaggen erinnern. Durch die Umwandlung in offizielle Stadtsymbole konnte Salt Lake City die queerfeindliche Richtlinie des Bundesstaats legal umgehen.

"Als BĂŒrgermeisterin habe ich die Pflicht, die Werte unserer Nation, unseres Staates und unserer Stadt aufrechtzuerhalten", erklĂ€rte Stadtchefin Erin Mendenhall zum einstimmigen Beschluss des Stadtrats. "Ich weiß, dass die Werte der Vielfalt, der Gleichberechtigung und der Inklusion nicht nur richtig und gerecht sind, sondern dass sie fĂŒr Amerika von grundlegender Bedeutung sind, auch wenn es darum kĂ€mpft, sie aufrechtzuerhalten."

Kein Einzelfall: Auch andere StÀdte wehren sich

Salt Lake City steht mit dieser Strategie nicht allein da. Auch im benachbarten US-Bundesstaat Idaho, der im vergangenen Monat ein Ă€hnliches Flaggenverbot erlassen hat, stimmte der Stadtrat von Boise am Dienstag fĂŒr die EinfĂŒhrung des Pride-Banners als offizielle Stadtflagge. Diese koordinierte Reaktion mehrerer StĂ€dte zeigt, wie kommunale Verwaltungen kreativ gegen diskriminierende Staatsgesetze vorgehen können.

Salt Lake City hat trotz der konservativen Politik des Bundesstaats Utah eine lebendige LGBTQ+-Community und veranstaltet jĂ€hrlich das Utah Pride Festival. Das Utah Pride Center setzt sich fĂŒr eine Zukunft ohne Diskriminierung ein und bietet SchutzrĂ€ume, Veranstaltungen und Programme fĂŒr die LGBTQ+-Community.

Parallelen in Deutschland: Auch hier Debatten um die Regenbogenflagge

WĂ€hrend in Deutschland kein bundesweites Verbot von Regenbogenflaggen existiert, gibt es auch hierzulande immer wieder Debatten um das Zeigen der Pride-Symbole an öffentlichen GebĂ€uden. Ein bemerkenswerter Fall ereignete sich in Neubrandenburg, wo der OberbĂŒrgermeister nach einem lokalen Verbot der Regenbogenflagge am Bahnhof zurĂŒcktrat.

Auch bei Großveranstaltungen wie dem Eurovision Song Contest (ESC) gab es Kontroversen um Flaggenverbote, die Regenbogenflaggen betrafen. Die Organisatoren argumentierten dabei, dass der ESC seine Verbundenheit mit der LGBTQ+-Gemeinschaft auch ohne spezifische Flaggen zeigen könne - eine Position, die von vielen Aktivist*innen kritisiert wurde.

Ein besonders widersprĂŒchliches Beispiel lieferte die Berliner Polizei, die wĂ€hrend der Fußball-Europameisterschaft ein Flaggenverbot fĂŒr Beamte im Dienst aussprach, gleichzeitig aber die Regenbogenflagge vor dem PolizeiprĂ€sidium wĂ€hrend der Pride-Week hisste.

Symbolik mit Bedeutung

Die Entscheidung von Salt Lake City zeigt, dass Symbole wie die Regenbogenflagge nach wie vor eine große Bedeutung haben - so groß, dass konservative KrĂ€fte sie verbieten wollen und progressive KrĂ€fte kreative Wege finden, sie dennoch zu zeigen. Die Flagge steht fĂŒr Inklusion, Vielfalt und die Sichtbarkeit der LGBTQ+-Community.

Die deutsche LGBTQ+-Community könnte sich von der kreativen HartnÀckigkeit amerikanischer StÀdte wie Salt Lake City inspirieren lassen. Wenn auch bei uns Verbote oder EinschrÀnkungen drohen, gibt es möglicherweise legale und kreative Wege, Pride-Symbole dennoch im öffentlichen Raum zu erhalten - sei es durch Neuinterpretation bestehender Symbole oder durch die offizielle Anerkennung als Teil kommunaler IdentitÀt.

Der Fall zeigt auch, wie wichtig es ist, auf kommunaler Ebene fĂŒr LGBTQ+-Rechte einzustehen, selbst wenn ĂŒbergeordnete Regierungsebenen eine gegenteilige Politik verfolgen. In Deutschland wie in den USA bleibt die Regenbogenflagge ein kraftvolles Symbol, dessen PrĂ€senz im öffentlichen Raum weiterhin erkĂ€mpft werden muss.


Homophobie im Klassenzimmer: Der erschreckende AufklÀrungsfilm "Christian und sein Briefmarkenfreund" als Zeitdokument

Vor 50 Jahren wurde HomosexualitĂ€t in deutschen Schulen noch als "abartige Form sexuellen Verhaltens" dargestellt. Der AufklĂ€rungsfilm "Christian und sein Briefmarkenfreund" aus dem Jahr 1975, ĂŒber den queer.de berichtet, zeigt auf erschreckende Weise, wie HomosexualitĂ€t damals mit PĂ€dophilie und sexuellem Missbrauch gleichgesetzt wurde. Dieses Zeitdokument offenbart die gesellschaftliche Stigmatisierung, gegen die die LGBTQ+-Community jahrzehntelang ankĂ€mpfen musste.

Der Film und sein problematischer Inhalt

Der sechsminĂŒtige Film erzĂ€hlt die Geschichte des zehnjĂ€hrigen Christian, der von einem erwachsenen Mann namens Herrn Burckhart unter dem Vorwand des Briefmarkentauschs sexuell belĂ€stigt wird. Das Begleitheft zum Film, herausgegeben vom "Institut fĂŒr Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (FWU), bezeichnete HomosexualitĂ€t explizit als "neurotisch-krankhafte Triebrichtung" und stellte homosexuelle MĂ€nner auf eine Stufe mit "Triebverbrechern".

Besonders problematisch: Der Film traf keine Unterscheidung zwischen HomosexualitĂ€t und PĂ€dophilie. Vielmehr suggerierte er, dass homosexuelle MĂ€nner generell "hĂ€ufig Kontakt zu Kindern und Jugendlichen" suchten - eine Darstellung, die zur weiteren Stigmatisierung der schwulen Community beitrug und deren Nachwirkungen teilweise bis heute spĂŒrbar sind.

Der gesellschaftliche Kontext der 1970er Jahre

Um den Film einordnen zu können, muss man die gesellschaftliche Situation homosexueller Menschen in den 1970er Jahren verstehen. Obwohl der berĂŒchtigte Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen MĂ€nnern unter Strafe stellte, 1969 teilweise entschĂ€rft wurde, blieb HomosexualitĂ€t weiterhin stark stigmatisiert und wurde erst 1994 vollstĂ€ndig entkriminalisiert. In den 1970er Jahren begann sich zwar langsam eine neue Schwulenbewegung zu formieren, aber die gesellschaftliche Akzeptanz war noch sehr gering.

In SchulbĂŒchern und LehrplĂ€nen dieser Zeit wurde HomosexualitĂ€t hĂ€ufig unter "abweichende Formen" sexuellen Verhaltens kategorisiert. In den Biologie-RahmenplĂ€nen vieler BundeslĂ€nder wurde das Thema zusammen mit Exhibitionismus, Sodomie und PĂ€dophilie behandelt, wie Forschungsarbeiten zur Geschichte der Sexualerziehung belegen.

Ähnliche AufklĂ€rungsfilme der Zeit

"Christian und sein Briefmarkenfreund" war nicht der einzige problematische AufklĂ€rungsfilm dieser Zeit. Der Artikel erwĂ€hnt auch "Die PfĂŒtze" (1961) und "Augen auf, Peter!" (1961), die Ă€hnliche Narrative verwendeten. Diese Filme wurden zum Teil noch bis in die 1970er Jahre hinein in Schulen gezeigt und prĂ€gten so das Bild, das junge Menschen von HomosexualitĂ€t hatten.

Der AufklĂ€rungsfilm "Kommst du mit?" (1973/1974) aus dem Kindermagazin "Denkste" des Senders Freies Berlin (SFB) versuchte zwar, Kinder vor den Gefahren des sogenannten "Mitschnackers" zu warnen, perpetuierte aber ebenfalls das Klischee vom fremden Mann als Hauptgefahr fĂŒr Kinder.

Ein wichtiger Wendepunkt: "Taxi zum Klo"

Eine interessante Wendung nahm die Rezeption des Films "Christian und sein Briefmarkenfreund", als der schwule Regisseur Frank Ripploh 1980 etwa die HÀlfte des AufklÀrungsfilms in seinen autobiografischen Spielfilm "Taxi zum Klo" einbaute. Ripploh, selbst Lehrer, schuf durch die Parallel-Montage eine ironische Distanz zum Klischee des pÀdosexuellen Lehrers und stellte sich selbst als vorbildlichen PÀdagogen dar.

Ripploh gehörte 1978 auch zu den 682 MĂ€nnern, die sich fĂŒr die "Stern"-Reportage "Ich bin schwul" portrĂ€tieren ließen - ein mutiger Schritt, der ihn spĂ€ter seine Beamtenstelle kostete. Dies zeigt die beruflichen Risiken, die mit einem offenen Bekenntnis zur HomosexualitĂ€t verbunden waren.

Die Bedeutung fĂŒr den heutigen Diskurs in Deutschland

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community sind solche historischen Dokumente wichtig, um die lange Geschichte der Diskriminierung zu verstehen und aufzuarbeiten. Der Film und sein Begleitmaterial zeigen exemplarisch, wie institutionalisierte Homophobie in Bildungseinrichtungen verankert war und wie schwer der Kampf fĂŒr Gleichberechtigung und Akzeptanz war.

Wie der Artikel hervorhebt, hat die 1978 gegrĂŒndete Arbeitsgemeinschaft der schwulen Lehrer in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Darstellung von HomosexualitĂ€t in LehrplĂ€nen verĂ€nderte. So konnte 1979 in Berlin durchgesetzt werden, dass HomosexualitĂ€t in den RahmenlehrplĂ€nen nicht mehr mit negativen Bewertungen versehen wurde.

Fortschritte in der schulischen AufklÀrung

Heute hat sich die schulische AufklĂ€rung in Deutschland grundlegend verĂ€ndert. Moderne LehrplĂ€ne betonen die Vielfalt sexueller Orientierungen und GeschlechtsidentitĂ€ten und fördern Respekt und Akzeptanz. Dennoch gibt es nach wie vor Diskussionen darĂŒber, wie und in welchem Umfang LGBTQ+-Themen im Schulunterricht behandelt werden sollten.

Organisationen wie SCHLAU bieten heute Workshops und Bildungsveranstaltungen an Schulen an, in denen junge LGBTQ+-Menschen als Bildungsreferent*innen fungieren und von ihren eigenen Erfahrungen berichten. So können Vorurteile abgebaut und ein differenzierteres Bild vermittelt werden.

Fazit: Ein wichtiges Zeitdokument

Der Film "Christian und sein Briefmarkenfreund" bleibt ein wichtiges, wenn auch verstörendes Zeitdokument. Er zeigt, wie tief homophobe Vorurteile in der deutschen Gesellschaft verankert waren und wie diese durch staatliche Institutionen wie Schulen reproduziert wurden. Die Tatsache, dass der Film bis in die 1980er Jahre hinein gezeigt wurde, verdeutlicht, wie langsam sich gesellschaftliche Einstellungen wandeln.

RĂŒckblickend macht uns dieser Film bewusst, welche enormen Fortschritte in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden - und wie wichtig es ist, weiterhin fĂŒr eine inklusive Bildung zu kĂ€mpfen, die alle sexuellen Orientierungen und GeschlechtsidentitĂ€ten respektiert und wertschĂ€tzt.

Der Artikel auf queer.de schließt mit den Worten: "Gerade angesichts von 'Christian und sein Briefmarkenfreund' wird deutlich, wie viel AufklĂ€rungsarbeit in dieser Zeit notwendig war" - eine Erinnerung daran, dass der Kampf um Gleichberechtigung und Respekt niemals selbstverstĂ€ndlich war und ist.


US-StÀdte machen Pride-Flagge zum offiziellen Banner, um Verbote zu umgehen - Ein Vergleich zur deutschen Praxis

Zwei US-StĂ€dte haben kreative Wege gefunden, die Pride-Flagge trotz neuer Verbote an öffentlichen GebĂ€uden wehen zu lassen. Wie PinkNews berichtet, haben Salt Lake City in Utah und Boise in Idaho die Regenbogenflagge kurzerhand zu ihrem offiziellen Stadtbanner erklĂ€rt - eine Strategie, die auch in Deutschland fĂŒr Diskussionen sorgen könnte.

Kreative Umgehung von Flaggenverboten

In Utah trat am Mittwoch (7. Mai) ein Gesetz in Kraft, das an RegierungsgebÀuden und Schulen nur noch die US-Flagge und MilitÀrflaggen erlaubt - ein direkter Schlag gegen die Pride- und Trans-Flaggen. Doch Salt Lake City war vorbereitet: Einen Tag vor Inkrafttreten des Verbots verabschiedete die Stadt offiziell vier neue Stadtflaggen, darunter modifizierte Versionen der Progress-Pride-Flagge und der Trans-Pride-Flagge. Der Clou: Jede dieser neuen Flaggen enthÀlt ein Bild der Staatsblume Utahs, der Sego-Lilie.

BĂŒrgermeisterin Erin Mendenhall betonte: "Meine aufrichtige Absicht ist nicht, zu provozieren oder Spaltung zu verursachen. Meine Absicht ist es, die Werte unserer Stadt zu reprĂ€sentieren und unsere vielfĂ€ltigen Bewohner zu ehren, die diese wunderschöne Stadt ausmachen, sowie das Erbe von Schmerz und Fortschritt, das sie ertragen haben."

In Boise, Idaho, verfolgte BĂŒrgermeisterin Lauren McLean eine Ă€hnliche Strategie und erließ eine rĂŒckwirkende Proklamation, die die Pride-Flagge offiziell zur Stadtflagge erklĂ€rte.

Vergleich mit Deutschland: Andere Regelungen, Àhnliche Debatten

In Deutschland ist die Situation anders, aber nicht weniger komplex. WÀhrend in den USA konservative Bundesstaaten versuchen, das Hissen der Pride-Flagge zu verbieten, hat die deutsche Innenministerin Nancy Faeser im April 2022 eine Sonderverordnung erlassen, die es erlaubt, zu bestimmten AnlÀssen die Pride-Flagge an BundesgebÀuden zu hissen.

Diese Erlaubnis ist allerdings an bestimmte Termine gebunden, wie Pride-MÀrsche oder den 28. Juni, den Jahrestag der Stonewall-AufstÀnde. Ein historischer Moment war 2022, als der Deutsche Bundestag zum ersten Mal in seiner Geschichte die Regenbogenflagge hisste.

Die Debatte um öffentliche LGBTQ+-Symbole wird auch in Deutschland gefĂŒhrt, wenn auch weniger polarisiert als in den USA. Bereits 1996 hissten drei Berliner Bezirke auf Initiative des "Lebens- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg" (LSVD) erstmals in Deutschland die Regenbogenflagge an offiziellen GebĂ€uden.

Politische Kontroverse in den USA

In den USA sorgen die Aktionen der StĂ€dte fĂŒr erhitzte Debatten. Mike Schultz, republikanischer Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses von Utah, kritisierte: "Dieses Gesetz soll öffentliche RĂ€ume neutral und fĂŒr alle einladend halten. Salt Lake City sollte sich auf echte Probleme konzentrieren, nicht auf politisches Theater."

Die Kontroverse spiegelt die zunehmende Polarisierung in den USA wider, wo LGBTQ+-Rechte zu einem zentralen Kulturkampfthema geworden sind. In Deutschland hingegen scheint der Konsens ĂŒber die Sichtbarkeit von LGBTQ+-Symbolen im öffentlichen Raum breiter zu sein, obwohl auch hier immer wieder Diskussionen aufkommen.

Symbolpolitik mit realen Auswirkungen

Die Bedeutung dieser Flaggenstreits geht weit ĂŒber Symbolpolitik hinaus. FĂŒr viele LGBTQ+-Menschen ist die Regenbogenflagge an öffentlichen GebĂ€uden ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und Inklusion. Laut einer Umfrage des LSVD empfinden 78% der LGBTQ+-Personen in Deutschland das Hissen der Regenbogenflagge an öffentlichen GebĂ€uden als positives Signal fĂŒr gesellschaftliche Akzeptanz.

Die Entwicklungen in den USA zeigen, wie kreativ Kommunen sein können, um ihre Werte auch gegen WiderstĂ€nde von höherer Ebene zu verteidigen - eine Lektion, die auch fĂŒr deutsche Kommunalpolitik relevant sein könnte, sollte es hier Ă€hnliche EinschrĂ€nkungen geben.

WÀhrend in den USA der Streit um Flaggen ein Symptom tiefer gesellschaftlicher Spaltung ist, bleibt zu hoffen, dass in Deutschland der bisher beschrittene Weg der zunehmenden Akzeptanz von LGBTQ+-Symbolen im öffentlichen Raum fortgesetzt wird - als Ausdruck einer vielfÀltigen und inklusiven Gesellschaft.


Erfolg im Kampf um IdentitÀt: Trans-Aktivistin gewinnt Klage gegen Trump-Regierung

Trans-Aktivistin Zaya Perysian feiert einen bedeutenden rechtlichen Sieg im Kampf gegen die Trump-Administration bezĂŒglich der Entfernung der 'X'-Geschlechtskennzeichnung in US-PĂ€ssen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den internationalen Kampf um die Anerkennung geschlechtlicher IdentitĂ€t in offiziellen Dokumenten – ein Thema, das auch in Deutschland intensiv diskutiert wird. Die ursprĂŒngliche Meldung wurde von PinkNews veröffentlicht.

Rechtliche Auseinandersetzung in den USA

Im Januar unterzeichnete PrĂ€sident Trump eine Exekutivanordnung, die festlegte, dass die USA nur "zwei Geschlechter anerkennen" wĂŒrden. Die Verordnung wies das Außenministerium und das Heimatschutzministerium an, dass staatlich ausgestellte Ausweisdokumente, einschließlich PĂ€sse, Visa und Global Entry-Karten, nur das Geschlecht "bei der EmpfĂ€ngnis" widerspiegeln dĂŒrfen.

Diese politische Entscheidung bedeutet, dass nicht-binÀre Personen nicht mehr die Möglichkeit haben, eine 'X'-Geschlechtsmarkierung zu beantragen. Trans-Frauen wie Perysian und das Model Alex Consani werden dadurch gezwungen, in ihren Dokumenten ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht anzugeben, anstatt ihre tatsÀchliche GeschlechtsidentitÀt.

Die American Civil Liberties Union (ACLU) reichte im Namen von sieben KlÀgern, darunter Perysian, eine Klage ein. Sie argumentierten, dass die Anordnung "versucht, Diskriminierung gegen Transgender-Personen in der gesamten Bundesregierung und in Regierungsprogrammen zu verordnen."

Erste juristische Erfolge

In einer aktuellen Entwicklung hat ein Bundesrichter entschieden, dass die Anordnung "wahrscheinlich verfassungswidrig" ist. Das Gericht wies das Außenministerium an, den KlĂ€gern die korrekten Geschlechtsmarkierungen zu erlauben, wĂ€hrend der Fall weiter verhandelt wird.

Perysian teilte diese Neuigkeit auf TikTok mit ihren Followern und erklĂ€rte, dass die einstweilige VerfĂŒgung vorerst nur fĂŒr die KlĂ€ger im Fall gilt, nicht fĂŒr die allgemeine Öffentlichkeit. "Obwohl tausende Menschen von dieser neuen Pass-Politik betroffen sind, werden zunĂ€chst nur die am Fall Beteiligten Erleichterung erfahren... aber der Fall ist noch nicht abgeschlossen, und die ACLU arbeitet daran. Sie werden definitiv Erleichterung fĂŒr jede trans, nicht-binĂ€re und intersexuelle Person anstreben, die in diesem Land betroffen ist."

Die Situation in Deutschland

WĂ€hrend in den USA Trans-Rechte unter der Trump-Administration zurĂŒckgedrĂ€ngt werden, hat Deutschland in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte bei der Anerkennung diverser GeschlechtsidentitĂ€ten gemacht. Seit 2018 können Personen in Deutschland im Geburtenregister neben "mĂ€nnlich" und "weiblich" auch die Option "divers" eintragen lassen – eine Änderung, die nach einer wegweisenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts eingefĂŒhrt wurde.

Diese Entscheidung hat auch Auswirkungen auf die Ausstellung von ReisepĂ€ssen. Personen mit dem Geschlechtseintrag "divers" haben in Deutschland das Recht, dass ihr Geschlecht im Reisepass korrekt angegeben wird. Die rechtliche Grundlage hierfĂŒr bildet §45b des Personenstandsgesetzes.

Trotz dieser Fortschritte bleibt der Prozess zur Änderung des Geschlechtseintrags in Deutschland weiterhin komplex. Das kĂŒrzlich verabschiedete Selbstbestimmungsgesetz, das am 1. November 2024 in Kraft treten wird, stellt jedoch eine erhebliche Verbesserung dar, indem es den Prozess der Geschlechtsanpassung in offiziellen Dokumenten vereinfacht und die WĂŒrde von Transgender-Personen stĂ€rkt.

Internationale Auswirkungen

Der Fall von Zaya Perysian zeigt die weltweiten Unterschiede im Umgang mit GeschlechtsidentitĂ€t in offiziellen Dokumenten. WĂ€hrend einige LĂ€nder wie Deutschland, Kanada und Australien bereits Fortschritte bei der Anerkennung nicht-binĂ€rer IdentitĂ€ten gemacht haben, erleben andere, wie die USA unter bestimmten Administrationen, RĂŒckschritte.

Diese unterschiedlichen AnsĂ€tze können erhebliche Auswirkungen auf das Leben von Trans- und nicht-binĂ€ren Personen haben, insbesondere wenn es um internationale Reisen geht. Der kanadische Trans-SĂ€nger Bells Larsen musste beispielsweise seine US-Tournee absagen, nachdem die amerikanische Musikergewerkschaft erklĂ€rte, dass er aufgrund der neuen Regelungen der Trump-Administration kein Visum mehr beantragen könne, das mit seinem Geschlecht ĂŒbereinstimmt.

Ein wichtiger Schritt nach vorn

Obwohl der rechtliche Sieg von Perysian und den anderen KlĂ€gern zunĂ€chst nur begrenzte Auswirkungen hat, wird er als wichtiger PrĂ€zedenzfall angesehen. "Ich bin sehr glĂŒcklich und sehr geehrt, Teil davon zu sein – im Grunde Geschichte zu schreiben", sagte Perysian und fĂŒgte hinzu: "Das ist immer noch ein Sieg."

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland und weltweit stellt dieser Fall eine wichtige Erinnerung dar, dass der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung ein fortlaufender Prozess ist, der sowohl RĂŒckschlĂ€ge als auch Siege umfasst. Die Entscheidungen, die in einem Land getroffen werden, können Auswirkungen auf die globale Bewegung fĂŒr Transgender-Rechte haben und zeigen die Bedeutung internationaler SolidaritĂ€t.


Homophobe Messerattacke in Kiel: Nach zwei Jahren konkrete VerdĂ€chtige ermittelt – Lackierte FingernĂ€gel als Auslöser?

Mehr als zwei Jahre nach einem blutigen Überfall in der Kieler Innenstadt, bei dem mehrere Personen verletzt wurden, gibt es nun vier konkrete TatverdĂ€chtige. Der ursprĂŒngliche Vorfall im November 2022, bei dem laut queer.de lackierte FingernĂ€gel eines Mannes der Auslöser des Angriffs gewesen sein könnten, wird nun intensiver untersucht. Bei Durchsuchungen der Wohnungen der VerdĂ€chtigen wurden DatentrĂ€ger sichergestellt, die möglicherweise Aufschluss ĂŒber ein homophobes Motiv geben könnten.

Der Fall und seine Vorgeschichte

In der ursprĂŒnglichen Auseinandersetzung im November 2022 vor dem Lokal "Mum & Dad" erlitt ein 23-JĂ€hriger eine lebensbedrohliche Stichverletzung am Oberkörper, als er einen Streit zwischen zwei MĂ€nnergruppen schlichten wollte. Zwei weitere MĂ€nner im Alter von 23 und 27 Jahren erlitten Schnittverletzungen an den Armen, wĂ€hrend ein Dritter durch SchlĂ€ge im Gesicht verletzt wurde. Nach der Tat flĂŒchteten die Angreifer, eine Fahndung verlief damals erfolglos.

Laut dem Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler sind die Ermittlungen besonders schwierig, da es keine Verbindung zwischen Opfern und TĂ€tern gibt. "Was das Motiv angeht, sind wir noch nicht richtig weitergekommen", erklĂ€rte er gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittler hoffen, durch die Auswertung der sichergestellten DatentrĂ€ger klĂ€ren zu können, "ob wirklich ein schwulenfeindlicher Hintergrund besteht oder ob das sozusagen nur ein Auslöser gewesen ist von Leuten, die sowieso Randale gesucht haben".

Ein vermutlich homophober Hintergrund

Nach Befragungen von Zeugen und GeschĂ€digten deutet vieles darauf hin, dass die lackierten FingernĂ€gel eines Mannes den Streit ausgelöst hatten. Der Mann sei zunĂ€chst beleidigt worden, bevor die Situation eskalierte und mindestens ein Angreifer mit einem Messer zustach. Diese Details lassen einen homophoben Hintergrund vermuten, auch wenn die Ermittler dies noch nicht abschließend bestĂ€tigen können.

Bereits im August 2023 hatte laut Leipziger Internet Zeitung ein Prozess gegen einen HauptverdÀchtigen begonnen. Im November 2023 wurde dieser wegen gefÀhrlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt, wie der NDR berichtete. Ein homophobes Motiv konnte damals jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

SolidaritÀt mit der LGBTQ+-Community

Die Attacke löste damals eine Welle der SolidaritĂ€t aus. Nur zwei Tage nach dem Vorfall demonstrierten 800 Menschen am Tatort – viele trugen aus SolidaritĂ€t bunt lackierte FingernĂ€gel. Alle demokratischen Fraktionen im Kieler Stadtrat erklĂ€rten im Anschluss ihre SolidaritĂ€t mit der LGBTI-Community.

Die neuen Ermittlungen gegen die vier TatverdĂ€chtigen könnten nun mehr Licht in den Fall bringen. Die Staatsanwaltschaft hatte zur AufklĂ€rung der Tat bereits eine Belohnung von 2.000 Euro fĂŒr Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der TĂ€ter fĂŒhren.

Homophobe Gewalt in Deutschland

Der Fall in Kiel reiht sich leider in eine zunehmende Zahl von Übergriffen gegen LGBTQ+-Personen in Deutschland ein. Nach Angaben des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in Deutschland (LSVD) steigt die Zahl der gemeldeten queerfeindlichen VorfĂ€lle seit Jahren kontinuierlich an. Besonders besorgniserregend ist, dass viele Opfer aus Angst oder fehlendem Vertrauen in die Behörden keine Anzeige erstatten, wodurch eine hohe Dunkelziffer vermutet wird.

Die AufklĂ€rung solcher FĂ€lle ist daher nicht nur fĂŒr die direkt Betroffenen von großer Bedeutung, sondern sendet auch ein wichtiges Signal an die gesamte LGBTQ+-Community: Queerfeindliche Gewalt wird in Deutschland ernst genommen und strafrechtlich verfolgt. Der Ausgang der aktuellen Ermittlungen in Kiel wird daher mit großem Interesse verfolgt.


Wegweisendes Urteil des Bundesarbeitsgerichts: HIV-positive Menschen erhalten umfassenden Diskriminierungsschutz am Arbeitsplatz

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit einem wegweisenden Urteil den Diskriminierungsschutz fĂŒr HIV-positive Menschen am Arbeitsplatz deutlich gestĂ€rkt. Die Richter entschieden, dass eine HIV-Infektion auch bei Symptomfreiheit als Behinderung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) anerkannt werden kann, wie aus der Pressemitteilung Nr. 22/23 des Bundesarbeitsgerichts hervorgeht.

Die rechtliche Grundlage des Urteils

Das am 29. August 2023 veröffentlichte Urteil basiert auf einer Interpretation der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Das Gericht stellte klar: Der entscheidende Faktor ist nicht, ob die HIV-Infektion tatsĂ€chlich körperliche EinschrĂ€nkungen verursacht, sondern ob sie die Betroffenen an der gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsleben hindern kann. Dieser Ansatz berĂŒcksichtigt insbesondere die sozialen und gesellschaftlichen Barrieren, mit denen Menschen mit HIV konfrontiert sind.

Wie das Legal Tribune Online berichtet, stellt das Gericht damit klar, dass es nicht auf die tatsÀchlichen Auswirkungen auf die ArbeitsfÀhigkeit ankommt, sondern auf mögliche EinschrÀnkungen der gesellschaftlichen Teilhabe.

Bedeutung fĂŒr die LGBTQ+ Community

Dieses Urteil ist besonders fĂŒr die LGBTQ+ Community von großer Bedeutung. Obwohl HIV lĂ€ngst nicht mehr als "schwule Krankheit" betrachtet werden sollte, sind MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben, nach wie vor ĂŒberproportional von HIV betroffen. Die Deutsche Aidshilfe schĂ€tzt, dass in Deutschland rund 90.000 Menschen mit HIV leben. Durch moderne Therapien können die meisten von ihnen ein nahezu normales Leben fĂŒhren und sind bei erfolgreicher Behandlung nicht mehr infektiös.

Dennoch sind Stigmatisierung und Diskriminierung im Arbeitsumfeld nach wie vor eine RealitÀt. Das BAG-Urteil gibt Betroffenen nun ein stÀrkeres rechtliches Instrument an die Hand, um gegen solche Diskriminierungen vorzugehen.

Praktische Auswirkungen fĂŒr Arbeitnehmer und Arbeitgeber

FĂŒr HIV-positive Arbeitnehmer bedeutet das Urteil, dass sie sich bei Diskriminierungen auf den Schutz des AGG berufen können - unabhĂ€ngig davon, ob sie Symptome zeigen oder in ihrer ArbeitsfĂ€higkeit eingeschrĂ€nkt sind. Dies umfasst alle Bereiche des Arbeitslebens: von der Einstellung ĂŒber Beförderungen bis hin zur KĂŒndigung.

Arbeitgeber mĂŒssen gemĂ€ĂŸ dem MDR-Bericht sicherstellen, dass HIV-positive Mitarbeiter nicht benachteiligt werden. Dies erfordert möglicherweise eine ÜberprĂŒfung bestehender Richtlinien und Praktiken sowie Sensibilisierungsmaßnahmen fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte und Mitarbeiter.

Gesellschaftliche Perspektive

Das Urteil des BAG ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer inklusiveren Gesellschaft, die Menschen nicht aufgrund von GesundheitszustĂ€nden marginalisiert. Es trĂ€gt dazu bei, das nach wie vor existierende Stigma um HIV abzubauen und fördert ein besseres VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass eine HIV-Infektion heute dank moderner Medikamente eine chronische, gut behandelbare Erkrankung ist.

Die Deutsche Aidshilfe und andere Organisationen begrĂŒĂŸen das Urteil als Signal gegen Diskriminierung und fĂŒr mehr AufklĂ€rung. Es unterstreicht, dass nicht die medizinische Diagnose allein ausschlaggebend ist, sondern die sozialen Barrieren, die durch Vorurteile und Unwissenheit entstehen können.

Fazit

Das BAG-Urteil markiert einen wichtigen Meilenstein im deutschen Arbeitsrecht und im Kampf gegen Diskriminierung aufgrund von HIV. Es verdeutlicht, dass der Diskriminierungsschutz nicht nur fĂŒr Menschen mit sichtbaren oder funktionellen EinschrĂ€nkungen gilt, sondern auch fĂŒr diejenigen, die aufgrund von Stigmatisierung gesellschaftliche Nachteile erfahren können.

FĂŒr die LGBTQ+ Community und insbesondere fĂŒr Menschen mit HIV bedeutet dieses Urteil eine rechtliche StĂ€rkung ihrer Position und einen Schritt in Richtung einer gerechteren und vorurteilsfreieren Arbeitswelt. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Urteil auch zu einem gesellschaftlichen Umdenken beitrĂ€gt und das Bewusstsein dafĂŒr schĂ€rft, dass HIV im 21. Jahrhundert kein Grund fĂŒr soziale Ausgrenzung sein darf.


