Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hat angekĂŒndigt, zur Weltmeisterschaft in Tokio einen verpflichtenden Gentest fĂŒr Athletinnen einzufĂŒhren. Wie queer.de berichtet, mĂŒssen sich Teilnehmerinnen einem Test auf das SRY-Gen unterziehen â eine MaĂnahme, die VerbandsprĂ€sident Sebastian Coe als Schutz der "IntegritĂ€t des Frauensports" rechtfertigt.
Gentests als neue RealitÀt im Sport
Der Test erfolgt per Wangenabstrich oder Blutentnahme und soll das "biologische Geschlecht" ĂŒberprĂŒfen. Das SRY-Gen, das normalerweise auf dem Y-Chromosom liegt und die mĂ€nnliche Entwicklung einleitet, wird dabei zum entscheidenden Kriterium. Wissenschaftlich ist jedoch bekannt, dass Geschlecht ein komplexes biologisches Konstrukt ist, das sich nicht auf ein einzelnes Gen reduzieren lĂ€sst.
Die Tests werden durch nationale VerbĂ€nde durchgefĂŒhrt, die Analyse dauert laut World Athletics je nach Land ein bis zwei Wochen. Diese Regelung tritt zum 1. September in Kraft und gilt fĂŒr alle Weltranglistenwettbewerbe.
Deutsche Parallelen: Ein anderer Weg im Sport
WĂ€hrend World Athletics auf Ausgrenzung setzt, geht Deutschland einen anderen Weg. Der Deutsche FuĂball-Bund (DFB) erlaubt es Transgender-, Intersex- und nicht-binĂ€ren Spieler*innen seit 2024, selbst zu entscheiden, ob sie in MĂ€nner- oder Frauenteams spielen wollen. Diese progressive Regelung gilt fĂŒr Personen mit dem Personenstand "divers" oder "ohne Angabe".
Bereits 2019 hatte der Berliner FuĂball-Verband inklusive Regeln eingefĂŒhrt, die nicht-binĂ€ren Menschen die freie Wahl zwischen MĂ€nner- und Frauenteams ermöglichen. Diese Entwicklung zeigt, dass Sport auch inklusiv gestaltet werden kann, ohne die WettkampfintegritĂ€t zu gefĂ€hrden.
Trans-Feindlichkeit als globales PhÀnomen
Die neuen Gentests sind Teil einer weltweiten "Trans-Panik", die seit Donald Trumps Amtsantritt im Januar verstĂ€rkt um sich greift. Bereits im Wahlkampf hatte Trump trans Menschen zu einer Gefahr erklĂ€rt. Seine Regierung setzt sich nun dafĂŒr ein, trans MĂ€dchen und Frauen nicht nur aus dem Profisport, sondern auch aus dem Schul- und Breitensport zu drĂ€ngen.
In Deutschland verlÀuft die Entwicklung gegensÀtzlich: Das neue Selbstbestimmungsgesetz, das am 1. November 2024 in Kraft trat, ermöglicht es transgender, intergeschlechtlichen und nicht-binÀren Menschen, ihre Namen und Geschlechtsmarker in offiziellen Dokumenten ohne psychiatrische Gutachten oder Gerichtsverhandlungen zu Àndern.
Wissenschaft versus Ideologie
WĂ€hrend die Debatte emotional gefĂŒhrt wird, zeigt die Wissenschaft ein differenzierteres Bild. Mehrere Studien, darunter eine Untersuchung des Internationalen Olympischen Komitees vom April, kommen zu dem Ergebnis, dass trans Frauen anderen Frauen nicht grundsĂ€tzlich ĂŒberlegen sind. Die Datenlage ist jedoch noch dĂŒnn und erfordert weitere Forschung.
Die Konzentration auf Testosteronspiegel, wie sie bisher ĂŒblich war, weicht nun den Gentests â ein Schritt, der medizinisch umstritten ist. Wissenschaftler*innen betonen, dass Geschlecht nicht durch einen einzelnen biologischen Marker definiert werden kann.
Menschenrechte im Fokus
Die neuen Regelungen werfen grundlegende Fragen zu PrivatsphĂ€re, Diskriminierung und MenschenwĂŒrde auf. WĂ€hrend Deutschland mit seinem progressiven Ansatz im FuĂball zeigt, dass Inklusion möglich ist, setzen internationale VerbĂ€nde zunehmend auf Ausgrenzung.
Auch die World Darts Federation (WDF) kĂŒndigte kĂŒrzlich an, trans Frauen von Frauen-Turnieren auszuschlieĂen. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie sich eine ideologische Agenda gegen wissenschaftliche Erkenntnisse und Menschenrechte durchsetzt.
Die Entscheidung von World Athletics mag als Schutz des Frauensports vermarktet werden â tatsĂ€chlich stellt sie jedoch einen gefĂ€hrlichen PrĂ€zedenzfall dar, der die Rechte aller Athletinnen bedroht, die nicht in tradierte Geschlechternormen passen. Deutschland zeigt mit seinem inklusiven Ansatz, dass Sport alle Menschen willkommen heiĂen kann, ohne seine IntegritĂ€t zu verlieren.