Die LGBTQ+ Community hat ihre eigene Sprache entwickelt - ein faszinierendes Vokabular, das IdentitĂ€t, Zusammengehörigkeit und kulturelle Vielfalt ausdrĂŒckt. Basierend auf dem Artikel von GCN stellen wir dir eine bunte Palette internationaler queerer Begriffe vor und ergĂ€nzen sie mit Slang-AusdrĂŒcken, die in der deutschen LGBTQ+ Szene gebrĂ€uchlich sind.
Internationale LGBTQ+ Begriffe im Ăberblick
Von identitĂ€tsstiftenden Bezeichnungen wie "Twink" bis hin zu Drag-Favoriten wie "Werk" â diese AusdrĂŒcke sind nicht nur unterhaltsam, sondern spiegeln auch die reiche Kulturgeschichte der Community wider.
IdentitÀtsbegriffe
- Baby gay: Eine Person, die erst kĂŒrzlich ihr Coming-out hatte
- Baby dyke: Eine Lesbe, die frisch geoutet ist
- Bear: Ein krĂ€ftiger, muskulöser und behaarter schwuler Mann, meist ĂŒber 25
- Butch: Person mit maskulinen Eigenschaften
- Femme: Person mit femininen ZĂŒgen
- Soft butch: Eine Lesbe, die ĂŒberwiegend maskulin auftritt, aber einige feminine ZĂŒge hat
- Stone butch: Person mit sehr maskulinem Auftreten, die sich sexuell nicht berĂŒhren lĂ€sst
- High femme: Eine sehr feminin auftretende Lesbe
- Hey mamas: Durch TikTok bekannt gewordene maskuline Lesbe, vergleichbar mit dem mÀnnlichen "Fuckboy"
- Beard: Heterosexuelle Person, die bewusst eine queere Person heiratet, um deren SexualitÀt zu verbergen
Community-Vokabular
- Coming out of the closet: Die eigene SexualitÀt öffentlich machen
- Cub: Ăhnlich wie "Bear", jedoch jĂŒnger
- Doll: Trans Frau, besonders eine, die als sehr schön gilt
- Egg: Trans Person, die noch nicht erkannt hat, dass sie trans ist
- Gaydar: Die FĂ€higkeit, schwule Menschen zu erkennen
- Giraffe: Ein besonders groĂer schwuler Mann
- Gold star: Homosexuelle Person, die nie mit jemandem des anderen Geschlechts geschlafen hat
- Gym rat: Jemand, der hÀufig ins Fitnessstudio geht
- Lipstick lesbian: Sehr feminine Lesbe mit Vorliebe fĂŒr Mode
- Chapstick lesbian: Person mit einer Mischung aus maskulinen und femininen Eigenschaften
- Meerkat: Ein neuerer Begriff fĂŒr einen frechen und Ă€ngstlichen schwulen Mann
- Otter: Ein schlanker und recht behaarter schwuler Mann
- Wolf: Ein muskulöser, schlanker schwuler Mann
- Pillow princess: Eine Lesbe, die beim Sex nur empfÀngt und nicht gibt
- Polar Bear: Ein Àlterer, ergrauender "Bear"
- Trade: Ein maskuliner schwuler Mann, der heterosexuell wirkt und möglicherweise im Verborgenen lebt
- Top: Die Person, die beim schwulen Geschlechtsverkehr penetriert
- Bottom: Die Person, die beim schwulen Geschlechtsverkehr penetriert wird
- Queen: Ein zurĂŒckerobertes Wort, das ursprĂŒnglich verwendet wurde, um einen femininen schwulen Mann zu beleidigen
- Sapphic: Eine feminine Person, die Frauen liebt
- Stud: Eine dominante oder butch Lesbe of Color
- Twink: Ein junger und schlanker schwuler Mann
- Twunk: Ein Twink, aber muskulöser
- U-haul lesbian: Jemand, der sehr schnell mit dem Partner zusammenzieht
Drag-Slang
Die Drag-Kultur hat ihre eigene facettenreiche Sprache entwickelt. Drag selbst bezeichnet die Kunst, als anderes Geschlecht aufzutreten und dabei das Erscheinungsbild zu ĂŒbertreiben. Der Begriff entstand in der Theaterwelt, als MĂ€nner lange Kleider trugen, um Frauen darzustellen â der Saum des Kleides "dragged" (schleifte) dabei ĂŒber den Boden.
