Transfeindlicher Angriff in Schöneberg zeigt alarmierende Entwicklung der Queerfeindlichkeit in Berlin

Ein weiterer erschütternder Fall von Transfeindlichkeit hat sich in Berlin ereignet: In der Dominicusstraße in Schöneberg wurde eine 47-jährige trans Person von zwei Männern attackiert und bespuckt. Der Vorfall, über den queer.de berichtete, verdeutlicht die dramatisch ansteigende queerfeindliche Gewalt in der Hauptstadt und ganz Deutschland.

Ein alltäglicher Abend wird zum Albtraum

Was am Freitagabend gegen 21:20 Uhr als normaler Spaziergang begann, endete für eine trans Person mit einem demütigenden und verletzenden Angriff. Zwei unbekannte Männer sprachen sie gezielt auf ihre geschlechtliche Identität an. Als sie ehrlich antwortete, trans zu sein, spuckten ihr die Täter ins Gesicht und flüchteten auf einem E-Scooter. Diese scheinbar banale Szene offenbart die brutale Realität, mit der queere Menschen täglich konfrontiert sind – selbst in einem vermeintlich weltoffenen Bezirk wie Schöneberg.

Berlin: Spitzenreiter bei queerfeindlicher Hasskriminalität

Die Ermittlungen hat wie üblich der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernommen – ein Zeichen dafür, dass Berlin queerfeindliche Gewalt ernst nimmt und systematisch verfolgt. Doch die Zahlen sind alarmierend: 588 queerfeindliche Straftaten wurden 2023 in Berlin erfasst – ein neuer Höchststand.

Bundesweit ist die Lage nicht besser: 2024 wurden 1.765 Fälle gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung und 1.152 Fälle wegen geschlechtsbezogener Diversität gemeldet – ein Anstieg von 18 beziehungsweise 35 Prozent. Trans Personen sind dabei besonders gefährdet.

Politische Reaktionen und Präventionsmaßnahmen

Die Berliner Politik reagiert auf diese besorgniserregende Entwicklung: Erst am Freitag stellte der Runde Tisch "Schutz vor queerfeindlicher Hasskriminalität" konkrete Empfehlungen vor. Dazu gehört der verstärkte Einsatz von speziell geschultem Polizei- und Sicherheitspersonal im öffentlichen Nahverkehr. Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete die aktuellen Zahlen als "erschreckend" und forderte eine gezielte Verfolgung queerfeindlicher Gewalt.

Die unsichtbare Dunkelziffer

Besonders beunruhigend: Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Übergriffe nicht zur Anzeige gebracht werden. Die wahren Dimensionen queerfeindlicher Gewalt sind also noch viel größer als die ohnehin schockierenden offiziellen Zahlen vermuten lassen.

Berlin als Vorreiter in der Aufklärung

Dass aus Berlin verhältnismäßig viele Berichte über LGBTIQ+-feindliche Übergriffe bekannt werden, liegt paradoxerweise an der fortschrittlichen Haltung der Berliner Behörden. Die Landespolizei macht mögliche Hassverbrechen gezielt publik und verfügt über eigene Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für queere Menschen, ebenso wie die Staatsanwaltschaft. Diese Transparenz ist wichtig, um das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen.

Ein Aufruf zur Solidarität

Der Angriff in Schöneberg ist kein Einzelfall, sondern Teil eines beunruhigenden gesellschaftlichen Trends. Jeder einzelne Fall von queerfeindlicher Gewalt ist einer zu viel. Es braucht nicht nur bessere Gesetze und mehr Polizei, sondern vor allem eine Gesellschaft, die klar Position bezieht: für Vielfalt, gegen Hass und Diskriminierung. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass alle Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität – sicher und frei leben können.

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