Nur drei Wochen nach dem gewaltsamen Angriff auf ein Fest für Vielfalt in Bad Freienwalde zeigt sich die Realität der LGBTQ+-Community in Brandenburg erneut von ihrer bedrohlichen Seite. Der Christopher Street Day in Falkensee findet unter dem Motto "Vielfalt vereint" statt – doch die Organisator*innen müssen sich gegen eine angekündigte Gegendemo der rechtsextremen Gruppe "Jung und stark" wappnen.
Sicherheit wird zur Priorität
Die Bedrohungslage ist real und spürbar. CSD-Organisator Bjarne Herke macht deutlich: "Nach dem Angriff in Bad Freienwalde ist die Bedrohungslage für uns sehr sichtbar." Die Veranstalter*innen haben ihre Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht – mehr Ordner*innen, enger Austausch mit der Polizei und die dringende Empfehlung, nur in Gruppen anzureisen. Diese Maßnahmen sind ein trauriges Zeichen dafür, wie sich die Situation für queere Menschen in Brandenburg verschärft hat.
Das Bundesinnenministerium ordnet die Mitglieder von "Jung und stark" dem gewaltbereiten rechtsextremistischen Spektrum zu – eine Einschätzung, die durch die zunehmende rechte Gewalt gegen die LGBTQ+-Community in Brandenburg bestätigt wird.
Vielfalt trotz Widerstand
Trotz der Bedrohung lassen sich die Organisator*innen nicht einschüchtern. Der CSD in Falkensee, der um 15 Uhr am Bahnhof startet, ist mehr als nur eine queere Demonstration. Sportvereine und Kirchenvertreter*innen zeigen Solidarität – ein wichtiges Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die bereits gehisste Regenbogenfahne am Rathaus ist ein Symbol des Widerstands gegen Diskriminierung, nachdem die AfD sich im Januar noch grundsätzlich gegen das Hissen der Fahne gewandt hatte.
Parallel dazu findet auch in Wittenberge um 17 Uhr ein CSD statt, moderiert von Dragqueen Fatty Acid. Diese Parallelveranstaltungen zeigen die Entschlossenheit der Community, auch in schwierigen Zeiten fĂĽr Vielfalt und Toleranz einzustehen.
Brandenburg im Fokus
Die Ereignisse in Brandenburg sind kein Einzelfall. Im Juni attackierten vermummte Angreifer ein Fest für Vielfalt in Bad Freienwalde und verletzten mindestens zwei Menschen. Der CSD in Eberswalde konnte am 22. Juni nur unter erhöhtem Polizeischutz friedlich verlaufen. Diese Häufung von Vorfällen macht deutlich, dass Brandenburg zu einem Brennpunkt für queerfeindliche Gewalt geworden ist.
Umso wichtiger ist es, dass Personen wie Olaf Stoffregen in Falkensee mit dem Courage-Preis für sein Engagement gegen Rechtsradikalismus und Homophobie ausgezeichnet werden – ein Zeichen dafür, dass auch in schwierigen Zeiten Menschen für Toleranz und Menschlichkeit einstehen.
Ein Appell zur Solidarität
Der CSD Falkensee wird zu einem Symbol für den Mut der LGBTQ+-Community, sich nicht einschüchtern zu lassen. Doch die Tatsache, dass queere Menschen in Deutschland 2024 nur noch in Gruppen zu Pride-Veranstaltungen gehen können, ist ein Alarmsignal für unsere Gesellschaft. Es zeigt, wie wichtig es ist, dass alle demokratischen Kräfte zusammenstehen und queere Menschen schützen.
Die Botschaft des CSD Falkensee "Vielfalt vereint" bekommt so eine besondere Bedeutung – sie ist nicht nur Programm, sondern Notwendigkeit im Kampf gegen Hass und Diskriminierung.