US Supreme Court gibt grĂŒnes Licht fĂŒr Trumps Trans-Verbot im MilitĂ€r – Ein Kontrast zur inklusiven Politik der Bundeswehr

Der Oberste Gerichtshof der USA hat dem Antrag der Trump-Administration stattgegeben, ihr Verbot von Transgender-Personen im US-MilitĂ€r sofort durchzusetzen. Wie GCN berichtet, hebt die am Dienstag, den 6. Mai, erlassene Entscheidung eine landesweite einstweilige VerfĂŒgung auf, die bisher verhinderte, dass die Exekutivanordnung in Kraft tritt.

Was bedeutet das Trans-Verbot in den USA?

Das Pentagon kann nun damit beginnen, MilitĂ€rangehörige mit einer Diagnose oder Vorgeschichte von Geschlechtsdysphorie zu entlassen und Transgender-Personen die Einstellung zu verweigern. Die ursprĂŒngliche Anordnung wurde von Donald Trump am 27. Januar unterzeichnet. Sie verpflichtete das Verteidigungsministerium, seine Anforderungen innerhalb von 60 Tagen zu aktualisieren und Transgender-Amerikaner:innen vom MilitĂ€rdienst auszuschließen. Trump behauptete, die StreitkrĂ€fte seien "von radikaler Geschlechterideologie befallen, um Aktivist:innen zu besĂ€nftigen".

Im MĂ€rz blockierte die Bundesrichterin Ana Reyes in Washington, DC, die Anordnung vorĂŒbergehend mit der BegrĂŒndung, sie verstoße wahrscheinlich gegen verfassungsmĂ€ĂŸige Rechte. Die Trump-Administration reichte daraufhin einen Eilantrag beim US-Berufungsgericht fĂŒr den Neunten Bezirk ein, der abgelehnt wurde. Anschließend legte die Regierung im April einen Notfallantrag beim Obersten Gerichtshof vor, was zu dieser jĂŒngsten Entscheidung fĂŒhrte.

Reaktionen aus der LGBTQ+-Community

Sarah Kate Ellis, PrĂ€sidentin und CEO von GLAAD, erklĂ€rte zu der Situation: "Die heutige Nachricht ist eine Schande fĂŒr alle Amerikaner:innen, besonders fĂŒr Transgender-MilitĂ€rangehörige, die seit vielen Jahren offen und ehrenhaft dienen. Die Durchsetzung dieses diskriminierenden Verbots steht im Widerspruch zu den Ansichten der amerikanischen Bevölkerung, beeintrĂ€chtigt die militĂ€rische Einsatzbereitschaft und wird Amerika weniger sicher machen."

Lambda Legal und die Human Rights Campaign Foundation, die an der Erwirkung einer einstweiligen VerfĂŒgung gegen das Verbot beteiligt waren, bezeichneten die Entscheidung gemeinsam als "verheerenden Schlag" fĂŒr Transgender-Personen. "Indem das Gericht zulĂ€sst, dass diese diskriminierende Regelung in Kraft tritt, wĂ€hrend unsere Anfechtung weitergeht, hat es vorĂŒbergehend eine Politik gebilligt, die nichts mit militĂ€rischer Einsatzbereitschaft und alles mit Vorurteilen zu tun hat."

Der deutsche Kontrast: Inklusion in der Bundeswehr

Im starken Kontrast zur US-Politik unter Trump steht der Ansatz Deutschlands. Die Bundeswehr erlaubt Transgender-Personen ausdrĂŒcklich, offen im MilitĂ€r zu dienen, wie der Tagesspiegel berichtet. Es gibt keine spezifischen EinschrĂ€nkungen oder Verbote, die sich auf Transgender-Personen beziehen – ein deutlicher Unterschied zur amerikanischen Politik.

Die Bundeswehr hat sich in den letzten Jahren verstĂ€rkt um Inklusion bemĂŒht und betont die Gleichstellung aller Soldat:innen, unabhĂ€ngig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Wie der Deutschlandfunk dokumentiert, haben Transgender-Soldat:innen in Deutschland die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen MilitĂ€rangehörigen.

Diese unterschiedlichen AnsÀtze spiegeln grundlegende gesellschaftliche und politische Unterschiede wider. WÀhrend die Trump-Regierung angebliche militÀrische Notwendigkeiten und potenzielle Kosten in den Vordergrund stellte, priorisiert Deutschland die Rechte und die Inklusion von Transgender-Personen.

Menschenrechtliche Bedenken

Expert:innen fĂŒr Menschenrechte betonen, dass das US-Verbot nicht nur eine moralische Frage ist, sondern auch rechtliche Bedenken aufwirft. Die BefĂŒrworter:innen der Rechte von Transgender-Personen argumentieren, dass solche Verbote als verfassungswidrig angesehen werden sollten, da sie eine bestimmte Gruppe aufgrund ihrer IdentitĂ€t diskriminieren.

"Wir bleiben standhaft in unserer Überzeugung, dass dieses Verbot gegen verfassungsmĂ€ĂŸige Garantien des gleichen Schutzes verstĂ¶ĂŸt und letztendlich fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt werden wird", erklĂ€rten Lambda Legal und die Human Rights Campaign Foundation in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.

Die unterschiedlichen Politiken in Deutschland und den USA zeigen, wie unterschiedlich die gesellschaftlichen Einstellungen zu GeschlechteridentitĂ€t und Gleichstellung sein können. WĂ€hrend Deutschland einen inklusiveren Ansatz verfolgt, der darauf abzielt, Diskriminierung abzubauen und Vielfalt zu fördern, bleibt die Situation in den USA weiterhin umstritten – ein Spiegel der breiteren Debatten ĂŒber LGBTQ+-Rechte in der amerikanischen Gesellschaft.


Kardinal Pietro Parolin als möglicher Papst: Seine Haltung zu LGBTQ+-Rechten im deutschen Kontext

Nach Spekulationen ĂŒber die Nachfolge von Papst Franziskus gilt der 70-jĂ€hrige Kardinal Pietro Parolin als einer der Top-Favoriten fĂŒr das Papstamt, wie PinkNews berichtet. Wettanbieter rĂ€umen ihm mit 11/4 Quoten (entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 26,7 Prozent) die besten Chancen ein. Als derzeitiger StaatssekretĂ€r des Vatikans und enger Vertrauter von Papst Franziskus steht Parolin seit Jahren im diplomatischen Dienst der Kirche – doch wie steht es um seine Haltung zu LGBTQ+-Rechten, und welche Bedeutung hĂ€tte seine mögliche Wahl fĂŒr die katholische Kirche in Deutschland?

Ein Diplomat mit konservativen Ansichten

Kardinal Pietro Parolin gilt als erfahrener Diplomat und Stratege mit weltweiten Verbindungen. Seit 2013 bekleidet er das Amt des StaatssekretĂ€rs des Vatikans – die zweithöchste Position nach dem Papst – und hat sich in dieser Rolle in verschiedenen internationalen Konflikten als Vermittler eingebracht. T-Online beschreibt ihn als "pragmatischen Strategen", der fĂŒr KontinuitĂ€t und StabilitĂ€t innerhalb der Kirche stehen könnte.

In Bezug auf LGBTQ+-Themen zeigt sich Parolin jedoch deutlich konservativer. So bezeichnete er die Anerkennung von Transgender-IdentitĂ€ten als "Ă€ußerst gefĂ€hrlich" und kritisierte die EinfĂŒhrung der Ehe fĂŒr alle in Irland im Jahr 2015 als "Niederlage fĂŒr die Menschheit". Ähnlich wie Papst Franziskus hat er sich kritisch gegenĂŒber der sogenannten "Gender-Ideologie" geĂ€ußert, die seiner Meinung nach "Unterschiede aufhebt und behauptet, alle gleich zu machen".

Andererseits hat Parolin differenziertere Positionen vertreten, die eine gewisse Offenheit erkennen lassen. So wies er 2023 entschieden den oft behaupteten Zusammenhang zwischen HomosexualitĂ€t und sexuellem Missbrauch durch Kleriker zurĂŒck und bezeichnete eine solche Verbindung als "ernsthafte und wissenschaftlich unhaltbare Assoziation". Gay Express zitierte ihn mit den Worten: "Homosexuelle Orientierung kann weder als Ursache noch als typischer Aspekt des Missbrauchs betrachtet werden, umso mehr, wenn sie von der allgemeinen Persönlichkeitsstruktur entkoppelt ist."

Spannungsfeld in der deutschen Kirche

Die Frage nach dem Umgang mit LGBTQ+-Personen ist in der katholischen Kirche in Deutschland besonders brisant. Der Queer-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Ludger Schepers, bat erst im Juni 2024 homosexuelle MĂ€nner um Vergebung fĂŒr die Kriminalisierung durch die Kirche. Er betonte dabei, dass die Kirche eine falsche Haltung gegenĂŒber homosexuellen Menschen gehabt habe und dass sexuelle Vielfalt Teil der Schöpfung sei.

Im Rahmen des deutschen "Synodalen Wegs" haben sich viele Kirchenvertreter fĂŒr eine liberalere Haltung gegenĂŒber LGBTQ+-Personen ausgesprochen. Kardinal Parolin hingegen sandte 2023 einen Brief an deutsche KirchenfĂŒhrer, in dem er Bedenken gegen eine Liberalisierung der kirchlichen Lehre zur HomosexualitĂ€t Ă€ußerte – ein Zeichen, dass er in dieser Hinsicht eher der traditionellen Linie des Vatikans folgt.

Was wĂŒrde ein Papst Parolin fĂŒr die LGBTQ+-Community bedeuten?

Sollte Pietro Parolin tatsĂ€chlich zum Papst gewĂ€hlt werden, ist eine grundlegende Änderung der kirchlichen Lehre zu HomosexualitĂ€t und GeschlechtsidentitĂ€t unwahrscheinlich. Seine bisherigen Äußerungen deuten darauf hin, dass er in diesen Fragen eher konservative Positionen vertritt. Gleichzeitig ist er als Diplomat bekannt fĂŒr seine FĂ€higkeit zum Dialog und zum Ausgleich verschiedener Interessen.

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland könnte ein Papst Parolin bedeuten, dass die Spannungen zwischen den progressiveren Strömungen in der deutschen Kirche und dem Vatikan weiter bestehen bleiben. Die deutschen BemĂŒhungen um mehr Akzeptanz und Inklusion könnten auf vatikanischen Widerstand stoßen, wie es bereits in der Vergangenheit der Fall war.

Anders als der in der ursprĂŒnglichen Meldung erwĂ€hnte Text suggeriert, ist Papst Franziskus ĂŒbrigens nicht verstorben. Der 87-jĂ€hrige Pontifex ist weiterhin im Amt, auch wenn aufgrund seines Alters und gelegentlicher gesundheitlicher Probleme immer wieder ĂŒber seine mögliche Nachfolge spekuliert wird.

Fazit: Ein Papst der KontinuitÀt

Als möglicher Nachfolger von Papst Franziskus wĂŒrde Kardinal Pietro Parolin vermutlich fĂŒr KontinuitĂ€t in vielen Bereichen sorgen. In Bezug auf LGBTQ+-Rechte ist jedoch keine wesentliche Liberalisierung zu erwarten. Seine diplomatischen FĂ€higkeiten könnten allerdings dazu beitragen, dass GesprĂ€che zwischen verschiedenen FlĂŒgeln der Kirche – auch mit den progressiveren Stimmen in Deutschland – fortgefĂŒhrt werden.

FĂŒr die LGBTQ+-Community bleibt die katholische Kirche somit ein Ort voller WidersprĂŒche: Einerseits gibt es, besonders in Deutschland, Bestrebungen fĂŒr mehr Akzeptanz und Inklusion, andererseits hĂ€lt der Vatikan unter seiner derzeitigen und vermutlich auch kĂŒnftigen FĂŒhrung an traditionellen Lehren fest, die homosexuelle Handlungen als "nicht in Ordnung" betrachten.


GefĂ€hrliche Dating-Falle: Überfallserie auf schwule MĂ€nner in Cuxhaven

Die Polizeiinspektion Cuxhaven warnt vor einer besorgniserregenden Überfallserie auf homosexuelle MĂ€nner in der Hafenstadt. Wie queer.de berichtet, wurden gezielt Nutzer von Dating-Plattformen zu Treffen gelockt, um sie anschließend zu bedrohen, zu beleidigen und auszurauben.

Systematisches Vorgehen der TĂ€ter

Nach Angaben der Polizei Cuxhaven nahmen die TĂ€ter – teils Jugendliche und junge Erwachsene – ĂŒber Online-Dating-Portale gezielt Kontakt zu homosexuellen MĂ€nnern auf. Bei den vereinbarten Treffen im Stadtgebiet kam es dann zu verbalen und körperlichen Übergriffen sowie zur Erpressung und zum Raub von Geld und WertgegenstĂ€nden.

Besonders beunruhigend: Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Betroffene keine Anzeige erstatten. Dies deckt sich mit bundesweiten Erfahrungen. Experten von Schwulissimo berichten, dass besonders nicht geoutete homosexuelle MĂ€nner aus Angst vor einem Zwangsouting oft schweigen und so zu bevorzugten Opfern werden.

Kein Einzelfall: Strukturelles Problem in Deutschland

Die VorfĂ€lle in Cuxhaven reihen sich in ein bundesweites Muster ein. In den letzten Jahren haben CyberkriminalitĂ€t und gezielte Angriffe auf LGBTQ+-Personen ĂŒber Dating-Plattformen deutlich zugenommen. Neben direkten körperlichen Übergriffen wie in Cuxhaven ist auch "Sextortion" ein wachsendes Problem: Dabei werden Opfer zu sexuellen Handlungen vor der Kamera verleitet und anschließend mit der Veröffentlichung der Aufnahmen erpresst.

Die TÀter sind hÀufig organisiert und gehen mit erschreckender Systematik vor. Das Bundeskriminalamt warnt davor, dass TÀter nach einer ersten Zahlung meist nicht aufhören, sondern ihre Forderungen weiter erhöhen.

Datensicherheit als zusÀtzliches Risiko

Ein weiteres Sicherheitsrisiko stellen Datenlecks bei LGBTQ+-Dating-Plattformen dar. So wurden beispielsweise bei einem Sicherheitsvorfall bei der Plattform "Gay Daddy" rund 50.000 Profile ungeschĂŒtzt online gestellt – inklusive privater Fotos, Nachrichten, sexueller Vorlieben und sogar des HIV-Status der Nutzer. Solche VorfĂ€lle machen betroffene Personen zusĂ€tzlich erpressbar, wie Schwulissimo berichtet.

Schutzmaßnahmen und Hilfsangebote

Die Polizei Cuxhaven appelliert an Betroffene: "Sollten Sie Opfer einer derartigen Straftat geworden sein, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an die Polizei, eine Dienststelle ihrer NĂ€he oder nutzen Sie die Online-Anzeige der Polizei Niedersachsen."

Experten empfehlen zudem folgende Sicherheitsmaßnahmen:

  • Erstes Treffen immer an öffentlichen Orten mit vielen Menschen planen
  • Einer vertrauten Person mitteilen, wohin man geht und mit wem man sich trifft
  • Vorsicht bei Profilen ohne Bilder oder mit sehr wenigen Informationen
  • Niemals intime Fotos mit Fremden teilen, bei denen das Gesicht erkennbar ist
  • Bei Erpressungsversuchen keine Zahlungen leisten, sondern sofort Anzeige erstatten

Neben der Polizei bieten auch LGBTQ+-Beratungsstellen wie das Projekt Queere Nothilfe vertrauliche Hilfe und Beratung fĂŒr Betroffene an. Die Beratungsstellen können auch bei der Kommunikation mit den Behörden unterstĂŒtzen und psychologische Betreuung vermitteln.

Die Community in Cuxhaven und Umgebung wird nun besonders zur Wachsamkeit aufgerufen. Auch Dating-Plattformen selbst haben inzwischen Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit ihrer Nutzer zu verbessern, darunter verbesserte Verifizierungssysteme und EinschrĂ€nkungen bei Screenshots, um den Missbrauch von Bildmaterial zu erschweren.


Britische Soap Hollyoaks sendet Spezialfolge zur psychischen Gesundheit junger Trans-Menschen – Was Deutschland davon lernen kann

Die britische Soap-Serie Hollyoaks kĂŒndigte eine Spezialfolge zum Thema psychische Gesundheit junger Transgender-Menschen an, die wĂ€hrend der britischen Mental Health Awareness Week (12. bis 18. Mai) ausgestrahlt wird. Wie PinkNews berichtet, soll die Episode auf Hilfsangebote fĂŒr trans Jugendliche aufmerksam machen – ein Thema, das auch in Deutschland immer mehr Beachtung findet.

Hollyoaks zeigt reale Herausforderungen junger Trans-Menschen

In der angekĂŒndigten Folge erreicht der Charakter Ro Hutchinson (gespielt von Ava Webster), ein junger Trans-Mann, einen emotionalen Tiefpunkt und erwĂ€gt Suizid. In einer SchlĂŒsselszene ruft Ro bei einer LGBTQ+-Hotline an und wird von einer Telefonberaterin davon abgehalten, sich etwas anzutun. Dadurch macht die Serie auf wichtige UnterstĂŒtzungsangebote aufmerksam, die auch in Deutschland existieren.

Die Handlung folgt Ro, der im vergangenen Jahr mit UnterstĂŒtzung seiner Eltern Tony und Diane begonnen hat, sozial zu transitionieren. Doch in den letzten Monaten kĂ€mpft der Jugendliche zunehmend mit dem Mangel an geschlechtsangleichenden Behandlungsmöglichkeiten aufgrund seines Alters – eine Problematik, die auch deutsche Trans-Jugendliche kennen.

DarĂŒber hinaus ertrĂ€gt Ro zunehmende transfeindliche Anfeindungen durch den Mobber Arlo, sowohl online als auch persönlich, der ihn sogar zum Suizid auffordert. Um die wachsenden Probleme zu bewĂ€ltigen, greift der Jugendliche zu ĂŒbermĂ€ĂŸigem Alkoholkonsum.

Trans-ReprÀsentation im deutschen Fernsehen

WĂ€hrend Hollyoaks mit dieser Spezialfolge ein wichtiges Zeichen setzt, ist die ReprĂ€sentation von Trans-Personen im deutschen Fernsehen noch immer ausbaufĂ€hig. Laut dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sind in deutschen fiktionalen TV-Produktionen nur etwa 2% der Protagonist*innen homosexuell oder bisexuell lesbar – und die Darstellung von Trans-Personen fĂ€llt statistisch noch geringer aus.

In deutschen Seifenopern wie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" gab es zwar vereinzelt LGBTQ+-Charaktere, aber tiefgrĂŒndige Trans-Figuren, besonders Jugendliche, sind Mangelware. Hier könnte die deutsche Fernsehlandschaft von britischen Produktionen lernen, um mehr Sichtbarkeit und AufklĂ€rung zu schaffen.

Psychische Gesundheit junger Trans-Menschen in Deutschland

Die in Hollyoaks thematisierte Problematik ist in Deutschland ebenso relevant. Studien zeigen, dass Trans-Jugendliche einem erhöhten Risiko fĂŒr psychische Erkrankungen wie Depressionen, AngstzustĂ€nde und SuizidalitĂ€t ausgesetzt sind – insbesondere, wenn sie Ablehnung erfahren oder keinen Zugang zu trans-spezifischer Gesundheitsversorgung haben.

"Wir wissen in Deutschland, dass Trans-Jugendliche, die UnterstĂŒtzung erfahren und in ihrer IdentitĂ€t anerkannt werden, nicht stĂ€rker psychisch belastet sind als cis-geschlechtliche Jugendliche", erklĂ€rt der Bundesverband Trans*. Der Zugang zu trans-spezifischer Gesundheitsversorgung kann Suizidgedanken nachweislich verringern und das Wohlbefinden steigern.

Bestehende Hilfsangebote fĂŒr deutsche Trans-Jugendliche

Ähnlich wie in der Hollyoaks-Episode dargestellt, gibt es auch in Deutschland wichtige Anlaufstellen fĂŒr Trans-Jugendliche in Krisen:

Fazit: Mehr mediale Sichtbarkeit könnte Leben retten

Die Initiative von Hollyoaks, eine Trans-Figur und deren Kampf um psychische Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen, könnte als Vorbild fĂŒr deutsche Produktionen dienen. Die britische Soap hebt nicht nur die Herausforderungen hervor, mit denen junge Trans-Menschen konfrontiert sind, sondern zeigt auch, dass es Hilfe und Hoffnung gibt.

Emma Frankland, selbst trans und Autorin der Episode, betont: "Wir wissen, welche Kraft ein GesprÀch haben kann, um jemandes Lebensweg zu verÀndern." Diese Botschaft ist auch in Deutschland wichtig, wo trans Jugendliche immer noch mit Vorurteilen und Diskriminierung kÀmpfen.

In Zeiten, in denen die Rechte von Trans-Personen auch in Deutschland zunehmend in Frage gestellt werden, könnte mehr mediale ReprĂ€sentation und AufklĂ€rung – wie sie Hollyoaks bietet – einen wertvollen Beitrag leisten, um VerstĂ€ndnis zu fördern und letztendlich Leben zu retten.


Lesbe aus Frauentoilette in Boston verwiesen – Ähnliche DiskriminierungsfĂ€lle auch in Deutschland

Eine lesbische Frau wurde aus der Damentoilette eines Luxushotels in Boston verwiesen, weil sie fĂ€lschlicherweise fĂŒr einen "Mann" gehalten wurde. Wie PinkNews berichtet, ereignete sich der Vorfall im Liberty Hotel, als Sicherheitspersonal die cisgeschlechtliche Frau Ansley Baker aufforderte, ihre GeschlechtsidentitĂ€t zu "beweisen" – ein diskriminierendes Szenario, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist.

Der Vorfall in Boston

Baker und ihre Freundin Liz Victor waren am 3. Mai 2025 GĂ€ste einer Kentucky-Derby-Party im Liberty Hotel im gehobenen Viertel Beacon Hill in Boston. Als Baker die Damentoilette benutzte, begann ein mĂ€nnlicher Sicherheitsbeamter gegen die TĂŒren der Kabinen zu klopfen und forderte sie auf, die Toilette zu verlassen, da sie "ein Mann in der Damentoilette" sei.

"Ich wurde aus der Toilette geworfen, bevor ich ĂŒberhaupt meine Shorts fertig zubinden konnte, was unglaublich demĂŒtigend war", berichtete Baker. WĂ€hrend sie durch die Schlange wartender Frauen gefĂŒhrt wurde, soll jemand gerufen haben: "Schafft ihn raus... er ist ein Perverser", wobei die Person sich auf Baker bezog.

Das Hotel, das zur Marriott Bonvoy-Gruppe gehört, behauptete zunĂ€chst, das Paar hĂ€tte sich eine Kabine geteilt, was nicht erlaubt sei. Nach interner Untersuchung wurde der Sicherheitsbeamte suspendiert und das Hotel kĂŒndigte eine Spende an eine lokale LGBTQ+-Organisation an.

Ein Problem auch in Deutschland

Solche VorfĂ€lle sind leider keine Seltenheit – auch in Deutschland. Laut dem BĂŒro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. (BUG) stellt die Nutzung öffentlicher Toiletten fĂŒr viele lesbische Frauen mit nicht-traditionell weiblichem Erscheinungsbild, sowie fĂŒr trans*, inter* und nicht-binĂ€re Personen ein erhebliches Problem dar.

Die binĂ€re Geschlechterordnung in öffentlichen SanitĂ€rrĂ€umen kann zu Beschimpfungen, Bedrohungen und körperlichen Angriffen fĂŒhren, wenn das Ă€ußere Erscheinungsbild einer Person nicht den gĂ€ngigen Geschlechterbildern entspricht. Viele Betroffene meiden deshalb öffentliche Toiletten, was zu gesundheitlichen Problemen und sozialer Isolation fĂŒhren kann.

Zunehmende Queerfeindlichkeit in Deutschland

Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnet einen besorgniserregenden Anstieg queerfeindlicher Straftaten in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden bundesweit 1.785 Straftaten gegen LGBTQ+-Personen erfasst. Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete diese Zahlen als "erschreckend" und betonte die Notwendigkeit, Betroffene zu schĂŒtzen.

Nina Selvaggio, die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Greater Boston PFLAG, sieht im Fall des Liberty Hotels einen beunruhigenden Trend: "FĂŒr gender-nonkonforme Lesben und Frauen im Allgemeinen ist BelĂ€stigung in öffentlichen Toiletten ein uraltes Problem. Die Zunahme antiqueerer Rhetorik trĂ€gt zu einer verstĂ€rkten Kontrolle von Frauenkörpern und ihrem Geschlechtsausdruck bei."

Betroffene in Politik und Gesellschaft

Die Parallelen zu Deutschland sind offensichtlich. Trotz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), das Diskriminierung aufgrund der sexuellen IdentitÀt verbietet, erleben viele queere Menschen im Alltag Diskriminierung.

Studien des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass ein Großteil der queeren Menschen bereits Diskriminierung erfahren hat – von verbalen Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Übergriffen. Besonders maskulin erscheinende Lesben berichten regelmĂ€ĂŸig von VorfĂ€llen in geschlechtergetrennten RĂ€umen wie Toiletten oder Umkleidekabinen.

LösungsansÀtze

Einige deutsche StĂ€dte und Institutionen haben auf diese Problematik reagiert und bieten mittlerweile Unisex-Toiletten oder "Toiletten fĂŒr alle Geschlechter" an. Die Landesstelle fĂŒr Gleichbehandlung gegen Diskriminierung Berlin empfiehlt die einfache Beschriftung "WC fĂŒr alle Geschlechter" oder nur "WC".

Der Fall aus Boston macht deutlich, wie wichtig Sensibilisierung und Schulungen fĂŒr Sicherheitspersonal und ServicekrĂ€fte sind – ein Aspekt, den auch das Liberty Hotel nach dem Vorfall erkannt hat. Die Situation zeigt zudem, wie schnell auch cisgeschlechtliche Personen zur Zielscheibe von Diskriminierung werden können, wenn sie nicht dem normativen Erscheinungsbild entsprechen.

Liz Victor, die Partnerin der betroffenen Frau, brachte es auf den Punkt: "Die Situation war sehr beĂ€ngstigend fĂŒr uns – und trans Frauen erleben das jeden Tag in den USA und weltweit." Ein Hinweis auf eine traurige RealitĂ€t, die auch in Deutschland nicht fremd ist.


Queerfeindliche Übergriffe in Berlin: Prenzlauer Berg erneut Schauplatz von Hass und SolidaritĂ€t

Erneut erschĂŒttert ein queerfeindlicher Vorfall die queere Community in Berlin. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin ermittelt nach einem Angriff am spĂ€ten Dienstagabend in Prenzlauer Berg. Laut dem Originalbericht von queer.de wurden zwei 21-jĂ€hrige Personen gegen 22:30 Uhr aus einer 15 bis 20 Personen großen Gruppe heraus queerfeindlich beleidigt und mit GegenstĂ€nden beworfen.

Eine Serie von Angriffen in kurzer Zeit

Der jĂŒngste Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Serie von Übergriffen ein. Erst am Wochenende zuvor hatten Unbekannte eine Regenbogenflagge an der queeren Tipsy Bear Bar in Prenzlauer Berg angezĂŒndet. Augenzeugen berichteten, wie eine vierköpfige Gruppe die Flagge heruntergerissen, an der Kreuzung Eberswalder Straße Ecke Schönhauser Allee in Brand gesetzt und anschließend darauf herumgetrampelt hatte – begleitet von beleidigenden Ausrufen, wie das Mannschaft Magazin berichtete.

Die Tipsy Bear Bar, ein bekannter LGBTQIA+-Treffpunkt im Kiez, war bereits im Juni 2022 Ziel eines homophoben Angriffs geworden, bei dem GÀste mit Reizgas verletzt wurden. Das zeigt, dass die queere Einrichtung wiederholt ins Visier queerfeindlicher TÀter gerÀt.

SolidaritÀt als Antwort auf Hass

Als Reaktion auf den Angriff auf die Regenbogenflagge fand am Dienstag eine SolidaritÀtskundgebung vor der Tipsy Bear Bar statt. Auch der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) nahm an der Kundgebung teil, um ein deutliches Zeichen gegen Queerfeindlichkeit zu setzen. In sozialen Medien wurde die Veranstaltung unter den Hashtags #gegenhass, #queer, #trans, #inter und #tipsybear geteilt.

"Diese wiederholten Angriffe zeigen, dass wir nicht nachlassen dĂŒrfen in unserem Kampf gegen Queerfeindlichkeit", erklĂ€rte ein Teilnehmer der Kundgebung gegenĂŒber anwesenden Pressevertreter*innen. "Die Community steht zusammen, und wir lassen uns nicht einschĂŒchtern."

Alarmierende Zahlen zu queerfeindlichen Übergriffen

Die HĂ€ufung der Übergriffe spiegelt sich auch in den Statistiken wider. Erst am Montag meldete das schwule Überfalltelefon Maneo, dass es im vergangenen Jahr 738 FĂ€lle und Hinweise auf Anfeindungen gegen queere Menschen in Berlin registriert habe – mehr als je zuvor. Laut einem Bericht von rbb24 ereigneten sich 165 dieser VorfĂ€lle im öffentlichen Raum.

Dass Berlin hĂ€ufig ĂŒber LGBTI-feindliche Übergriffe berichtet, liegt auch daran, dass die Landespolizei mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder GeschlechtsidentitĂ€t gezielt publik macht und systematisch erfasst. Dies fĂŒhrt zu einer höheren Sichtbarkeit dieser VorfĂ€lle in der Öffentlichkeit, was sowohl Bewusstsein schafft als auch die tatsĂ€chliche Dimension des Problems verdeutlicht.

Spezielle UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene

Die Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft haben eigene Ansprechpartner*innen fĂŒr queere Menschen eingerichtet, um die Hemmschwelle fĂŒr Anzeigen zu senken und eine sensible Bearbeitung der FĂ€lle zu gewĂ€hrleisten. Betroffene können sich direkt an diese spezialisierten Stellen wenden oder auch online ĂŒber die Internetwache der Polizei Berlin Anzeige erstatten.

Neben staatlichen Stellen bietet auch das Projekt Maneo UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene queerfeindlicher Gewalt an. Das Ă€lteste Anti-Gewalt-Projekt fĂŒr schwule und bisexuelle MĂ€nner in Deutschland berĂ€t, dokumentiert VorfĂ€lle und leistet wichtige Sensibilisierungsarbeit.

Prenzlauer Berg als Brennpunkt?

AuffĂ€llig ist, dass sich mehrere VorfĂ€lle in kurzer Zeit im Ortsteil Prenzlauer Berg ereigneten. Der Bezirk, der lange als liberal und weltoffen galt, zeigt sich offenbar nicht immun gegen die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft. Expert*innen warnen vor einem gesellschaftlichen Klima, in dem queerfeindliche Einstellungen wieder salonfĂ€higer werden und die Hemmschwelle fĂŒr Übergriffe sinkt.

"Die Zunahme queerfeindlicher VorfĂ€lle ist alarmierend und spiegelt leider einen gesamtgesellschaftlichen Trend wider", betont der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). "Hier mĂŒssen Politik und Sicherheitsbehörden entschlossen gegensteuern und klare Grenzen setzen."

Die Ermittlungen zu den jĂŒngsten VorfĂ€llen dauern an. Die Polizei bittet Zeugen, die Hinweise zu den TĂ€tern geben können, sich zu melden. Gleichzeitig zeigt die schnelle Reaktion der Community, dass queerfeindliche Angriffe nicht unbeantwortet bleiben und SolidaritĂ€t ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Diskriminierung ist.


Ein Triumph fĂŒr Vielfalt: Templins schwuler SPD-BĂŒrgermeister gewinnt gegen AfD

Die brandenburgische Stadt Templin erlebt einen historischen Moment: Christian Hartphiel (SPD), ein offen schwuler Politiker, hat die Stichwahl um das BĂŒrgermeisteramt gegen den AfD-Kandidaten Christian Bork gewonnen. Der ursprĂŒngliche Bericht von queer.de zeigt, dass der 46-jĂ€hrige RegionalgeschĂ€ftsfĂŒhrer Nordost der SPD Brandenburg sich mit 53,8 Prozent der Stimmen durchsetzen konnte – in einem Wahlkampf, der deutschlandweit Aufmerksamkeit erregte.

