Historische Wahlrechtsreform in Großbritannien: Wie das Wahlalter ab 16 LGBTQ+ Rechte stärken könnte

Die britische Regierung hat eine wegweisende Entscheidung getroffen: Das Wahlalter soll auf 16 Jahre gesenkt werden. Diese historische Reform, die am 17. Juli 2024 angekündigt wurde, könnte bedeutende Auswirkungen auf die LGBTQ+ Rechte haben - ein Thema, das auch in Deutschland zunehmend relevant wird.

Ein Meilenstein für die Demokratie

Die Reform erlaubt es erstmals über 1,6 Millionen jungen Menschen zwischen 16 und 17 Jahren, bei der nächsten Parlamentswahl ihre Stimme abzugeben. Während diese Altersgruppe in Schottland und Wales bereits bei lokalen Wahlen teilnehmen konnte, ist dies ein entscheidender Schritt auf nationaler Ebene. Labour-Demokratieministerin Rushanara Ali betonte, dass dies Teil des Engagements der Partei zur "Modernisierung unserer Demokratie" sei.

In Deutschland wird eine ähnliche Debatte geführt. Während das Wahlalter hier weiterhin bei 18 Jahren liegt, gibt es zunehmend Stimmen, die eine Senkung fordern. Besonders interessant ist dies vor dem Hintergrund, dass die Generation Z auch hier eine entscheidende Rolle in der politischen Landschaft spielt.

Generation Z: Die LGBTQ+ freundlichste Generation aller Zeiten

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) ist nicht nur die LGBTQ+ freundlichste Generation der Geschichte, sondern auch die vielfältigste. Britische Zensusdaten von 2023 zeigen, dass 16- bis 24-Jährige mehr als doppelt so häufig als LGBTQ+ identifizieren wie alle anderen Altersgruppen.

Global betrachtet identifizieren sich laut einer Ipsos-Umfrage von 2024 durchschnittlich 17 Prozent der Generation Z als LGBTQ+, verglichen mit nur 11 Prozent der Millennials und 6 Prozent der Generation X. Diese Trends zeigen sich auch in Deutschland, wo junge Menschen zunehmend progressive Positionen vertreten.

Überwältigende Unterstützung für LGBTQ+ Rechte

Die Einstellungen der Generation Z zu LGBTQ+ Rechten sind bemerkenswert positiv. Eine Ipsos-Umfrage ergab, dass 66 Prozent der britischen Generation Z der Meinung sind, dass gleichgeschlechtliche Paare das Recht zu heiraten haben sollten. 58 Prozent der jungen Frauen glauben sogar, dass Unternehmen und Institutionen aktiv LGBTQ+ Rechte fördern sollten.

Noch eindrucksvoller sind die Zahlen von Kantar aus dem Jahr 2020: 93 Prozent der 16- bis 24-Jährigen fühlen sich wohl mit LGBTQ+ Menschen und würden sie akzeptieren. Eine YouGov-Umfrage von 2024 zeigt zudem, dass 50 Prozent der jungen Briten bereits an einem Pride-Event teilgenommen haben.

Trans-Rechte im Fokus

Besonders bemerkenswert ist die Einstellung der Generation Z zu Trans-Rechten. Eine Studie von "Just Like Us" aus dem Jahr 2021 ergab, dass 84 Prozent der jungen Menschen im Vereinigten Königreich einen Freund unterstützen würden, wenn er sich als trans outet. Mehr als 57 Prozent gaben an, bereits einen trans Freund zu haben.

Diese Offenheit spiegelt sich auch in Deutschland wider, wo das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die Ehe für alle wichtige Meilensteine für LGBTQ+ Rechte darstellen.

Warum das auch für Deutschland relevant ist

Die Entwicklungen in Großbritannien könnten auch in Deutschland Auswirkungen haben. Das Wahlverhalten der Generation Z zeigt hier interessante Muster: Während junge Frauen eher progressive Parteien wählen, ist das Wahlverhalten insgesamt von einem "politischen Cherry Picking" geprägt, bei dem traditionelle Links-Rechts-Denkmuster an Bedeutung verlieren.

Die Reform in Großbritannien könnte als Vorbild für andere europäische Länder dienen. Wenn sich zeigt, dass eine Senkung des Wahlalters tatsächlich zu mehr Unterstützung für LGBTQ+ Rechte führt, könnte dies auch in Deutschland die Diskussion über eine entsprechende Reform anheizen.

Ein Blick in die Zukunft

Die historische Entscheidung Großbritanniens, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken, ist mehr als nur eine Wahlrechtsreform. Sie könnte einen Wendepunkt für LGBTQ+ Rechte darstellen und zeigen, wie die Stimmen junger Menschen demokratische Prozesse nachhaltig beeinflussen können.

Während wir auf die Ergebnisse der nächsten britischen Parlamentswahl warten, die spätestens im August 2029 stattfinden wird, bleibt abzuwarten, ob sich die Prognosen über den positiven Einfluss auf LGBTQ+ Rechte bewahrheiten werden. Eines ist jedoch sicher: Die Generation Z wird die politische Landschaft in Europa nachhaltig prägen - sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland.

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