Polizeidurchsuchung bei queerfeindlicher Religionsgemeinschaft – Besorgniserregendes Signal für LGBTQ+-Rechte

Die Polizei durchsuchte am frühen Mittwochmorgen die Zentrale der umstrittenen Glaubensgemeinschaft Wera Forum in Duisburg sowie ein Wohnobjekt. Der Einsatz, bei dem Spezialkräfte beteiligt waren, führte zur Verletzung eines 64-jährigen Mannes, der ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Wie queer.de berichtet, bestand gegen den Mann und seine gleichaltrige Frau der Verdacht des unerlaubten Waffenbesitzes.

Bei der Durchsuchung stellten die Beamten mehrere Waffen sicher, darunter zwei Luftgewehre, eine Schreckschusswaffe und einen Taser. Die Polizei machte unter Verweis auf laufende Ermittlungen keine weiteren Angaben zu den HintergrĂĽnden des Einsatzes.

Eine Gemeinschaft unter Beobachtung

Das Wera Forum, das sich selbst als Kirche mit einer "wahrhaftigen und lebendigen Beziehung zu Gott" bezeichnet, unterhält Standorte in Duisburg, Castrop-Rauxel, Wuppertal und Heilbronn. Die 1995 von Alexander und Irina Epp gegründete Gemeinschaft steht jedoch seit Jahren in der Kritik.

Die NRW-Beratungsstelle "Sekten-Info NRW" hatte die Gemeinschaft bereits 2019 als "christlich fundamentalistisch" eingestuft. Die Gemeinschaft gehe von der Irrtumslosigkeit der biblischen Überlieferung aus und leite daraus strenge Verhaltensrichtlinien für das Privatleben ihrer Mitglieder ab – darunter eine Vormachtstellung des Mannes und die kategorische Ablehnung von Homosexualität.

Fundamentalistische Strukturen und ihre Gefahren

Die evangelische Kirche äußert sich besorgt über die "sektenähnlichen Strukturen" der Gemeinschaft. Bereits in der Vergangenheit gab es Berichte über Gehorsam, Kontrolle und Abschottung innerhalb der Gruppe – Merkmale, die typisch für autoritäre religiöse Bewegungen sind.

Für die LGBTQ+-Community ist diese Entwicklung besonders beunruhigend. Religiöse Fundamentalismus und die damit verbundene Ablehnung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt stellen eine reale Bedrohung für queere Menschen dar. In Deutschland haben wir in den letzten Jahren eine Zunahme queerfeindlicher Gewalt erlebt – von verbalen Attacken bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Ein Muster der Diskriminierung

Die Ideologie des Wera Forums steht exemplarisch für fundamentalistische Bewegungen, die unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit diskriminierende Haltungen propagieren. Die strikte Geschlechterrollenverteilung und die Pathologisierung von Homosexualität sind nicht nur rückschrittlich, sondern können für Mitglieder der Gemeinschaft – insbesondere für junge LGBTQ+-Menschen – traumatische Folgen haben.

Solche Gemeinschaften praktizieren oft sogenannte "Konversionstherapien" oder psychologischen Druck, um queere Identitäten zu "heilen" – Praktiken, die von Psychologen und Menschenrechtsorganisationen weltweit als schädlich und unwirksam verurteilt werden.

Schutz vor religiösem Extremismus

Die Polizeidurchsuchung, auch wenn sie sich vordergründig um Waffenbesitz drehte, wirft wichtige Fragen über die Überwachung extremistischer Gruppen auf. Religiöser Fundamentalismus kann eine Brutstätte für verschiedene Formen der Gewalt und Diskriminierung sein – nicht nur gegen LGBTQ+-Menschen, sondern gegen alle, die nicht in das enge Weltbild dieser Bewegungen passen.

Es ist entscheidend, dass staatliche Behörden solche Gemeinschaften im Blick behalten und bei Verdacht auf illegale Aktivitäten oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit entsprechend handeln. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft Aufklärungs- und Ausstiegshilfen für Menschen bereitstellen, die sich aus solchen Strukturen lösen möchten.

Ein Aufruf zur Wachsamkeit

Der Fall des Wera Forums erinnert uns daran, dass die Errungenschaften der LGBTQ+-Rechtsbewegung nicht selbstverständlich sind. Während Deutschland bei der rechtlichen Gleichstellung große Fortschritte gemacht hat, existieren weiterhin Gruppierungen, die diese Werte fundamental ablehnen und bekämpfen.

Für die queere Community ist es wichtig, solidarisch zusammenzustehen und wachsam zu bleiben. Jeder Einzelfall von institutionalisierter Queerfeindlichkeit, sei es in religiösen Gemeinschaften, politischen Bewegungen oder anderen gesellschaftlichen Bereichen, muss ernst genommen und konsequent angegangen werden.

Die Ereignisse in Duisburg sind ein Weckruf: Der Kampf für Gleichberechtigung und Akzeptanz ist noch längst nicht gewonnen. Es liegt an uns allen, eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder Mensch – unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität – sicher und frei leben kann.

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