Eine Wahl mit Signalwirkung

Die Bedeutung dieser Wahl reicht weit ĂŒber die Grenzen der kleinen Kurstadt hinaus. Templin, bekannt als Heimatstadt von Altkanzlerin Angela Merkel, wĂ€re bei einem Sieg Borks die zweite Stadt Brandenburgs mit einem hauptamtlichen AfD-BĂŒrgermeister geworden. Im ersten Wahlgang hatte der AfD-Kandidat noch mit 31,4 Prozent die Nase vorn. Der Erfolg Hartphiels sendet nun ein kraftvolles Signal fĂŒr Toleranz und Weltoffenheit in einer Zeit, in der auch in Brandenburg queerfeindliche Straftaten zunehmen – von 27 im Jahr 2022 auf 84 im vergangenen Jahr, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilte.

Ein Leben im Einsatz fĂŒr die LGBTQ+ Community

Hartphiel ist kein Unbekannter in der Region. Als GrĂŒnder des Vereins "UM Queer" setzt er sich seit Jahren fĂŒr die Rechte und Sichtbarkeit queerer Menschen in der Uckermark ein. Sein eigenes Coming-out hatte er bereits in der achten Klasse – ein mutiger Schritt im lĂ€ndlichen Brandenburg. Mit seinem Verein kĂ€mpft er nicht nur gegen Diskriminierung, sondern auch gegen die Landflucht von Schwulen und Lesben, die oft in GroßstĂ€dte wie Berlin, Hamburg oder Köln ziehen. "Ein wachsendes GemeinschaftsgefĂŒhl soll Homosexuellen Mut zum offenen Umgang mit ihrer Neigung machen", erklĂ€rte Hartphiel einmal seine Mission.

Die Landesregierung Brandenburg unterstĂŒtzt solche Initiativen durch den Aktionsplan Queeres Brandenburg, der die Akzeptanz queerer Lebensweisen fördern und Antidiskriminierung vorantreiben soll. Projekte wie die "LesBI*Schwule T*our", die jĂ€hrlich in verschiedenen brandenburgischen StĂ€dten Station macht, tragen zur Sichtbarkeit der Community bei – auch in Templin und Umgebung.

Mut trotz Anfeindungen

Hartphiels Engagement blieb nicht ohne Konsequenzen. Als er wĂ€hrend der FlĂŒchtlingskrise 2015 vier GeflĂŒchtete bei sich aufnahm, wurde er zur Zielscheibe von Hass und Gewalt. Unbekannte beschmierten sein Auto mit Kot, sprengten seinen Briefkasten und bedrohten ihn sogar mit dem Tod. Besonders erschĂŒtternd war die Erfahrung auf dem örtlichen Weinfest, als ein Mann ihn mit den Worten ansprach: "Na, fĂŒr solche wie dich heißt es auch bald: Ab in den Zug nach Krakau!" – eine unmissverstĂ€ndliche Anspielung auf die NS-Deportationen ins Konzentrationslager Auschwitz.

Trotz dieser traumatischen Erfahrungen bleibt Hartphiel seiner inklusiven Haltung treu. GegenĂŒber der MĂ€rkischen Oderzeitung betonte er nach seinem Wahlsieg: "Menschen, die die AfD gewĂ€hlt haben, werden dafĂŒr ihre GrĂŒnde haben. Die muss ich akzeptieren und werde den Auftrag, den man als BĂŒrgermeister hat, ernst nehmen, dass man fĂŒr alle BĂŒrger da ist. Deshalb steht meine TĂŒr fĂŒr jeden Menschen offen, egal, wen er jetzt gewĂ€hlt hat."

Parallelen in ganz Deutschland

Hartphiels Wahlsieg in Templin ist Teil eines grĂ¶ĂŸeren Bildes. In mehreren deutschen Kommunen haben sich in den vergangenen Jahren offen queere Kandidat:innen gegen rechtspopulistische Gegner:innen durchgesetzt. So wurde beispielsweise in Hannover mit Belit Onay 2019 erstmals ein offen homosexueller Politiker tĂŒrkischer Herkunft zum OberbĂŒrgermeister einer Landeshauptstadt gewĂ€hlt. Auch Thomas Eiskirch, der offen schwule OberbĂŒrgermeister von Bochum, oder Sven Lehmann, der erste Queer-Beauftragte der Bundesregierung, zeigen, dass LGBTQ+-Politiker:innen zunehmend in Ämter gewĂ€hlt werden.

Die steigende Zahl queerfeindlicher Straftaten in vielen BundeslĂ€ndern – nicht nur in Brandenburg – macht jedoch deutlich, dass der Kampf fĂŒr Akzeptanz noch lange nicht gewonnen ist. Gerade in lĂ€ndlichen Regionen, wo queere Strukturen oft weniger sichtbar sind, braucht es Vorbilder wie Christian Hartphiel, die Mut machen und zeigen: Vielfalt ist auch abseits der GroßstĂ€dte möglich und kann sogar an der Wahlurne ĂŒberzeugen.

Blick nach vorne

Mit seinem klaren Bekenntnis "Templin wird weiterhin eine gastfreundliche, weltoffene und tolerante Kurstadt bleiben!" hat Christian Hartphiel nach seinem Wahlsieg ein Versprechen abgegeben, an dem er sich messen lassen muss. Als Kreistagsabgeordneter in seiner dritten Wahlperiode und Fraktionsvorsitzender im Kreistag bringt er bereits umfangreiche politische Erfahrung mit.

Die Herausforderung wird nun sein, in einer gespaltenen Stadtgesellschaft – immerhin stimmten 46,2 Prozent fĂŒr seinen AfD-Gegenkandidaten – BrĂŒcken zu bauen und gleichzeitig seinen Werten treu zu bleiben. Mit seiner Doppelrolle als BĂŒrgermeister fĂŒr alle BĂŒrger:innen und gleichzeitig Vertreter der LGBTQ+ Community wird Hartphiel zu einem wichtigen Symbol dafĂŒr, dass demokratische Werte und queere Sichtbarkeit auch in strukturschwachen Regionen eine Zukunft haben können.


Britische Abgeordnete bekĂ€mpfen "zutiefst beunruhigende" Änderungen am Datengesetz, die Trans-Personen zwangsouten könnten

Eine parteiĂŒbergreifende Gruppe britischer Abgeordneter hat sich gegen vorgeschlagene Änderungen am britischen Datengesetz (Data Use and Access Bill) ausgesprochen, die zu einem Zwangsouting von Transgender-Personen fĂŒhren könnten. Die Entwicklung zeigt einen deutlichen Kontrast zur rechtlichen Situation in Deutschland, wo kĂŒrzlich das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft getreten ist. Die ursprĂŒngliche Meldung wurde von PinkNews veröffentlicht.

Was bedeuten die GesetzesÀnderungen im Vereinigten Königreich?

Die vom konservativen Abgeordneten Ben Spencer vorgeschlagenen Änderungen wĂŒrden öffentliche Behörden zwingen, Daten ausschließlich auf Grundlage des "Geburtsgeschlechts" zu erfassen – unabhĂ€ngig davon, ob eine Person bereits rechtlich ihr Geschlecht durch ein Gender Recognition Certificate (GRC) hat Ă€ndern lassen. Dies wĂŒrde bedeuten, dass Institutionen wie der Nationale Gesundheitsdienst NHS und die FĂŒhrerscheinbehörde DVLA gezwungen wĂ€ren, ihre Aufzeichnungen zu Ă€ndern und dabei die aktuell rechtlich anerkannte GeschlechtsidentitĂ€t der Betroffenen zu ignorieren.

Die Folgen könnten gravierend sein: Jede trans Person in öffentlichen Registern könnte zwangsgeoutet werden, wĂ€hrend gleichzeitig wichtige persönliche Daten gelöscht oder als "ungenau" eingestuft werden könnten. Dies könnte zu erheblichen gesundheitlichen und rechtlichen Problemen fĂŒhren, etwa wenn lebenswichtige geschlechtsspezifische Vorsorgeuntersuchungen verweigert werden.

Scharfe Kritik von Abgeordneten

Vor der fĂŒr Mittwoch (7. Mai) angesetzten Abstimmung haben Abgeordnete der GrĂŒnen und der Labour-Partei die vorgeschlagenen Änderungen verurteilt. Labour-HinterbĂ€nkler Clive Lewis erklĂ€rte gegenĂŒber der HuffPost UK, dass die Idee einen gefĂ€hrlichen PrĂ€zedenzfall fĂŒr die Datenerfassung im Vereinigten Königreich darstelle: "Wenn der Staat Ihre rechtliche IdentitĂ€t außer Kraft setzen, Sie als etwas registrieren kann, was Sie nicht sind, und das ĂŒber jedes öffentliche System teilen kann, dann sind die Rechte niemandes sicher."

SiĂąn Berry, Abgeordnete der GrĂŒnen, bezeichnete die ÄnderungsantrĂ€ge als "zutiefst beunruhigend" und betonte, dass die Daten von Transgender-Personen von "denjenigen, die die Macht haben, neue Gesetze zu erlassen" geschĂŒtzt werden mĂŒssten. Die Änderungen wĂ€ren "eine grobe Verletzung des Rechts von Trans-Personen auf PrivatsphĂ€re" und wĂŒrden "das Risiko eines massenhaften Outings von Trans-Personen im gesamten Vereinigten Königreich" mit sich bringen.

Kontrast zu deutschen Entwicklungen

Die vorgeschlagenen Änderungen im Vereinigten Königreich stehen in starkem Kontrast zur Entwicklung in Deutschland, wo am 1. November 2024 das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz erleichtert es Transgender-, intergeschlechtlichen und nicht-binĂ€ren Menschen mit deutscher StaatsbĂŒrgerschaft oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen im Standesamt zu Ă€ndern.

Das deutsche Gesetz stellt eine progressive Alternative zum britischen Ansatz dar, indem es Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt. Menschen ab 14 Jahren können selbst eine ErklĂ€rung zur Änderung ihres Geschlechtseintrags abgeben, wobei MinderjĂ€hrige die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten benötigen.

Unterschiedliche Richtungen in der Transgender-Politik

WĂ€hrend Deutschland mit dem Selbstbestimmungsgesetz einen Schritt in Richtung grĂ¶ĂŸerer Freiheit und Selbstbestimmung fĂŒr trans Personen macht, zeigen die britischen GesetzesvorschlĂ€ge eine gegenlĂ€ufige Tendenz. Diese gegensĂ€tzlichen Entwicklungen spiegeln die unterschiedlichen politischen Strömungen in Europa wider, wenn es um die Rechte von Transgender-Personen geht.

Deutsche LGBTQ+-Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) haben das Selbstbestimmungsgesetz als wichtigen Fortschritt begrĂŒĂŸt, betonen jedoch, dass weitere Schritte notwendig sind, um die volle Gleichstellung zu erreichen.

In Deutschland beobachten Menschenrechtsorganisationen und LGBTQ+-VerbĂ€nde die Entwicklungen im Vereinigten Königreich mit Sorge. Sie befĂŒrchten, dass restriktive Politiken auch in anderen LĂ€ndern Nachahmer finden könnten und setzen sich fĂŒr einen europaweiten Schutz der Rechte von Transgender-Personen ein.

Ausblick

Angesichts der Labour-Mehrheit im britischen Unterhaus ist es unwahrscheinlich, dass die umstrittenen ÄnderungsantrĂ€ge angenommen werden. Dennoch zeigt die Debatte, wie verletzlich die Rechte von Transgender-Personen sein können und wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community bietet diese Entwicklung Anlass, die Fortschritte im eigenen Land wertzuschĂ€tzen und gleichzeitig die internationale SolidaritĂ€t mit Transgender-Personen in LĂ€ndern zu stĂ€rken, in denen ihre Rechte bedroht sind.


Positive Überraschung: Neue Bundesregierung behĂ€lt Amt des Queerbeauftragten bei

Die neue Bundesregierung unter FĂŒhrung von Friedrich Merz hĂ€lt offenbar am Amt des Queerbeauftragten fest, wie queer.de berichtet. In einer umfassenden Streichliste, ĂŒber die unter anderem der "Focus" berichtet, sollen 25 Beauftragte, Sonderbeauftragte und Koordinator*innen in der neuen Regierung wegfallen - jedoch nicht die Position des Beauftragten fĂŒr die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Queerbeauftragter bleibt - trotz Rotstift bei Regierungsposten

Das 2022 von der Ampel-Regierung geschaffene Amt bleibt demnach erhalten, wĂ€hrend insgesamt 13 Posten ersatzlos gestrichen werden sollen. Zu den wegfallenden Positionen gehören unter anderem die Botschafterin fĂŒr feministische Außenpolitik, der Beauftragte zur Planung der sogenannten Zeitenwende oder der Radverkehrsbeauftragte. Weitere zwölf Posten sollen abgeschafft, aber von den Ministerien weitergefĂŒhrt werden - darunter ironischerweise der Koordinator fĂŒr BĂŒrokratieabbau.

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD die "Halbierung der Beauftragten des Bundes" beschlossen. Von den derzeit mehr als 60 Beauftragtenposten sollen demnach 25 gestrichen werden. Dass der Queerbeauftragte nicht auf der Streichliste steht, kann als positive Überraschung gewertet werden, da die CDU/CSU in der Vergangenheit queerpolitischen Themen oft kritisch gegenĂŒberstand.

Sven Lehmann und sein Engagement fĂŒr LGBTIQ*-Rechte

Anfang 2022 wurde der GrĂŒnenpolitiker Sven Lehmann zum ersten Queerbeauftragten der Bundesregierung ernannt. In seiner Rolle setzte er sich engagiert fĂŒr die Rechte und den Schutz von LGBTIQ*-Personen ein. Er war maßgeblich an der Umsetzung des Bundesaktionsplans "Queer leben" beteiligt, der darauf abzielt, Queerfeindlichkeit zu bekĂ€mpfen und die LebensrealitĂ€t von queeren Menschen zu verbessern.

In den letzten Monaten Ă€ußerte sich Lehmann wiederholt kritisch zur queerpolitischen Ausrichtung der designierten Bundesregierung unter Friedrich Merz. Er warnte vor möglichen RĂŒckschritten und bezeichnete Äußerungen einiger CDU-Politiker zu LGBTIQ*-Themen als "billigen Populismus" auf dem RĂŒcken von transgeschlechtlichen Menschen.

Unsichere Zukunft fĂŒr das Selbstbestimmungsgesetz?

Obwohl das Amt des Queerbeauftragten erhalten bleibt, herrscht Unsicherheit ĂŒber die Zukunft wichtiger queerpolitischer Errungenschaften. Besonders das am 1. November 2024 in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz ist umstritten. Friedrich Merz hat sich in der Vergangenheit kritisch zu diesem Gesetz geĂ€ußert und angedeutet, dass er es in seiner jetzigen Form nicht fĂŒr haltbar hĂ€lt.

Das Selbstbestimmungsgesetz ermöglicht es trans-, intergeschlechtlichen und nicht-binÀren Personen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache ErklÀrung beim Standesamt zu Àndern - ohne das zuvor notwendige langwierige gerichtliche Verfahren mit SachverstÀndigengutachten.

Karin Prien als kĂŒnftige Familienministerin

Der Posten des Queerbeauftragten ist im Bundesfamilienministerium angesiedelt, dass kĂŒnftig von der schleswig-holsteinischen CDU-Politikerin Karin Prien geleitet werden soll. Prien gilt innerhalb der CDU als vergleichsweise moderat, hat sich jedoch bislang nicht ausfĂŒhrlich zu queerpolitischen Themen positioniert.

In Fachkreisen wird mit Spannung erwartet, wer kĂŒnftig das Amt des Queerbeauftragten ĂŒbernehmen wird. Bislang ist völlig unklar, welche Person die neue Regierung fĂŒr diese Position nominieren wird und wie engagiert der Einsatz fĂŒr LGBTIQ*-Rechte ausfallen wird.

Zunehmende Queerfeindlichkeit als Herausforderung

Die Beibehaltung des Amtes des Queerbeauftragten ist vor dem Hintergrund zunehmender Queerfeindlichkeit in Deutschland besonders bedeutsam. Statistiken zeigen, dass die Zahl queerfeindlicher Übergriffe in den letzten Jahren gestiegen ist. Rechtsextreme Gruppen agitieren immer offener gegen LGBTIQ*-Personen, und tĂ€glich werden mehrere queerfeindliche Angriffe registriert.

Vor diesem Hintergrund ist ein starkes politisches Engagement fĂŒr die Rechte und den Schutz von queeren Menschen essenziell. Der Queerbeauftragte kann hier eine wichtige Rolle spielen, um die Sichtbarkeit der Themen zu erhöhen und politische Maßnahmen zum Schutz der Community zu koordinieren.

Ausblick: Was bedeutet dies fĂŒr die deutsche LGBTIQ*-Community?

FĂŒr die LGBTIQ*-Community in Deutschland sendet die Beibehaltung des Amtes des Queerbeauftragten ein positives Signal. Es zeigt, dass die neue Regierung - trotz der konservativeren Ausrichtung - die Bedeutung von LGBTIQ*-Themen anerkennt und ihnen einen festen Platz in der Regierungsarbeit einrĂ€umt.

Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die Queerpolitik der neuen Bundesregierung konkret gestalten wird. SchlĂŒsselfragen sind, ob der Bundesaktionsplan "Queer leben" mit ausreichenden Mitteln fortgefĂŒhrt wird, wie die neue Regierung zum Selbstbestimmungsgesetz steht und welche weiteren Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt umgesetzt werden.

Die LGBTIQ*-Community und VerbĂ€nde wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) werden die Entwicklungen genau beobachten und sich weiterhin fĂŒr die Gleichstellung und den Schutz von queeren Menschen einsetzen.


Furry in Adelaide attackiert: Diskriminierung und Gewalt gegen Subkulturen auch in Deutschland ein Problem

Ein Mann in einem Furry-KostĂŒm wurde in der australischen Stadt Adelaide ohne Grund attackiert und als "PĂ€dophiler" beschimpft. Der Vorfall, ĂŒber den PinkNews berichtet, wirft ein Schlaglicht auf die Diskriminierung, mit der sich Angehörige dieser Subkultur weltweit – auch in Deutschland – konfrontiert sehen.

Der Vorfall in Adelaide

Der 21-jĂ€hrige Dennis Gunn stand am 3. Mai in einem Furry-KostĂŒm – einer anthropomorphen Tierfigur – in der Rundle Mall in Adelaide. Er hielt ein Schild mit der Aufschrift "Vote 1 Furry Party", um im Rahmen der australischen Bundeswahlen fĂŒr seine Interessen zu werben. Plötzlich wurde er von drei MĂ€nnern angegriffen, die ihn mit Tritten und SchlĂ€gen attackierten und als "PĂ€dophilen" beschimpften.

GegenĂŒber dem Sender 7News erklĂ€rte Gunn nach dem Angriff: "Wir waren einfach nur da, haben in KostĂŒmen performt, mit der Öffentlichkeit interagiert und Fotos mit Menschen gemacht. Wir wollten nur PositivitĂ€t verbreiten." Die sĂŒdaustralische Polizei bestĂ€tigte, dass der Vorfall untersucht wird.

Die Situation in Deutschland

Auch in Deutschland sind Furries – Menschen, die sich mit anthropomorphen Tierfiguren identifizieren und teilweise in aufwendigen GanzkörperkostĂŒmen (Fursuits) auftreten – mit Ă€hnlichen Vorurteilen konfrontiert. Die Initiative "Furries sind bunt!" setzt sich aktiv gegen Diskriminierung und Queerfeindlichkeit innerhalb und außerhalb der deutschen Furry-Community ein.

Aus Eilenburg wurde im Juli 2024 berichtet, dass Furries regelmĂ€ĂŸig von Jugendlichen beschimpft werden. Sowohl in sozialen Medien als auch im realen Leben sind sie vielfach mit falschen Unterstellungen und Hetze konfrontiert. Ein verbreitetes Vorurteil ist, dass Furries eine sexuelle Vorliebe fĂŒr Tiere hĂ€tten – eine unbegrĂŒndete Behauptung, die jedoch hĂ€ufig zu Anfeindungen fĂŒhrt.

Kultur der Diskriminierung

Der Vorfall in Adelaide zeigt ein bekanntes Muster: Wie bei anderen Minderheiten und Subkulturen werden Furries oft zum Ziel von Hasskommentaren und sogar körperlichen Angriffen. In konservativen Kreisen werden sie, Ă€hnlich wie LGBTQ+-Personen, fĂŒr KulturkĂ€mpfe instrumentalisiert. So wurde beispielsweise in den USA 2022 ein republikanischer Abgeordneter in die Schlagzeilen gerĂŒckt, nachdem er fĂ€lschlicherweise behauptet hatte, Schulen wĂŒrden Katzenklos fĂŒr SchĂŒler aufstellen, die sich als Furries identifizieren.

In Deutschland gibt es seit den 1990er Jahren eine aktive Furry-Community. Mit der Eurofurence, die jĂ€hrlich in Berlin stattfindet, beherbergt Deutschland sogar eine der grĂ¶ĂŸten Furry-Conventions Europas, die tausende Teilnehmer anzieht.

Sicherer Raum und Gemeinschaft

FĂŒr viele Furries bietet die Gemeinschaft einen sicheren Raum, um ihre IdentitĂ€t auszudrĂŒcken und soziale Kontakte zu knĂŒpfen. Eine Studie von Furscience aus dem Jahr 2020 zeigt, dass ein großer Teil der Furry-Community sich als LGBTQ+ identifiziert und die Subkultur als Möglichkeit sieht, Akzeptanz zu finden.

Rechtlich gesehen ist es in Deutschland selbstverstÀndlich legal, ein Furry zu sein. Probleme können jedoch in bestimmten öffentlichen Situationen auftreten, etwa beim Betreten einer Bank mit Maske, wo die Identifikation wichtig ist.

AufklÀrung tut not

FĂ€lle wie der in Adelaide unterstreichen die Notwendigkeit, Vorurteile abzubauen und ĂŒber Subkulturen aufzuklĂ€ren. WĂ€hrend in den sozialen Medien oft negative Bilder verbreitet werden, bemĂŒhen sich zahlreiche Furries um Öffentlichkeitsarbeit. Das Format "reporter" des MDR hat 2022 beispielsweise eine Reportage veröffentlicht, die Einblicke in die deutsche Furry-Kultur gibt und mit Mythen aufrĂ€umt.

Die sĂŒdaustralische Polizei bittet Zeugen des Vorfalls in Adelaide, sich zu melden, um bei der AufklĂ€rung zu helfen. Dennis Gunn wurde von SanitĂ€tern untersucht, benötigte jedoch keine medizinische Behandlung.


Kontroverse um "The Telegraph"-Billboard: Transphobie auf dem PrĂŒfstand und Parallelen zur deutschen Debatte

Die britische Zeitung "The Telegraph" steht aktuell in der Kritik wegen einer kontroversen Plakatwerbung, die von Aktivisten als transfeindlich bezeichnet wird, wie PinkNews berichtet. Das Billboard, das in mehreren Orten Großbritanniens, unter anderem in Worthing, West Sussex, aufgestellt wurde, zeigt die provokante Frage: "Sollten als MĂ€nner geborene Athleten sich in den Frauensport drĂ€ngen?" Die Wortwahl "muscling in" (sich eindrĂ€ngen) wird dabei besonders kritisiert.

Die Kontroverse im Detail

Das Trans Advocacy and Complaints Collective (TACC) hat bei der britischen Werbeaufsichtsbehörde ASA Beschwerde eingereicht. Sie bezeichnen die Plakatwerbung als "gezielte, feindselige Botschaft" gegenĂŒber der Trans-Community. Die Organisation argumentiert, dass die Formulierung "muscling in" bewusst gewĂ€hlt wurde, um trans Frauen als "aggressive Eindringlinge" darzustellen - eine Rhetorik, die historisch genutzt wurde, um Ausgrenzung, Gewalt und moralische Panik zu rechtfertigen.

The Telegraph ist in Großbritannien bekannt fĂŒr seine zunehmend kritische Berichterstattung ĂŒber Trans-Themen. Eine Studie aus dem Jahr 2023 ergab, dass die Zeitung allein im Januar 2023 in ihren gedruckten Ausgaben 75 Artikel veröffentlichte, die sich auf Trans-Personen bezogen - verglichen mit nur 12 im Vorjahr. Von diesen 75 Artikeln wurden 73 als negativ eingestuft.

Die deutsche Transgender-Debatte im Sport

Auch in Deutschland ist die Teilnahme von trans Athlet*innen im Sport ein viel diskutiertes Thema, das durch das im November 2024 in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz neue AktualitĂ€t gewonnen hat. Das Gesetz erleichtert die Änderung des Geschlechtseintrags fĂŒr trans-, intergeschlechtliche und nicht-binĂ€re Personen, wirft aber gleichzeitig Fragen fĂŒr den nach Geschlechtern getrennten Sportbereich auf.

WĂ€hrend sich die Debatte in Deutschland oft sachlicher gestaltet als in Großbritannien, ist auch hier die Balance zwischen Inklusion und fairem Wettbewerb Gegenstand kontroverser Diskussionen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Rahmenrichtlinien veröffentlicht, die Fairness, Menschenrechte und DiversitĂ€t berĂŒcksichtigen sollen, ĂŒberlĂ€sst die konkreten Entscheidungen aber den internationalen SportverbĂ€nden.

Mediale Verantwortung und öffentlicher Diskurs

Die Kontroverse um die Telegraph-Werbung wirft wichtige Fragen zur medialen Verantwortung im öffentlichen Diskurs auf. In Deutschland bemĂŒhen sich LGBTQ+-Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) um eine differenzierte und respektvolle Debatte zu Transgender-Themen, die wissenschaftliche Erkenntnisse einbezieht.

Die Telegraph-Werbung nutzt den Slogan "We speak your mind" (Wir sprechen aus, was du denkst), was laut TACC irrefĂŒhrend sei, da es eine einseitige, feindselige Ansicht als gesellschaftlichen Konsens darstelle. In Deutschland gibt es Ă€hnliche Diskussionen ĂŒber die Verantwortung von Medien bei der Darstellung von Minderheiten.

Wissenschaftliche Perspektiven

Die Debatte um trans Athlet*innen ist komplex und sollte nicht auf vereinfachende Schlagzeilen reduziert werden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien befassen sich mit den physiologischen VerÀnderungen durch Hormontherapien und deren Einfluss auf die sportliche LeistungsfÀhigkeit. In Deutschland ist eine geschlechtsangleichende Hormontherapie mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten in der Regel ab etwa 16 Jahren möglich.

WĂ€hrend einige SportverbĂ€nde, wie etwa der Schach-Weltverband FIDE, trans Frauen von internationalen Frauenwettbewerben ausgeschlossen haben, setzen andere auf differenzierte Regelungen, die Hormonwerte und TransitionszeitrĂ€ume berĂŒcksichtigen.

Fazit: Dialog statt Spaltung

Die Kontroverse um das Telegraph-Billboard zeigt, wie wichtig ein respektvoller und differenzierter Umgang mit Trans-Themen in der Öffentlichkeit ist. In Deutschland hat die EinfĂŒhrung des Selbstbestimmungsgesetzes die Chance eröffnet, die Debatte ĂŒber die Teilhabe von trans Personen in allen Lebensbereichen, einschließlich des Sports, konstruktiv zu fĂŒhren.

Statt polarisierender Schlagzeilen und suggestiver Fragen braucht es einen Dialog, der sowohl die Rechte und WĂŒrde von trans Personen als auch sportethische Fragen berĂŒcksichtigt. Die britische Kontroverse kann dabei als Mahnung dienen, wie schnell mediale Darstellungen zur Stigmatisierung einer ohnehin vulnerablen Gruppe beitragen können.


Alarmierende Gewalt in Leverkusen: Schwules Paar brutal angegriffen - Teil einer besorgniserregenden Entwicklung in Deutschland

In Leverkusen-Opladen kam es am frĂŒhen Sonntagmorgen zu einem brutalen homophoben Angriff auf zwei 23 und 25 Jahre alte MĂ€nner, wie die Kölner Polizei am Montag meldete. Dieser Vorfall reiht sich in eine zunehmende Zahl queerfeindlicher Gewalttaten in Deutschland ein, die immer mehr Besorgnis auslösen. Die Tat, die auf der Webseite von queer.de detailliert berichtet wurde, ereignete sich gegen 6:25 Uhr in der FußgĂ€ngerzone der Kölner Straße.

Der Übergriff in Leverkusen

Nach Polizeiangaben wurde das schwule Paar zunĂ€chst von einer sechsköpfigen MĂ€nnergruppe verbal beleidigt. Anschließend gingen zwei MĂ€nner aus der Gruppe mit FaustschlĂ€gen ins Gesicht und Tritten gegen den Körper auf die beiden jungen MĂ€nner los. Die Opfer erlitten Gesichtsverletzungen und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die TĂ€tergruppe flĂŒchtete in Richtung Bahnhof Leverkusen-Opladen.

Die Polizei Köln hat inzwischen Personenbeschreibungen der beiden HaupttĂ€ter veröffentlicht und bittet Zeugen um Hinweise. Die Ermittlungen werden vom polizeilichen Staatsschutz gefĂŒhrt, was darauf hindeutet, dass die Behörden von einem politisch motivierten Hassverbrechen ausgehen.

Alarmierende Zunahme queerfeindlicher Gewalt in Deutschland

Der Vorfall in Leverkusen ist kein Einzelfall. Laut aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesministeriums des Innern und fĂŒr Heimat (BMI) hat sich die Zahl queerfeindlicher Straftaten in Deutschland in den letzten Jahren dramatisch erhöht. Im Jahr 2023 wurden 1.785 FĂ€lle von HasskriminalitĂ€t gegen LSBTIQ*-Personen erfasst – ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber den 1.188 FĂ€llen im Jahr 2022.

Besonders erschreckend: Die Zahl der Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene DiversitÀt" hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht, wie ZDFheute berichtet. Zu den hÀufigsten Delikten zÀhlen Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen, Nötigungen und Bedrohungen.

Dunkelziffer vermutlich weit höher

Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. "Viele Betroffene zeigen erlebte Übergriffe nicht an – aus Scham, aus Angst vor einem unfreundlichen Empfang bei der Polizei oder weil sie befĂŒrchten, dass ihre sexuelle IdentitĂ€t dadurch ungewollt öffentlich wird", erklĂ€rt der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) auf seiner Webseite.

Der LSVD fĂŒhrt eine Chronik von Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen, die die tagtĂ€glichen Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe dokumentiert. Die Organisation fordert eine Verbesserung des Rechtsschutzes fĂŒr queere Menschen und die Einsetzung einer unabhĂ€ngigen Expert*innen-Kommission, die eine systematische Bestandsaufnahme aller Erscheinungsformen von LSBTIQ*-Feindlichkeit erarbeitet.

Gesellschaftliche Ursachen

Die TÀter homophober Gewalt sind oft Vertreter der HeteronormativitÀt, des Heterosexismus oder eines religiösen Fundamentalismus, die eine davon abweichende sexuelle Orientierung und/oder eine nichtbinÀre GeschlechtsidentitÀt ablehnen. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und dem Anstieg queerfeindlicher Straftaten.

"In Zeiten gesellschaftlicher Krisen und politischer Polarisierung werden oft Minderheiten zu SĂŒndenböcken gemacht", erklĂ€rt die Sozialwissenschaftlerin Dr. Maria Schmidt, die zu Hassverbrechen forscht. "Die zunehmende Sichtbarkeit queerer Menschen in der Gesellschaft fĂŒhrt einerseits zu mehr Akzeptanz, provoziert andererseits aber auch Gegenreaktionen bei denjenigen, die sich von gesellschaftlichen VerĂ€nderungen bedroht fĂŒhlen."

Was tun bei queerfeindlichen Übergriffen?

Die Polizei und Beratungsstellen fĂŒr LSBTIQ*-Personen empfehlen, jeden Übergriff anzuzeigen. In vielen deutschen StĂ€dten gibt es inzwischen spezielle Ansprechpersonen fĂŒr queere Menschen bei der Polizei. Zudem bieten Organisationen wie der LSVD Beratung und UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene an.

Der Vorfall in Leverkusen zeigt einmal mehr, dass der Kampf gegen Queerfeindlichkeit trotz aller rechtlichen und gesellschaftlichen Fortschritte der letzten Jahrzehnte noch lange nicht gewonnen ist. Er mahnt uns, wachsam zu bleiben und gemeinsam fĂŒr eine Gesellschaft einzutreten, in der alle Menschen unabhĂ€ngig von ihrer sexuellen Orientierung oder GeschlechtsidentitĂ€t frei und sicher leben können.


