Ein symbolträchtiger Auftritt in Budapest zeigt, wie sich lokale Politiker*innen gegen staatliche LGBTQ+-Repression zur Wehr setzen: Bürgermeister Gergely Karácsony erschien zu seiner polizeilichen Befragung in einem Regenbogen-T-Shirt – eine kraftvolle Botschaft der Solidarität mit der queeren Community. Der oppositionelle Politiker wird beschuldigt, die offiziell verbotene Pride-Demonstration organisiert zu haben, die trotz aller Widerstände bis zu 200.000 Menschen mobilisierte.
"Beim CSD Budapest haben wir ein starkes Zeichen an die ganze Welt geschickt, dass weder Freiheit noch Liebe in Budapest verboten werden können", erklärte Karácsony vor hunderten Unterstützer*innen. Seine Worte verdeutlichen einen Mut, der auch für deutsche LGBTQ+-Aktivist*innen inspirierend ist – besonders in Zeiten, in denen auch hierzulande queerfeindliche Einstellungen zunehmen.
Ein kreativer Weg gegen staatliche Repression
Karácsony fand einen juristisch geschickten Weg, um Orbáns Verbot zu umgehen: Er organisierte die Pride als städtische Veranstaltung, wodurch sie trotz des staatlichen Verbots stattfinden konnte. Diese kreative Lösung erinnert an ähnliche Strategien in Deutschland während der 1970er und 80er Jahre, als auch hier LGBTQ+-Veranstaltungen oft auf Widerstand stießen.
Die Veranstaltung entwickelte sich zu einer der größten Anti-Regierungs-Demonstrationen der letzten Jahre in Ungarn. Dutzende EU-Parlamentarier*innen nahmen teil, um ihre Solidarität zu zeigen – ein Signal, das weit über Ungarns Grenzen hinaus wichtig ist.
Der Kontrast zu Deutschland wird deutlicher
Während in Deutschland 2024 bedeutende Fortschritte erzielt wurden – wie die Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes – verschärft sich die Lage für LGBTQ+-Menschen in Ungarn dramatisch. Das nach russischem Vorbild erlassene "Homo-Propaganda"-Gesetz verbietet praktisch jede öffentliche Darstellung queeren Lebens vor Minderjährigen.
Besonders besorgniserregend: Die rechtliche Geschlechtsanerkennung ist in Ungarn de facto unmöglich gemacht worden, während Deutschland gerade den umgekehrten Weg geht und die Verfahren vereinfacht hat. Diese divergierende Entwicklung zeigt, wie fragil LGBTQ+-Rechte in Europa sind.
Warum dieser Mut auch Deutschland betrifft
Karácsony's Beispiel ist auch für deutsche LGBTQ+-Aktivist*innen relevant. Aktuelle Studien zeigen, dass besonders junge Männer in Deutschland zunehmend queerfeindliche Ansichten entwickeln. Der Mut des Budapester Bürgermeisters erinnert daran, dass erkämpfte Rechte nicht selbstverständlich sind.
Seine Bereitschaft, eine mögliche einjährige Haftstrafe zu riskieren, unterstreicht die Bedeutung lokaler Solidarität. Auch in Deutschland sind es oft Bürgermeister*innen und Kommunalpolitiker*innen, die als erste für LGBTQ+-Rechte eintreten – von der Hissung der Regenbogenflagge bis zur Unterstützung lokaler Pride-Veranstaltungen.
Ein T-Shirt als politisches Statement
Das Regenbogen-T-Shirt mit dem Budapester Stadtwappen, das Karácsony bei seiner Befragung trug, wurde zu einem viralen Symbol des Widerstands. EU-Anwält*innen haben bereits erklärt, dass Ungarns Anti-LGBTQ+-Gesetze die Menschenrechte verletzen – doch bis zu einer rechtlichen Klärung sind es solche symbolischen Akte des Mutes, die Hoffnung geben.
Für die deutsche LGBTQ+-Community zeigt dieser Fall, wie wichtig internationale Solidarität ist. Während wir hier um Details wie geschlechtsneutrale Sprache oder Adoptionsrechte für Regenbogenfamilien streiten – berechtigte und wichtige Kämpfe –, geht es in Ungarn um die grundlegendste Form der Sichtbarkeit. Karácsony's Mut erinnert uns daran, dass Menschenrechte keine Selbstverständlichkeit sind – auch nicht in Europa.