Der grausame Mord an Rafael Blumenstock jährt sich bald zum 35. Mal – und noch immer ist er ungelöst. Wie queer.de berichtet, widmet sich das ZDF-Spezial "Aktenzeichen XY… ungelöst: Cold Cases" am Mittwoch (20.15 Uhr) erneut diesem schockierenden Verbrechen, das als eines der brutalsten queerfeindlichen Verbrechen in der deutschen Kriminalgeschichte gilt.
Eine trans Frau sucht Kontakt – und findet den Tod
Am Abend des 4. November 1990 war die 28-jährige Rafael Blumenstock in verschiedenen Ulmer Kneipen unterwegs. Die studierte Klaviermusikerin, die sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren konnte und häufig Frauenkleidung trug, suchte den Kontakt zu anderen Menschen. Wie Ermittlungen ergaben, sprach sie immer wieder fremde Männer an und fragte nach deren Telefonnummern.
Was als Suche nach menschlicher Nähe begann, endete in unvorstellbarer Brutalität: Auf dem Ulmer Münsterplatz traf Blumenstock auf zwei bis drei Männer. Es kam zu einem Streit – und dann geschah das Unfassbare.
Ein Verbrechen von erschütternder Brutalität
Die Unbekannten stachen 19-mal auf die junge Frau ein und schnitten ihr die Nase ab. Das Opfer wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Polizei bezeichnete die Tat als sogenannten "Overkill" – einen Begriff, der beschreibt, wenn Angreifende deutlich mehr Gewalt anwenden, als zur Tötung nötig gewesen wäre. Die extreme Brutalität deutet auf Hass und möglicherweise queerfeindliche Motive hin.
Eine Zeugin, die in der Nähe des Tatorts in einem Wohnmobil übernachtete, soll die Täter gesehen haben. Die Ermittler*innen vermuten, dass diese aus einer queerfeindlichen und rechten Gruppierung stammen könnten.
Ein Mahnmal gegen das Vergessen
Am Ulmer Münsterplatz erinnert heute eine Gedenkstele an Rafael Blumenstock. Die Granitplatte wurde von ihrem inzwischen verstorbenen Vater gestaltet und befindet sich in der Nähe des Tatorts. Es ist ein stiller, aber eindringlicher Appell gegen das Vergessen – und gegen die Gewalt, der queere Menschen noch heute ausgesetzt sind.
Der Fall zeigt schmerzlich auf, welcher Diskriminierung und Gewalt trans Personen bereits in den 1990er Jahren ausgesetzt waren. In einer Zeit, in der queere Identitäten gesellschaftlich noch weit weniger akzeptiert waren als heute, lebte Rafael Blumenstock offen ihre Identität – und wurde dafür mit dem Leben bezahlen.
Hoffnung auf späte Gerechtigkeit
Seit 2020 widmet sich "Aktenzeichen XY… Cold Cases" der Aufklärung alter, ungeklärter Mordfälle. Die Sendung gibt Ermittler*innen die Möglichkeit, nach Jahren vergeblicher Spurensuche noch einmal an die Öffentlichkeit zu treten – in der Hoffnung auf den entscheidenden Hinweis.
Für die queere Community ist der Fall Rafael Blumenstock mehr als nur ein Cold Case: Er steht symbolisch für die jahrzehntelange Gewalt und Diskriminierung, der LGBTIQ+ Personen ausgesetzt waren und sind. Dass der Fall nun erneut aufgerollt wird, zeigt auch, dass queere Leben wichtig sind – und dass auch 35 Jahre später nicht aufgegeben wird.
Ein Aufruf an die Gesellschaft
Die Wiederaufnahme des Falls durch "Aktenzeichen XY" ist nicht nur ein Aufruf an mögliche Zeug*innen, sich zu melden. Es ist auch ein Appell an die Gesellschaft, hinzuschauen und queere Menschen zu schützen. Auch heute noch sind trans Personen und andere Mitglieder der LGBTIQ+ Community Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt.
Rafael Blumenstock war eine junge Frau, die ihr Leben leben wollte, wie sie es fĂĽr richtig hielt. DafĂĽr wurde sie ermordet. Ihre Geschichte mahnt uns, dass der Kampf fĂĽr Akzeptanz und Sicherheit queerer Menschen noch lange nicht beendet ist.
- Die Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst: Cold Cases" läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr im ZDF
- Hinweise zum Fall können bei jeder Polizeidienststelle abgegeben werden
- Das Gedenken an Rafael Blumenstock findet sich am Ulmer MĂĽnsterplatz