Maine gewinnt gegen Trump: Gouverneurin schĂŒtzt Rechte von Transgender-Athleten – Was Deutschland daraus lernen kann

In einem bemerkenswerten Rechtsstreit hat die US-amerikanische Bundesstaatin Maine unter FĂŒhrung der demokratischen Gouverneurin Janet Mills einen wichtigen Sieg fĂŒr die Rechte von Transgender-Athleten errungen. Wie PinkNews berichtet, konnte Mills erfolgreich gegen Trumps Exekutivanordnung vorgehen, die Transgender-Athletinnen von Frauensportwettbewerben ausschließen sollte.

Der Konflikt begann im Februar, als Trump bei einem Treffen im Weißen Haus drohte, Maine Bundesgelder zu entziehen, nachdem Mills signalisiert hatte, sie wĂŒrde seiner Exekutivanordnung mit dem Titel "MĂ€nner aus dem Frauensport heraushalten" nicht nachkommen. Diese Anordnung sah vor, Bildungseinrichtungen die finanzielle UnterstĂŒtzung zu entziehen, wenn sie Transgender-Frauen die Teilnahme an Frauensportwettbewerben erlauben.

Ein Triumph fĂŒr Menschenrechte und staatliche Autonomie

"Es ist gut, einen solchen Sieg zu spĂŒren. Wir haben ihn vor Gericht gebracht und gewonnen", erklĂ€rte Mills nach dem Urteil. Die Trump-Administration muss nun die eingefrorenen Mittel fĂŒr Maines KinderernĂ€hrungsprogramme freigeben und hat zugesagt, nicht weiter in den Zugang des Bundesstaates zu Mitteln des Landwirtschaftsministeriums einzugreifen.

Mills bezeichnete die Drohung, kritische Finanzmittel fĂŒr SchulernĂ€hrungsprogramme zu blockieren, als "eklatant illegal". Ihr Einsatz fĂŒr die Rechte von Transgender-Personen hatte dazu gefĂŒhrt, dass Trump ihre Karriere bedrohte – eine EinschĂŒchterungstaktik, die nun durch das Gericht gestoppt wurde.

Die Situation in Deutschland: Ein anderer Ansatz

WÀhrend in den USA solche Konflikte oft auf juristischer Ebene ausgetragen werden, verfolgt Deutschland einen differenzierteren Ansatz bei der Inklusion von Transgender-Athleten im Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) orientiert sich an den Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die keine geschlechtsangleichenden Operationen vorschreiben, sondern hauptsÀchlich auf den Testosteronwert der Athleten abstellen.

Transgender-Frauen mĂŒssen in Deutschland ihren Testosteronwert fĂŒr mindestens zwölf Monate unter 10 nmol/L halten, um an Wettbewerben teilnehmen zu dĂŒrfen. Diese Regelung wird zwar von einigen als diskriminierend kritisiert, aber vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) als notwendig erachtet, um Chancengleichheit im Frauensport zu gewĂ€hrleisten.

Mit dem seit 1. November 2023 geltenden Selbstbestimmungsgesetz hat Deutschland einen wichtigen Schritt zur StĂ€rkung der Rechte von Transgender-Personen gemacht. Die Änderung des Geschlechtseintrags kann nun durch eine einfache ErklĂ€rung gegenĂŒber dem Standesamt vorgenommen werden, was auch Auswirkungen auf die Sportpraxis haben könnte.

Vorbildliche Initiativen auf lokaler Ebene

In Deutschland gibt es bereits mehrere positive Beispiele fĂŒr die Inklusion von Transgender-Athleten. So hat der Berliner Fußball-Verband 2020 eine wegweisende Regelung eingefĂŒhrt, nach der Trans- und Intergeschlechtliche Menschen in den Teams ihrer Wahl spielen dĂŒrfen. Dieses "Berliner Modell" wurde inzwischen von mehreren LandesverbĂ€nden ĂŒbernommen.

Auch der Deutsche Hockey-Bund (DHB) hat eine Richtlinie zur Vergabe des Spielrechts fĂŒr Trans*- und Inter*-Menschen in seiner Spielordnung verankert. Diese fortschrittlichen AnsĂ€tze zeigen, dass Deutschland in manchen Bereichen bereits inklusivere Wege geht als die von Trumps Politik beeinflussten US-amerikanischen SportverbĂ€nde.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) das Projekt "Team out and proud" ins Leben gerufen, um sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Fußball zu fördern. Zudem unterstreicht der DOSB durch die Mitveranstaltung der BundesNetzwerktagung des queeren Sports (BuNT) die Bedeutung von LGBTIQ*-Themen im deutschen Sport.

Herausforderungen bleiben bestehen

Trotz der positiven Entwicklungen stehen Transgender-Athleten in Deutschland weiterhin vor Herausforderungen. Die ÜberprĂŒfung und eventuelle Anpassung des Wettkampfsystems stellt eine große Aufgabe dar, da traditionelle Strukturen im Leistungsport und den FachverbĂ€nden tief verwurzelt sind.

Transgender-Frauen stoßen auch in Deutschland oft auf Widerstand und Vorurteile. Trotz bestehender Regelungen ist es fĂŒr Trans*- und Intergeschlechtliche sowie nicht-binĂ€re Menschen oft schwierig, ihre sportlichen AktivitĂ€ten im Verein fortzusetzen.

Der Fall aus Maine könnte auch fĂŒr Deutschland ein wichtiges Signal sein: Diskriminierende Maßnahmen gegen Transgender-Athleten sind nicht nur ethisch problematisch, sondern können auch rechtlich anfechtbar sein. Das Urteil zeigt, dass der Schutz der Rechte von Transgender-Personen auch im Sportkontext von entscheidender Bedeutung ist.

Fazit: Ein gemeinsamer Weg nach vorn

Der Sieg von Janet Mills gegen die Trump-Administration verdeutlicht die Bedeutung des rechtlichen Schutzes fĂŒr Transgender-Athleten. In Deutschland gibt es bereits vielversprechende AnsĂ€tze zur Inklusion, aber auch hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.

Die "Bremer ErklÀrung" der Sportministerkonferenz hat beschlossen, dass der Sport in Deutschland inklusiv sein soll und die Teilhabe aller Menschen am aktiven Sport und sportlichen Veranstaltungen gewÀhrleisten soll. Um dieses Ziel zu erreichen, sind jedoch weitere Anstrengungen erforderlich.

Der Fall aus Maine zeigt, dass politischer Wille und juristisches Engagement erforderlich sind, um die Rechte von Transgender-Athleten zu schĂŒtzen. Deutschland könnte von diesem Beispiel lernen und seine eigenen BemĂŒhungen zur Förderung eines inklusiven Sports verstĂ€rken, der die Rechte und WĂŒrde aller Menschen respektiert – unabhĂ€ngig von ihrer GeschlechtsidentitĂ€t.


"Ich werde Transmenschen bis zum Ende schĂŒtzen" - Chefin britischer Supermarktkette Co-op setzt starkes Zeichen fĂŒr Trans-Inklusion

Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der britischen Supermarktkette Co-op, Shirine Khoury-Haq, hat ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr Transmenschen bekrĂ€ftigt und versprochen, sie "bis zum Ende zu schĂŒtzen". Wie PinkNews berichtet, reagierte sie damit auf eine jĂŒngste Entscheidung des obersten britischen Gerichts, die fĂŒr Unruhe in der LGBTQ+-Gemeinschaft Großbritanniens sorgt.

Klare Haltung trotz zunehmender Transphobie in Großbritannien

In einem Schreiben an die rund 54.000 Mitarbeitenden, von denen etwa 1.000 als trans oder nicht-binĂ€r identifiziert sind, betonte Khoury-Haq: "Es gibt hochtalentierte Menschen, die, wenn sie sich geliebt fĂŒhlen, wenn sie sich wertgeschĂ€tzt fĂŒhlen, wenn sie ihr ganzes Selbst zur Arbeit bringen können, einen immensen Beitrag leisten."

Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Genossenschaft, die ĂŒber 4.000 LebensmittelgeschĂ€fte in Großbritannien betreibt, reagierte damit auf eine kontroverse Entscheidung des britischen Supreme Court vom 16. April. Das Gericht hatte die Definition von "Frau" und "Geschlecht" im Gleichstellungsgesetz von 2010 als ausschließlich auf "biologische Frauen" und "biologisches Geschlecht" bezogen ausgelegt. Premierminister Keir Starmer erklĂ€rte daraufhin, er glaube nicht mehr, dass "Transfrauen Frauen sind".

Besonders besorgniserregend: Die britische Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission (EHRC) veröffentlichte im Anschluss eine Richtlinie, die Arbeitgebern nahelegt, Transmenschen den Zugang zu geschlechtsspezifischen Einrichtungen wie Toiletten und Umkleidekabinen zu verweigern. WĂ€hrend diese Richtlinie nicht rechtsverbindlich ist, könnte sie als Rechtfertigung fĂŒr diskriminierende Maßnahmen dienen.

Deutsche Unternehmen: Vorbilder fĂŒr Trans-Inklusion?

In Deutschland ist die rechtliche Lage fĂŒr transgeschlechtliche Arbeitnehmende besser abgesichert. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet ausdrĂŒcklich die Diskriminierung aufgrund der GeschlechtsidentitĂ€t und verpflichtet Unternehmen, Transmitarbeitende nicht nur formal zu schĂŒtzen, sondern auch aktiv zu fördern.

Viele deutsche Großunternehmen haben in den letzten Jahren umfassende Diversity-Programme eingerichtet, die auch transgeschlechtliche Mitarbeitende einschließen. Sie unterstĂŒtzen aktiv die Rechte und das Wohlbefinden von LGBTQ+-Personen am Arbeitsplatz durch Spendenaktionen, umfassende Sozialleistungen und die Schaffung sicherer RĂ€ume.

So haben einige Unternehmen LGBTQ+ Mitarbeitenden-Netzwerke etabliert, die Veranstaltungen organisieren und bei strategischen Initiativen zur LGBTQ+-Inklusion mitwirken. Zu den konkreten Maßnahmen gehören die Teilnahme an Pride-Paraden und die UnterstĂŒtzung der UN-Standards gegen die Diskriminierung von LGBTQ+-Personen.

Anhaltende Herausforderungen fĂŒr Transmenschen im Berufsleben

Trotz dieser positiven Entwicklungen in Deutschland sind Transmenschen im Berufsleben nach wie vor mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Laut der Deutschen Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t (dgti e.V.) erleben viele Transmitarbeitende Diskriminierung bei der Jobsuche sowie Mikroaggressionen und offene Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Der Transitionsprozess im ArbeitsverhĂ€ltnis kann besonders belastend sein, wenn Unternehmen keine klaren UnterstĂŒtzungsmaßnahmen anbieten. Viele transgeschlechtliche Menschen leben in stĂ€ndiger Angst vor einem unfreiwilligen Outing, was zu erheblichen psychischen Belastungen fĂŒhren kann.

Best Practices fĂŒr Trans-Inklusion am Arbeitsplatz

Experten empfehlen Unternehmen eine Reihe von Maßnahmen, um einen inklusiven Arbeitsplatz fĂŒr Transmenschen zu schaffen:

  • Inklusive Personalpolitik, die Geschlechtsvielfalt respektiert und schĂŒtzt
  • Verwendung geschlechtsneutraler Sprache in der Unternehmenskommunikation
  • Konkrete UnterstĂŒtzung bei der Transition, einschließlich flexibler Arbeitsregelungen
  • Bereitstellung geschlechtsneutraler SanitĂ€ranlagen
  • Schulungen zum Thema GeschlechtsidentitĂ€t fĂŒr alle Mitarbeitenden
  • Klare Richtlinien gegen Diskriminierung mit konsequenter Umsetzung

Die klare Haltung der Co-op-Chefin Khoury-Haq könnte auch deutschen Unternehmen als Vorbild dienen. "Wenn das 'woke' ist, dann ist mir das recht", betonte sie. "Auf persönlicher Ebene muss ich mich um meine Trans-Kollegen kĂŒmmern. Das werde ich immer tun, und solange ich da bin, werden sie geschĂŒtzt sein. Ich werde diese Menschen bis zum Ende schĂŒtzen."

In einer Zeit, in der die Rechte von Transmenschen in vielen LĂ€ndern unter Druck geraten, sind solche klaren Bekenntnisse von WirtschaftsfĂŒhrern besonders wichtig. Sie zeigen, dass Inklusion nicht nur ein gesellschaftliches Anliegen ist, sondern auch wirtschaftlichen Wert schafft, indem Unternehmen das volle Potenzial aller Mitarbeitenden nutzen können.


Homophobes Cybermobbing bestraft: Französisches Gericht verhÀngt BewÀhrungsstrafen nach Anfeindungen gegen Thomas Jolly

Ein französisches Gericht hat ein wichtiges Zeichen gegen Hassrede im Internet gesetzt: Sieben Personen wurden zu BewĂ€hrungsstrafen verurteilt, nachdem sie den kĂŒnstlerischen Direktor der Pariser Olympia-Eröffnungsfeier, Thomas Jolly, online massiv angefeindet hatten. Die ursprĂŒngliche Nachricht wurde von queer.de berichtet.

Die Verurteilungen im Detail

Die Angeklagten im Alter zwischen 22 und 79 Jahren wurden wegen Cybermobbings und schwerer Beleidigung schuldig gesprochen. Drei von ihnen erhielten Geldstrafen auf BewĂ€hrung zwischen 2.000 und 3.000 Euro, wĂ€hrend vier weitere zu Haftstrafen zwischen zwei und vier Monaten auf BewĂ€hrung verurteilt wurden. Besonders schwerwiegend: Einer der TĂ€ter hatte sogar Todesdrohungen gegen den offen schwulen KĂŒnstler ausgesprochen.

Die StaatsanwĂ€ltin betonte wĂ€hrend des Verfahrens, dass den Angeklagten ein GefĂŒhl der Straffreiheit vorgeworfen werden mĂŒsse. "Dabei wissen wir, dass solche Äußerungen andere zu Taten aufhetzen können", wurde sie zitiert – ein wichtiger Hinweis auf die gesellschaftlichen Folgen von Hassrede.

Kunst als AngriffsflÀche

Thomas Jolly hatte mit seiner kreativen Vision fĂŒr die Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele 2024 weltweit Anerkennung gefunden. Doch einige Elemente seiner Show, besonders eine Szene mit einem Bankett griechischer Götter, dargestellt von Dragqueens, lösten heftige Reaktionen in katholischen und rechten Kreisen aus. Die Kritiker sahen darin fĂ€lschlicherweise einen Bezug zum Abendmahl von Leonardo da Vinci, obwohl die Show keinen direkten Bezug dazu herstellte.

Der 43-jĂ€hrige KĂŒnstler berichtete spĂ€ter, wie sehr ihn die Angriffe belastet haben: "Dass ich zur Zielscheibe von Hass, Drohungen und Beleidigungen geworden bin, hat mich destabilisiert." Neben homophoben Attacken sah sich Jolly auch antisemitischen Angriffen ausgesetzt, obwohl er explizit klarstellte, dass er weder jĂŒdisch sei noch Verbindungen zu Israel habe.

Internationale Dimension der Hasskampagne

Bemerkenswert ist, dass viele der Angriffe offenbar aus den USA kamen, nachdem der damalige PrĂ€sidentschaftskandidat Donald Trump die Eröffnungsfeier als "Schande" bezeichnet hatte. Dies unterstreicht, wie schnell lokale Ereignisse durch soziale Medien zu internationalen Konfliktherden werden können und wie politische Äußerungen Hass verstĂ€rken können.

Rechtslage in Deutschland: Vergleichbare Schutzmaßnahmen

Auch in Deutschland ist Cybermobbing strafbar. Nach § 238a StGB (Nachstellung) können wiederholte und belĂ€stigende Handlungen, die das Opfer erheblich beeintrĂ€chtigen, bestraft werden. Hassreden gegen bestimmte Gruppen fallen unter § 130 StGB (Volksverhetzung), was auch homophobe Äußerungen einschließt, wenn sie den öffentlichen Frieden stören können. Somit sind in Deutschland Ă€hnliche Schutzmaßnahmen wie in Frankreich vorhanden, um gegen digitale Hassattacken vorzugehen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet in Deutschland zudem explizit Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Diese Gesetzgebung bildet einen wichtigen Rahmen fĂŒr den Schutz von LGBTQ+-Personen vor Diskriminierung und Hassrede, sowohl online als auch offline.

Eine Erinnerung an die Verantwortung im digitalen Raum

Der Fall Thomas Jolly erinnert eindringlich daran, dass der digitale Raum kein rechtsfreier Raum ist. Die Verteidiger der Angeklagten argumentierten zwar, ihre Mandanten hĂ€tten "das Recht, schockiert zu sein" und nicht alle Menschen in Frankreich seien stĂ€dtische Theaterbesucher, sondern auch Familien auf dem Land. Diese Argumentation ignoriert jedoch den Unterschied zwischen Kritik und hetzerischen Angriffen auf die Person und sexuelle IdentitĂ€t eines KĂŒnstlers.

In Deutschland wie in Frankreich zeigt sich: Der Rechtsstaat verfĂŒgt ĂŒber Instrumente, um gegen digitale Hassrede vorzugehen. Die BewĂ€hrungsstrafen gegen die Cybermobber von Thomas Jolly senden ein klares Signal, dass homophobe Hassrede auch im Internet Konsequenzen hat.


Sexhandel-Skandal bei Abercrombie & Fitch: Ehemaliger CEO Jeffries zu krank fĂŒr Verhandlung

Der frĂŒhere Vorstandsvorsitzende der US-amerikanischen Modekette Abercrombie & Fitch, Mike Jeffries, muss sich vorerst nicht vor Gericht verantworten. Eine New Yorker Richterin hat entschieden, dass der 80-jĂ€hrige aufgrund einer spĂ€tbeginnenden Alzheimer-Demenz derzeit verhandlungsunfĂ€hig ist. Jeffries war im Oktober 2023 wegen des Vorwurfs des Sexhandels mit mĂ€nnlichen Models festgenommen worden, wie queer.de berichtete.

Die schwerwiegenden VorwĂŒrfe gegen Jeffries

Mike Jeffries, der Abercrombie & Fitch von 1992 bis 2014 leitete, wird vorgeworfen, gemeinsam mit seinem britischen Lebenspartner Matthew Smith und einem Vermittler namens James Jacobson ein ausgeklĂŒgeltes System organisiert zu haben, bei dem junge mĂ€nnliche Models zu Sexpartys rund um die Welt geschickt wurden. Die Anklage umfasst den Zeitraum von 2008 bis 2015, wobei die Staatsanwaltschaft vermutet, dass bereits seit 1992 zahlreiche MĂ€nner betroffen waren.

Bei diesen Events sollen die MĂ€nner laut Staatsanwaltschaft "invasiven sexuellen und gewalttĂ€tigen Kontakten" ausgesetzt gewesen sein. Die VorwĂŒrfe kamen 2023 erstmals in einer BBC-Dokumentation ans Licht, in der mehrere MĂ€nner erklĂ€rten, von Jeffries ausgebeutet oder misshandelt worden zu sein.

Gesundheitszustand verzögert Verfahren

Richterin Nusrat Choudhury erklĂ€rte, Jeffries mĂŒsse nun bis zu vier Monate in einem Krankenhaus behandelt werden. In dieser Zeit soll festgestellt werden, ob er wieder verhandlungsfĂ€hig wird. Die AnwĂ€lte des ehemaligen Modechefs hatten erklĂ€rt, dass sich seine Krankheit "mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verschlimmern" werde.

Sollte keine Verbesserung eintreten, hat die Staatsanwaltschaft mehrere Möglichkeiten: Sie könnte die strafrechtlichen Anklagepunkte gegen Jeffries fallenlassen oder Hausarrest anordnen. Alle drei Beschuldigten – Jeffries, Smith und Jacobson – haben bislang auf nicht schuldig plĂ€diert.

Abercrombie & Fitch distanziert sich

Abercrombie & Fitch hat sich öffentlich entsetzt und angewidert ĂŒber die VorwĂŒrfe gegen ihren ehemaligen CEO geĂ€ußert. Das Unternehmen hat einen Teil der jĂ€hrlichen Rentenzahlungen an Jeffries ausgesetzt und eine unabhĂ€ngige Untersuchung durch eine externe Anwaltskanzlei eingeleitet, wie Business Insider berichtet.

Die Modekette, die unter Jeffries' FĂŒhrung fĂŒr ihr kontroverses Marketingkonzept bekannt war, das fast ausschließlich junge, durchtrainierte und weiße Models in den Mittelpunkt stellte, bemĂŒht sich seit Jahren um ein inklusiveres Image. Dabei hat das Unternehmen verstĂ€rkt die LGBTQ+-Community unterstĂŒtzt.

Wandel bei Abercrombie & Fitch

WĂ€hrend Jeffries als Firmenchef in der Vergangenheit mit Aussagen fĂŒr Kontroversen sorgte, wonach er nur "coole, gut aussehende Leute" als Kunden wolle, hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren stark gewandelt. Seit 17 Jahren erhĂ€lt Abercrombie & Fitch eine Top-Bewertung im Corporate Equality Index der Human Rights Campaign, einer bedeutenden US-amerikanischen LGBTQ+-Organisation.

Das Unternehmen bietet mittlerweile eine ganzjĂ€hrige Pride-Kollektion an und hat Partnerschaften mit Organisationen wie The Trevor Project und GLSEN geschlossen – beides Organisationen, die sich fĂŒr LGBTQ+-Jugendliche einsetzen.

Auswirkungen auf die Modeindustrie in Deutschland

Der Fall Jeffries wird auch in der deutschen Modebranche diskutiert. Ähnlich wie in den USA stehen hierzulande Fragen nach Machtmissbrauch und Ausbeutung im Vordergrund. Der Deutsche Moderat und die Initiative #FashionistDiversity haben in den letzten Jahren verstĂ€rkt auf bessere Arbeitsbedingungen und ethische Standards in der Modebranche gedrĂ€ngt.

In Deutschland betreibt Abercrombie & Fitch mehrere Filialen, unter anderem in Berlin, Hamburg, DĂŒsseldorf und MĂŒnchen. Das Unternehmen hat auch hier seine Marketingstrategie grundlegend verĂ€ndert und setzt auf DiversitĂ€t und Inklusion statt auf das frĂŒhere exklusive Image.

Bedeutung fĂŒr die LGBTQ+-Community

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland ist der Fall besonders beunruhigend. Einerseits hatte Abercrombie & Fitch unter Jeffries' FĂŒhrung in der schwulen Community eine große AnhĂ€ngerschaft. Andererseits werfen die MissbrauchsvorwĂŒrfe ein dĂŒsteres Licht auf die Ausbeutung junger MĂ€nner unter dem Deckmantel der Modeindustrie.

Deutsche LGBTQ+-Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) betonen, wie wichtig es ist, Machtstrukturen zu hinterfragen und gegen jede Form von Missbrauch vorzugehen – unabhĂ€ngig von der sexuellen Orientierung der Beteiligten.

Der Aufstieg und Fall von Abercrombie & Fitch unter Jeffries war bereits 2022 Gegenstand einer Netflix-Dokumentation. Die aktuellen Entwicklungen geben diesem Fall eine neue, noch gravierendere Dimension und verdeutlichen, wie weit der Schatten der Vergangenheit reichen kann.


Erfolg fĂŒr nichtbinĂ€re Reisende: Ryanair fĂŒhrt geschlechtsneutrale Anredeoption ein

In einem bedeutenden Schritt fĂŒr die Anerkennung nichtbinĂ€rer IdentitĂ€ten hat die irische Fluggesellschaft Ryanair eine geschlechtsneutrale Anredeoption auf ihrer Website eingefĂŒhrt. Seit dem 5. Mai können Reisende nun die Option "Mx (Mixter)" wĂ€hlen, wie queer.de berichtet. Diese Änderung ist das Ergebnis einer erfolgreichen Klage vor dem Berliner Landgericht und markiert einen wichtigen Meilenstein in der Gleichstellungsarbeit fĂŒr nichtbinĂ€re Menschen in Deutschland.

Eine Klage gegen Diskriminierung

Die EinfĂŒhrung der geschlechtsneutralen Anrede geht auf eine Klage von RenĂ©_ Rain Hornstein zurĂŒck, einer Person, die sich weder dem mĂ€nnlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnet. Als Hornstein 2021 ein Flugticket nach Gran Canaria buchen wollte, bot die Buchungsmaske nur die Optionen "Herr", "Frau" und "FrĂ€ulein" an. Dies empfand Hornstein als Verletzung des Persönlichkeitsrechts und berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Obwohl ursprĂŒnglich zum Schutz von Frauen und MĂ€nnern konzipiert, argumentieren Juristen zunehmend, dass es auch nichtbinĂ€re Personen vor Diskriminierung schĂŒtzen muss, da die GeschlechtsidentitĂ€t unter den Schutzbereich des Gesetzes fĂ€llt.

Außergerichtliche Einigung als Vorbild

Nach einer mĂŒndlichen Verhandlung am 19. MĂ€rz kam es zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen Ryanair und der klagenden Person. Die Fluggesellschaft reagierte mit einem Vergleichsvorschlag und verpflichtete sich, die Webseite innerhalb kurzer Zeit anzupassen. Mit der EinfĂŒhrung der Option "Mx (Mixter)" erfĂŒllte Ryanair diese Zusage.

"Heute ist ein guter Tag fĂŒr nichtbinĂ€re Menschen in Deutschland", kommentierte RenĂ©_ Rain Hornstein das Ergebnis. "Die Anpassung der Webseite von Ryanair zeigt, dass die notwendige technische Änderung in ĂŒberschaubarer Zeit und mit ĂŒberschaubarem Aufwand bewerkstelligt werden kann."

Begleitet wurde die Klage vom BĂŒro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. (BUG) und der tin Rechtshilfe. Hornsteins AnwĂ€ltin Friederike Boll betonte die Bedeutung dieser Änderung: "NichtbinĂ€re Personen mĂŒssen sich nun bei Ryanair nicht mehr durch fehlende Auswahloptionen beim Ticket-Kauf zur LĂŒge und Verleugnung ĂŒber ihr Geschlecht zwingen lassen."

Geschlechtsneutrale Anreden in Deutschland

Die Anrede "Mx" stammt aus dem englischen Sprachraum und wird dort als geschlechtsneutrale Alternative zu "Mr." oder "Mrs." verwendet. In Deutschland ist diese Anrede noch nicht offiziell anerkannt, wird aber von immer mehr Unternehmen und Institutionen verwendet, um der Vielfalt ihrer Kundschaft und Mitarbeitenden gerecht zu werden.

Seit einem wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Oktober 2017 ist es in Deutschland möglich, im Geburtenregister den Eintrag "divers" zu wĂ€hlen oder den Geschlechtseintrag offen zu lassen. Diese rechtliche Anerkennung hat zu einer breiteren Debatte ĂŒber die Notwendigkeit geschlechtsneutraler Anreden im Alltag gefĂŒhrt.

Precedenzfall fĂŒr andere Unternehmen

Der Fall Ryanair reiht sich in eine wachsende Zahl von rechtlichen Erfolgen fĂŒr nichtbinĂ€re Menschen ein. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bahn eine Ă€hnliche Klage vor dem Bundesgerichtshof verloren und musste ihre Anredepraxis Ă€ndern. Demnach darf das Unternehmen in der Kommunikation zur Bahncard oder bei Fahrkartenbuchungen nichtbinĂ€re Personen nicht mehr ausschließlich mit "Herr" oder "Frau" ansprechen.

Die Umsetzung geschlechtsneutraler Anreden bei Unternehmen in Deutschland ist allerdings noch uneinheitlich. Oft scheitert sie an technischen oder vermeintlich rechtlichen HĂŒrden. Der Fall Ryanair zeigt jedoch, dass die notwendigen Anpassungen mit ĂŒberschaubarem Aufwand umgesetzt werden können.

Herausforderungen bleiben bestehen

Trotz dieser positiven Entwicklung bleiben Herausforderungen bestehen. Internationale Standards und behördliche Vorgaben verlangen oft weiterhin eine binĂ€re Geschlechtsangabe, was zu Problemen fĂŒhren kann, wenn die Reisedokumente nicht mit den bei der Buchung gemachten Angaben ĂŒbereinstimmen.

FĂŒr nichtbinĂ€re Menschen in Deutschland bedeutet der Erfolg bei Ryanair dennoch einen wichtigen Schritt in Richtung gesellschaftlicher Anerkennung und Gleichbehandlung. Die kontinuierliche Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitenden in Unternehmen und Behörden wird entscheidend sein, um Diskriminierung zu vermeiden und eine inklusive Umgebung fĂŒr alle Menschen zu schaffen, unabhĂ€ngig von ihrer GeschlechtsidentitĂ€t.


Besorgniserregende Allianz: Österreichische Islamische Glaubensgemeinschaft kooperiert mit tĂŒrkischem Queerfeind

Der PrĂ€sident der staatlich-tĂŒrkischen Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbaß, hat kĂŒrzlich Wien besucht, um ein Kooperationsabkommen mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) zu unterzeichnen. Dies berichtet queer.de in einem aktuellen Artikel. Der Besuch und die Vereinbarung werfen beunruhigende Fragen auf, da Erbaß fĂŒr seine offen homophoben Äußerungen bekannt ist, die sowohl in der TĂŒrkei als auch international fĂŒr Empörung sorgten.

Hassreden mit staatlicher RĂŒckendeckung

Erbaß hatte in der Vergangenheit mehrfach mit queerfeindlichen Aussagen fĂŒr Schlagzeilen gesorgt. In einer Predigt behauptete er, dass der Sinn von HomosexualitĂ€t sei, "Krankheiten zu verbreiten und Generationen verfaulen zu lassen". Er rief GlĂ€ubige dazu auf, gemeinsam gegen Menschen vorzugehen, die er als "Arten des Bösen" bezeichnete. Bei einer anderen Gelegenheit nannte er den CSD "Ketzerei" und forderte, Kinder und Jugendliche vor "abartigen Konzepten" zu schĂŒtzen.

Statt einer Distanzierung der tĂŒrkischen Regierung erhielt Erbaß UnterstĂŒtzung vom höchsten Niveau. PrĂ€sident Recep Tayyip Erdoğan stellte sich demonstrativ hinter den ReligionsfĂŒhrer und erklĂ€rte dessen Aussagen fĂŒr "absolut richtig". Erdoğan ging sogar so weit zu behaupten, ein Angriff auf den Diyanet-Chef sei "ein Angriff auf den Staat", wie The Times of Israel berichtete.

Besorgniserregende Kooperation mit weitreichenden Folgen

Die nun unterzeichnete Vereinbarung zwischen IGGÖ und Diyanet soll laut offizieller Mitteilung die "Grundlage fĂŒr eine verstĂ€rkte bilaterale Zusammenarbeit" bilden. Besonders brisant ist dabei der geplante Ausbau der Kooperation in den Bereichen "wissenschaftlicher Forschung" und "theologischer Ausbildung". Die IGGÖ vertritt alle in Österreich lebenden Muslime – ĂŒber 700.000 Menschen – und ist unter anderem fĂŒr den Islamunterricht an österreichischen Schulen sowie die Ausbildung von Islamlehrer*innen zustĂ€ndig.

Besonders in Wien hat diese Entscheidung weitreichende Konsequenzen: Laut Daten der Stadt Wien gehören mittlerweile 41,2 Prozent der Kinder in den Volks- und Mittelschulen dem Islam an – mehr als jenen mit christlichem Glauben (34,5 Prozent). Die Einflussnahme einer Institution, deren Leiter offen queerfeindliche Positionen vertritt, auf die religiöse Bildung ist daher höchst problematisch.

Parallelen und Reaktionen in Deutschland

Auch in Deutschland haben die homophoben Äußerungen von Ali Erbaß fĂŒr Besorgnis gesorgt. Deutsche Politiker kritisierten den tĂŒrkischen Geistlichen scharf und betonten, dass die Situation fĂŒr LGBTIQ+-Personen in der TĂŒrkei zunehmend gefĂ€hrlich werde. Von den in Deutschland tĂ€tigen DİTİB-Imamen – die ebenfalls dem tĂŒrkischen Diyanet unterstehen – wurde explizit eingefordert, sich an die Grundwerte von Freiheit und Toleranz zu halten.

Im Gegensatz zur Situation in Österreich gibt es in Deutschland mit der Ibn-Rushd-Goethe Moschee in Berlin eine bekannte queerfreundliche muslimische Einrichtung. Sie steht fĂŒr einen modernen und liberalen Islam und bietet einen spirituellen Safe Space fĂŒr queere Muslim*innen. 2022 hisste die Moschee als erste weltweit die Regenbogenfahne – ein Zeichen, das in Österreich bislang fehlt. Alle Versuche, eine Ă€hnliche Einrichtung in Österreich zu etablieren, sind bisher gescheitert.

