Das SchwuZ kämpft ums Überleben: Ein historischer Verlust für die queere Community droht

Ein Schockmoment für Berlins queere Community: Das SchwuZ, Deutschlands ältester LGBTI-Club und größte queere Kulturinstitution, hat Insolvenz angemeldet. Was als "SchwulenZentrum" 1977 begann, ist heute weit mehr als nur ein Club – es ist ein kulturelles Herz, das seit fast fünf Jahrzehnten queere Geschichte schreibt.

Mehr als nur ein Club: Ein Zuhause für Generationen

Das SchwuZ ist für viele queere Menschen nicht nur ein Ort zum Feiern, sondern ein zweites Zuhause. "Hier haben viele von uns gefunden, wonach wir gesucht haben: ein Zuhause, unsere Wahlfamilie und Freiheit", heißt es in dem verzweifelten Aufruf der Betreiber auf Instagram. Diese Worte treffen den Kern dessen, was queere Schutzräume bedeuten: Sie sind Orte der Selbstfindung, der Gemeinschaft und des Widerstands.

Die finanzielle Krise spiegelt ein deutschlandweites Problem wider: Queere Kulturrräume kämpfen ums Überleben. Zwischen März 2024 und Juli 2025 häuften sich die monatlichen Verluste auf 30.000 bis 60.000 Euro. Trotz drastischer Maßnahmen wie der Entlassung eines Drittels der 100-köpfigen Belegschaft im Mai konnte die Schließung nicht verhindert werden.

Ein Spiegelbild der deutschen Clubkultur-Krise

Das SchwuZ ist kein Einzelfall. Deutschlandweit leiden Clubs unter den Nachwirkungen der Pandemie, steigenden Betriebskosten und einem veränderten Ausgehverhalten. Doch für queere Venues bedeutet das Sterben nicht nur den Verlust von Tanzflächen, sondern von essentiellen Schutzräumen.

Die Geschäftsführung unter Katja Jäger, die erst im März die Leitung übernommen hatte, versuchte alles: Reduzierung des Clubbetriebs unter der Woche, gezieltere Programmplanung und digitale Optimierungen. Doch diese Bemühungen reichten nicht aus, um die dramatische Schieflage zu korrigieren.

Kultureller Verlust mit gesellschaftlicher Tragweite

Was das SchwuZ so besonders macht, ist seine Rolle als vielseitige Kulturplattform. Neben den legendären Partys bietet die Pepsi Boston Bar regelmäßig Lesungen, Konzerte und Diskussionsrunden. Hier treffen sich Menschen unterschiedlicher Geschlechter, sexueller Orientierungen und Nationalitäten – ein lebendiges Abbild queerer Vielfalt.

Das SchwuZ steht auch für politische Arbeit: Als Verein für queere Kultur und Emanzipation setzt es sich aktiv für queere Sichtbarkeit und Antidiskriminierungsarbeit ein. In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierung sind solche Räume wichtiger denn je.

Hoffnung auf Rettung: Community mobilisiert sich

Trotz der Insolvenz läuft der Betrieb vorerst weiter. Das Insolvenzverfahren soll dem Club Zeit verschaffen, um gemeinsam mit der Community einen Weg in die Zukunft zu finden. "Jetzt zählt jede*r", appellieren die Betreiber eindringlich an die queere Community und ihre Verbündeten.

Ein externer Insolvenzberater soll nun ein tragfähiges Konzept entwickeln. Doch letztendlich liegt die Rettung in den Händen der Menschen, für die das SchwuZ mehr als nur ein Club ist – es ist ein Stück queerer Geschichte, das nicht verloren gehen darf.

Die Geschichte des SchwuZ zeigt exemplarisch, wie wichtig es ist, queere Kultur aktiv zu unterstützen. Denn was einmal verloren ist, lässt sich nur schwer zurückgewinnen. Für Berlin und die gesamte deutsche LGBTI-Community steht mehr auf dem Spiel als nur ein Clubbetrieb – es geht um den Erhalt eines kulturellen Erbes und sicherer Räume für zukünftige Generationen.

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