- Drag queen: Person, die in Drag als Frau auftritt
- Drag king: Person, die als Mann auftritt
- Mother: Kann zwei Bedeutungen haben. Eine Drag-Mother ist eine Queen, die jemanden in die Drag-Welt einfĂŒhrt, aber eine "Mother" kann auch eine Frau sein, die sich um schwule MĂ€nner kĂŒmmert
- Read: Wenn ein Drag-Performer jemanden gekonnt, meist humorvoll beleidigt
- Werk: Den besten Look prÀsentieren
- Realness: Eine bestimmte GeschlechtsidentitĂ€t ĂŒberzeugend darstellen
- Yas: Ein begeistertes "Ja". Wie viele LGBTQ+ Slang-Begriffe stammt auch dieser aus der Ballroom-Szene der 1980er Jahre
- Serving fish: "Fish" ist ein umstrittener Begriff, da er als sexistisch angesehen werden könnte. Er bedeutet, ĂŒberzeugend wie eine Frau auszusehen
- Kiki: Tratschen oder eine Plauderstunde haben
- Kaikai: Zwei Drag Queens, die Sex haben
- Shade: Ăhnlich wie "Reading", aber ernster
- Slay: Das Beste geben oder die beste Performance abliefern
- Gag: Ein intensiver Schock oder von etwas schockiert sein
Deutsche LGBTQ+ Slang-Begriffe
Auch in Deutschland hat die queere Community ihre eigene Sprache entwickelt, wenngleich nicht so umfassend wie beispielsweise das britische Polari. Hier einige Begriffe, die in der deutschen LGBTQ+ Szene verwendet werden:
- Warmer Bruder: Eine Ă€ltere, manchmal abwertend gebrauchte Bezeichnung fĂŒr einen homosexuellen Mann, die jedoch teilweise von der Community zurĂŒckerobert wurde
- Sahneschnittchen: Wird in der Community-Sprache als Bezeichnung fĂŒr eine attraktive Person verwendet
- Pflaumensturz: Ein GemĂŒtszustand, der als Synonym fĂŒr einen Nervenzusammenbruch bei freudiger Erregung oder extremer Empörung verwendet wird
- FLINTA*: Akronym fĂŒr Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, nicht-binĂ€re, Trans und Agender-Personen
Interessanterweise werden in der deutschen queeren Szene auch viele englische Begriffe verwendet. JĂŒngere Menschen nutzen oft AusdrĂŒcke wie "slayen" (jemanden beeindrucken), "served" (gut aussehen) oder "c*nty" (selbstbewusst, frech). Diese Begriffe finden teilweise auch auĂerhalb der LGBTQ+-Community Verwendung.
Die Bedeutung von LGBTQ+ Sprache
Der queere Slang wird zunehmend auch im Mainstream bekannt. Das VerstĂ€ndnis dieser sprachlichen Codes hilft nicht nur dabei, die Kultur der Community zu verstehen, sondern fördert auch Respekt und Inklusion. Die queere Sprache in Deutschland ist vielfĂ€ltig und entwickelt sich stĂ€ndig weiter â sie dient dazu, IdentitĂ€t auszudrĂŒcken und Gemeinschaft zu bilden.
Wer mehr ĂŒber LGBTQ+ Begriffe erfahren möchte, findet im Queer Lexikon eine umfassende Sammlung von ErklĂ€rungen und Definitionen. Besonders beim Einsatz von Slang-AusdrĂŒcken ist Kontext wichtig: Was innerhalb der Community als Selbstbezeichnung funktioniert, kann von auĂen unangebracht sein.
Die eigene Sprachgeschichte zeigt, wie kreativ queere Menschen waren und sind, um Ausdrucksmöglichkeiten zu finden â besonders in Zeiten, als offenes Sprechen ĂŒber sexuelle und geschlechtliche Vielfalt noch gefĂ€hrlich war. Heute dient diese Sprache als BrĂŒcke zwischen Geschichte und Gegenwart der LGBTQ+ Bewegung.
