Hongkong: Kleiner Schritt zur Gleichstellung trotz autoritÀrer BeschrÀnkungen

Hongkongs Regierungschef John Lee hat sich trotz des Widerstands pro-chinesischer Parteien deutlich fĂŒr einen Gesetzentwurf ausgesprochen, der gleichgeschlechtlichen Paaren begrenzte Rechte einrĂ€umt. Die UnterstĂŒtzung fĂŒr den Gesetzentwurf, der auf einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 2023 basiert, zeigt einen bemerkenswerten Mut in einem zunehmend restriktiven politischen Umfeld. Wie queer.de berichtet, respektiere die Regierung die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs, der ein "alternatives Rahmenwerk" fĂŒr queere Paare gefordert hatte.

Begrenzte Rechte in einem schwierigen Umfeld

Der aktuelle Gesetzentwurf ist ein Kompromiss, der weder LGBTQ+-Aktivist:innen noch konservative Abgeordnete vollstĂ€ndig zufriedenstellt. WĂ€hrend die Aktivist:innen kritisieren, dass der Entwurf nicht weit genug geht, sehen pro-chinesische Politiker:innen bereits diese minimalen Rechte als problematisch an. Der Gesetzentwurf umfasst lediglich grundlegende Rechte wie medizinische Entscheidungen und Regelungen nach dem Tod eines Partners - und das auch nur fĂŒr Paare, deren Ehe im Ausland anerkannt wurde.

Diese BeschrĂ€nkungen stehen in starkem Kontrast zu den Entwicklungen in Deutschland, wo seit 2017 die vollstĂ€ndige Ehe fĂŒr alle gilt und gleichgeschlechtliche Paare dieselben Rechte wie heterosexuelle Paare genießen. Das neue Selbstbestimmungsgesetz, das seit November 2024 in Kraft ist, ermöglicht es Menschen außerdem, ihr Geschlecht unbĂŒrokratisch zu Ă€ndern - ein Fortschritt, der in autoritĂ€ren Systemen wie dem chinesischen undenkbar wĂ€re.

Gesellschaftlicher Wandel trotz politischer Repression

Bemerkenswert ist, dass sich laut einer Umfrage von 2023 bereits 60 Prozent der Hongkonger:innen fĂŒr die Ehe fĂŒr alle aussprechen - ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber den vergangenen zehn Jahren. Diese Entwicklung spiegelt einen gesellschaftlichen Wandel wider, der trotz der zunehmenden politischen Repression stattfindet. Die UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung ist damit sogar höher als in manchen deutschen Regionen, wo noch immer Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung erfahren wird.

Die Situation in Hongkong verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Gesellschaften den Mut haben, auch gegen autoritĂ€re Tendenzen fĂŒr Menschenrechte einzustehen. WĂ€hrend in Deutschland die LGBTQ+-Bewegung ihre Errungenschaften gegen wachsende Hassverbrechen verteidigen muss, kĂ€mpfen Menschen in Hongkong unter noch schwierigeren Bedingungen fĂŒr grundlegende Anerkennung.

AutoritÀre Gegenbewegung aus Peking

Seit dem nationalen Sicherheitsgesetz von 2020 ist Hongkong zunehmend unter den Einfluss der chinesischen Zentralregierung geraten, die LGBTQ+-Rechte als "westlichen Import" diffamiert. Bereits 2017 verbot China die Darstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen im Internet und geht systematisch gegen queere Organisationen vor.

Diese Entwicklung steht exemplarisch fĂŒr eine weltweite Tendenz, bei der autoritĂ€re Regime LGBTQ+-Rechte als Angriff auf "traditionelle Werte" instrumentalisieren. In Deutschland, wo die Bundesregierung eine Strategie fĂŒr sexuelle und geschlechtliche Vielfalt verfolgt, wird deutlich, wie wichtig es ist, errungene Rechte aktiv zu verteidigen.

Hoffnung in schwierigen Zeiten

Trotz aller Widrigkeiten zeigt die UnterstĂŒtzung von Regierungschef Lee fĂŒr den Gesetzentwurf, dass selbst in autoritĂ€ren Systemen der Druck der Zivilgesellschaft und der Gerichte Wirkung entfalten kann. Die Tatsache, dass 60 Prozent der Hongkonger:innen die Ehe fĂŒr alle befĂŒrworten, ist ein starkes Signal dafĂŒr, dass gesellschaftlicher Wandel auch unter schwierigen politischen Bedingungen möglich ist.

FĂŒr die deutsche LGBTQ+-Community ist Hongkongs Kampf um grundlegende Rechte eine Erinnerung daran, wie wertvoll die hier errungenen Freiheiten sind. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass internationale SolidaritĂ€t und der Austausch von Erfahrungen wichtige Instrumente im weltweiten Kampf fĂŒr Gleichberechtigung sind. Die Entwicklungen in Hongkong verdienen unsere Aufmerksamkeit und UnterstĂŒtzung - denn Menschenrechte sind unteilbar, egal wo auf der Welt sie erkĂ€mpft werden mĂŒssen.

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