Studie zeigt: Östrogen-Monotherapie könnte die HRT für trans Frauen revolutionieren

Eine bahnbrechende neue Studie könnte die Art und Weise verändern, wie Hormonersatztherapie (HRT) für trans Frauen verschrieben wird. Alle Studienteilnehmer*innen erreichten einen Testosteronspiegel von weniger als 50 ng/dL während der Studiendauer, obwohl die wöchentliche Östradiol-Dosis sogar gesenkt wurde – ein Ergebnis, das weitreichende Konsequenzen für die trans Gesundheitsversorgung haben könnte.

Die überraschenden Forschungsergebnisse

Die durchschnittliche Östradiol-Dosis sank von 4,3 auf 3,7 mg wöchentlich, während gleichzeitig ein finaler Östradiol-Spiegel von 248 pg/mL im Blut erreicht wurde. Die im Journal of the Endocrine Society veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten von 29 Patient*innen, die von traditionellen Formen der Östradiol-Behandlung wie Gels oder Tabletten auf wöchentliche Injektionen umstellten und über 15 Monate beobachtet wurden.

Besonders bemerkenswert: Spironolacton war nicht mit einer niedrigeren anfänglichen Testosteronspiegel unter Behandlung assoziiert, obwohl es mit einem niedrigeren Östradiol-Spiegel von 285 pg/dL im Vergleich zu 427 pg/dL bei Östradiol-Monotherapie verbunden war.

Spironolacton: Keine zusätzliche Testosteron-Unterdrückung nachgewiesen

Die Ergebnisse werfen Fragen über den Einsatz von Spironolacton auf – das am häufigsten verschriebene Antiandrogen, das die Testosteronproduktion blockieren soll. Spironolacton war nicht mit zusätzlicher Testosteronunterdrückung verbunden und könnte zu niedrigeren Östradiol-Spiegeln führen, so das Fazit der Forscher*innen.

Eine größere Multi-Center-Studie mit 357 Teilnehmer*innen bestätigte diese Befunde: Injizier bares Östradiol war auch als Monotherapie effektiv bei der Testosteronunterdrückung bei 82,6 % der Patient*innen und vergleichbar mit einer Kombinationstherapie mit Antiandrogen(en) oder Progestogen.

Nebenwirkungen von Spironolacton

Neben den möglicherweise reduzierten Östradiol-Spiegeln ist Spironolacton auch mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden. Häufig berichten Patient*innen von Müdigkeit, Schwindel und erhöhtem Harndrang. Mediziner*innen warnen zudem vor seltenen, aber ernsthaften Nebenwirkungen wie Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel im Blut), Elektrolytstörungen sowie Nieren- und Leberproblemen.

Was bedeutet das für trans Frauen in Deutschland?

In Deutschland erfolgt die Behandlung Mann-zu-Frau mit 17β-Estradiol oder 17β-Estradiolvalerat oral oder transdermal. Da auch die Absenkung der Androgene eine wichtige Voraussetzung für die erwünschte Feminisierung des Körpers darstellt, erfolgt ergänzend eine antiandrogene Medikation. Standard ist dabei die Gabe von Cyproteronacetat, während Spironolacton eine mögliche Alternative darstellt.

Das Hormon Estradiol ist in Deutschland in den Verabreichungsformen Gel, Spray oder Pflaster, bei denen der Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird, und in Tablettenform erhältlich. Injizierbare Formen von Östradiol, wie sie in der US-amerikanischen Studie verwendet wurden, sind hierzulande weniger verbreitet, obwohl sie potenzielle Vorteile bieten könnten.

Internationale Entwicklungen und deutsche Perspektiven

In Großbritannien wird Spironolacton zunehmend durch Triptorelin (auch bekannt als Decapeptyl) ersetzt – ein injizierbarer Testosteronblocker, der typischerweise alle drei Monate verabreicht wird und als stärker wirksam gilt, mit weniger schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Hitzewallungen und gelegentlichen Stimmungsschwankungen.

Die neuen Forschungsergebnisse könnten dazu führen, dass Östradiol-Monotherapie – also die Einnahme nur von Östradiol ohne zusätzliche Testosteronblocker – häufiger wird. Dies würde nicht nur die Behandlung vereinfachen, sondern auch potenzielle Nebenwirkungen und Kosten reduzieren.

Zugang zur Hormontherapie in Deutschland

Voraussetzung zum Therapiebeginn ist die Diagnosesicherung der Geschlechtsinkongruenz und eine klare, schriftliche Indikationsstellung durch einen erfahrenen Psychologen/Psychologin oder Psychiater/Psychiaterin. Die geschlechtsangleichende Hormontherapie wird in Deutschland von den Krankenkassen übernommen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.

Dies führt zu einer Abnahme psychischer und körperlicher Symptome und einer Zunahme der Lebensqualität der betroffenen Personen, so die medizinische Literatur zur geschlechtsangleichenden Hormontherapie.

Ausblick: Was bedeuten diese Erkenntnisse?

Die Studienergebnisse legen nahe, dass niedrigere Dosen von injizierbar em Östradiol therapeutische Spiegel erreichen können, während gleichzeitig eine exzellente Testosteronunterdrückung erzielt wird. Für viele trans Frauen könnte dies bedeuten, dass sie weniger Medikamente einnehmen müssen, weniger Nebenwirkungen erleben und dennoch ihre Therapieziele erreichen.

Allerdings sind weitere Forschungen notwendig, insbesondere im deutschen Kontext, wo andere Präparate und Verabreichungsformen standardmäßig verwendet werden. Expert*innen empfehlen, dass trans Frauen, die an ihrer aktuellen Hormontherapie interessiert sind, mit ihren behandelnden Ärzt*innen über individuelle Anpassungsmöglichkeiten sprechen sollten.

Die Forschung unterstreicht die Notwendigkeit einer individualisierten, evidenzbasierten Hormontherapie, die sowohl wirksam als auch sicher ist – ein wichtiger Schritt für die Gesundheitsversorgung von trans Menschen weltweit.

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