Trans Day of Remembrance 2025: 281 Morde weltweit – ein alarmierendes Signal für Deutschland

Am 20. November 2025 gedachten Menschen weltweit den Opfern transfeindlicher Gewalt. Die neuesten Zahlen der Organisation Transgender Europe (TGEU) sind erschütternd: Zwischen dem 1. Oktober 2024 und dem 30. September 2025 wurden weltweit 281 trans und geschlechtsdiverse Menschen ermordet. Seit 2009 hat das Trans Murder Monitoring nun insgesamt 5.322 Morde dokumentiert.

Der Trans Day of Remembrance (TDoR) ist längst mehr als ein Gedenktag – er ist ein Weckruf. Der internationale Trans-Gedenktag wird seit seiner Entstehung am 20. November 1999 jährlich begangen, um jenen zu gedenken, die durch transfeindliche Hassverbrechen ermordet wurden. Diese feierliche Nacht entstand aus der Wut und Frustration von trans Aktivist*innen nach den Morden an zwei Schwarzen trans Frauen in Massachusetts.

Besorgniserregende Trends: Aktivist*innen im Visier

Die aktuellen Daten offenbaren einen besonders alarmierenden Trend: Waren 2023 noch sechs Prozent aller ermordeten Personen Aktivist*innen, stieg die Zahl 2024 auf neun Prozent und 2025 auf 14 Prozent. Die Gruppe, die nach Sexarbeiter*innen am häufigsten Zielscheibe transfeindlicher Gewalt wird, sind Aktivist*innen und prominente Figuren in der trans Bewegung.

Deekshitha Ganesan, Policy Manager bei TGEU, erklärt: „Dieser Anstieg ist ein bewusster Versuch, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sich für Freiheit und Gleichberechtigung einsetzen. Diese Morde sind die extremste Folge eines politischen Diskurses, der trans Personen entmenschlicht".

Mehrfachdiskriminierung: Wer ist besonders betroffen?

Die Statistiken zeigen deutlich, wer am stärksten gefährdet ist: 88 Prozent der Ermordeten sind nicht weiß. Überwältigende 90 Prozent der gemeldeten Morde waren Feminizide – die Opfer waren trans Frauen oder transfeminine Personen.

Sexarbeiter*innen sind am häufigsten von transfeindlicher Gewalt betroffen und machen im Trans Murder Monitoring 34 Prozent der Getöteten aus. Aufgrund von Marginalisierung und Fetischisierung finden viele trans Personen nur in der Sex-Industrie eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Die Situation in Deutschland: Gedenken und wachsende Bedrohung

Auch in Deutschland fanden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Dank mutiger trans Aktivist*innen finden trotz erstarkender rechter Kräfte überall im Land Gedenkveranstaltungen und Demos statt – allein in Baden-Württemberg elf. In Karlsruhe nahmen etwa 150 Menschen an der Mahnwache teil, gemeldet waren ursprünglich 50.

Doch die Lage verschlechtert sich: Laut einem Bericht der Amadeu-Antonio-Stiftung kam es 2025 bei fast jedem zweiten der 245 ausgerichteten CSDs zu Angriffen und Störungen. Fast die Hälfte dieser gingen von Rechtsextremen aus. Von den insgesamt 180 CSDs in 2024 wurden 55 von Rechtsextremen angegriffen.

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 1.500 Delikte gegen die sexuelle Orientierung polizeilich erfasst – die Zahl stieg das sechste Jahr in Folge auf einen deutlichen Höchststand. In Deutschland berichteten 65 Prozent der trans Frauen von Diskriminierung in den letzten 12 Monaten.

Dunkelziffer und mediales Versagen

TGEU weist darauf hin, dass trans Opfer oft in Medienberichten oder Polizeiakten mit dem falschen Geschlecht bezeichnet werden, was die Erfassung aller gemeldeten Morde zunehmend erschwert. Die tatsächliche Zahl der durch Gewalt getöteten trans Personen ist „wahrscheinlich weit höher".

Dieses Jahr wurde weder über die Transgender Awareness Week noch über den Trans Day of Remembrance großartig berichtet. Die geringere Zahl an Morden bedeutet laut TGEU nicht, dass sich die Situation für trans Personen global verbessert hat – viel eher hängt die Zahl wohl mit dem sinkenden Medieninteresse über diese Morde zusammen.

Parallel in Deutschland: Sexarbeit und Schutz

Ein besonders wichtiger Aspekt für den Schutz trans Menschen in Deutschland ist die Entkriminalisierung von Sexarbeit. Von 2002 bis 2025 wurden in Deutschland 88 Sexarbeiter*innen getötet und 50-mal wurde versucht, eine zu töten.

Die Forderung nach Entkriminalisierung von Sexarbeit ist nicht neu: TGEU fordert die Entkriminalisierung von Sexarbeit, um „Arbeitsschutz für trans und geschlechtsdiverse Menschen zu gewährleisten". In Deutschland setzen sich Organisationen wie der LSVD für bessere Arbeitsbedingungen und gegen die Stigmatisierung von Sexarbeitenden ein.

Was muss sich ändern?

„Jede ermordete Aktivistin repräsentiert eine zum Schweigen gebrachte Community", sagt Freya Watkins, Senior Research Officer bei TGEU. Die Organisation fordert:

  • Internationalen Schutz für trans Menschenrechtsverteidiger*innen
  • Entkriminalisierung von Sexarbeit zum Schutz vulnerabler Gruppen
  • Stärkere Hassverbrechen-Gesetze und deren konsequente Anwendung
  • Bekämpfung politischer Desinformation gegen trans Menschen
  • Nachhaltige Unterstützung trans-geführter zivilgesellschaftlicher Organisationen

Diese Zahlen sind nur der Beweis für das, was viele in der trans Community bereits wussten: Diese Gesellschaft hat kein Interesse daran, trans Personen zu schützen. Wachsender Rassismus, Streichung von Bildungsprojekten und Schließung von Schutzorten sind eine Frage von Leben und Tod.

Der TDOR ist auch ein Tag, um die Stärke und Widerstandskraft der Lebenden zu würdigen – der trans, nicht-binären und geschlechtsnonkonformen Personen, die in einer Welt bestehen, die sie oft ablehnt. Die sich zeigen, Gemeinschaften schaffen und für ein Leben in Freiheit und Würde kämpfen.

Wenn du Unterstützung brauchst: Der Bundesverband Trans* bietet Beratung und Vernetzung in ganz Deutschland an. Bei akuter Bedrohung wende dich an die Polizei (Notruf 110) oder das schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO.

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