Wenn der Hass Symbole schmiert: Der rechtsextreme Angriff auf die Aidshilfe Hamburg

In der Nacht zum 8. September 2024 wurde die Aidshilfe Hamburg Ziel eines rechtsextremen Angriffs. Unbekannte Täter rissen Posterrahmen am Eingang sowie Werbeschilder an den Fenstern ab und beschmierten sie mit Hakenkreuzen. Der Angriff auf das Gebäude in der Langen Reihe zeigt eine neue Qualität der Gewalt gegen die LGBTQ+-Organisation, die seit über 40 Jahren für Vielfalt und Solidarität in der Hansestadt steht.

Eine neue Dimension der Gewalt

"Das ist beunruhigend und auch eine neue Qualität von Gewalt", teilte die Aidshilfe Hamburg nach dem Vorfall mit. Während es in den vergangenen Jahren immer wieder verbale Angriffe gegeben habe, seien Hakenkreuze "neu, besonders unappetitlich". Die Geschäftsführung erstattete umgehend Anzeige bei der Polizei. Der finanzielle Schaden sei zwar "übersichtlich", aber die psychologischen Auswirkungen wiegen schwer: "Es macht natürlich etwas mit der allgemeinen Gemütslage bei uns."

Teil eines besorgniserregenden Trends

Der Angriff auf die Aidshilfe Hamburg ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in ein beunruhigendes Muster ein. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 1.765 Straftaten im Unterthemenfeld "sexuelle Orientierung" registriert, davon 253 Gewaltdelikte. Besonders alarmierend: Die Opferberatungsstellen verzeichneten einen Anstieg um 40% bei queerfeindlich motivierten Angriffen gegen LGBTIQ* im Vergleich zum Vorjahr.

Seit Juni 2024 geraten vermehrt Veranstaltungen der LSBTIQ-Bewegung in den Fokus insbesondere gewaltorientierter Rechtsextremisten. Es kam in den letzten Monaten wiederholt zu (versuchten) rechtsextremistischen Störaktionen von öffentlichen Veranstaltungen zum Christopher Street Day (CSD), besonders in Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo Gegendemonstrationen teils dreistellige Teilnehmerzahlen erreichten.

Parallelen in anderen deutschen Städten

Auch andere Aidshilfe-Organisationen wurden bereits Ziel rechtsextremer Angriffe. Im Juli 2023 wurde die Aidshilfe Düsseldorf attackiert: In die Glasscheiben am Hauseingang seien Nazi-Symbole gekratzt worden, darunter auch ein Hakenkreuz. Wenige Wochen später folgte ein weiterer Angriff mit einem anonym verschickten Paket mit Fäkalien.

Der Verfassungsschutz beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge. Das "rechtsextremistische Personenpotenzial" hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt auf erstmals über 50.200 Rechtsextremisten, davon über 15.300 stark gewaltbereit. Die Behörden sprechen von einem "dramatischen Befund".

Standhaft bleiben gegen rechten Hass

Trotz des Angriffs zeigt sich die Aidshilfe Hamburg kämpferisch. Die Aktivist*innen kündigten an, ihre "Ideen und Ansichten von Diversitäten, Vielfalt und einer Gesellschaft für alle Menschen, gegen jeden gesellschaftlichen Widerstand konsequent verteidigen" zu wollen. Man werde weiterhin "gegen rechtes Rollback und rechtes Gedankengut vorgehen".

Mit einem kreativen Aufruf zur Solidarität wendete sich die Organisation an die Öffentlichkeit: "Wenn Ihr Menschen kennt, die Regenbögen brauchen: www.proudcommunity.de". Der Erlös aus dem Verkauf geht zu 100 Prozent in die vielfältige Präventionsarbeit - mit dem Zusatz: "Nazis hassen diesen Trick."

Die wichtige Arbeit der Aidshilfen

Die Deutsche Aidshilfe und ihre regionalen Mitgliedsorganisationen leisten seit über 40 Jahren unverzichtbare Arbeit. Mehr als 130 ehrenamtliche Kolleg*innen sowie Fachleute aus unterschiedlichen Berufsfeldern stärken Menschen den Rücken, die durch die HIV-Infektion besonders betroffen sind. Gesundheitsförderung ist ihre Kompetenz. Vielfalt und Solidarität sind ihre Leidenschaft.

Die Präventionsarbeit der Aidshilfen richtet sich dabei besonders an vulnerable Gruppen und verbindet Fach- und Betroffenenkompetenz miteinander und bindet die Zielgruppen in die Arbeit ein. Diese strukturelle Präventionsarbeit hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die HIV-Infektionszahlen in Deutschland niedrig sind und seit einigen Jahren zurückgehen.

Solidarität als Antwort

Der Angriff auf die Aidshilfe Hamburg zeigt einmal mehr: Der Kampf für eine offene, vielfältige Gesellschaft ist noch lange nicht gewonnen. Die rechtsextremistisch motivierten Bedrohungen queerer Menschen verfolgen das Ziel, eine ganze Bevölkerungsgruppe einzuschüchtern, queere Menschen wieder in die Unsichtbarkeit zu treiben und sie an der Wahrnehmung ihrer Grundrechte zu hindern. "Staat und Gesellschaft sind aufgefordert, diesen Angriffen auf die Sicherheit und die Grundrechte queerer Menschen überall klar und entschieden entgegenzutreten", fordern LGBTQ+-Verbände.

Die Reaktion der Aidshilfe Hamburg auf den Angriff zeigt: Mit Hass und Hakenkreuzen lässt sich die queere Community nicht einschüchtern. Im Gegenteil - sie antwortet mit noch mehr Engagement für Vielfalt, Solidarität und eine Gesellschaft, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können. Denn wie die Aktivist*innen betonen: Die Arbeit für sexuelle Gesundheit, Akzeptanz und Menschenrechte wird weitergehen - allen Angriffen zum Trotz.

Regresar al blog