Nach Angriff auf Pride-Flagge: Berliner Schauspielschule zeigt Flagge für Solidarität

Ein schockierender Angriff auf die Pride-Flagge der Hochschule für Schauspielkunst Ernst-Busch in Berlin-Mitte hat die queere Community und die Hochschule zu einem starken Zeichen der Solidarität veranlasst. Wie queer.de berichtet, attackierten am Donnerstagmittag mehrere Männer die Regenbogenfahne an der Hausfassade der renommierten Schauspielschule, spuckten sie an, warfen Steine und rissen sie schließlich herunter. Dabei wurden auch Hochschulangehörige angegangen und ein*e Student*in queerfeindlich beleidigt.

Erschreckende Realität: Queerfeindliche Gewalt nimmt zu

Der Angriff auf die Ernst-Busch-Schule ist kein Einzelfall, sondern spiegelt eine besorgniserregende Entwicklung wider. Laut aktuellen Statistiken des Bundesministeriums des Innern wurden 2024 bundesweit 2.917 Straftaten aus Homo-, Bi-, Trans- und Interfeindlichkeit registriert, darunter 465 Gewalttaten. Dies stellt einen Anstieg von 13,4 % bei Straftaten gegen die sexuelle Orientierung und 8,2 % bei geschlechtsbezogener Diversität dar.

Besonders alarmierend: Experten schätzen die Dunkelziffer auf über 80 Prozent, da viele Betroffene queerfeindliche Angriffe nicht zur Anzeige bringen. In Berlin wurden 2024 insgesamt 579 Fälle in den Bereichen "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene Diversität" registriert.

Pantisano: "Angriff auf unsere Demokratie"

Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano, der am Freitag sein zweijähriges Amtsjubiläum feierte, zeigte sich "tief bewegt" und "erschüttert" von dem Vorfall. "Das war nicht einfach Vandalismus", kommentierte er nach einem Besuch an der Hochschule. "Das war ein Angriff, das war Gewalt – auf queere Menschen, auf unsere Demokratie, auf alles, was unsere offene Gesellschaft ausmacht."

Pantisano ordnete den Angriff in einen größeren Kontext ein: "Queere Menschen werden derzeit täglich zur Zielscheibe. Mit Worten, mit Hass, mit Gewalt. Unsere Lebensrealitäten werden infrage gestellt, unsere Sicherheit wird angegriffen, unsere Sichtbarkeit bekämpft."

Starkes Zeichen der Solidarität

Die Reaktion der Hochschulgemeinschaft ließ nicht lange auf sich warten. Bereits am Freitag versammelten sich Studierende, Lehrende und Mitarbeitende zu einer Solidaritätskundgebung. Die Pride-Flagge wurde wieder gehisst – diesmal als Symbol des Widerstands gegen Hass und Diskriminierung.

"Die Studierenden der HfS haben heute ein starkes Zeichen gesetzt", lobte Pantisano die Reaktion. "Sie haben sich versammelt. Mit der Flagge. Mit Stolz. Mit Haltung. Sie haben gesagt: Wir lassen uns nicht einschĂĽchtern."

Die Hochschule selbst veröffentlichte eine klare Stellungnahme: "Hass und Ausgrenzung haben an unserer Schule keinen Platz, Vielfalt, Respekt und Freiheit für alle Menschen schon." Sie betonte, dass noch viel zu tun sei, aber die Gemeinschaft zusammenstehe: "Wir zeigen Flagge. Wir bleiben solidarisch – mit allen queeren Menschen an unserer Hochschule und darüber hinaus."

Hochschulen als Schutzräume unter Druck

Der Angriff auf die Ernst-Busch-Schule verdeutlicht eine beunruhigende Entwicklung: Selbst Bildungseinrichtungen, die traditionell als Orte der Offenheit und des kritischen Denkens gelten, sind vor queerfeindlicher Gewalt nicht sicher. "Hochschulen sind Orte der Freiheit", betonte Pantisano. "Wenn selbst diese Orte attackiert werden, dann muss uns allen klar sein: Der Angriff auf queeres Leben ist ein Angriff auf uns alle."

Die Botschaft der Hochschulgemeinschaft ist jedoch eindeutig: "Dort, wo Hass weht, braucht es mehr Liebe. Dort, wo Angst geschürt wird, braucht es mehr Mut. Dort, wo Menschen queerfeindlich handeln, braucht es uns alle – solidarisch, laut, sichtbar", so Pantisano.

Die wieder gehisste Pride-Flagge an der Ernst-Busch-Schule trägt ein Versprechen in sich: "Wir werden nie aufhören, für queere Rechte, für Würde und für Menschlichkeit einzustehen." In Zeiten steigender queerfeindlicher Gewalt ist dies ein wichtiges Signal – nicht nur für Berlin, sondern für ganz Deutschland.

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