FragwĂŒrdige Distanzierung

Auf die Kritik an der Kooperation reagierte die IGGÖ gegenĂŒber der Zeitung "Der Standard" mit einer lauen ErklĂ€rung: Die Kooperationspartner seien "eigenstĂ€ndige Institutionen" und fĂŒr ihre Äußerungen "selbst verantwortlich". Nicht jede Aussage oder Position werde von der IGGÖ geteilt oder kommentiert. Man distanziere sich von "pauschalisierenden, diskriminierenden oder menschenverachtenden Aussagen".

Diese allgemeine Distanzierung wirft jedoch Fragen auf: Wie kann eine enge Zusammenarbeit in Bereichen wie theologischer Bildung gelingen, wenn fundamentale Wertevorstellungen zu Menschenrechten und Gleichberechtigung so weit auseinanderklaffen? Die IGGÖ trĂ€gt als verantwortliche Institution fĂŒr die religiöse Bildung muslimischer Kinder und Jugendlicher in Österreich eine besondere Verantwortung.

FĂŒr die LGBTIQ+-Community in Österreich sendet diese Kooperation ein beunruhigendes Signal. In einem Land, in dem es noch immer keine queerfreundliche Moschee gibt, verstĂ€rkt die Partnerschaft mit einem bekannten Verfechter homophober Ansichten die Isolation queerer Muslim*innen und erschwert die Entwicklung eines inklusiveren religiösen Umfelds.


Alarmierender Trend: Queerfeindliche Gewalt in Berlin erreicht neuen Höchststand – Teil eines bundesweiten Problems

Das 1990 gegrĂŒndete schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO hat im vergangenen Jahr 738 FĂ€lle und Hinweise auf Anfeindungen gegen queere Menschen in der Bundeshauptstadt Berlin registriert – so viele wie nie zuvor. Im Vergleich zu 2023 habe es einen Anstieg um acht Prozent gegeben, teilte die Beratungsstelle mit, wie queer.de berichtet. Diese beunruhigende Entwicklung ist jedoch kein isoliertes Berliner PhĂ€nomen, sondern spiegelt einen bundesweiten Trend wider.

Besorgniserregende bundesweite Statistiken

Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden 2023 deutschlandweit insgesamt 1.785 FĂ€lle von HasskriminalitĂ€t gegen LSBTIQ*-Personen registriert. Dies entspricht einem erschreckenden Anstieg von etwa 50 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, in dem 1.188 FĂ€lle erfasst wurden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete diese Zahlen als "erschreckend" und betonte die Notwendigkeit, queerfeindliche Gewalt klar zu benennen und gezielt zu verfolgen.

Besonders alarmierend: Die polizeilich erfassten Zahlen bilden vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. MANEO schĂ€tzt, dass in Berlin etwa 80 bis 90 Prozent der queerfeindlichen Übergriffe gar nicht zur Anzeige gebracht werden. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig: Viele Betroffene haben negative Erfahrungen mit Behörden gemacht, sind skeptisch gegenĂŒber Strafverfolgungsbehörden oder befĂŒrchten weitere Diskriminierung im Anzeigeprozess.

Öffentlicher Raum als Gefahrenzone

Allein 165 der in Berlin gemeldeten VorfĂ€lle ereigneten sich an öffentlichen Orten oder in Bussen und Bahnen. "Die Sichtbarkeit schwuler und bisexueller MĂ€nner, Lesben sowie Trans* und nicht-binĂ€rer Personen im öffentlichen Raum birgt ein hohes Risiko, allein deshalb beleidigt, gedemĂŒtigt oder körperlich angegriffen zu werden", erklĂ€rt MANEO. Ein konkretes Beispiel: Zwei schwule MĂ€nner wurden nach einem Kuss im Volkspark Friedrichshain von drei MĂ€nnern verprĂŒgelt – allein aufgrund ihrer sichtbaren Zuneigung zueinander.

Die Berliner PolizeiprĂ€sidentin Barbara Slowik hatte bereits vergangenes Jahr jĂŒdischen und homosexuellen Menschen geraten, in bestimmten Teilen der Bundeshauptstadt besondere Vorsicht walten zu lassen. Sie wĂŒrde "Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein".

Zunehmende Angriffe auf queere Einrichtungen und Gedenkorte

Besonders beunruhigend ist die stark gestiegene Zahl der Übergriffe auf queere Einrichtungen und Gedenkorte. MANEO registrierte 62 solcher FĂ€lle – ein Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Darunter fallen Angriffe auf das Denkmal fĂŒr die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus, aber auch SachbeschĂ€digungen an queeren Einrichtungen, die mit Eiern, GetrĂ€nkedosen und Steinen beworfen wurden. Zudem wurden AnschlĂ€ge angedroht und Schaufenster beschĂ€digt.

Laut dem Berliner Monitoring wurden 2023 insgesamt 588 queerfeindliche Straftaten polizeilich erfasst, was ebenfalls einen neuen Höchststand darstellt. Auch die Zahl der Gewaltdelikte war mit 127 FÀllen auf einem deutlich erhöhten Niveau.

Anstieg von Dating-App-Fallen

Eine besonders perfide Form queerfeindlicher Angriffe findet ĂŒber Dating-Portale statt. MANEO berichtet, dass TĂ€ter gezielt in Dating-Apps eindringen, um potenzielle Opfer in Fallen zu locken. Die Absicht: Schwule und bisexuelle MĂ€nner auszurauben und ihnen Verletzungen zuzufĂŒgen. Diese Form der gezielten Gewalt zeigt, wie systematisch manche TĂ€tergruppen vorgehen und welche Risiken fĂŒr queere Menschen auch im digitalen Raum bestehen.

Gesellschaftliches Klima verschÀrft sich

Experten sehen eine VerschĂ€rfung des gesellschaftlichen Klimas gegenĂŒber queeren Menschen. Mara Geri vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) betont, dass sich die Situation im vergangenen Jahr noch einmal deutlich verschlechtert habe. Als Ursache identifiziert sie vor allem rechtsextreme Stimmungsmache und Desinformation, die zur DĂ€monisierung von LSBTIQ*-Personen beitragen.

Der LSVD fordert die Bundesregierung auf, durch Gesetzesanpassungen unmissverstĂ€ndlich fĂŒr die Sicherheit und Menschenrechte von LSBTIQ*-Personen einzutreten. Gleichzeitig ist es wichtig, Betroffenen niedrigschwellige UnterstĂŒtzungs- und Beratungsangebote zur VerfĂŒgung zu stellen.

Besonders gefÀhrdet: Trans* Personen

WÀhrend die Mehrheit der erfassten Opfer queerfeindlicher Gewalt mÀnnlich ist, nehmen trans*feindliche Straftaten einen besonderen Stellenwert ein. Trans* Personen sind oft besonders sichtbar und damit verwundbarer im öffentlichen Raum. Die zunehmende Polarisierung der gesellschaftlichen Debatte um Trans*-Rechte scheint diese Tendenz zu verstÀrken.

Was getan werden muss

MANEO fordert den Erhalt und Ausbau von Opferberatungsangeboten sowie einen besseren Schutz fĂŒr Personen und Einrichtungen der queeren Szene. Die Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft haben zwar bereits eigene Ansprechpartner*innen fĂŒr queere Menschen etabliert, doch reicht dies offensichtlich nicht aus, um das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden zu stĂ€rken und die Anzeigebereitschaft zu erhöhen.

Um queerfeindliche Gewalt effektiv zu bekĂ€mpfen, braucht es einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz: Sensibilisierung in Bildungseinrichtungen, konsequente Strafverfolgung, niedrigschwellige Hilfsangebote fĂŒr Betroffene und ein klares politisches Bekenntnis zu den Rechten und der Sicherheit queerer Menschen. Die alarmierenden Zahlen machen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht – in Berlin und in ganz Deutschland.


Kritische Betrachtung einer Gewalttat in MĂŒnchen: Über Verantwortungsvolle Kriminalberichterstattung

Die Nachricht ĂŒber eine Gewalttat in einem MĂŒnchner Bordell wurde kĂŒrzlich von mehreren Medien aufgegriffen. Wie queer.de berichtet, kam es zu einer gefĂ€hrlichen Auseinandersetzung, bei der ein 33-jĂ€hriger Mann eine Stichverletzung im RĂŒckenbereich erlitt und eine 41-jĂ€hrige Person, die in dem Etablissement arbeitete, festgenommen wurde.

Die Fakten zum Vorfall

Laut Polizeibericht ereignete sich der Vorfall am Sonntagabend in einem MĂŒnchner Bordell. Nach einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den beteiligten Personen kam es zu der Gewalttat. Das Opfer brach spĂ€ter auf offener Straße zusammen und wurde von Zeug*innen entdeckt, die den Rettungsdienst alarmierten. Die mutmaßliche Tatwaffe wurde sichergestellt, zudem wurden im Bordell Drogen gefunden und beschlagnahmt. Die festgenommene Person sollte einem Haftrichter vorgefĂŒhrt werden.

Über die HintergrĂŒnde und Motive der Auseinandersetzung liegen derzeit keine gesicherten Informationen vor. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Kritische Reflexion zur Berichterstattung

AuffĂ€llig an der Berichterstattung zu diesem Vorfall ist die prominente Hervorhebung der GeschlechtsidentitĂ€t einer beteiligten Person bereits in der Überschrift. Dies wirft wichtige Fragen zur medialen Darstellung von trans Personen auf. In der journalistischen Ethik gilt grundsĂ€tzlich, dass persönliche Merkmale wie GeschlechtsidentitĂ€t, sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft oder Religion nur dann erwĂ€hnt werden sollten, wenn sie fĂŒr das VerstĂ€ndnis des Geschehens relevant sind.

Der Deutsche Pressekodex betont in Ziffer 12, dass bei der Berichterstattung ĂŒber Straftaten die Zugehörigkeit der VerdĂ€chtigen zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwĂ€hnt werden soll, wenn fĂŒr das VerstĂ€ndnis des berichteten Vorgangs ein begrĂŒndbarer Sachbezug besteht. Diese Richtlinie lĂ€sst sich sinngemĂ€ĂŸ auch auf die GeschlechtsidentitĂ€t anwenden.

Kontext in Deutschland

In Deutschland werden Straftaten von und gegen LGBTQ+ Personen seit 2020 in der polizeilichen Kriminalstatistik gesondert erfasst. Nach Angaben des Bundeskriminalamts handelt es sich dabei ĂŒberwiegend um HasskriminalitĂ€t gegen queere Menschen, nicht um Straftaten, die von LGBTQ+ Personen begangen werden.

Die Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) und andere Organisationen wie TransInterQueer e.V. weisen regelmĂ€ĂŸig darauf hin, dass trans Personen in den Medien oft verzerrt dargestellt werden und EinzelfĂ€lle dazu beitragen können, negative Stereotype zu verstĂ€rken.

Verantwortungsvolle Kriminalberichterstattung

Eine differenzierte Kriminalberichterstattung sollte den Fokus auf die Tat und ihre UmstĂ€nde legen, nicht auf unverĂ€nderliche Merkmale der beteiligten Personen, wenn diese fĂŒr den Tathergang nicht relevant sind. Dies gilt insbesondere bei der Berichterstattung ĂŒber marginalisierte Gruppen, die ohnehin mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert sind.

Straftaten sollten grundsĂ€tzlich als individuelle Handlungen betrachtet werden und nicht als reprĂ€sentativ fĂŒr bestimmte Bevölkerungsgruppen. Die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung bietet hierzu umfassende Materialien zur Medienethik und verantwortungsvollen Berichterstattung an.

Fazit

WÀhrend die Gewalttat an sich selbstverstÀndlich verurteilt werden muss und die juristischen Konsequenzen ihren Lauf nehmen sollten, ist eine kritische Reflexion der medialen Darstellung solcher VorfÀlle unerlÀsslich. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung trÀgt dazu bei, Stigmatisierung zu vermeiden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stÀrken.

Wir bei Pride.Direct setzen uns fĂŒr eine differenzierte und respektvolle Darstellung aller Menschen ein und appellieren an Medienschaffende, bei der Berichterstattung ĂŒber Straftaten die relevanten ethischen GrundsĂ€tze zu beachten.


Abschluss eines Skandals: Jussie Smollett und die Lehren aus vorgetÀuschten Hassverbrechen

Der Fall des offen schwulen US-Schauspielers Jussie Smollett scheint nach mehr als sechs Jahren seinen Abschluss zu finden. Wie queer.de berichtet, hat sich der ehemalige "Empire"-Star vergangene Woche mit der Stadt Chicago auf die Zahlung einer Geldstrafe geeinigt. Laut n-tv belĂ€uft sich die Summe auf 25.000 Dollar – ein vergleichsweise geringer Betrag, wenn man bedenkt, dass die Stadt ursprĂŒnglich 130.000 Dollar fĂŒr die Kosten der Ermittlungen gefordert hatte.

Die Chronologie eines vorgetÀuschten Hassverbrechens

Die AffĂ€re begann im Januar 2019, als Smollett behauptete, in Chicago nachts auf offener Straße von zwei maskierten MĂ€nnern angegriffen worden zu sein. Er schilderte, dass die Angreifer ihn rassistisch und homophob beleidigt und ihm einen Strick um den Hals gelegt hĂ€tten. Der vermeintliche Vorfall löste eine Welle der SolidaritĂ€t aus und machte weltweit Schlagzeilen.

Doch schon bald kamen Zweifel an Smolletts Darstellung auf. Die Ermittlungen der Chicagoer Polizei ergaben, dass der Schauspieler zwei Bekannte bezahlt hatte, um den Angriff zu inszenieren. Im Dezember 2021 wurde er wegen VortĂ€uschung einer Straftat schuldig gesprochen und zu 150 Tagen Haft verurteilt, von denen er aufgrund eines Berufungsantrags nur sechs Tage verbĂŒĂŸte. Bemerkenswert ist, dass die Verurteilung im November 2024 wegen Verfahrensfehlern aufgehoben wurde.

Falsche Anschuldigungen und ihre Folgen fĂŒr die LGBTQ+-Gemeinschaft

Der Fall Smollett hat weit ĂŒber die USA hinaus Diskussionen ĂŒber die GlaubwĂŒrdigkeit von Hassverbrechensberichten ausgelöst. FĂŒr die LGBTQ+-Community sind solche VorfĂ€lle besonders problematisch, da sie echten Opfern von Hassverbrechen schaden können. Wenn Menschen, die tatsĂ€chlich Opfer homophober oder transphober Gewalt werden, nicht mehr ernst genommen werden, hat dies schwerwiegende Folgen.

Auch in Deutschland sind vorgetĂ€uschte Straftaten ein Thema, wenngleich nicht in der medialen Dimension des Smollett-Falls. Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) betont die Wichtigkeit, dass Betroffene von LGBTQ+-feindlicher Gewalt VorfĂ€lle melden und Hilfe in Anspruch nehmen, damit ein realistisches Bild ĂŒber das Ausmaß homophober und transphober Gewalt entsteht.

Deutsche Parallelen und rechtliche Konsequenzen

In Deutschland ist das VortĂ€uschen einer Straftat nach §145d des Strafgesetzbuchs strafbar und kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Dies gilt auch fĂŒr vorgetĂ€uschte Hassverbrechen. Im Vergleich zum US-Rechtssystem sind die Verfahren in Deutschland jedoch oft weniger öffentlichkeitswirksam.

Die deutsche Polizei erfasst seit 2017 systematisch LGBTQ+-feindliche Straftaten als Teil politisch motivierter KriminalitĂ€t. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums ist die Zahl dieser Delikte in den letzten Jahren gestiegen – ein Umstand, der die Bedeutung authentischer Berichterstattung und ernsthafter Auseinandersetzung mit tatsĂ€chlichen Hassverbrechen unterstreicht.

Lehren aus dem Fall Smollett

Der Fall Jussie Smollett zeigt, wie wichtig verantwortungsvoller Journalismus und kritisches Denken sind. Vorschnelle Urteile und Sensationsgier können sowohl den Beschuldigten als auch gesellschaftliche Gruppen nachhaltig schĂ€digen. Gleichzeitig darf der Fall nicht dazu fĂŒhren, dass legitime Berichte ĂŒber Hassverbrechen generell in Zweifel gezogen werden.

FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland und weltweit bleibt es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden: Einerseits mĂŒssen Betroffene von Hassverbrechen ernstgenommen und unterstĂŒtzt werden, andererseits mĂŒssen Anschuldigungen sorgfĂ€ltig geprĂŒft werden. Organisationen wie Maneo in Berlin, die grĂ¶ĂŸte deutsche Beratungsstelle fĂŒr schwule und bisexuelle MĂ€nner, bieten wichtige Anlaufstellen fĂŒr Opfer homophober Gewalt und tragen zur sachlichen Dokumentation bei.

Smollett selbst hat trotz der Einigung mit der Stadt Chicago weiterhin seine Unschuld beteuert. FĂŒr seine Karriere hatte der Skandal verheerende Folgen – er wurde aus der Serie "Empire" entfernt und erhielt kaum neue Rollenangebote. Ob die jetzige Einigung ihm einen Neuanfang ermöglichen wird, bleibt abzuwarten.


RĂŒckschritt bei LGBTQ+ ReprĂ€sentation: Deutsches Fernsehen fĂ€llt bei DiversitĂ€t zurĂŒck

Eine neue Untersuchung des Medienprojekts QUEERmdb zeigt einen besorgniserregenden Trend: Die Sichtbarkeit queerer Inhalte im deutschen Fernsehen ist erstmals seit Jahren rĂŒcklĂ€ufig. Der jĂ€hrlich durchgefĂŒhrte "LGBTVscan 2024" offenbart, dass von ĂŒber 15.000 untersuchten Filmen und Serienepisoden lediglich 740 eine fĂŒr die Handlung relevante LGBTQ+-Figur enthielten – ein RĂŒckgang von 2,6 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.

Öffentlich-rechtliche Sender bleiben Vorreiter – mit EinschrĂ€nkungen

Nach wie vor zeigt sich eine deutliche Kluft zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. WĂ€hrend 540 der 740 Filme mit queeren Inhalten auf öffentlich-rechtlichen KanĂ€len liefen, waren es bei den Privatsendern nur 200. Besonders auffĂ€llig ist der starke RĂŒckgang beim RBB, der 34 Prozent weniger Filme mit queerem Bezug ausstrahlte. Erfreulich ist hingegen, dass ZDF, HR, ZDFneo, WDR und SWR leichte Steigerungen verzeichneten, wĂ€hrend BR, 3sat und MDR sogar zwischen 20 und 30 Prozent mehr queere Inhalte zeigten.

Der Vergleich mit anderen Medienplattformen unterstreicht die Problematik: WĂ€hrend im Kino (10,4%), auf DVD/Blu-ray (9,3%), bei Netflix (8,9%) und Amazon Prime (8,2%) deutlich mehr queere Inhalte zu finden sind, bleibt das deutsche Fernsehen mit 4,9% das mit Abstand am wenigsten diverse Medium fĂŒr Langfilme.

Privatsender: Gemischte Entwicklung mit bedenklichen Trends

Bei den Privatsendern zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Sechs von elf kommerziellen Sendern strahlten im vergangenen Jahr weniger Produktionen mit queerem Bezug aus. Besonders negativ fiel Tele 5 mit einem RĂŒckgang von 30,6 Prozent auf. Andererseits konnte sixx seinen Anteil steigern, und SuperRTL zeigte sogar mehr als doppelt so viele queere Sendungen wie im Vorjahr. Die Schlusslichter bilden Pro7MAXX und RTL mit erschreckend niedrigen Zahlen.

Bedenklich ist auch, dass zur Primetime zwischen 20:15 und 22:00 Uhr nach wie vor kaum queere Filme gezeigt werden. Diese Randplatzierung trĂ€gt laut QUEERmdb zur "Marginalisierung von queeren Menschen bei und verringert ihre Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit". In Zeiten zunehmender Trans- und Homofeindlichkeit sei dies "Teil des Problems".

Die #ActOut-Bewegung und der Kampf um Sichtbarkeit

Der aktuelle RĂŒckgang steht im Kontrast zu den BemĂŒhungen der ActOut-Bewegung, die sich fĂŒr mehr LGBTQ+-ReprĂ€sentation vor und hinter der Kamera einsetzt. Im Februar 2021 outeten sich 185 deutschsprachige Schauspieler*innen gemeinsam in der SĂŒddeutschen Zeitung, um auf die mangelnde Sichtbarkeit und Diskriminierung in der Branche aufmerksam zu machen. Diese Initiative hatte zunĂ€chst positive Impulse gesetzt, die nun durch die aktuellen Zahlen gedĂ€mpft werden.

Deutschland im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich zeigt sich ein widersprĂŒchliches Bild: Einerseits weist Deutschland eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTQ+-Personen auf – laut einer Studie des Pew Research Center halten 87 Prozent der Deutschen HomosexualitĂ€t fĂŒr akzeptabel. Andererseits spiegelt sich diese Akzeptanz nicht angemessen in der medialen ReprĂ€sentation wider, wie die aktuelle Untersuchung zeigt.

QualitÀt statt QuantitÀt?

Neben der reinen Anzahl queerer Inhalte bleibt auch die Frage nach der QualitĂ€t der Darstellung relevant. Von den 740 Filmen mit queerem Bezug hatten nur 110 eine "LGBT-Hauptthematik" – das entspricht gerade einmal 0,7 Prozent aller ausgestrahlten Filme. Zudem bestanden ĂŒber drei Viertel (76,4 Prozent) der gezeigten queeren Sendungen aus Wiederholungen. Nur 26 der gesamten 740 Filme waren tatsĂ€chliche TV-Premieren – davon lief genau einer auf einem privaten Sender (SuperRTL).

Bemerkenswert ist dabei die Rolle der Filmreihen "RBB Queer", "BR Queer" und "WDR Queer", die fĂŒr 11 der 26 Erstausstrahlungen verantwortlich waren und damit eine wichtige Plattform fĂŒr neue queere Filme bieten.

Fazit: Ein Weckruf fĂŒr die deutsche Medienlandschaft

Die aktuellen Zahlen des "LGBTVscan 2024" sollten als Weckruf fĂŒr die deutsche Fernsehlandschaft verstanden werden. In einer Zeit, in der weltweit und auch in Deutschland Angriffe auf die LGBTQ+-Community zunehmen, ist eine angemessene mediale ReprĂ€sentation unverzichtbar. Die deutsche Fernsehlandschaft steht vor der Herausforderung, den erkennbaren RĂŒckschritt zu ĂŒberwinden und vielfĂ€ltigere Inhalte anzubieten – nicht nur in Nischenprogrammen, sondern gerade auch zur Primetime.

Dass das Interesse an queeren Inhalten grundsĂ€tzlich vorhanden ist, zeigen die höheren Anteile bei Streaming-Diensten, im Kino und auf dem DVD/Blu-ray-Markt. Die Fernsehsender – insbesondere die privaten – sind nun gefordert, dieser Nachfrage gerecht zu werden und ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz und NormalitĂ€t von LGBTQ+-LebensrealitĂ€ten zu leisten.


Gericht kritisiert dreiwöchige Mpox-QuarantĂ€ne: Eine Frage der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit

Ein 39-jĂ€hriger MĂŒnchner hat teilweise erfolgreich gegen eine dreiwöchige Zwangs-QuarantĂ€ne geklagt, die ihm nach einer Mpox-Infektion auferlegt wurde. Wie die SĂŒddeutsche Zeitung berichtete, entschied das Verwaltungsgericht MĂŒnchen, dass die Dauer der angeordneten Isolation in diesem Fall "unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig" gewesen sei.

Der Fall im Detail

Das Gesundheitsamt hatte 2022 verfĂŒgt, dass der Betroffene vom 30. Juni bis 13. Juli seine Wohnung nicht verlassen dĂŒrfe. Der KlĂ€ger war jedoch bereits ab dem 22. Juni freiwillig acht Tage zu Hause geblieben, nachdem er bei sich Mpox-Symptome festgestellt hatte. Am 8. Juli teilte er dem Gesundheitsreferat mit, dass er keine Symptome mehr habe – der QuarantĂ€nebescheid wurde dennoch nicht aufgehoben.

"Ich durfte nicht mal draußen spazieren gehen. Das kann ich bis heute nicht nachvollziehen", sagte der 39-JĂ€hrige wĂ€hrend der Verhandlung am Mittwoch. "Denn wie hĂ€tte ich jemanden anstecken sollen?" TatsĂ€chlich werden Mpox-Infektionen hauptsĂ€chlich durch engen Körperkontakt ĂŒbertragen, wie auch das Robert Koch-Institut (RKI) bestĂ€tigt.

Das Urteil und seine Bedeutung

Das Verwaltungsgericht MĂŒnchen befand, dass grundsĂ€tzlich nichts gegen die "angeordnete Absonderung" einzuwenden sei, kritisierte jedoch die Dauer der Maßnahme als unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig. Nach Ansicht des Gerichts hĂ€tte man die QuarantĂ€ne aufheben können, nachdem die Symptome abgeklungen waren. Beanstandet wurde außerdem die Androhung eines Zwangsgelds durch das Gesundheitsamt – stattdessen wĂ€re allenfalls "die Absonderung in einem Krankenhaus" in Frage gekommen.

Das Urteil könnte wegweisend fĂŒr den Umgang mit Mpox-Infektionen sein, da es die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit behördlicher Maßnahmen in den Fokus rĂŒckt. Laut den aktuellen RKI-Richtlinien kann die Isolierung beendet werden, wenn keine Allgemeinsymptome mehr bestehen und nicht-abdeckbare HautlĂ€sionen verheilt sind.

Mpox in Deutschland

In Deutschland wurden seit Mai 2022 Mpox-FĂ€lle verzeichnet, vorwiegend bei MĂ€nnern, die Sex mit MĂ€nnern haben (MSM). Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt daher eine Impfung fĂŒr Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko. Das RKI schĂ€tzt die GefĂ€hrdung fĂŒr die breite Bevölkerung derzeit als gering ein, beobachtet aber die Situation weiterhin genau.

Seit Oktober 2023 werden in Deutschland vereinzelt FĂ€lle einer Mpox-Infektion durch Klade Ib nachgewiesen, die meist mit im Ausland erworbenen Infektionen zusammenhĂ€ngen. Experten gehen davon aus, dass die verfĂŒgbaren Impfstoffe auch gegen diese Variante wirksam sind.

PrÀvention und Schutz

Das RKI und die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) empfehlen die Impfung fĂŒr Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, insbesondere fĂŒr Personen mit hĂ€ufig wechselnden Sexualpartnern. Eine Impfung ist auch bis zu 14 Tage nach Kontakt zu infizierten Personen sinnvoll.

Kondome können das Infektionsrisiko verringern, aber nicht vollstĂ€ndig verhindern. Solange ein Übertragungsrisiko besteht, sollten Personen mit Mpox und deren Partner auf jeglichen Sex, BerĂŒhrungen und KĂŒsse verzichten.

Im Falle des MĂŒnchner KlĂ€gers mĂŒssen laut Urteil der Betroffene und die Stadt die Kosten des Verfahrens je zur HĂ€lfte tragen – ein Kompromiss, der die teilweise erfolgreiche Klage widerspiegelt.


Finanzierungskrise beim CSD Berlin: US-Unternehmen ziehen sich zurĂŒck – „Nie wieder still" trotz Geldsorgen

Der Berliner CSD-Verein schlĂ€gt Alarm: Kurz vor Beginn des Pride-Sommers fehlen rund 200.000 Euro an geplanten Einnahmen, da mehrere internationale Unternehmen ihr Engagement zurĂŒckgefahren haben. Wie queer.de berichtet, stellt dies eine "existenzielle Herausforderung" fĂŒr die Veranstaltung dar. Als Reaktion haben die Organisator*innen eine Spendenkampagne ins Leben gerufen.

Politischer Gegenwind aus den USA

Die Finanzierungskrise beim Berliner CSD steht nicht allein. Auch der CSD Köln meldete vor wenigen Tagen, dass sich mehrere amerikanische Sponsor*innen zurĂŒckgezogen haben. Der Grund fĂŒr diesen Trend scheint klar: Laut Recherchen des Mannschaft Magazins gibt es verstĂ€rkten politischen Druck auf US-Unternehmen, sich von LGBTQ+-Themen zu distanzieren. Besonders im Vorfeld der US-PrĂ€sidentschaftswahlen scheinen Diversity, Equity & Inclusion (DEI)-Programme bei vielen Konzernen auf dem PrĂŒfstand zu stehen.

Thomas Hoffmann vom CSD-Vorstand erklĂ€rt die prekĂ€re Situation: "Wir können den CSD in diesem Jahr irgendwie finanzieren – aber langfristig wird das nicht reichen. Ohne zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung geraten gerade jene Angebote unter Druck, die den CSD wirklich fĂŒr alle zugĂ€nglich machen oder zum Kern unserer politischen Arbeit gehören: Barrierearme Maßnahmen, Angebote auf der Abschlusskundgebung, wirksame politische Kampagnen und Veranstaltungen im Pride Month."

Wirtschaftliche Faktoren verschÀrfen die Lage

Neben dem politischen Klima in den USA spielt auch die angespannte wirtschaftliche Situation in Deutschland eine Rolle. In Zeiten knapper Budgets streichen viele Unternehmen zuerst bei Diversity-Initiativen, wie der Kölner Express berichtet. Diese doppelte Belastung trifft Pride-Veranstaltungen in ganz Deutschland, wobei Berlin und Köln als grĂ¶ĂŸte Events besonders betroffen sind.

Der RĂŒckzug internationaler Sponsoren wirft grundsĂ€tzliche Fragen zur Finanzierung von Pride-Veranstaltungen auf. WĂ€hrend das Corporate Sponsoring in den letzten Jahren stark zugenommen hatte, wird nun deutlich, wie anfĂ€llig dieses Modell fĂŒr politische und wirtschaftliche Schwankungen ist.

"Nie wieder still" – trotz finanzieller Sorgen

Trotz der finanziellen Herausforderungen bekrĂ€ftigt der CSD Berlin seine Entschlossenheit, an dem diesjĂ€hrigen Motto "Nie wieder still" festzuhalten. Dieses wird von bundesweit 45 Prides verwendet und soll ein klares Zeichen setzen, dass die Community nicht schweigen wird, "wenn unsere Rechte zu bloßer Verhandlungsmasse degradiert werden".

Marcel Voges vom CSD-Berlin-Vorstand betont: "Unsere Gegner*innen mögen hoffen, dass wir kleiner, leiser oder gar unsichtbar werden. Das Gegenteil wird passieren. Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, PrÀsenz zu zeigen. Deshalb wird es auch immer einen Berliner CSD geben."

Community-UnterstĂŒtzung als neues Fundament?

Als Reaktion auf die FinanzierungslĂŒcke setzt der CSD Berlin verstĂ€rkt auf UnterstĂŒtzung aus der Community. Die gestartete Spendenkampagne soll nicht nur kurzfristig das finanzielle Loch stopfen, sondern langfristig zu einer diverseren Finanzierungsbasis beitragen. Ähnliche AnsĂ€tze werden auch bei anderen Pride-Veranstaltungen diskutiert, um unabhĂ€ngiger von einzelnen Großsponsoren zu werden.

Diese Entwicklung könnte zu einer Neuausrichtung der Pride-Bewegung in Deutschland fĂŒhren. WĂ€hrend in den vergangenen Jahren die kommerzielle Seite der Events oft kritisiert wurde, könnte die aktuelle Krise paradoxerweise zu einer RĂŒckbesinnung auf die politischen Wurzeln der Bewegung fĂŒhren – mit stĂ€rkerer Einbindung der Community nicht nur als Teilnehmende, sondern auch als finanzielle TrĂ€ger*innen.

Ausblick: SolidaritÀt in unsicheren Zeiten

Die Situation beim CSD Berlin ist symptomatisch fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Entwicklung: In Zeiten zunehmender politischer Polarisierung werden LGBTQ+-Rechte wieder verstĂ€rkt zum Spielball politischer Interessen. Die finanzielle Unsicherheit bei Pride-Veranstaltungen spiegelt diese gesellschaftliche Dynamik wider.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community bedeutet dies, dass SolidaritĂ€t und eigenes Engagement wieder stĂ€rker gefragt sind. Ob der CSD Berlin sein finanzielles Ziel durch Spenden erreichen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist jedoch: Die Community lĂ€sst sich nicht zum Schweigen bringen – ganz im Sinne des Mottos "Nie wieder still".


