In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits 232 Mpox-Infektionen registriert, wie aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen. Dies berichtet queer.de unter Berufung auf Aussagen des RKI-Infektions-Experten Klaus Jansen. Damit nähert sich die Zahl der Fälle in diesem Jahr bereits der Gesamtzahl aus dem vergangenen Jahr (275 Fälle), bleibt aber deutlich unter dem Niveau des großen Ausbruchs von 2022 mit 3.672 Fällen.
Aktuelle Einschätzung der Lage
Trotz des Anstiegs betrachtet das RKI die Entwicklung nicht als besorgniserregend. "Insgesamt finden wir aktuell das Infektionsgeschehen nicht überraschend", erklärt Jansen. "Leichtere Anstiege und Abfälle von Infektionen, wie wir sie regional in den letzten Monaten gesehen haben, sind zu erwarten, da Mpox immer wieder in sexuellen Netzwerken auftreten kann, bei denen die Immunität geringer ausgeprägt ist." Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland weiterhin als gering ein.
Ăśbertragungswege und Risikogruppen
Mpox wird hauptsächlich durch engen Körperkontakt übertragen, insbesondere beim Sex. Das Virus kann über kleinste Hautverletzungen, Schleimhäute und möglicherweise auch über die Atemwege in den Körper gelangen, wie das Bundesministerium für Gesundheit informiert. Die Infektion löst typischerweise Hautausschlag, Fieber und Muskelschmerzen aus.
Die bisherigen Fälle in Deutschland betreffen überwiegend Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Laut RKI gab es in Deutschland bisher "nur ganz, ganz wenige" Fälle bei Frauen oder Kindern, zumeist als Sekundärinfektionen im engeren sozialen Umfeld oder in der Familie. Auch unter Reiserückkehrer*innen sei bislang keine Häufung zu erkennen.
Impfempfehlungen und Prävention
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Mpox für Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, insbesondere MSM mit häufig wechselnden Partner*innen, sowie für exponiertes Laborpersonal. In Deutschland stehen die Impfstoffe Imvanex® (in der EU zugelassen) und Jynneos® (in den USA zugelassen) zur Verfügung. Für eine Grundimmunisierung sind zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 28 Tagen erforderlich, wie das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg mitteilt. Personen, die bereits in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, benötigen nur eine einmalige Impfstoffdosis.
"Der Impfung als sehr gutem Präventionsinstrument kommt eine hohe Bedeutung zu", betont RKI-Experte Jansen. Die Schutzwirkung der Impfung ist sehr gut, und auch in bestimmten Situationen nach dem Kontakt mit Infizierten kann eine Impfung sinnvoll sein, um den Krankheitsverlauf zu mildern.
Regionale Unterschiede und besondere Aufmerksamkeit in Berlin
Berlin war im Jahr 2022 besonders stark von Mpox betroffen und bleibt auch jetzt ein Schwerpunkt, wie die Gelbe Liste berichtet. Ende März dieses Jahres warnte die Schwulenberatung Berlin vor einem Anstieg der Fallzahlen und forderte verstärkte Aufklärungsarbeit. Auch HIV-Beratungsstellen und LGBTQ+-Gesundheitszentren in anderen Großstädten bieten spezielle Informationen und Impfberatungen an.
Neue Virusvarianten im Blick
Seit Oktober des vergangenen Jahres wurden in Deutschland vereinzelt Fälle einer Mpox-Infektion durch die Klade Ib nachgewiesen, wie Infektionsschutz.de berichtet. Diese stehen im Zusammenhang mit im Ausland erworbenen Infektionen. Die Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung neuer Varianten aufmerksam, bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf eine erhöhte Gefährdung durch diese Varianten in Deutschland.
Ausblick auf die Festivalsaison
Mit Blick auf die beginnende Festivalsaison und Großveranstaltungen wie den Christopher Street Day (CSD) bleiben Gesundheitsexpert*innen wachsam. Allerdings habe man im vergangenen Jahr um solche Ereignisse keine starke Häufung von Infektionen feststellen können, so der RKI-Experte Jansen. Dennoch werden Community-Organisationen und Gesundheitsämter weiterhin Präventionsarbeit leisten und Informationen bereitstellen.
Personen mit Symptomen wie Hautausschlag, Fieber oder Lymphknotenschwellungen, besonders nach Risikokontakten, sollten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und vorab telefonisch auf den Verdacht hinweisen. Weitere Informationen und Beratungsangebote finden Betroffene bei ihrem lokalen Gesundheitsamt, der Deutschen Aidshilfe und spezialisierten LGBTQ+-Gesundheitszentren.
