Schwulen bei Online-Date mit Machete bedroht und ausgeraubt: Hasskriminalität in Deutschland weiterhin alarmierend

Die Hamburger Polizei hat zwei Männer im Alter von 25 und 27 Jahren wegen eines brutalen, homophoben Raubüberfalls verhaftet. Der Vorfall ereignete sich Ende Juni, als ein 38-jähriger schwuler Mann über ein Dating-Portal zu einem Treffen gelockt und anschließend mit einer Machete bedroht und beraubt wurde. Wie queer.de berichtet, steht der Fall exemplarisch für eine beunruhigende Entwicklung von Gewalt gegen LGBTQ+-Personen im Kontext von Online-Dating.

Ein perfider Plan mit verheerenden Folgen

Der Ablauf des Verbrechens zeigt die kaltblütige Vorgehensweise der Täter: Der 25-jährige Haupttäter hatte über eine Dating-Plattform Kontakt zu seinem späteren Opfer aufgenommen und sich mit ihm in einem Treppenhaus eines Hochhauses in Wilhelmsburg verabredet. Dort erschien er jedoch nicht allein, sondern mit seinem 27-jährigen Komplizen, der das Opfer mit einer Machete bedrohte. Die Täter erbeuteten Handy, Armbanduhr, Geldbeutel und Bargeld aus dem Auto des 38-Jährigen.

Die Ermittler der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts, die für Hasskriminalität zuständig ist, stufen die Tat klar als homosexuellenfeindlich motiviert ein. Bei Hausdurchsuchungen in den Wohnungen der Verdächtigen konnten mehrere Beweismittel sichergestellt werden.

Online-Dating als Gefahrenzone für LGBTQ+-Personen

Der Fall reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie von Straftaten im Zusammenhang mit schwulen Online-Dates. Wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dokumentiert, sind LGBTQ+-Personen auf Dating-Plattformen besonders häufig Ziel von Hassreden, Belästigungen und in extremen Fällen auch körperlicher Gewalt.

Ein weiterer aktueller Fall verdeutlicht die Bandbreite der Bedrohungen: Ende Mai wurde in Augsburg ein 50-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er einen katholischen Priester, den er über die Dating-App "Romeo" kennengelernt hatte, erpresste. Tragischerweise hatte die Anzeige für den Priester selbst schwerwiegende Konsequenzen: Die katholische Kirche entzog ihm aufgrund seiner sexuellen Orientierung die Erlaubnis, weiter seine Gemeinde zu leiten.

Hasskriminalität in Deutschland: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die Hamburger Tat ist kein Einzelfall. Laut dem Bundesministerium des Innern und für Heimat wurden 2022 deutschlandweit 1.005 Hasskriminalitätstaten gegen die sexuelle Orientierung erfasst. Diese Zahlen umfassen Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe.

Besonders alarmierend ist die Einschätzung des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), dass viele Vorfälle gar nicht zur Anzeige gebracht werden. Die Dunkelziffer dürfte daher erheblich höher liegen als die offiziellen Statistiken vermuten lassen.

Rechtliche Handhabe und gesellschaftliche Verantwortung

Deutschland hat mit § 46 des Strafgesetzbuchs eine klare rechtliche Grundlage geschaffen: Straftaten, die gegen eine Person aufgrund ihrer sexuellen Orientierung begangen werden, gelten als strafverschärfend. Zusätzlich verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in verschiedenen Lebensbereichen.

Doch Gesetze allein reichen nicht aus. Es braucht umfassende Bildungsinitiativen, die Vorurteile abbauen und das Verständnis für LGBTQ+-Themen fördern. Gleichzeitig müssen Beratungsstellen und Unterstützungsorganisationen gestärkt werden, um Opfern von Gewalt und Hasskriminalität zu helfen.

Sicherheitstipps für Online-Dating

Angesichts der wachsenden Bedrohung sollten LGBTQ+-Personen beim Online-Dating besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten:

  • Erste Treffen immer an öffentlichen Orten vereinbaren
  • Vertrauenspersonen über Treffen informieren
  • Bei verdächtigen Nachrichten oder Verhalten sofort den Kontakt abbrechen
  • Persönliche Daten sparsam preisgeben
  • Bei Bedrohungen oder Gewalt sofort die Polizei kontaktieren

Der Hamburger Fall zeigt einmal mehr, dass der Kampf gegen Homophobie und Transphobie in Deutschland noch lange nicht gewonnen ist. Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, um LGBTQ+-Personen ein sicheres und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – online wie offline.

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