Trump-Regierung fördert Trans-"Konversionstherapie" - Deutsche Gesetze bieten nur unzureichenden Schutz

Das amerikanische Gesundheitsministerium hat am Donnerstag einen 400-seitigen Bericht veröffentlicht, der trans Menschen statt medizinischer Geschlechtsangleichung eine sogenannte "explorative Therapie" empfiehlt – ein Euphemismus fĂŒr Konversionstherapie. Diese Entwicklung wirft auch in Deutschland Fragen zum Schutz von trans Personen auf, wo seit 2020 lediglich ein Teilverbot dieser umstrittenen Praxis besteht.

Orwellsche Umdeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Die Trump-Administration behauptet, es gĂ€be "immer mehr wissenschaftliche Beweise" fĂŒr die Risiken geschlechtsangleichender Maßnahmen – obwohl der Bericht selbst einrĂ€umt, dass Beweise "dĂŒnn und uneindeutig" seien. LGBTI-Organisationen bezeichnen diese Kommunikation als "orwellsch" und als gefĂ€hrliche Leugnung jahrzehntelanger Forschung. Shannon Minter vom "National Center for Lesbian Rights" kritisiert: "Der neue Bericht missachtet Jahrzehnte von wissenschaftlichen Erkenntnissen und ersetzt diese durch Propaganda."

Die RealitĂ€t sieht anders aus: Eine Studie der Princeton-UniversitĂ€t von 2023 belegt, dass 96 Prozent der trans Menschen geschlechtsanpassende Maßnahmen in ihrer Jugend nicht bereuten – eine höhere Zufriedenheitsrate als bei vielen anderen medizinischen Eingriffen wie Knieoperationen, die etwa 20 Prozent der Patienten spĂ€ter bereuen.

Deutschland: LĂŒckenhaftes Verbot mit Schlupflöchern

Die Situation in Deutschland unterscheidet sich zwar von den USA, weist jedoch beunruhigende Parallelen auf. Das 2020 eingefĂŒhrte Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen (KonvBehSchG) verbietet diese Praktiken nur bei MinderjĂ€hrigen vollstĂ€ndig. Bei Erwachsenen sind sie nur verboten, wenn die Einwilligung durch Zwang, Drohung oder TĂ€uschung zustande kommt. Selbst Jugendliche können unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin solchen "Therapien" unterzogen werden.

LGBTI-Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland fordern seit langem die Beseitigung dieser Ausnahmeregelungen und ein umfassendes Verbot ohne Schlupflöcher. Die aktuelle Diskussion in den USA könnte den Druck auf die deutsche Bundesregierung erhöhen, diese Forderungen endlich umzusetzen.

Globaler Konsens gegen "Konversionstherapien"

Der WeltĂ€rztebund stellte erst 2023 klar, dass Konversionstherapien eine "Bedrohung fĂŒr die Gesundheit und die Menschenrechte" darstellen und zu schwerwiegenden Folgen wie AngstzustĂ€nden, Depressionen und erhöhtem Suizidrisiko fĂŒhren können. Auch die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung lehnt solche Praktiken entschieden ab und betont, dass Transgeschlechtlichkeit keine Krankheit ist, die "geheilt" werden mĂŒsste.

Der Vorstoß der Trump-Administration steht im krassen Gegensatz zu dieser wissenschaftlichen EinschĂ€tzung und reiht sich in eine Serie von Maßnahmen ein, mit denen die Rechte von trans Menschen in den USA systematisch beschnitten werden – vom MilitĂ€rdienstverbot bis hin zu EinschrĂ€nkungen im Sportbereich.

Anonyme Autoren – legitime Fachexpertise?

Besonders beunruhigend: Die Autoren des umstrittenen Berichts bleiben anonym – angeblich um die "IntegritĂ€t des Prozesses" zu schĂŒtzen. Dies weckt Zweifel an ihrer Fachkompetenz und möglichen Interessenkonflikten. In Deutschland wĂ€re eine solche Geheimhaltung in einem vergleichbaren offiziellen Dokument kaum denkbar und wĂŒrde vermutlich auf entschiedenen Widerstand stoßen.

Die jĂŒngste Entwicklung in den USA macht deutlich, wie fragil die Fortschritte bei LGBTQ+-Rechten sein können und wie wichtig ein umfassender gesetzlicher Schutz ist. FĂŒr Deutschland bedeutet dies: Das bestehende Teilverbot von Konversionstherapien reicht nicht aus. Eine umfassende Reform, die den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zur GeschlechtsidentitĂ€t gerecht wird und trans Menschen vollstĂ€ndig vor schĂ€dlichen Praktiken schĂŒtzt, ist ĂŒberfĂ€llig.


Alarmierende Bilanz: 40% aller Pride-Veranstaltungen in Deutschland 2024 angegriffen

Das Autor*innenkollektiv Feministische Intervention (AK Fe.In) hat in einem aktuellen Bericht erstmals ein umfassendes Bild der Mobilisierungen gegen CSD-Veranstaltungen in Deutschland erstellt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Nur 60 Prozent aller 209 analysierten Pride-Events im Jahr 2024 verliefen störungsfrei.

Die erschreckenden Zahlen hinter den Angriffen

Die Analyse des AK Fe.In deckt sich mit weiteren Untersuchungen wie jener des Center fĂŒr Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das zwischen Juni und September 2024 bundesweit in 27 StĂ€dten rechtsextreme Mobilisierungen gegen CSD-Veranstaltungen verzeichnete. Das Bundesinnenministerium zĂ€hlte fĂŒr denselben Zeitraum 22 organisierte Proteste gegen Pride-Events.

NSU Watch berichtet, dass 40% der CSDs und Pride-Veranstaltungen bundesweit auf unterschiedliche Weise angegriffen wurden. Bei 32,5% der Veranstaltungen kam es zu Störungen, SachbeschÀdigungen, verbalen und/oder körperlichen Angriffen auf Teilnehmende. Besonders besorgniserregend: Laut AK Fe.In handelt es sich dabei nur um das "Hellfeld" - es muss davon ausgegangen werden, dass viele Anfeindungen nicht öffentlich gemacht wurden.

Kein neues PhÀnomen, aber eine neue Dimension

Die Autor*innen des Berichts betonen, dass Mobilisierungen gegen Prides kein neues PhĂ€nomen sind. "Extrem rechte Akteur*innen hetzen seit langer Zeit gegen queere Personen und Pride-Veranstaltungen", heißt es im Bericht. So versuchte beispielsweise die neonazistische Kleinpartei "Der III. Weg" bereits 2021, gegen CSDs zu mobilisieren.

Neu hingegen ist das Ausmaß und die IntensitĂ€t der Angriffe. Die AktivitĂ€ten waren dezentral organisiert, erreichten aber in der Summe die grĂ¶ĂŸte rechtsextreme Mobilisierung der letzten Jahre. Besonders in Sachsen waren die Mobilisierungen stark ausgeprĂ€gt - in Bautzen demonstrierten etwa 700 Neonazis gegen 1.000 CSD-Teilnehmer*innen.

Die Akteure hinter den Angriffen

An den Anti-Pride-Demonstrationen beteiligten sich sowohl AnhÀnger der etablierten Neonazi-Szene als auch Mitglieder neuer rechtsextremer Jugendbewegungen. Viele dieser neuen Gruppen haben laut CeMAS erst durch die Teilnahme an Anti-CSD-Demonstrationen an Zugkraft gewonnen. Sie sind oft jung, online aktiv und gewaltbereiter als Àltere rechtsextreme Gruppierungen.

Die rechtsextremen Teilnehmer brachten ihre Queerfeindlichkeit durch eine Mischung aus hasserfĂŒllter Rhetorik, EinschĂŒchterungen und (versuchten) Gewalttaten zum Ausdruck. Neben den physischen Angriffen beobachteten die Forscher*innen auch digitale Gewalt in Form von Anfeindungen, Hate Speech und Shitstorms gegen CSDs, Organisator*innen, Teilnehmende und queere Personen in sozialen Medien.

Regionale Schwerpunkte

Sachsen bildete einen Schwerpunkt der rechtsextremen Mobilisierungen. In Brandenburg wurden 9 von 14 CSDs gestört, jedoch nur bei einer angemeldeten rechten Demo. In Leipzig konnten grĂ¶ĂŸere Ausschreitungen nur dadurch verhindert werden, dass die Polizei etwa 400 Neonazis am Bahnhof festhielt und nicht zur CSD-Route ließ.

Fast alle Anti-CSD-Demonstrationen wurden von einer starken PolizeiprĂ€senz begleitet, um die Pride-Teilnehmer*innen zu schĂŒtzen. In einigen FĂ€llen mussten Teile von Veranstaltungen aufgrund des Gefahrenpotentials abgesagt werden.

Lehren fĂŒr die Zukunft

Die ausfĂŒhrlichen und flĂ€chendeckenden Erkenntnisse des AK Fe.in bieten eine wichtige Grundlage, um sich auf die Pride-Saison 2025 vorzubereiten. Diese ist in Schönebeck bereits mit Anfeindungen gestartet.

Die Autor*innen betonen, wie wichtig es sei, sich trotz der besorgniserregenden Entwicklungen nicht einschĂŒchtern zu lassen: "Die Erfahrungen der letzten Jahre beispielsweise in Polen, wo CSDs mittlerweile einer umfassenden Diskriminierung und in Ungarn sogar einem Komplettverbot ausgesetzt sind, zeigen, wohin die Entwicklung gehen kann, wenn nicht eine ausreichend breite gesellschaftliche Front sich gegen die Naziangriffe stellt."

FĂŒr die kommende Pride-Saison wird es entscheidend sein, breite BĂŒndnisse zu schmieden und SolidaritĂ€t zu zeigen. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie der LSVD rufen dazu auf, queerfeindliche VorfĂ€lle konsequent zu melden und sich gemeinsam gegen Hass und Hetze zu positionieren.


Verbrennung einer "Regenbogenpuppe" in Hamburg: Tradition oder Queerfeindlichkeit?

In Hamburg-Blankenese sorgt ein Vorfall beim traditionellen Osterfeuer fĂŒr Diskussion: Eine Strohpuppe mit regenbogenfarbenen Haaren wurde am Karsamstag vor jubelndem Publikum verbrannt. Wie queer.de berichtet, deuteten einige Besucher*innen dies als queerfeindliche Geste, wĂ€hrend die Organisatoren alle VorwĂŒrfe zurĂŒckweisen.

Traditionen und Symbole im Konflikt

Die Osterfeuer haben in Hamburg, besonders im wohlhabenden Stadtteil Blankenese, eine lange Tradition. JĂ€hrlich werden Strohpuppen verbrannt, die den Winter oder böse Geister symbolisieren sollen. Doch die diesjĂ€hrige Gestaltung der Puppe mit ihren auffĂ€lligen Regenbogenhaaren – international als Symbol der LGBTQ+-Community bekannt – löste bei Besucher*innen wie Julius B. Unbehagen aus. In der taz wird der Vorfall als "makaber" und "seltsam" beschrieben, besonders vor dem Hintergrund zunehmender queerfeindlicher Straftaten in Deutschland.

Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2023 insgesamt 1.758 Straftaten gegen LGBTQ+-Personen registriert – eine besorgniserregende Zahl, die den Kontext fĂŒr die Kritik an der Veranstaltung bildet.

Absicht oder Zufall?

Die "Feuermacher", eine informelle Gruppe von Anwohner*innen, die das Feuer organisieren, weisen jede diskriminierende Absicht entschieden zurĂŒck. Laut ihrer Aussage hĂ€tten Kinder die Puppe gebastelt und sie "möglichst bunt gestaltet", damit sie "lustig aussieht". Man versuche jedes Jahr, das Feuer "neutral" zu gestalten.

Auch Vertreter*innen des Bezirksamts Altona, die wĂ€hrend der Veranstaltung anwesend waren, erkannten keine queerfeindlichen Intentionen. Dennoch wurde fĂŒr zukĂŒnftige Veranstaltungen ein "sensiblerer und bewussterer Umgang" angekĂŒndigt.

Keine EinzelfÀlle in Europa

Der Hamburger Vorfall reiht sich in eine beunruhigende Liste Àhnlicher Ereignisse in Europa ein. Besonders in Kroatien kam es mehrfach zu gezielten Verbrennungen queerer Symbole: Beim Karneval im kroatischen Imotski wurden 2020 Puppen verbrannt, die einem bekannten schwulen Aktivistenpaar nachempfunden waren. Zwei Jahre zuvor hatten Erwachsene beim Kinderkarneval in der kroatischen Kleinstadt Kaƥtela eine Plakatwand mit Darstellungen von Regenbogenfamilien verbrannt.

Auch in der Schweiz sorgte 2022 die Gemeinde Bassersdorf fĂŒr Schlagzeilen, als eine Figur mit BrĂŒsten, Penis und Regenbogen-Rock öffentlich verbrannt wurde.

Kulturelle Sensibilisierung notwendig

Die Kontroverse in Hamburg-Blankenese wirft wichtige Fragen ĂŒber die Grenzen zwischen Brauchtum und Diskriminierung auf. Wie bei vielen traditionellen Festen und BrĂ€uchen in Deutschland steht die Gesellschaft vor der Herausforderung, kulturelles Erbe zu bewahren und gleichzeitig fĂŒr die Symbolik und potenzielle Verletzungen marginalisierter Gruppen sensibel zu sein.

WĂ€hrend die Verantwortlichen in Blankenese jede queerfeindliche Absicht abstreiten, bleibt die Frage, ob es nicht einer bewussteren Auseinandersetzung mit der Gestaltung solcher Traditionen bedarf – besonders in Zeiten, in denen die Rechte und die Sicherheit der LGBTQ+-Community zunehmend unter Druck geraten.

Brauchtum kann und sollte ohne diskriminierende Elemente auskommen. Der Fall zeigt, dass auch vermeintlich harmlose oder unbeabsichtigte Darstellungen in einem grĂ¶ĂŸeren gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden mĂŒssen, in dem Symbole wie der Regenbogen eine klare Bedeutung haben und ihre Verbrennung daher nicht als neutral betrachtet werden kann.


Mark Carneys Position zu LGBTQ+-Rechten - Kanadas liberaler Wahlsieg und die Folgen fĂŒr Deutschland

Die liberale Partei Kanadas hat gestern (28. April) ĂŒberraschend die Wahlen gewonnen, was bedeutet, dass Parteichef Mark Carney seine Rolle als Premierminister behalten wird. Der Sieg kommt nach einem drastischen Umschwung in den Umfragen und wirft die Frage auf, was dies fĂŒr die LGBTQ+-Gemeinschaft in Kanada und weltweit bedeutet. Die ursprĂŒngliche Berichterstattung ĂŒber dieses Thema stammt von PinkNews.

Laut BBC wird sogar erwartet, dass der Vorsitzende der Konservativen Partei, Pierre Poilievre – der bis vor kurzem als wahrscheinlicher neuer Premierminister galt – seinen Sitz in Carleton, Ontario, verlieren wird, was als "undenkbare Wendung" beschrieben wird. Die Mitte-Links-Liberale Partei lag in den Umfragen bis vor kurzem zweistellig zurĂŒck, gefĂŒhrt vom ehemaligen Banker Mark Carney, der am 14. MĂ€rz 2025 als Nachfolger von Justin Trudeau als Premierminister vereidigt wurde.

Mark Carneys Position zu LGBTQ+-Rechten

Im Gegensatz zu seinem VorgĂ€nger Justin Trudeau, der sich lautstark fĂŒr LGBTQ+-Rechte einsetzte, hat Mark Carney sich zu diesem Thema bisher eher zurĂŒckhaltend geĂ€ußert. Am 9. April 2025 hielt er jedoch eine Rede, in der er die Rechte von LGBTQ+-Kanadiern ansprach – das erste Mal wĂ€hrend des Wahlkampfs.

Auf die Frage, ob seine Regierung den Zugang zu geschlechtsangleichender Gesundheitsversorgung im Rahmen des kanadischen Gesundheitsgesetzes schĂŒtzen wĂŒrde, antwortete Carney: "Wir sind alle Kanadier, aber wir haben alle unterschiedliche IdentitĂ€ten und Unterschiede, und es ist eine der großen StĂ€rken dieses Landes, anzuerkennen, dass Menschen sein können, wer sie sind, sie können lieben, wen sie lieben, und sie können leben, wo sie leben, und es ist von grundlegender Bedeutung, dass die Bundesregierung der Verteidiger dieser Rechte ist, Verteidiger der Charta der Rechte und Freiheiten." Er fĂŒgte hinzu, dass "der Zugang zur Gesundheitsversorgung in Kanada kein GeschĂ€ft, sondern ein grundlegendes Recht fĂŒr alle Kanadier ohne Ausnahme ist."

Die Liberale Partei und LGBTQ+-Rechte

Obwohl Carney selbst sich bisher nicht oft zu LGBTQ+-Themen geĂ€ußert hat, steht die Liberale Partei fĂŒr eine starke Bilanz beim Schutz queerer Rechte. Auf der Website der Partei wird unter der Überschrift "Eine stolze Bilanz im Kampf fĂŒr 2SLGBTQI+-Rechte" detailliert beschrieben, wie sie sich fĂŒr die Community eingesetzt haben, darunter die EinfĂŒhrung einer Bundesgesetzgebung zum Schutz der Rechte von Transgender-Personen und zur Verhinderung von Diskriminierung aufgrund der GeschlechtsidentitĂ€t und des Geschlechtsausdrucks im Jahr 2016.

Trudeau war außerdem der erste kanadische Premierminister, der an einer LGBTQ+-Pride-Parade teilnahm – ebenfalls 2016. Er marschierte auch 2017 wieder mit. Im selben Jahr posierte er fĂŒr das Cover des schwulen Magazins Attitude. 2022 schrieb Trudeau Geschichte, als er der erste WeltfĂŒhrer wurde, der in einer Episode der Drag Race-Franchise auftrat: Er besuchte das Drag Race Canada Werk Room.

Parallelen zu Deutschland

Ähnlich wie Kanada hat auch Deutschland in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte bei den LGBTQ+-Rechten gemacht. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in Deutschland seit 2017 legal, etwa zur gleichen Zeit, als Justin Trudeau in Kanada fĂŒr LGBTQ+-Rechte eintrat. Beide LĂ€nder gehören zu den fortschrittlichsten Nationen in Bezug auf den Schutz und die Förderung von LGBTQ+-Rechten weltweit.

In Deutschland ist die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und GeschlechtsidentitĂ€t landesweit verboten, Ă€hnlich wie in Kanada, wo die Liberale Partei Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung und Hassverbrechen aufgrund der GeschlechtsidentitĂ€t oder des Geschlechtsausdrucks eingefĂŒhrt hat. Beide LĂ€nder haben auch Fortschritte bei der Anerkennung nicht-binĂ€rer IdentitĂ€ten gemacht – Deutschland mit der EinfĂŒhrung der "divers"-Option fĂŒr das Geschlecht in offiziellen Dokumenten und Kanada mit der EinfĂŒhrung einer "X"-Option fĂŒr das Geschlecht in Bundesausweisen.

Ausblick fĂŒr die LGBTQ+-Community unter Carney

Der Wahlsieg der Liberalen Partei unter Carney wird von vielen in der LGBTQ+-Gemeinschaft mit Erleichterung aufgenommen, insbesondere angesichts der besorgniserregenden Positionen des konservativen FĂŒhrers Pierre Poilievre. Dieser hatte sich offen gegen Transgender-Rechte ausgesprochen und wurde im Juli 2023 kritisiert, nachdem er mit einem Mann fotografiert wurde, der ein T-Shirt mit der Aufschrift "Danke einer heterosexuellen Person fĂŒr deine Existenz" und "Straight Pride" trug.

Poilievre hatte sich auch gegen Trans-Frauen in FrauenrĂ€umen ausgesprochen und sich gegen geschlechtsangleichende Gesundheitsversorgung fĂŒr Transgender-Jugendliche positioniert. Sein Verlust bei der Wahl wird daher von vielen Mitgliedern der kanadischen Transgender- und Two-Spirit-Gemeinschaft mit großer Erleichterung aufgenommen.

Obwohl Mark Carney sich bisher nicht so lautstark fĂŒr LGBTQ+-Rechte eingesetzt hat wie sein VorgĂ€nger Justin Trudeau, deuten seine wenigen Äußerungen zu diesem Thema und die Tradition seiner Partei darauf hin, dass er die Rechte der LGBTQ+-Gemeinschaft in Kanada weiterhin verteidigen wird. FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community bedeutet dies, dass Kanada weiterhin ein wichtiger internationaler VerbĂŒndeter im Kampf fĂŒr globale LGBTQ+-Rechte bleibt.

Die kanadischen Wahlen zeigen auch, dass progressive Politik, die die Rechte marginalisierter Gruppen verteidigt, nach wie vor eine starke Resonanz bei den WĂ€hlern findet – eine Botschaft, die auch fĂŒr deutsche Politiker von Bedeutung sein könnte, insbesondere in Zeiten, in denen rechtsextreme Bewegungen in Europa an Dynamik gewinnen.


Erneut rechte Attacken beim CSD Schönebeck: Polizei ermittelt wegen HitlergrĂŒĂŸen

Der Christopher Street Day (CSD) in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) wurde kĂŒrzlich durch Ordnungsamt und Polizei abgebrochen. Wie queer.de berichtet, laufen nun weitere Ermittlungen: Laut Angaben des "Spiegel" sollen zwei Personen vor dem Abbruch der Demonstration einen Hitlergruß in Richtung der LGBTQ+-Veranstaltung gezeigt haben. ZusĂ€tzlich wird gegen einen betrunkenen Fahrradfahrer wegen Beleidigung ermittelt.

Wiederkehrende rechtsextreme Bedrohungen in Sachsen-Anhalt

Dies ist leider kein Einzelfall. Bereits in den vergangenen Jahren waren CSDs in Sachsen-Anhalt, insbesondere in Schönebeck, Ziel rechtsextremer AufmĂ€rsche und Bedrohungen. Im September 2023 kam es zu einem Ă€hnlichen Vorfall, bei dem laut MDR-Berichten der CSD in Schönebeck ebenfalls vorzeitig beendet werden musste, nachdem ein Mann mehrfach den Hitlergruß gezeigt hatte. Die VorfĂ€lle wurden damals vom Staatsschutz untersucht.

Die wiederholten Angriffe auf Pride-Veranstaltungen in der Region sind Teil eines besorgniserregenden Trends, der schon 2023 im Landtag von Sachsen-Anhalt thematisiert wurde. Die Linke kritisierte damals, dass die Polizei die Demonstrationen nicht ausreichend schĂŒtze.

Umstrittener Abbruch der Demonstration

Besonders kontrovers ist die BegrĂŒndung fĂŒr den aktuellen Abbruch der Demonstration. WĂ€hrend die Stadt offiziell Sicherheitsbedenken anfĂŒhrt, sollen Mitarbeitende des Ordnungsamts zuvor einen ganz anderen Grund genannt haben: Die Veranstaltung sei "nicht politisch genug" gewesen, unter anderem weil ein Liebeslied gespielt werden sollte. Der CSD-Verein spricht von "Schikane und WillkĂŒr".

Diese widersprĂŒchlichen BegrĂŒndungen haben inzwischen rechtliche Konsequenzen: Sowohl Organisator*innen als auch eine Moderatorin des CSD haben Strafanzeige gegen Mitarbeitende der Stadt gestellt und eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Ordnungsbehörden eingereicht. Der Verein CSD Deutschland fordert: "Sollte sich der Anfangsverdacht des Amtsdelikts bestĂ€tigen, fordern wir sowohl strafrechtliche als auch politische Konsequenzen".

Politische Aufarbeitung gefordert

Die Landtagsabgeordnete Susan Sziborra-Seidlitz (GrĂŒne), die als einzige Abgeordnete am CSD in der 30.000 Einwohner*innen zĂ€hlenden Stadt teilgenommen hatte, kĂŒndigte an, eine Anfrage an die regierende Deutschland-Koalition zu stellen, um die VorgĂ€nge aufzuklĂ€ren.

Die VorfÀlle in Schönebeck reihen sich ein in eine bundesweite Zunahme von Angriffen auf queere Veranstaltungen. Insbesondere in ostdeutschen BundeslÀndern berichten Organisator*innen von Pride-Veranstaltungen immer wieder von rechtsextremen Störaktionen und mangelndem Schutz durch Behörden. Expert*innen sehen darin einen Ausdruck des erstarkenden Rechtsextremismus und einer zunehmenden LGBTQ+-Feindlichkeit in Deutschland.

Die Entwicklungen in Schönebeck werfen grundlegende Fragen auf: Wie kann der Schutz von LGBTQ+-Veranstaltungen verbessert werden? Und warum werden ausgerechnet Betroffene rechter Gewalt durch behördliche Maßnahmen eingeschrĂ€nkt, anstatt gegen die eigentlichen Störer vorzugehen? Die queere Community fordert klare Antworten und ein konsequentes Vorgehen gegen rechte Gewalt.


Hollywoodstar Robert De Niros Tochter Airyn outet sich als trans – Ein wichtiger Schritt fĂŒr internationale Sichtbarkeit

Airyn De Niro, die 29-jĂ€hrige Tochter von Hollywoodlegende Robert De Niro, hat sich kĂŒrzlich als transgeschlechtlich geoutet. In einem bemerkenswerten Interview mit dem LGBTQ+-Magazin "Them" teilte sie mit, dass sie im November letzten Jahres beschlossen habe, eine Hormontherapie zu beginnen. Die Original-Nachricht wurde zuerst von queer.de in Deutschland aufgegriffen.

Ein persönlicher Weg zur Selbstfindung

FĂŒr Airyn De Niro waren es besonders prominente trans Persönlichkeiten wie Laverne Cox und Michaela JaĂ© Rodriguez, die ihr den Mut gegeben haben, ihren eigenen Weg zu gehen. "Wenn trans Frauen ehrlich und offen sind, vor allem in öffentlichen RĂ€umen wie den sozialen Medien, und wenn man sie in ihrem Erfolg sieht
 dann denke ich: Weißt du was? Vielleicht ist es fĂŒr mich noch nicht zu spĂ€t", erklĂ€rt sie zu ihrem Coming-out-Prozess.

Obwohl sie sich ihrer IdentitĂ€t nun nĂ€her fĂŒhlt, Ă€ußerte Airyn auch Bedenken bezĂŒglich ihrer familiĂ€ren Beziehungen. Sie befĂŒrchtet, dass ihre Familie sie "vielleicht immer noch als die Person ansieht, die ich vor der Transition war". Eine Sorge, die viele trans Menschen in Deutschland und weltweit teilen.

Perspektive aus Deutschland

Das Coming-out von Prominenten wie Airyn De Niro hat auch in Deutschland Bedeutung, wo die trans Community in den letzten Jahren mehr Sichtbarkeit erlangt hat. WĂ€hrend in den USA Persönlichkeiten wie Laverne Cox Pionierarbeit geleistet haben, haben wir in Deutschland eigene Vorbilder, die den Weg fĂŒr mehr Akzeptanz ebnen.

So gehören Tessa Ganserer und Nyke Slawik zu den ersten offen transgeschlechtlichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Ihr politisches Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, dass das lange umstrittene Selbstbestimmungsgesetz im Mai 2023 in Kraft treten konnte, das es trans Personen ermöglicht, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen ohne psychiatrische Gutachten zu Àndern.

Kindheit im Schatten des Ruhms

Airyn, die Tochter von Robert De Niro und dem afroamerikanischen Model Toukie Smith, spricht in dem Interview auch ĂŒber die Herausforderungen ihrer Kindheit. Entgegen der oft vorherrschenden Meinung ĂŒber "Nepo Babies" (Kinder berĂŒhmter Eltern) betont sie: "Ich bin nicht damit aufgewachsen, eine Nebenrolle in einem von Papas Filmen zu haben, zu GeschĂ€ftstreffen zu gehen oder Premieren zu besuchen. Mein Vater war sehr darauf bedacht, dass wir unseren eigenen Weg finden."

Sie hatte sich bereits wĂ€hrend ihrer Highschool-Zeit als schwuler Mann geoutet, bevor sie ihre IdentitĂ€t als trans Frau erkannte. In dieser Zeit fĂŒhlte sie sich oft ausgeschlossen, da sie dem vorherrschenden Schönheitsideal nicht entsprach: "Zu korpulent, nicht dĂŒnn genug. Nicht schwarz genug, nicht weiß genug. Zu feminin, nicht maskulin genug."

Bedeutung fĂŒr die Community

Das Coming-out von Persönlichkeiten wie Airyn De Niro hat eine große Bedeutung fĂŒr die LGBTQ+-Community, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Laut der Deutschen Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t (dgti) kann die Sichtbarkeit prominenter trans Personen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern.

WĂ€hrend in Deutschland durch das neue Selbstbestimmungsgesetz rechtliche Fortschritte erzielt wurden, bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz ein fortlaufender Prozess. In diesem Kontext können internationale Vorbilder wie Airyn De Niro eine wichtige BrĂŒcke schlagen und den kulturellen Austausch fördern.

Robert De Niros Familienleben

Robert De Niro, inzwischen 81 Jahre alt, ist Vater von sieben Kindern aus verschiedenen Beziehungen. Airyn hat einen Zwillingsbruder und fĂŒnf weitere Geschwister. Bereits 2019 hatte der OscarpreistrĂ€ger öffentlich erklĂ€rt, er habe einen schwulen Sohn und sei besorgt gewesen, dass dieser unter der Trump-Regierung Diskriminierung erfahren könnte – ein Zeichen seiner unterstĂŒtzenden Haltung gegenĂŒber der LGBTQ+-Community.

Ob und wie sich der berĂŒhmte Vater bisher zum Coming-out seiner Tochter geĂ€ußert hat, ist noch nicht bekannt. In Deutschland wird die UnterstĂŒtzung durch Familienmitglieder als einer der wichtigsten Faktoren fĂŒr ein gesundes Coming-out angesehen. Organisationen wie Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (BEFAH) bieten hier UnterstĂŒtzung fĂŒr Angehörige an.

Airyns Mut, öffentlich zu ihrer IdentitĂ€t zu stehen, kann fĂŒr viele junge trans Menschen in Deutschland und weltweit ein wichtiges Signal sein: Es ist nie zu spĂ€t, authentisch zu leben und den eigenen Weg zu finden.


Vertragsende nach homophobem Vorfall: Behrens muss Wolfsburg verlassen - Ein Alarmzeichen fĂŒr LGBTQ+ im Profifußball

Der VfL Wolfsburg hat entschieden: Kevin Behrens muss den Verein nach dieser Saison verlassen. Wie queer.de berichtet, wird der Vertrag des 34-jĂ€hrigen StĂŒrmers nicht verlĂ€ngert. Diese Entscheidung kommt nur wenige Monate nach einem homophoben Vorfall, bei dem sich Behrens geweigert hatte, ein Trikot in Regenbogenfarben zu unterschreiben – mit den Worten: "So eine schwule Scheiße unterschreibe ich nicht."

Der Vorfall und seine Folgen

Behrens, der erst im Januar 2024 von Union Berlin nach Wolfsburg wechselte und zuvor sein DebĂŒt in der deutschen Nationalmannschaft gegeben hatte, konnte sich beim VfL nie einen Stammplatz erarbeiten. Doch es war vor allem sein homophober Ausbruch bei einer internen Veranstaltung im Herbst 2023, der fĂŒr Schlagzeilen sorgte.

Nach dem Vorfall musste Behrens eine vereinsinterne Geldstrafe zahlen und entschuldigte sich in einem Interview mit der "Sport Bild". Allerdings betonte er gleichzeitig, dass er nicht weiter ĂŒber den Vorfall sprechen wolle: "Ich bitte um VerstĂ€ndnis, dass ich mich dazu nicht weiter Ă€ußern möchte" – eine Haltung, die von vielen als halbherzige Entschuldigung kritisiert wurde.

Symptom eines grĂ¶ĂŸeren Problems

Der Fall Behrens ist leider kein Einzelfall. Er reiht sich ein in eine Serie von homophoben VorfĂ€llen im deutschen Profifußball. Am Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie (IDAHOBIT) im Mai 2023 sorgte bereits eine Ă€hnliche Situation fĂŒr Aufsehen, als Spieler sich weigerten, Regenbogen-Trikots zu tragen, wie die Sportschau berichtete.

