Der Deutsche Bundestag steht vor einem historischen Moment: Am 1. August 2025 wird mit Lisa "Lizzy" Schubert das erste offen nichtbinĂ€re Mitglied in das deutsche Parlament einziehen. Die 22-jĂ€hrige DĂŒsseldorferin rĂŒckt fĂŒr den Bottroper Linken-Politiker Uwe Foullong nach, der sein Mandat aus gesundheitlichen GrĂŒnden niederlegt. Die Nachricht stammt ursprĂŒnglich von queer.de.
Ein Meilenstein fĂŒr die Sichtbarkeit nichtbinĂ€rer Menschen
Schuberts Einzug in den Bundestag markiert einen bedeutsamen Schritt fĂŒr die ReprĂ€sentation der LGBTQ+-Community in der deutschen Politik. WĂ€hrend schwule, lesbische, bisexuelle und trans Abgeordnete bereits im Parlament vertreten sind, ist Schubert die erste Person, die sich öffentlich als nichtbinĂ€r identifiziert und nun auf höchster politischer Ebene tĂ€tig wird.
Mit nur 22 Jahren wird Schubert nicht nur das erste nichtbinĂ€re, sondern auch das jĂŒngste Mitglied des Bundestags sein. Die Sozialwissenschaftsstudentin der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf hatte ursprĂŒnglich nicht mit dem Parlamentseinzug gerechnet. "Als ich mich im Januar habe aufstellen lassen, lag die Linke bundesweit noch unter fĂŒnf Prozent", erklĂ€rte sie der NRZ. "Deshalb habe ich ĂŒberhaupt nicht damit gerechnet, dass es klappen könnte."
Vom Hörsaal in den Bundestag
Die Nachricht ĂŒber den Einzug in den Bundestag erreichte Schubert wĂ€hrend ihres Studiums. "Ich war ziemlich geschockt. Ich fand das surreal und konnte das erst gar nicht glauben", beschrieb sie ihre Reaktion gegenĂŒber der Rheinischen Post. ZunĂ€chst möchte sie ihr Semester ordentlich abschlieĂen und ihre Klausuren absolvieren, bevor sie sich vollstĂ€ndig auf die parlamentarische Arbeit konzentriert.
Schubert war bei der Bundestagswahl als Direktkandidatin im Wahlkreis DĂŒsseldorf II angetreten und erreichte 9,3 Prozent der Erststimmen. Ăber die nordrhein-westfĂ€lische Landesliste der Linken auf Platz 14 verpasste sie zunĂ€chst den direkten Einzug knapp. Ihr politisches Engagement reicht bereits bis in die Jugend zurĂŒck, wo sie sich in sozialen, antifaschistischen und klimapolitischen Bewegungen engagierte.
Politische Ziele und Visionen
In ihrer politischen Arbeit möchte Schubert vor allem marginalisierte Gruppen in den Fokus rĂŒcken. "Ich möchte allen Diskriminierten und Nicht-Gesehenen eine Stimme geben und mit euch fĂŒr eine Gesellschaft streiten, die niemanden zurĂŒcklĂ€sst", schrieb sie auf Instagram. Im Bundestag wird sie voraussichtlich im Finanzausschuss tĂ€tig werden.
Ihr Engagement geht ĂŒber die reine Parlamentsarbeit hinaus. Die aktive Volleyball-Spielerin beim queeren Verein VC Phoenix betont, dass ihr Platz im Parlament kein Selbstzweck sei, sondern dabei helfen solle, "eine sozialistische Partei und Bewegung aufzubauen, politische KĂ€mpfe zu fĂŒhren und fĂŒr die Sichtbarkeit aller Menschen einzutreten."
UnterstĂŒtzung und Bedeutung fĂŒr die LGBTQ+-Community
Der DĂŒsseldorfer Kreisverband der Linken zeigt sich begeistert ĂŒber Schuberts NachrĂŒcken. "Wir freuen uns riesig. Die Fraktion gewinnt mit Lisa Schubert eine Person mit klarer sozialistischer Haltung", erklĂ€rt Kreisverbands-Pressesprecher Jan Ole Lindner gegenĂŒber dem nd.
Schuberts Einzug in den Bundestag sendet ein wichtiges Signal an nichtbinÀre Menschen in ganz Deutschland. Die rechtliche Anerkennung nichtbinÀrer GeschlechtsidentitÀten hat in Deutschland in den letzten Jahren wichtige Fortschritte gemacht, doch die politische ReprÀsentation blieb bisher aus. Mit Schubert wird erstmals eine Person, die sich jenseits der binÀren Geschlechternormen identifiziert, direkt an der Gesetzgebung beteiligt sein.
Ihr Weg vom Studium in die höchste deutsche Volksvertretung zeigt, dass politische Teilhabe fĂŒr alle Menschen möglich ist â unabhĂ€ngig von Alter, GeschlechtsidentitĂ€t oder ursprĂŒnglichen KarriereplĂ€nen. Schuberts Geschichte könnte andere junge LGBTQ+-Menschen ermutigen, sich ebenfalls politisch zu engagieren und fĂŒr ihre Ăberzeugungen einzustehen.