Olympischer Traum geplatzt: Britischer Kanute wegen OnlyFans-Account gesperrt – Deutsche Athleten gehen ähnliche Wege

Der britische Kanute Kurt Adams Rozentals sieht seinen olympischen Traum durch ein OnlyFans-Konto zerstört. Der Slalom-Spezialist wurde vom britischen Kanuverband Paddle UK suspendiert, wie PinkNews berichtet. Laut Rozentals sei die Sperre eine direkte Folge seiner Aktivitäten auf der Content-Plattform, die er im Januar dieses Jahres startete, um seine sportliche Karriere zu finanzieren.

Finanzielle Not als Auslöser für OnlyFans-Karriere

Rozentals, der 2023 eine Silbermedaille bei der U23-Weltmeisterschaft im Kanuslalom gewann, hatte zuvor einen Platz im britischen World Class Programme erhalten – ein vom britischen Sportverband finanziertes Förderprogramm zur Olympiavorbereitung. Die jährliche Unterstützung von umgerechnet etwa 19.000 Euro reichte jedoch nicht aus, um Training, Reisekosten und Lebensunterhalt zu finanzieren.

"Ich war es leid, mir Sorgen zu machen, wie ich die Miete bezahlen soll, ich war es leid, am Rande der Obdachlosigkeit zu leben", erklärte Rozentals auf seinen Social-Media-Kanälen. In nur sechs Monaten verdiente er nach eigenen Angaben über 120.000 Euro auf OnlyFans – deutlich mehr als seine sportliche Förderung.

Paddle UK verteidigt Entscheidung

Der britische Kanuverband Paddle UK betont, dass die Suspendierung eine "vorläufige Maßnahme" sei, um "andere Athleten, Mitarbeiter und Freiwillige aufgrund der Art der Anschuldigung zu schützen". In den Disziplinarrichtlinien des Verbands werden "anstößige Nutzung sozialer Medien" und "unanständiges, beleidigendes oder unmoralisches Verhalten" als Beispiele für Fehlverhalten aufgeführt.

Für Rozentals stellt sich nun die schwierige Frage: OnlyFans-Einkommen oder olympischer Traum? "Dies ist die härteste Entscheidung, der ich mich je in meinem Leben stellen musste", sagte er gegenüber der BBC. "Solange sich nichts an der Bezahlung der Athleten ändert, sehe ich keine Möglichkeit, mit Paddle UK zusammenzuarbeiten."

Auch deutsche Olympioniken auf OnlyFans

Das Phänomen der Sportler:innen, die auf OnlyFans zusätzliches Einkommen generieren, ist auch in Deutschland bekannt. Der deutsche Wasserspringer Timo Barthel, der Deutschland bei den Olympischen Spielen vertritt, nutzt ebenfalls die Plattform. Barthel betont jedoch, dass seine Inhalte nicht mit Pornografie zu verwechseln seien.

Die finanzielle Situation von Leistungssportler:innen ist auch in Deutschland oft prekär. Viele Athlet:innen können trotz Sportförderung kaum von ihren Einnahmen leben und sind auf kreative Finanzierungswege angewiesen. Die Deutsche Sporthilfe unterstützt zwar viele Sportler:innen, jedoch reichen die Fördergelder häufig nicht für einen angemessenen Lebensunterhalt.

OnlyFans als Symptom eines kaputten Sportsystems?

Der Fall Rozentals wirft grundsätzliche Fragen zur Finanzierung des Leistungssports auf. Während traditionelle Sportverbände oft strenge moralische Vorstellungen durchsetzen, kämpfen viele Athlet:innen mit finanziellen Schwierigkeiten. Experten bezeichnen das System der Sportfinanzierung als "kaputt".

Nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit nutzen Olympioniken wie Jack Laugher, Robbie Manson und Alysha Newman OnlyFans, um ihre sportlichen Ambitionen zu finanzieren. OnlyFans selbst positioniert sich mittlerweile als Unterstützer von Athlet:innen und bietet ihnen eine Plattform für finanziellen Erfolg neben dem Spielfeld.

Für die LGBTQ+-Community zeigt der Fall besondere Relevanz: Viele queere Athlet:innen berichten von zusätzlichen Hürden bei der Suche nach traditionellen Sponsoren und Förderern. In Deutschland vertritt unter anderem der offen schwule Judoka Timo Cavelius die LGBTQ+-Community bei den Olympischen Spielen.

Ob Kurt Adams Rozentals seinen OnlyFans-Account aufgeben und zu seiner Kanukarriere zurückkehren wird, bleibt abzuwarten. Sein Fall verdeutlicht jedoch ein größeres strukturelles Problem im Leistungssport – sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland.

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