Corny Littmann, queerer Aktivist und ehemaliger PrĂ€sident des FC St. Pauli, erklĂ€rte im MĂ€rz 2024 in einem Podcast, dass Behrens' Verhalten ein deutliches Indiz dafĂŒr sei, dass die Akzeptanz unter Profi-Fußballern noch immer mangelhaft ist. Er empfahl homosexuellen Fußball-Profis sogar, ihre sexuelle Orientierung weiterhin zu verstecken – eine erschreckende EinschĂ€tzung im Jahr 2024.

Wolfsburg bemĂŒht um Schadensbegrenzung

Der VfL Wolfsburg gilt eigentlich als queerfreundlicher Verein. 2017 trug Nilla Fischer als VfL-KapitĂ€nin erstmals in der Fußball-Bundesliga eine Regenbogenbinde am Arm, und ein Jahr spĂ€ter folgten die MĂ€nner diesem Beispiel. Die Nicht-VerlĂ€ngerung von Behrens' Vertrag könnte daher auch als Signal verstanden werden, dass homophobes Verhalten nicht mit den Werten des Vereins vereinbar ist.

Dennoch bleibt der Nachgeschmack, dass der Verein den Vorfall zunĂ€chst mit einer internen Geldstrafe als erledigt betrachtete und erst jetzt, zum Saisonende, Konsequenzen folgen. Ob die Entscheidung gegen eine VertragsverlĂ€ngerung tatsĂ€chlich mit dem homophoben Vorfall zusammenhĂ€ngt oder rein sportliche GrĂŒnde hat, lĂ€sst der Verein offen.

LGBTQ+ im deutschen Profifußball: Ein weiter Weg

Laut queer.de zeigt der Fall deutlich, wie weit Homosexuellenfeindlichkeit in der deutschen Bundesliga noch verbreitet ist. WĂ€hrend sich viele Vereine offiziell fĂŒr Vielfalt und Inklusion einsetzen, scheint die RealitĂ€t in Kabinen und auf dem Platz oft eine andere zu sein.

Marcus Urban, ehemaliger Profi-Fußballer und heute als Berater fĂŒr DiversitĂ€t tĂ€tig, erklĂ€rte in einem frĂŒheren Interview: "Die Fußballwelt ist noch immer von toxischer MĂ€nnlichkeit geprĂ€gt. Junge Spieler wachsen in einem Umfeld auf, in dem homophobe SprĂŒche als normal gelten. Hier muss Bildungsarbeit ansetzen."

Was muss sich Àndern?

Der Fall Behrens zeigt, dass symbolische Aktionen wie das Tragen von Regenbogenbinden allein nicht ausreichen. Es braucht tiefgreifende, strukturelle VerÀnderungen:

  • Verbindliche Anti-Diskriminierungs-Schulungen fĂŒr alle Profis und Vereinsmitarbeiter
  • Konsequente Ahndung von homophoben Äußerungen und Verhaltensweisen
  • Mehr Sichtbarkeit von LGBTQ+-Personen in FĂŒhrungspositionen des deutschen Fußballs
  • Kontinuierliche AufklĂ€rungsarbeit, besonders in Nachwuchsleistungszentren

Bis ein Coming-out im deutschen Profifußball keine Sensation mehr ist, sondern NormalitĂ€t, haben wir als Gesellschaft und hat der Fußball im Besonderen noch einen weiten Weg vor sich. Der Fall Behrens sollte als Weckruf verstanden werden – es reicht nicht, Regenbogenfahnen zu schwenken, wenn im Verborgenen homophobe Einstellungen weiter gedeihen.

Die Entscheidung des VfL Wolfsburg, Behrens' Vertrag nicht zu verlĂ€ngern, könnte ein kleines, aber wichtiges Signal sein, dass homophobes Verhalten im modernen Fußball keinen Platz mehr haben sollte. Ob diese Botschaft in der Bundesliga wirklich ankommt, wird sich zeigen mĂŒssen.


Dreifache Olympiasiegerin Martina SĂĄblĂ­kovĂĄ outet sich – Ein Meilenstein fĂŒr LGBTQ+ Sichtbarkeit im Spitzensport

Die erfolgreiche tschechische EisschnelllĂ€uferin Martina SĂĄblĂ­kovĂĄ hat am Montag auf Instagram ihre langjĂ€hrige Beziehung mit ihrer Teamkollegin Nikola ZdrĂĄhalovĂĄ öffentlich gemacht. Die ursprĂŒngliche Nachricht finden Sie bei queer.de. Die 37-jĂ€hrige dreifache Olympiasiegerin entschloss sich zu diesem Schritt, nachdem sie das GefĂŒhl hatte, dass andere in ihrem Namen sprechen wollten.

Unfreiwilliges Coming-out

Zu einem Foto, auf dem SĂĄblĂ­kovĂĄ von ihrer Partnerin von hinten umarmt wird, schrieb die Sportlerin: "Ihr wisst, dass ich mein Privatleben immer geschĂŒtzt habe und das werde ich auch weiterhin tun, weil es fĂŒr mich sehr wichtig ist. Aber in letzter Zeit hatte ich das GefĂŒhl, dass einige Leute versucht haben, in meinem Namen zu sprechen, und das wurde mir ein bisschen zu viel." Ohne zu konkretisieren, wer hinter ihrem RĂŒcken ĂŒber sie spricht, machte sie ihre Beziehung öffentlich: "Hier ist er also, direkt von mir: Niky ZdrĂĄhalovĂĄ und ich sind ein Paar. Sie ist mein Fels in der Brandung, wir sind glĂŒcklich, und wir teilen seit mehr als zwölf Jahren unser schönes Leben miteinander."

Eine der erfolgreichsten Sportlerinnen Tschechiens

Martina SĂĄblĂ­kovĂĄ zĂ€hlt zu den herausragendsten Athletinnen in der Geschichte des tschechischen Sports. Zwischen 2010 und 2022 gewann sie in verschiedenen StreckenlĂ€ngen insgesamt drei olympische Goldmedaillen sowie je zwei Silber- und Bronzemedaillen. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver war sie die erste tschechische Sportlerin, die zwei Goldmedaillen bei denselben Winterspielen errang. Ihre Erfolgsgeschichte umfasst zudem beeindruckende 21 Weltmeistertitel. Zuletzt holte sie bei den Eisschnelllauf-Einzelstreckenweltmeisterschaften im MĂ€rz 2025 im norwegischen Hamar eine Silbermedaille ĂŒber 3000 Meter.

Auch ihre Partnerin Nikola Zdråhalovå ist eine erfolgreiche EisschnelllÀuferin, die Tschechien bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018 und Peking 2022 vertrat. Beide Sportlerinnen werden vom ehemaligen tschechoslowakischen EisschnelllÀufer Petr Novåk trainiert. Interessanterweise hatten die beiden bereits in den vergangenen Jahren gemeinsame Bilder in sozialen Medien geteilt, beispielsweise von Radtouren, diese aber mit Hashtags wie #friends versehen.

LGBTQ+ im deutschen Spitzensport

Das Coming-out von SĂĄblĂ­kovĂĄ reiht sich in eine wachsende Zahl von Bekenntnissen prominenter Sportler*innen ein. Auch in Deutschland wird das Thema LGBTQ+ im Spitzensport zunehmend sichtbarer. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 waren ĂŒber 150 lesbische, bisexuelle und queere Sportlerinnen am Start, darunter zehn aus Deutschland, wie die Sportschau berichtete.

Dennoch ist Deutschland von einer vollstĂ€ndigen Akzeptanz noch entfernt. Eine Studie der Sporthochschule Köln ergab, dass 20 Prozent der LGBTQ+ Befragten in Deutschland ihre Sportarten nicht ausĂŒben – aus Angst vor Diskriminierung, Ausschluss oder negativen Kommentaren. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, der sich 2014 nach seinem Karriereende als homosexuell outete, war der erste prominente deutsche Profifußballer, der diesen Schritt wagte. Seine Entscheidung hat jedoch nicht zu einer Welle von Coming-outs im deutschen MĂ€nnerfußball gefĂŒhrt.

Tschechiens LGBTQ+ Sportler*innen zunehmend sichtbar

In Tschechien sorgte bereits 2023 ein Coming-out im Spitzensport fĂŒr Aufsehen: Damals machte Fußball-Nationalspieler Jakub Jankto seine HomosexualitĂ€t öffentlich. Der Mittelfeldspieler, der inzwischen beim italienischen Verein Cagliari Calcio unter Vertrag steht, erklĂ€rte damals in einem Video: "Ich bin homosexuell und ich will nicht lĂ€nger mich verstecken." Mit SĂĄblĂ­kovĂĄ und Jankto haben nun zwei der bekanntesten tschechischen Sportpersönlichkeiten ihre sexuelle Orientierung öffentlich gemacht.

Das tschechische olympische Team und zahlreiche Kolleg*innen reagierten auf den Instagram-Eintrag von SĂĄblĂ­kovĂĄ mit unterstĂŒtzenden Kommentaren und Herzchen-Emojis – ein Zeichen dafĂŒr, dass sich die Akzeptanz im Spitzensport langsam verbessert. Dennoch bleibt die Entscheidung fĂŒr ein Coming-out fĂŒr viele Athlet*innen eine schwierige persönliche AbwĂ€gung zwischen PrivatsphĂ€re und authentischem Leben in der Öffentlichkeit.


Sicherheitskonzept beim ESC in Basel: 24-Stunden-Hotline fĂŒr LGBTQ+-Personen und Schutz vor Queerfeindlichkeit

Die Veranstalter des Eurovision Song Contest (ESC) in Basel setzen auf ein umfassendes Sicherheitskonzept zum Schutz vor Queerfeindlichkeit und anderen Formen der Diskriminierung wĂ€hrend des Musikwettbewerbs. Wie queer.de berichtet, steht fĂŒr Opfer von Diskriminierung und Gewalt rund um die Uhr eine Hotline zur VerfĂŒgung, ĂŒber die sofort professionelle Hilfe organisiert werden kann.

Dreistufiges UnterstĂŒtzungssystem fĂŒr einen sicheren Eurovision

Die Basler Stadtverwaltung hat sich fĂŒr ihr Sicherheitskonzept vom Projekt "nachtsam" aus Baden-WĂŒrttemberg inspirieren lassen. Im Zentrum steht ein dreistufiges UnterstĂŒtzungssystem, das Betroffenen schnelle Hilfe garantieren soll. Bei FĂ€llen von sexualisierter Gewalt, Queerfeindlichkeit, Rassismus oder Antisemitismus können Betroffene die rund um die Uhr besetzte Hotline unter +41 58 105 17 17 oder per E-Mail ĂŒber safer@eurovision-basel.ch kontaktieren.

"Niemand soll sich alleingelassen fĂŒhlen, wenn Grenzen ĂŒberschritten werden", betonte RegierungsrĂ€tin Stephanie Eymann bei der Vorstellung des Konzepts. Neben der Hotline wurden vier besondere Schutzzonen eingerichtet. Außerdem sind mobile Teams mit lilafarbenen Westen im Einsatz, die jederzeit angesprochen werden können.

GroßflĂ€chige Schulungen fĂŒr Sicherheitspersonal und Dienstleister

Laut SWI swissinfo.ch werden bis zum Start des ESC am 10. Mai voraussichtlich 2.000 bis 2.500 Personen geschult, darunter PolizeikrĂ€fte, Gastronomiepersonal und medizinische Dienste. Das Kern-Awareness-Team umfasst rund 130 speziell geschulte Personen, die fĂŒr die Sicherheit und das Wohlbefinden aller GĂ€ste verantwortlich sind.

Speziell fĂŒr den Schutz vor Übergriffen wurden sogenannte "Safer Spaces" in der St. Jakobshalle, in Halle 5 der Messe Basel und auf dem BarfĂŒsserplatz eingerichtet. Diese bieten geschĂŒtzte RĂ€ume fĂŒr Personen, die Hilfe benötigen oder sich zurĂŒckziehen möchten.

Inspiriert vom "nachtsam"-Projekt aus Baden-WĂŒrttemberg

Das Projekt "nachtsam" aus Baden-WĂŒrttemberg hat in Deutschland bereits viel positive Resonanz erfahren. Es schult BeschĂ€ftigte in der Gastronomie, Nachtclubs und Festveranstalter*innen, um ein sicheres Feiern zu gewĂ€hrleisten. Mit Plakaten und HandlungsleitfĂ€den werden konkrete Hilfestellungen gegeben, um ĂŒbergriffigem Verhalten vorzubeugen oder in akuten Situationen einzuschreiten.

Die Übertragung dieses Konzepts auf den ESC in Basel zeigt die zunehmende Vernetzung von Sicherheitskonzepten in der Veranstaltungsbranche ĂŒber Landesgrenzen hinweg. Auch in Deutschland gibt es bei großen LGBTQ+-Events wie dem Cologne Pride oder der Berliner CSD-Parade inzwischen Ă€hnliche Awareness-Teams.

Inklusion als zentrales Element des ESC

Der ESC gilt traditionell als eines der inklusivsten und diversesten Musikevents weltweit. Die Organisatoren in Basel legen besonderen Wert darauf, dass der Wettbewerb ein "Fest fĂŒr alle" wird, unabhĂ€ngig von körperlichen, sensorischen oder geschlechtlichen BedĂŒrfnissen. Neben den Schutzmaßnahmen gegen Diskriminierung wurden auch barrierefreie Veranstaltungsorte fĂŒr Rollstuhlfahrer, spezielle Angebote fĂŒr Menschen mit sensorischen BeeintrĂ€chtigungen und All-Gender-Toiletten eingeplant.

Die Hotline und die weiteren Schutzmaßnahmen sollen dazu beitragen, dass der Eurovision Song Contest in Basel seinem Ruf als weltoffenes und inklusives Event gerecht wird und allen Besuchenden ein sicheres und freudvolles Erlebnis ermöglicht.


Internationaler Tag der Regenbogenfamilien 2025: Bundesweite Proteste fĂŒr ein modernes Abstammungsrecht

Der International Family Equality Day wird auch in diesem Jahr am ersten Sonntag im Mai begangen, diesmal unter dem politischen Motto "Wir lassen uns nicht abspeisen – neues Abstammungsrecht jetzt!". Regenbogenfamilien und ihre UnterstĂŒtzer:innen planen deutschlandweit verschiedene Veranstaltungen, darunter Proteste vor dem Stuttgarter Landtag und ein politisches Picknick am Kanzleramt in Berlin, um auf die anhaltende rechtliche Diskriminierung queerer Eltern aufmerksam zu machen.

Warum das Abstammungsrecht dringend reformiert werden muss

"Noch immer werden queere Eltern rechtlich benachteiligt. Kinder aus Regenbogenfamilien verdienen von Geburt an zwei rechtlich anerkannte Elternteile – ohne Wenn und Aber", erklĂ€rt Katharina Binder, Leitung der Beratungsstelle fĂŒr Regenbogenfamilien (BerTA) Stuttgart. Die aktuelle Rechtslage stellt viele Familien vor große HĂŒrden: In einer lesbischen Ehe muss beispielsweise die nicht-gebĂ€rende Mutter ihr eigenes Kind durch ein aufwĂ€ndiges Adoptionsverfahren erst rechtlich anerkennen lassen, wĂ€hrend bei heterosexuellen Paaren der Ehemann automatisch als rechtlicher Vater gilt.

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) fordert seit langem eine grundlegende Reform des Abstammungsrechts. Trotz wiederholter AnkĂŒndigungen wurde diese Reform auf Bundesebene bisher verschleppt – im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist sie sogar gĂ€nzlich unerwĂ€hnt geblieben.

Geplante Veranstaltungen am 4. Mai 2025

Die Bundesinteressengemeinschaft Regenbogenfamilien-FachkrĂ€fte (BIG) ruft am 4. Mai 2025 zu verschiedenen Veranstaltungen unter dem politischen Motto auf. Hier eine Übersicht der bisher bekannten Termine:

  • Berlin: Politisches Picknick von 14-16 Uhr auf der Wiese des Skulpturenparks neben dem Kanzleramt
  • Erlangen: Familienpicknick von 15-17 Uhr auf dem Bohlenplatz (Anmeldung erwĂŒnscht)
  • MĂŒnster: NRW-weite Veranstaltung von 11-17 Uhr im Schlossgarten
  • Stuttgart: Kundgebung von 12-13 Uhr vor dem Landtag
  • MĂŒnchen: Grußworte, InfostĂ€nde und Programm von 14-17.30 Uhr am sĂŒdlichen Ende des Deidesheimer Anger am Spielplatz

Die erhoffte Reform des Abstammungsrechts

Das Bundesministerium der Justiz arbeitet derzeit an einer Reform des Abstammungsrechts, die voraussichtlich 2025 in Kraft treten soll. Die wichtigsten geplanten Änderungen betreffen unter anderem:

  • Die automatische rechtliche Elternschaft beider MĂŒtter bei der Geburt eines Kindes in einer gleichgeschlechtlichen Ehe
  • Bessere rechtliche Absicherung fĂŒr soziale Eltern, die faktisch Verantwortung fĂŒr ein Kind ĂŒbernehmen
  • Klare Regelungen bei Samenspenden, um die Rechte und Pflichten aller Beteiligten zu definieren

Seit der EinfĂŒhrung der "Ehe fĂŒr alle" im Jahr 2017 haben gleichgeschlechtliche Paare zwar formal die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Ehepaare erhalten, doch im Abstammungs- und Familienrecht bestehen nach wie vor erhebliche Ungleichheiten, die im Alltag zu großen Belastungen fĂŒhren können.

Vielfalt von Familienmodellen anerkennen

Der International Family Equality Day setzt sich weltweit fĂŒr die Gleichstellung aller Familienmodelle ein. In Deutschland leben nach SchĂ€tzungen tausende Kinder in Regenbogenfamilien. Diese Familien sind vielfĂ€ltig: von gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern ĂŒber Patchworkfamilien mit LGBTQ+-Eltern bis hin zu Familien mit transgeschlechtlichen Elternteilen.

"Die Reform des Abstammungsrechts ist lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig", betont die BIG. "Es geht um die rechtliche Absicherung von Kindern und um die Anerkennung der Lebenswirklichkeit von Regenbogenfamilien. Jedes Kind hat das Recht auf rechtliche Absicherung durch seine Eltern von Geburt an."

Familien und Interessierte, die an den Veranstaltungen teilnehmen möchten, können weitere Informationen auf den Webseiten der lokalen LGBTQ+-Organisationen finden oder direkt mit den Veranstalter:innen Kontakt aufnehmen. FĂŒr viele Familien ist der Tag nicht nur ein politisches Statement, sondern auch eine Gelegenheit, sich mit anderen Regenbogenfamilien zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen.


EHRC-Richtlinien zu Unisex-RĂ€umen: Was die britische Entscheidung fĂŒr trans Menschen bedeutet - und wie anders Deutschland ist

Neue Richtlinien des britischen Gleichstellungs- und Menschenrechtsausschusses (EHRC) zu geschlechtsspezifischen RĂ€umen haben in Großbritannien fĂŒr große Besorgnis in der LGBTQ+-Community gesorgt. Die nicht-gesetzlichen Richtlinien, die auf PinkNews ausfĂŒhrlich diskutiert wurden, sorgen fĂŒr erhebliche Kontroversen und werfen die Frage auf, welche Auswirkungen sie auf die Rechte von transgender Personen haben könnten.

Was besagt die EHRC-Richtlinie tatsÀchlich?

Die neuen Richtlinien wurden am 25. April veröffentlicht und folgten einem Urteil des britischen Supreme Court vom 16. April, das festlegte, dass die rechtliche Definition einer "Frau" im britischen Gleichstellungsgesetz von 2010 (Equality Act) sich ausschließlich auf "biologische" Frauen bezieht und damit trans Frauen ausschließt.

Die wohl beunruhigendste Empfehlung der EHRC-Richtlinien besagt, dass trans Frauen keine Fraueneinrichtungen und trans MĂ€nner keine MĂ€nnereinrichtungen nutzen sollten. Noch problematischer ist jedoch, dass die Richtlinien auch empfehlen, dass trans Frauen unter "bestimmten UmstĂ€nden" auch von MĂ€nnereinrichtungen ausgeschlossen werden sollten – und trans MĂ€nner von Fraueneinrichtungen. Dies fĂŒhrt im Extremfall dazu, dass trans Personen nur noch Unisex-Toiletten nutzen könnten.

Gleichzeitig argumentiert die EHRC, dass es nicht unbedingt notwendig sei, geschlechtsneutrale Einrichtungen ĂŒberhaupt bereitzustellen. Dies könnte dazu fĂŒhren, dass trans Menschen in manchen Situationen ĂŒberhaupt keinen Zugang zu sanitĂ€ren Einrichtungen hĂ€tten – eine Form der Diskriminierung, die viele als inakzeptabel ansehen.

Deutschland geht einen völlig anderen Weg

Im direkten Gegensatz zu dieser Entwicklung in Großbritannien hat Deutschland erst kĂŒrzlich einen bedeutenden Schritt in die entgegengesetzte Richtung unternommen. Im April 2024 verabschiedete der Bundestag das Selbstbestimmungsgesetz, das im August 2024 in Kraft treten wird.

Dieses Gesetz ersetzt das veraltete Transsexuellengesetz von 1980 und ermöglicht es trans und nicht-binĂ€ren Menschen, ihren Geschlechtseintrag und ihre Vornamen durch eine einfache ErklĂ€rung beim Standesamt Ă€ndern zu lassen – ohne "Expertengutachten" oder medizinische Atteste vorlegen zu mĂŒssen, wie es bisher der Fall war.

"Deutschland hat damit einen wichtigen Schritt gemacht, um trans Personen mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen und ihre MenschenwĂŒrde zu respektieren", erklĂ€rt Kalle HĂŒmpfner vom Bundesverband Trans*. "Die Entwicklung in Großbritannien zeigt leider, dass Rechte von trans Personen auch wieder eingeschrĂ€nkt werden können."

Unterschiedliche Entwicklungen in Europa

Die gegensĂ€tzlichen Entwicklungen in Deutschland und Großbritannien sind symptomatisch fĂŒr eine zunehmende Polarisierung in Europa, was die Rechte von trans Personen betrifft. Laut der Trans Rights Map 2024 der Organisation Transgender Europe (TGEU) gibt es in Europa immer grĂ¶ĂŸere Unterschiede bei der rechtlichen Anerkennung und dem Schutz von trans Personen.

WĂ€hrend LĂ€nder wie Deutschland, Spanien und die skandinavischen Staaten ihre Gesetze liberalisieren und den Zugang zu rechtlicher Anerkennung vereinfachen, gibt es in anderen LĂ€ndern wie Großbritannien, Ungarn und Teilen Osteuropas RĂŒckschritte oder Stillstand.

Welche Auswirkungen haben die britischen Richtlinien?

Es ist wichtig zu betonen, dass die EHRC-Richtlinien nicht rechtlich bindend sind. Das britische Gleichstellungsgesetz von 2010 bietet nach wie vor Schutz vor Diskriminierung – auch fĂŒr trans Personen. Die Organisation TransActual hat einen ausfĂŒhrlichen Leitfaden veröffentlicht, der die weiterhin geltenden Schutzrechte erklĂ€rt.

Dennoch könnten die Richtlinien als Grundlage fĂŒr kĂŒnftige gesetzliche Änderungen dienen. Der britische Premierminister Keir Starmer und Gesundheitsminister Wes Streeting haben bereits ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr mögliche GesetzesĂ€nderungen signalisiert.

FĂŒr trans Personen in Deutschland ist diese Entwicklung trotz der positiven Gesetzeslage hierzulande beunruhigend. "Was in anderen LĂ€ndern passiert, hat auch Auswirkungen auf den Diskurs in Deutschland", erklĂ€rt Tessa Ganserer, trans Bundestagsabgeordnete der GrĂŒnen. "Wir mĂŒssen wachsam bleiben und dĂŒrfen Errungenschaften nicht als selbstverstĂ€ndlich ansehen."

Die gesellschaftliche Debatte

Die britischen EHRC-Richtlinien sind Teil einer breiteren gesellschaftlichen Debatte ĂŒber die Rechte von trans Personen, die auch in Deutschland gefĂŒhrt wird – wenn auch mit deutlich anderen Vorzeichen. WĂ€hrend das Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland von einer breiten parlamentarischen Mehrheit getragen wurde, gibt es auch hier Stimmen, die eine restriktivere Politik fordern.

Die deutschen medizinischen FachverbĂ€nde haben inzwischen klargestellt, dass sie geschlechtsangleichende Maßnahmen weiterhin anbieten werden, unabhĂ€ngig vom rechtlichen Geschlechtseintrag – ein wichtiger Unterschied zur britischen Situation, wo auch der medizinische Zugang zu Behandlungen zunehmend erschwert wird.

FĂŒr trans Personen in Deutschland bleibt die Situation also deutlich besser als in Großbritannien. Dennoch sind die Ereignisse im Vereinigten Königreich eine Mahnung, dass Fortschritte bei LGBTQ+-Rechten nie als selbstverstĂ€ndlich angesehen werden sollten.


Der Trump-Effekt in Köln: US-Sponsor*innen ziehen sich vom CSD zurĂŒck - Ein Alarmzeichen fĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community?

Mehrere amerikanische Unternehmen haben ihre finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr den Kölner Christopher Street Day (CSD) beendet, wie kĂŒrzlich vom Vorstand des Cologne Pride bekanntgegeben wurde. Die Ursprungsmeldung findet sich bei queer.de, wo berichtet wird, dass diese Entscheidung eine direkte Reaktion auf das verĂ€nderte politische Klima in den USA darstellt. Besonders besorgniserregend: Einige dieser Unternehmen hatten sich zuvor seit Jahrzehnten fĂŒr die Ziele des CSD engagiert.

Die Trump-Politik als Auslöser

Der Hintergrund dieser Entwicklung ist ein besorgniserregender Trend in den USA unter der Regierung von Donald Trump. Die politische Landschaft in den Vereinigten Staaten hat sich deutlich zum Nachteil der LGBTQ+-Community verĂ€ndert. Laut Kölnischer Rundschau umfassen diese Maßnahmen unter anderem die Nichtanerkennung von mehr als zwei Geschlechtern, ein Verbot fĂŒr Transsexuelle in den StreitkrĂ€ften und die Streichung von Schutzmaßnahmen fĂŒr queere Menschen bei BundesauftrĂ€gen. Zudem wurden diverse Programme zur Förderung von Vielfalt, Inklusion und Gleichstellung eingestellt.

Die Konsequenzen dieser Politik sind nun auch in Deutschland spĂŒrbar. Hugo Winkels, Vorstandsmitglied von Cologne Pride, warnte im WDR-Interview: "Europa darf nun nicht auch noch den Weg der USA gehen, wo die Rechte von Menschen aus der LGBTI-Community massiv eingeschrĂ€nkt werden."

Parallelen in Deutschland?

Die Entwicklung in Köln wirft ein Schlaglicht auf mögliche Parallelen in Deutschland. "Leider erleben wir aber in Deutschland auch schon eine gesellschaftliche Stimmung, die zivilgesellschaftliches Engagement und Spendenbereitschaft einschrÀnkt", so Winkels in einer Stellungnahme, die von MOPO zitiert wurde.

Diese Bedenken kommen zu einer Zeit, in der auch in Deutschland zunehmend rechtspopulistische Stimmen an Einfluss gewinnen und traditionelle Werte sowie Geschlechterrollen wieder stÀrker betont werden. Experten und Aktivist*innen beobachten mit Sorge, dass das gesellschaftliche Klima auch hierzulande rauer werden könnte.

Auswirkungen auf den Kölner CSD

Der Kölner CSD ist eine der grĂ¶ĂŸten Pride-Veranstaltungen Europas. Im vergangenen Jahr zog die Parade laut tagesschau.de rund 1,2 Millionen Besucher*innen an, mit 65.000 Teilnehmer*innen und 250 Gruppen, darunter 90 Festwagen. Die finanzielle UnterstĂŒtzung durch Unternehmen ist daher fĂŒr die Organisation einer solchen Großveranstaltung von enormer Bedeutung.

Winkels betont, dass die Existenz des CSD im Jahr 2025 trotz des SponsorenrĂŒckzugs nicht gefĂ€hrdet sei. Dennoch mache ihm die Entwicklung mittelfristig Sorgen. Die Freien WĂ€hler haben inzwischen gefordert, die Namen der abgesprungenen Sponsor*innen offenzulegen, damit die Community wisse, "wer den CSD noch unterstĂŒtzt und wer sich davon distanziert", wie Radio Köln berichtet.

Ein globaler Trend mit lokalen Auswirkungen

Der RĂŒckzug von US-Sponsoren vom Kölner CSD verdeutlicht, wie sehr globale politische Entwicklungen lokale LGBTQ+-Veranstaltungen beeinflussen können. Es zeigt auch, dass Unternehmen, die ihr Engagement fĂŒr Vielfalt und Inklusion oft als Teil ihrer Unternehmenskultur betonen, dieses unter politischem Druck ĂŒberdenken.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community ist dies ein Alarmzeichen. Es unterstreicht die Notwendigkeit, Errungenschaften im Bereich der Gleichstellung und Akzeptanz aktiv zu verteidigen und lokale UnterstĂŒtzungsnetzwerke zu stĂ€rken. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es sich um eine vorĂŒbergehende Entwicklung handelt oder ob die Community langfristige Strategien entwickeln muss, um ihre Veranstaltungen und Strukturen auch mit weniger UnternehmensunterstĂŒtzung aufrechtzuerhalten.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Kölner CSD ein wichtiges Symbol fĂŒr Vielfalt und Inklusion in Deutschland - und ein Zeichen dafĂŒr, dass die Community auch in schwierigen Zeiten zusammensteht.


Transfeindliche Gewalt in Los Angeles: 61-jÀhrige Frau brutal angegriffen - TÀter auf der Flucht

Die Los Angeles Police Department (LAPD) hat Überwachungsbilder von drei MĂ€nnern veröffentlicht, die verdĂ€chtigt werden, eine 61-jĂ€hrige Transgender-Frau angegriffen zu haben. Wie PinkNews berichtet, ereignete sich der Vorfall am 8. April, wĂ€hrend das Opfer in ihrem GeschĂ€ft im Stadtteil Westlake war. Diese brutale Tat reiht sich in eine besorgniserregende globale Zunahme transfeindlicher Gewalt ein - ein PhĂ€nomen, das auch in Deutschland zu beobachten ist.

Brutale Angriffsserie mit transfeindlichem Motiv

Laut Polizeibericht betrat einer der VerdĂ€chtigen zunĂ€chst das GeschĂ€ft der Frau und begann, mit ihr zu flirten. Nachdem sie seine AnnĂ€herungsversuche zurĂŒckgewiesen hatte, verließ er den Laden, kehrte jedoch spĂ€ter zurĂŒck und stieß sie zu Boden. Der TĂ€ter soll sie sexuell belĂ€stigt haben, bis er bemerkte, dass sie transgender ist.

Was folgte, war eine erschreckende Eskalation der Gewalt: Der HauptverdĂ€chtige drohte, die Frau zu töten, und kehrte in den folgenden Tagen mehrmals mit zwei Komplizen zurĂŒck. In separaten VorfĂ€llen wurde das Opfer mit einem Skateboard geschlagen, mit Pfefferspray attackiert, mit einer unbekannten FlĂŒssigkeit ĂŒbergossen und mit einem Taser bedroht.

Parallele Entwicklungen in Deutschland

Diese Form von Hassverbrechen ist leider auch in Deutschland keine Seltenheit. Laut Daten des Berliner Anti-Gewalt-Projekts MANEO hat die Zahl der polizeilich registrierten queerfeindlichen Straftaten in der Hauptstadt im Jahr 2023 mit 588 FĂ€llen einen traurigen Höchststand erreicht. Bundesweit registrierte die Polizei im Jahr 2022 ĂŒber 1.400 Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen, wie das Bundesinnenministerium mitteilte.

Besonders besorgniserregend: Studien der EU-Grundrechteagentur zeigen, dass Transgender-Personen noch stĂ€rker von Gewalt betroffen sind als andere Gruppen innerhalb der LGBTQ+-Community. 14% der LGBTI-Personen in Deutschland gaben an, in den fĂŒnf Jahren vor der Umfrage körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt zu haben - eine Zunahme im Vergleich zu frĂŒheren Erhebungen.

Rechtlicher Schutz - Fortschritte und Herausforderungen

Deutschland hat im April 2024 mit dem Selbstbestimmungsgesetz einen wichtigen Meilenstein im Schutz der Rechte von Transgender-Personen erreicht. Das am 1. November in Kraft getretene Gesetz ermöglicht es trans- und nicht-binĂ€ren Menschen, ihre GeschlechtsidentitĂ€t und ihren Vornamen durch ein vereinfachtes Verwaltungsverfahren zu Ă€ndern, ohne wie bisher psychiatrische Gutachten vorlegen zu mĂŒssen.

