Ein US-Bezirksgericht hat die Trump-Administration am 2. September zur Wiederherstellung hunderter gelöschter Webseiten mit wichtigen LGBTQ+-Gesundheitsinformationen verpflichtet. Die Trump-Administration wurde angeordnet, Hunderte von Webseiten zu Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion sowie Geschlechtsidentität im Rahmen einer gerichtlichen Einigung wiederherzustellen. Dieser Erfolg für die queere Community sendet ein wichtiges Signal – auch an Deutschland, wo ähnliche Informationsangebote zunehmend unter Druck geraten könnten.
Medizinische Organisationen erkämpfen Sieg vor Gericht
Betroffene Webseiten umfassten das HIV-Risikoreduktions-Tool des National Institute of Health, eine FAQ-Seite zur Mpox-Behandlung und Hunderte von Seiten zu Gesundheitsthemen, die die LGBTQ+-Community betreffen. Die Washington State Medical Association (WSMA) führte zusammen mit acht weiteren medizinischen Organisationen die Klage gegen die US-Regierung an, nachdem Trump im Januar ein Dekret zur Löschung dieser lebenswichtigen Ressourcen erlassen hatte.
Dr. John Bramhall, Präsident der WSMA, betonte die Tragweite des Eingriffs: "Vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen verschwanden im Handumdrehen." Die Organisation, die mehr als 13.000 Ärzte vertritt, sah die Versorgung ihrer Patienten gefährdet und das Vertrauen in bundesstaatliche Gesundheitseinrichtungen erschüttert.
Trumps systematischer Angriff auf LGBTQ+-Rechte
Trump hat am Montag kurz nach seiner Amtsübernahme ernst gemacht und zahlreiche Bürgerrechtsprogramme beendet, die auch queere Menschen schützen sollten. Vor seinen versammelten Unterstützer*innen in der Washingtoner Capital One Arena hob der Republikaner 78 von seinem Vorgänger Joe Biden erlassene Dekrete, Verfügungen und Anordnungen auf, von denen mehrere darauf abzielten, Minderheiten die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz oder im Gesundheitswesen zu garantieren. Trump beendete so konkret Durchführungsverordnungen aus der Ära Biden, die "Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Ausrichtung" verhindern sollten.
Die Organisation GLAAD berichtete, dass fast alle Inhalte rund um LGBTIQ* und HIV auf der Webseite des Weißen Hauses entfernt wurden. An seinem ersten Tag zurück im Amt unterzeichnete er ein Dekret, das von der Annahme ausgeht, dass es nur das weibliche und männliche Geschlecht gebe. Entsprechend würden Identitäten fortan nur noch als weiblich oder männlich anerkannt, je nachdem, welche Geschlechtszellen der Körper produziert.
Parallelen zu Deutschland: Warnung vor rechten Strömungen
Die Entwicklungen in den USA sind auch für Deutschland alarmierend. Auch in Deutschland und Europa sind ähnliche autoritäre und wissenschaftsfeindliche politische Strömungen erkennbar. Deutsche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) zeigen sich besorgt über die globalen Auswirkungen.
Prof. Dr. Christoph Spinner vom Klinikum der Technischen Universität München warnt eindringlich: "Überall dort, wo man den Bereich der Evidenz verlässt und sich auf Ideologien und Populismus stützt, ist es sehr wahrscheinlich, dass für Patientinnen und Patienten Rückschritte, wenn nicht gar lebensbedrohliche Komplikationen, eintreten können."
Deutschlands Gesundheitssystem: Vorbild und Verantwortung
Im Gegensatz zu den USA bietet Deutschland derzeit noch umfassende Informations- und Unterstützungsangebote für LGBTQ+-Personen. Plattformen wie Queermed Deutschland vermitteln sensibilisierte Ärzt*innen und Therapeut*innen. Queermed Deutschland soll auffangen, was aktuell durch das deutsche Gesundheitssystem nicht möglich ist: Eine respektvolle, sensibilisierte Gesundheitsversorgung für alle in Deutschland lebenden Menschen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert über sexuelle Gesundheit und Vielfalt, während mit dem Aktionsplan "Queer leben" die Bundesregierung die Akzeptanz und den Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt stärken und Queerfeindlichkeit entgegenwirken will. Diese Angebote sind keine Selbstverständlichkeit, wie die US-Entwicklungen zeigen.
Gesundheitliche Ungleichheit macht Informationen unverzichtbar
Die Bedeutung zugänglicher Gesundheitsinformationen wird durch aktuelle Studien unterstrichen. 2,5 Mal so häufig Depressionen (über 26% der LGBTIQ-Befragten mit depressiver Erkrankung im Laufe des Lebens im Gegensatz zu 10% der cisheterosexuellen Befragten) zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Diskriminierung und Minderheitenstress machen krank: Studien zeigen negative Folgen auf die Gesundheit von LSBTIQ*
Diese Zahlen verdeutlichen, warum der Zugang zu spezialisierten Gesundheitsinformationen buchstäblich lebensrettend sein kann. Die Trump-Administration ignorierte diese Realität bewusst und setzte ideologische Ziele über die Gesundheit von Millionen Menschen.
Widerstand formiert sich global
Simon Blake Obe, CEO der Organisation Stonewall, bezeichnet Trumps erste Amtshandlungen als "katastrophal" für die Rechte von LGBTIQ* Personen. Die Behauptung, dass trans Personen oder andere marginalisierte Gruppen kein Recht auf Existenz hätten, "weist alarmierende historische Parallelen zu einigen der schlimmsten Momente der Menschheit auf", so Obe.
Der erfolgreiche Widerstand der medizinischen Organisationen in den USA zeigt jedoch, dass der Kampf für LGBTQ+-Rechte nicht aussichtslos ist. Kevin Jennings, der Chef der queeren Bürgerrechtsorganisation Lambda Legal, kündigte bereits rechtliche Schritte an. "Unsere Community wird sich nicht auslöschen lassen. Lambda Legal wird nie damit aufhören, für Gerechtigkeit zu kämpfen", so Jennings.
Lehren für Deutschland: Wachsamkeit ist geboten
Die Ereignisse in den USA sollten Deutschland als Warnung dienen. Infektionskrankheiten sind eine globale Angelegenheit – wenn in den USA Gelder gestrichen und Forschung sowie Aufklärung behindert werden, wird das auch Folgen für Deutschland und Europa haben. Deutschland muss weiter in die globale Forschung investieren und im Kampf gegen HIV aktiv bleiben.
Die deutsche LGBTQ+-Community und ihre Verbündeten müssen wachsam bleiben. Die hart erkämpften Fortschritte in der Gesundheitsversorgung und Aufklärung sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen aktiv verteidigt und ausgebaut werden – gegen populistische Strömungen, die auch hierzulande an Einfluss gewinnen.
Der Gerichtserfolg in den USA zeigt: Widerstand lohnt sich. Doch er mahnt auch, dass Errungenschaften fragil sind und jederzeit verteidigt werden müssen. Deutschland sollte aus den amerikanischen Erfahrungen lernen und seine inklusiven Gesundheitssysteme stärken, bevor es zu spät ist.