"Trotz der rechtlichen Fortschritte sehen wir eine besorgniserregende Zunahme von Hassverbrechen", erklĂ€rt Henny Engels vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). "Der Fall aus Los Angeles zeigt ein erschreckendes Muster, das wir auch in Deutschland beobachten: Diskriminierung, die in BelĂ€stigung und schließlich in körperliche Gewalt umschlĂ€gt."

Community-UnterstĂŒtzung und PrĂ€vention

In Deutschland bieten zahlreiche Organisationen UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene transfeindlicher Gewalt an. Dazu gehören spezialisierte Beratungsstellen wie TransInterQueer e.V. in Berlin oder das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen", das auch fĂŒr Transgender-Frauen zugĂ€nglich ist.

Die Berliner Polizei hat außerdem mit der Einrichtung spezieller Ansprechpersonen fĂŒr LGBTQ+-Angelegenheiten einen wichtigen Schritt zur besseren Erfassung und Verfolgung queerfeindlicher Straftaten unternommen. Dennoch bleiben die Dunkelziffern hoch, da viele Betroffene aus Angst oder mangelndem Vertrauen in die Behörden keine Anzeige erstatten.

Handlungsbedarf bleibt bestehen

Der Fall aus Los Angeles macht deutlich, dass trotz rechtlicher Fortschritte noch viel zu tun bleibt, um transfeindliche Gewalt einzudĂ€mmen - sowohl in den USA als auch in Deutschland. Expertinnen und Experten fordern eine verbesserte Erfassung von Hassverbrechen, mehr Sensibilisierung bei Polizei und Justizbehörden sowie gezielte PrĂ€ventionsmaßnahmen.

Die LAPD bittet derweil die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Identifizierung der VerdĂ€chtigen. Personen mit Informationen werden gebeten, sich an die zustĂ€ndige Polizeidienststelle zu wenden. FĂŒr deutsche Betroffene transfeindlicher Gewalt stehen neben den Polizeibehörden auch spezialisierte Beratungsstellen zur VerfĂŒgung, die vertrauliche UnterstĂŒtzung bieten.


Die Top-Kandidaten fĂŒr das Papstamt und ihre Positionen zu LGBTQ+-Rechten

Einige KardinĂ€le vertreten deutlich progressivere Ansichten als andere – ein Überblick nach dem Tod von Papst Franziskus. Basierend auf einem Bericht von Pink News zeigen wir, welche Auswirkungen die Wahl des nĂ€chsten Papstes auf die LGBTQ+-Community haben könnte.

Nach dem Tod von Papst Franziskus am 21. April werden mehrere Namen als mögliche Nachfolger fĂŒr das Oberhaupt der katholischen Kirche genannt. Obwohl der 88-jĂ€hrige Franziskus, der 2013 nach dem RĂŒcktritt von Benedikt XVI. Papst wurde, seit einiger Zeit krank war, schien er auf dem Weg der Besserung zu sein und spendete sogar am Ostersonntag trotz seiner Gebrechlichkeit den Segen vom Petersdom in Rom.

Die Trauer in der katholischen Welt ist groß. Das BegrĂ€bnis wurde fĂŒr Samstag, den 26. April, angesetzt. Theoretisch kann jeder getaufte katholische Mann zum Papst gewĂ€hlt werden. Doch seit Jahrhunderten wird der Papst aus dem Kreis der KardinĂ€le gewĂ€hlt, die bei einem Konklave ĂŒber den nĂ€chsten Pontifex abstimmen werden.

Das Wahlverfahren des neuen Papstes

Zur Wahl eines neuen Papstes wird von jedem Kardinal unter 80 Jahren erwartet, nach Rom zu reisen. In der Sixtinischen Kapelle schreiben die KardinĂ€le den Namen ihres gewĂ€hlten Kandidaten auf einen Stimmzettel, der in einen Kelch gelegt wird. TĂ€glich werden vier WahlgĂ€nge durchgefĂŒhrt, bis ein Kandidat zwei Drittel der Stimmen erhĂ€lt. Die Öffentlichkeit darf die Abstimmung nicht mitverfolgen, wird aber durch weißen Rauch aus dem Schornstein des Vatikans ĂŒber die endgĂŒltige Entscheidung informiert.

WĂ€hrend in Deutschland die katholische Kirche als eine der LGBTQ+-freundlichsten in Europa gilt, könnte die Wahl des nĂ€chsten Papstes weitreichende Folgen fĂŒr die Haltung der weltweiten Kirche zu LGBTQ+-Themen haben. Im November 2022 reformierte die deutsche Kirche ihr Arbeitsrecht, sodass niemand mehr aufgrund von HomosexualitĂ€t, BisexualitĂ€t oder Transgeschlechtlichkeit entlassen werden darf. Doch wie stehen die möglichen Papst-Kandidaten zu diesen Themen?

Die wichtigsten Kandidaten und ihre LGBTQ+-Positionen

Pietro Parolin gilt als relativ liberal und diplomatisch, obwohl seine Bilanz in LGBTQ+-Fragen nicht unproblematisch ist. Am 5. April 2019 stimmte er als StaatssekretÀr des Vatikans einem Treffen mit internationalen AnwÀlten und Vertretern der Zivilgesellschaft zu, um deren Forderung nach einer pÀpstlichen Stellungnahme gegen Konversionstherapien anzuhören. Allerdings erneuerte er nicht die Verurteilung der Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen durch den Heiligen Stuhl.

Parolin hat sich negativ ĂŒber "Gender-Ideologie" geĂ€ußert und sie als "Ă€ußerst gefĂ€hrlich" bezeichnet, "weil sie Unterschiede in ihrem Anspruch, alle gleich zu machen, zunichte macht." Andererseits hat er den Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch durch Geistliche und HomosexualitĂ€t zurĂŒckgewiesen und ihn als "schwerwiegende und wissenschaftlich unhaltbare Verbindung" bezeichnet. In Deutschland wurde er bei Buchmachern als Favorit fĂŒr die Nachfolge gehandelt.

Luis Antonio Tagle wird von vielen als Ă€hnlich in seinen Ansichten wie der verstorbene Papst Franziskus angesehen. Wie Franziskus unterstĂŒtzt er einen mitfĂŒhlenden Umgang mit marginalisierten Gruppen wie Migranten und FlĂŒchtlingen, obwohl er die Ablehnung der Kirche gegenĂŒber gleichgeschlechtlicher Ehe, Abtreibung und VerhĂŒtung unterstĂŒtzt.

Dennoch scheint er eine relativ mitfĂŒhlende Sicht auf LGBTQ+-Menschen zu haben. Bei einer katholischen Jugendkonferenz in London im Jahr 2015 sagte Tagle: "Die harten Worte, die in der Vergangenheit verwendet wurden, um Schwule, Geschiedene und Getrennte, unverheiratete MĂŒtter usw. zu bezeichnen, waren frĂŒher ziemlich streng." 2017 leitete er in den Philippinen eine Social-Media-Initiative namens "Lazarus-Projekt", die zur Akzeptanz von LGBTQ+-Menschen in Kirchen aufrief, und 2019 forderte er die katholische Jugend auf, LGBTQ+-Menschen nicht zu diskriminieren.

Peter Turkson vertritt trotz seiner Herkunft aus Ghana, einem Land mit Ă€ußerst negativen Ansichten ĂŒber LGBTQ+-Menschen, die Meinung, dass HomosexualitĂ€t kein kriminelles Vergehen sein sollte. GegenĂŒber der BBC erklĂ€rte er: "LGBT-Menschen dĂŒrfen nicht kriminalisiert werden, weil sie kein Verbrechen begangen haben. Es ist an der Zeit, mit der AufklĂ€rung zu beginnen, um den Menschen zu helfen, diese RealitĂ€t, dieses PhĂ€nomen zu verstehen. Wir brauchen viel Bildung, um den Menschen zu helfen, einen Unterschied zwischen Verbrechen und Nicht-Verbrechen zu machen."

Der Kardinal verwies auch darauf, dass es in einer der ghanaischen Sprachen, Akan, einen Ausdruck fĂŒr "MĂ€nner, die sich wie Frauen verhalten, und Frauen, die sich wie MĂ€nner verhalten" gibt. Dies zeige, dass HomosexualitĂ€t keine Übernahme aus dem Westen sei. Seine Ansichten stehen im Widerspruch zu denen römisch-katholischer Bischöfe in Ghana, die HomosexualitĂ€t als "verabscheuungswĂŒrdig" bezeichnen.

PĂ©ter ErdƑ gilt als einer der konservativsten AnwĂ€rter auf das Papstamt. Er lehnt es ab, dass wiederverheiratete Katholiken die Heilige Kommunion empfangen – es sei denn, sie verzichten auf Sex. Er ist auch entschieden gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Zudem hat er sich fĂŒr die Regierung des rechten, homophoben ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor OrbĂĄn ausgesprochen. Ungarn machte kĂŒrzlich Schlagzeilen mit dem Verbot von LGBTQ+-Pride-MĂ€rschen, was in Deutschland auf scharfe Kritik stieß.

Matteo Zuppi ist eine sehr liberale Figur. Der Kardinal verteidigte entschieden die Linie von Papst Franziskus zu Fiducia Supplicans, die es katholischen Priestern erlaubt, Paare in unregelmĂ€ĂŸigen Situationen, einschließlich gleichgeschlechtlicher Paare, zu segnen. Er sagte, das Dokument zeige "den liebevollen Blick der Kirche auf alle Kinder Gottes, ohne die Lehren des Lehramtes zu untergraben." Bereits 18 Monate zuvor hatte Zuppi die kirchliche Segnung eines mĂ€nnlichen Paares in seiner Erzdiözese erlaubt.

JosĂ© Tolentino Calaça de Mendonça ist Dichter, Bibelwissenschaftler und PĂ€dagoge in seinem Heimatland Portugal und ein PrĂ€lat, der laut dem Kardinalskollegium eindeutig auf der "progressiven" Seite steht. Sein Ansatz besteht darin, "Hass abzulehnen", und er "bemĂŒht sich, gleichgeschlechtlich orientierte Menschen, Geschiedene und zivilrechtlich 'Wiederverheiratete' einzubeziehen und sich mit Muslimen, Juden und den Anliegen von Migranten auseinanderzusetzen", so das Kollegium.

Mario Grech, der GeneralsekretĂ€r der Bischofssynode, ist ein weiterer Kandidat, der LGBTQ+-Menschen positiv gegenĂŒbersteht und sich bereits fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Akzeptanz von LGBTQ+-Mitgliedern in der Kirche eingesetzt hat.

Pierbattista Pizzaballa, von Newsweek als "weicher Konservativer" beschrieben, hat sich kaum öffentlich zu LGBTQ+-Rechten geĂ€ußert. Das Kardinalskollegium beschreibt seine Ansichten in sehr traditioneller Sprache und betont seinen Glauben an "die ZentralitĂ€t Christi in der Eucharistie, seine inbrĂŒnstige marianische Hingabe und seinen starken Glauben an den Weg der Heiligung durch TrĂŒbsal in diesem großen Schmelztiegel des Leidens, der der Nahe Osten ist."

Robert Sarah ist wahrscheinlich der offenste LGBTQ+-Gegner auf dieser Liste. Er hat sich gegen die Fiducia Supplicans ausgesprochen, die Vatikanische ErklÀrung, die es Geistlichen erlaubt, gleichgeschlechtliche Paare in bestimmten Szenarien zu segnen, und hat sich gegen Versuche gewandt, Schwulen und Lesben rechtliche Anerkennung zu verschaffen. Er ist auch vehement gegen "Gender-Ideologie" und bezeichnet sie und den Islamischen Staat (ISIS) als "zwei Radikalisierungen", die die Familie bedrohen.

Bedeutung fĂŒr die deutsche katholische Kirche

FĂŒr die katholische Kirche in Deutschland, die in den letzten Jahren wichtige Schritte zur Akzeptanz von LGBTQ+-Menschen unternommen hat, könnte die Wahl des nĂ€chsten Papstes entscheidend sein. Die deutsche Kirche hat 2022 ihr Arbeitsrecht reformiert, um Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder GeschlechtsidentitĂ€t zu verhindern, und gilt als eine der LGBTQ+-freundlichsten in Europa.

WĂ€hrend Papst Franziskus 2023 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erlaubte und betonte, dass HomosexualitĂ€t kein Verbrechen sei, könnte ein konservativerer Nachfolger wie Kardinal Sarah oder ErdƑ diese Fortschritte gefĂ€hrden. Andererseits könnten progressive Kandidaten wie Zuppi oder Grech den Weg fĂŒr eine noch inklusivere Kirche ebnen.

Das Ergebnis des Konklaves wird daher auch in Deutschland mit Spannung erwartet, wo die Debatte ĂŒber die Rolle der Kirche in der modernen Gesellschaft und ihre Haltung zu LGBTQ+-Themen besonders intensiv gefĂŒhrt wird.


Polen schafft letzte "LGBT-freie Zone" ab - Wichtiger Meilenstein fĂŒr die queere Community

Polen hat offiziell seine letzte "LGBT-freie Zone" abgeschafft, wie zuerst von PinkNews berichtet wurde. Der Gemeinderat von ƁaƄcut, einer Stadt im SĂŒdosten des Landes, stimmte am 24. April 2025 fĂŒr die Aufhebung der diskriminierenden Regelung. Dies markiert das Ende einer sechs Jahre wĂ€hrenden Politik, die europaweit fĂŒr Kritik und Empörung sorgte.

Das Ende einer diskriminierenden Ära

Im Jahr 2019 erklĂ€rten sich etwa 100 polnische Gemeinden und Landkreise zu "LGBT-freien Zonen". Diese Resolutionen, eingefĂŒhrt unter der damaligen rechtskonservativen Regierung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), verpflichteten die lokalen Behörden, "LGBT-Ideologie" zu bekĂ€mpfen und Toleranz nicht zu fördern. FĂŒr Nichtregierungsorganisationen, die sich fĂŒr Gleichberechtigung einsetzten, wurden Fördergelder gestrichen.

Die EuropĂ€ische Kommission reagierte mit harten Maßnahmen und fror EU-Fördergelder fĂŒr diese Regionen ein. Das EuropĂ€ische Parlament verurteilte die Zonen in einer Resolution als Teil eines "breiteren Kontexts von Angriffen gegen die LGBTI-Gemeinschaft in Polen". Der Oberste Verwaltungsgerichtshof Polens (NSA) urteilte 2022, dass diese Resolutionen gegen "die WĂŒrde, Ehre, den guten Namen und das damit eng verbundene Privatleben einer bestimmten Gruppe von Einwohnern" verstießen und erklĂ€rte sie fĂŒr verfassungswidrig.

Deutschland und Polen im Vergleich

Der Fall der "LGBT-freien Zonen" in Polen verdeutlicht die nach wie vor bestehenden Unterschiede zwischen Deutschland und seinem östlichen Nachbarn in Bezug auf LGBTQ+-Rechte. WĂ€hrend in Deutschland seit 2017 die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt ist und queere Menschen durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor Diskriminierung geschĂŒtzt sind, fehlen in Polen entsprechende Gesetze.

HomosexualitĂ€t wurde in Polen zwar bereits 1932 entkriminalisiert – frĂŒher als in vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern – doch die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften steht bis heute aus. Die polnische Verfassung definiert die Ehe ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau.

Aktuelle politische Entwicklungen

Der politische Wandel in Polen nach der Abwahl der PiS-Regierung im Jahr 2023 hat zu ersten Fortschritten gefĂŒhrt. Dennoch hat der polnische PrĂ€sident Andrzej Duda kĂŒrzlich einen Gesetzentwurf gegen LGBTQ+-feindliche Hassrede an das Verfassungsgericht ĂŒberwiesen, mit der BegrĂŒndung, dass er das verfassungsmĂ€ĂŸige Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung verletzen könnte.

Der Gesetzentwurf hĂ€tte die bestehenden Hassrede-Gesetze Polens, die bereits "öffentliche Beleidigung aufgrund nationaler, ethnischer, rassistischer oder religiöser Zugehörigkeit" unter Strafe stellen, um die Kategorien sexuelle Orientierung, Geschlecht, Alter und Behinderung erweitert. Bei Verstoß drohen bis zu drei Jahre Haft.

Gesellschaftliche Akzeptanz im Wandel

Laut einer aktuellen Studie von Ipsos ist die Akzeptanz von LGBTQ+-Personen in Deutschland generell hoch, jedoch gibt es auch hier Anzeichen fĂŒr zunehmend queerfeindliche Ansichten, besonders unter jungen MĂ€nnern. In Polen ist die gesellschaftliche Akzeptanz deutlich geringer, was teilweise auf den starken Einfluss der katholischen Kirche zurĂŒckzufĂŒhren ist.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es in Polen eine aktive LGBTQ+-Bewegung, die unermĂŒdlich fĂŒr Gleichberechtigung kĂ€mpft. Die Abschaffung der letzten "LGBT-freien Zone" ist ein symbolisch wichtiger Sieg, der Hoffnung auf weitere Fortschritte macht.

Blick in die Zukunft

Die Friedrich Naumann Stiftung betont, dass in Polen noch viel Arbeit bevorsteht, um LGBTQ+-Rechte auf das Niveau westeuropĂ€ischer LĂ€nder zu bringen. Die EinfĂŒhrung einer eingetragenen Partnerschaft wĂ€re ein erster wichtiger Schritt. Ermutigend ist jedoch, dass die aktuelle polnische Regierung unter MinisterprĂ€sident Donald Tusk bereits signalisiert hat, sich fĂŒr die Verbesserung der Situation einsetzen zu wollen.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community ist die Entwicklung in Polen ein Anlass, die SolidaritĂ€t mit polnischen Aktivisten zu stĂ€rken und den grenzĂŒberschreitenden Dialog zu fördern. Initiativen wie der deutsch-polnische LGBTQ+-Dialog tragen dazu bei, BrĂŒcken zu bauen und gemeinsame Strategien fĂŒr mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung zu entwickeln.

Die Abschaffung der letzten "LGBT-freien Zone" in Polen markiert nicht das Ende, sondern vielmehr einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu vollstÀndiger Gleichstellung und Akzeptanz der LGBTQ+-Community in ganz Europa.


Neuer Meilenstein fĂŒr sexuelle AufklĂ€rung: 5. Mai wird zum Internationalen Tag des Fistens erklĂ€rt

Der in Berlin ansĂ€ssige Verein "Fist Club Europe e.V." hat den 5. Mai offiziell zum "Internationalen Tag des Fistens" erklĂ€rt, wie auf der Nachrichtenseite queer.de berichtet wurde. Die Initiative zielt darauf ab, mehr Sichtbarkeit, AufklĂ€rung und Akzeptanz fĂŒr diese sexuelle Praxis zu schaffen, die besonders in Teilen der queeren Community verbreitet ist.

AufklÀrung und Enttabuisierung im Fokus

"Fisting ist mehr als nur eine sexuelle Technik – es ist ein Ausdruck von IntimitĂ€t, Vertrauen und Freiheit. Der 5. Mai soll ein Tag sein, an dem wir diese Praxis mit Respekt, Stolz und AufklĂ€rung sichtbar machen", erklĂ€rte Balian Richter, Sprecher des Fist Club Europe. Die Praxis des Analfistings, bei der mehrere Finger bis hin zu einer oder mehreren HĂ€nden in den Anus eingefĂŒhrt werden, erfordere ein hohes Maß an Kommunikation, Einvernehmlichkeit und Vertrauen zwischen den Beteiligten.

Der Verein betont die Wichtigkeit fundierter AufklĂ€rung: "Wir sehen einen dringenden Bedarf, nicht nur die Sichtbarkeit zu erhöhen, sondern vor allem Mythen aktiv abzubauen und einen sachlichen, gesundheitsbewussten Diskurs ĂŒber Fisting zu ermöglichen, der auf Fakten basiert", so Richter weiter. Studien zeigen tatsĂ€chlich, dass es in der LGBTQ+-Community einen besonderen Bedarf an spezifischen Informationen zur sexuellen Gesundheit gibt, der oft nicht ausreichend gedeckt wird.

Symbolik und Geschichte hinter dem Datum

Die Wahl des 5. Mai als Internationalen Tag des Fistens erfolgte bewusst, da die Zahl 5 symbolisch fĂŒr die fĂŒnf Finger einer Hand steht. Der Fist Club Europe strebt an, diesen Tag weltweit als Symbol fĂŒr eine Form sexueller IntimitĂ€t zu etablieren, "die oft privat gelebt wird, aber in vielen queeren LebensrealitĂ€ten fest verankert ist".

Interessanterweise existiert bereits seit 2011 ein "International Fisting Day" am 21. Oktober, der in den USA ins Leben gerufen wurde. Dieser fokussiert sich jedoch hauptsÀchlich auf Fragen der Zensur und ReprÀsentation in der Pornografie. Der neue Aktionstag am 5. Mai hingegen legt den Schwerpunkt auf die gelebte Praxis innerhalb der weltweiten schwulen Community. "Unser Ziel ist nicht Konkurrenz, sondern ErgÀnzung", betont Richter.

Im Kontext der Berliner LGBTQ+-Geschichte

Die Initiative reiht sich ein in Berlins lange Tradition als Vorreiter fĂŒr LGBTQ+-Rechte und sexuelle Freiheit. Bereits in den 1920er Jahren war Berlin ein europĂ€isches Zentrum fĂŒr die homosexuelle Emanzipationsbewegung – mit dem Wissenschaftlich-HumanitĂ€ren Komitee, der weltweit ersten Organisation fĂŒr Homosexuellenrechte, die 1897 in Berlin gegrĂŒndet wurde. Nach den dunklen Jahren der NS-Verfolgung hat sich besonders seit den 1970er Jahren wieder eine lebendige und vielfĂ€ltige queere Kultur in der Hauptstadt entwickelt.

Der erst im MĂ€rz 2024 gegrĂŒndete Fist Club Europe plant, den neuen Aktionstag kĂŒnftig mit eigenen Informations- und AufklĂ€rungsangeboten zu begleiten. Teil der Vereinsarbeit soll auch die Errichtung einer "Fisting Schule" sein, die Wissen ĂŒber sichere Praktiken, Hygiene und Einvernehmlichkeit vermitteln will.

Sexuelle Gesundheit und AufklÀrung

Experten fĂŒr sexuelle Gesundheit unterstreichen die Wichtigkeit umfassender AufklĂ€rung ĂŒber alle Formen sexueller Praktiken. Die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung betont, dass sachliche Information ĂŒber verschiedene sexuelle Praktiken, ohne Tabuisierung, ein wichtiger Bestandteil prĂ€ventiver Gesundheitsarbeit ist. Bei Praktiken wie Fisting, die spezifische Risiken bergen können, ist fundiertes Wissen besonders wichtig, um Verletzungen oder Infektionen vorzubeugen.

In diesem Sinne kann die Initiative des Fist Club Europe als Beitrag zur Gesundheitsförderung in einem oft tabuisierten Bereich verstanden werden. "Wir schaffen einen Tag, der aus der Mitte der Community entsteht – sichtbar, offen, selbstbewusst und respektvoll", fasst Richter die Ziele zusammen.


Kulturpolitischer RĂŒckschritt? Wolfram Weimer und die LGBTQ+-Feindlichkeit im designierten Kulturressort

CDU-Chef Friedrich Merz hat den konservativen Journalisten und Medienunternehmer Wolfram Weimer als neuen Kulturstaatsminister vorgestellt, was in der deutschen Kulturszene bereits massive Kritik hervorruft. Wie queer.de berichtet, haben innerhalb von 24 Stunden bereits mehr als 10.000 Menschen eine Online-Petition unterzeichnet, die vor einer "konservativen Verengung" im Kulturbereich warnt.

LGBTQ+-feindliche Äußerungen in Weimers Schriften

Besonders problematisch erscheinen Weimers Äußerungen zu queeren Menschen in seinem 2018 erschienenen Buch "Das konservative Manifest: Zehn Gebote der neuen BĂŒrgerlichkeit". Darin kritisiert der "Cicero"-GrĂŒnder offen, dass Menschen ihre HomosexualitĂ€t heute nicht mehr wie frĂŒher verstecken. Coming-outs bezeichnet er neben anderen "Trends" abwertend als "diskursive Proletarisierung" und "Enttabuisierung".

In seinem Werk nutzt Weimer wiederholt das Schlagwort "Gender-Ideologie" als Codewort fĂŒr seine Ablehnung gegenĂŒber der LGBTQ+-Community. Der 60-jĂ€hrige Christdemokrat behauptet, diese leugne "den Unterschied und die natĂŒrliche Aufeinander-Bezogenheit von Mann und Frau". Stattdessen preist er die heterosexuelle Familie als "Bastion gegen die modernistische Kultur des Provisorischen".

Konservative Kulturpolitik als Bedrohung fĂŒr Vielfalt?

Recherchen zeigen, dass Weimers Ernennung in der deutschen Kulturszene ĂŒberwiegend auf Skepsis und Ablehnung stĂ¶ĂŸt. Kritiker befĂŒrchten, dass unter seiner Leitung popkulturelle, emanzipative und progressive AnsĂ€tze unter Druck geraten könnten. Seine Ernennung wird von vielen als politisches Signal gegen die notwendige Vielfalt in der Kulturbranche verstanden.

Weimers konservative Positionen sind keine EinzelfĂ€lle im designierten Kabinett von Friedrich Merz. Mit Katherina Reiche hat Merz zudem eine Parteifreundin zur Wirtschaftsministerin nominiert, die ebenfalls durch homo- und transfeindliche Äußerungen aufgefallen ist. Die brandenburgische CDU-Politikerin hatte in der Vergangenheit queere Paare als "nicht normal" bezeichnet und behauptet, gleichgeschlechtliche Eheschließungen wĂŒrden "unendliches Leid" verursachen.

Parallelen zu anderen europÀischen LÀndern

Der kulturpolitische Rechtsruck in Deutschland reiht sich in eine besorgniserregende europÀische Entwicklung ein. In LÀndern wie Ungarn und Polen haben rechtspopulistische Regierungen in den vergangenen Jahren systematisch kulturelle Einrichtungen umgebaut und queere Rechte beschnitten. Auch in Italien hat die Regierung unter Giorgia Meloni Kulturinstitutionen mit konservativen Vertreter:innen besetzt.

In Deutschland sorgen sich nun viele Kulturschaffende, dass öffentliche Kulturförderung kĂŒnftig stĂ€rker an konservative Wertvorstellungen geknĂŒpft werden könnte. Als Kulturstaatsminister wĂ€re Weimer auch fĂŒr die Deutsche Welle zustĂ€ndig – was Kritiker als Interessenkonflikt sehen, da er selbst Medienunternehmer ist.

Breiter Widerstand formiert sich

Die Opposition gegen Weimers Ernennung wĂ€chst. Neben der bereits erwĂ€hnten Petition organisieren sich Kulturschaffende, queere VerbĂ€nde und zivilgesellschaftliche Organisationen, um gegen die drohende konservative Ausrichtung der Kulturpolitik zu protestieren. Besonders in den urbanen Zentren Berlin, Hamburg und Köln, wo große queere Communities beheimatet sind, regt sich Widerstand.

Ob Weimer als Kulturstaatsminister tatsĂ€chlich seine konservativen Ansichten in konkrete Politik umsetzen wird, bleibt abzuwarten. FĂŒr die LGBTQ+-Community in Deutschland stehen jedenfalls unruhige Zeiten bevor. Nach Jahren des gesellschaftlichen Fortschritts könnte die geplante konservative Wende im Kulturressort wichtige Errungenschaften gefĂ€hrden.


Jens Spahn und das Sterbehilfe-Urteil: Ein kontroverser Aspekt seiner politischen Karriere

In der Debatte um Jens Spahns mögliche neue Rolle als Unionsfraktionschef wird oft ĂŒbersehen, dass seine Amtszeit als Gesundheitsminister nicht nur durch die Corona-Pandemie geprĂ€gt war, sondern auch durch seinen umstrittenen Umgang mit dem wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe im Februar 2020.

Das Urteil und Spahns Reaktion

Am 26. Februar 2020 erklĂ€rte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschĂ€ftsmĂ€ĂŸigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) fĂŒr verfassungswidrig. Die Richter betonten, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst – einschließlich der Freiheit, Suizidhilfe in Anspruch zu nehmen.

Doch Spahn, damals amtierender Bundesgesundheitsminister, zeigte sich zurĂŒckhaltend bei der Umsetzung dieses Urteils. Er positionierte sich deutlich als Vertreter einer konservativen Haltung, die den Schutz des Lebens als vorrangig gegenĂŒber einer pragmatischen Umsetzung des Richterspruchs betrachtete.

Zögerliche Umsetzung und Hindernisse

Konkret blockierte Spahns Ministerium nach dem Urteil zunĂ€chst AntrĂ€ge auf tödliche Medikamente fĂŒr den assistierten Suizid. Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das dem Gesundheitsministerium untersteht, wurde angewiesen, entsprechende AntrĂ€ge nicht zu genehmigen. Dies fĂŒhrte zu erheblicher Kritik von Patientenrechtsorganisationen und liberalen Politikern, die darin eine Missachtung des höchstrichterlichen Urteils sahen.

In einer Stellungnahme begrĂŒndete Spahn seine Haltung damit, dass es zunĂ€chst eine umfassende gesellschaftliche Debatte und eine gesetzliche Neuregulierung geben mĂŒsse, bevor tödliche Medikamente fĂŒr Suizidwillige freigegeben werden könnten. Er betonte die Notwendigkeit, einen Ausgleich zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Schutz vor Missbrauch zu finden.

Verschiedene Perspektiven auf Spahns Haltung

FĂŒr BefĂŒrworter eines konservativen Ansatzes in der Sterbehilfe-Debatte war Spahns Vorgehen ein wichtiges Signal. Sie sahen darin den Versuch, einer "Normalisierung" des assistierten Suizids entgegenzuwirken und vulnerable Personen zu schĂŒtzen. Aus dieser Perspektive handelte Spahn verantwortungsbewusst, indem er auf eine sorgfĂ€ltige Regulierung drĂ€ngte.

Kritiker hingegen warfen dem damaligen Gesundheitsminister vor, sich ĂŒber ein höchstrichterliches Urteil hinwegzusetzen und leidenden Menschen ihr verfassungsmĂ€ĂŸiges Recht auf einen selbstbestimmten Tod zu verwehren. Das Verwaltungsgericht Köln gab dieser Sichtweise teilweise Recht, als es die pauschale Ablehnung von AntrĂ€gen auf tödliche Medikamente durch das BfArM fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rte.

Die aktuelle Situation

Bis heute, mehr als vier Jahre nach dem Urteil, gibt es keine klare gesetzliche Regulierung der Sterbehilfe in Deutschland. Im Bundestag wurden verschiedene GesetzentwĂŒrfe diskutiert, aber keiner konnte bisher eine Mehrheit finden. Diese rechtliche Grauzone fĂŒhrt weiterhin zu Unsicherheiten bei Ärzten, Betroffenen und ihren Angehörigen.

FĂŒr Jens Spahn könnte seine Position in der Sterbehilfe-Debatte nun, da er als potenzieller Fraktionschef der Union im GesprĂ€ch ist, erneut in den Fokus rĂŒcken. Seine damalige Haltung zeigt exemplarisch, wie er als Politiker agiert: prinzipientreu aus konservativer Sicht, aber auch bereit, kontroverse Positionen zu vertreten – selbst wenn dies bedeutet, sich dem Zeitgeist entgegenzustellen.

Ein Ausblick

Sollte Spahn tatsĂ€chlich Unionsfraktionschef werden, dĂŒrfte seine Position zum Thema Sterbehilfe weiterhin von Bedeutung sein – nicht nur fĂŒr die inhaltliche Ausrichtung der Union, sondern auch fĂŒr mögliche zukĂŒnftige Gesetzesinitiativen in diesem Bereich. Seine Haltung in dieser ethisch komplexen Frage verdeutlicht, dass er trotz seiner ModernitĂ€t in manchen gesellschaftspolitischen Fragen in anderen Bereichen fest in der konservativen Tradition seiner Partei verankert ist.

Diese Vielschichtigkeit macht Spahn zu einer interessanten politischen Figur, die sich nicht leicht in einfache Kategorien einordnen lĂ€sst – eine Eigenschaft, die ihm in seiner möglichen neuen Rolle als Fraktionschef sowohl nutzen als auch Herausforderungen bereiten könnte.