Brandenburg verschärft Polizeischutz für CSDs nach rechtsextremen Angriffen

Nach einem mutmaßlich rechtsextremen Angriff auf ein Fest für Vielfalt in Bad Freienwalde steht die Polizei in Brandenburg unter verschärfter Beobachtung, wie queer.de berichtet. Diese Entwicklung spiegelt einen alarmierenden Trend wider, der queere Veranstaltungen in ganz Deutschland betrifft und die Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen unterstreicht.

Eine neue Qualität der Bedrohung

Polizeipräsident Oliver Stepien bezeichnete die Ereignisse in Bad Freienwalde als eine "neue Qualität" für Brandenburg. Die Attacke, bei der eine Gruppe teils Vermummter eine Veranstaltung für Vielfalt und Toleranz angriff und mindestens zwei Menschen leicht verletzte, zeigt die zunehmende Radikalisierung rechtsextremer Gruppen gegen queere Gemeinschaften.

Die Polizei ist sich bewusst, dass CSD-Veranstaltungen bereits in der Vergangenheit "vereinzelt Ziel von Angriffen oder Störungen waren, insbesondere aus dem Spektrum der politisch motivierten Kriminalität von rechts", so eine Polizeisprecherin. Diese Einschätzung deckt sich mit bundesweiten Beobachtungen einer Zunahme von Angriffen auf LGBTQ+-Personen und -Veranstaltungen.

Konkrete Bedrohungen am Wochenende

Am kommenden Wochenende finden in Brandenburg gleich mehrere Christopher-Street-Day-Veranstaltungen statt, die unter verstärktem Polizeischutz stehen werden. Besonders im Fokus steht Bernau, wo sich bereits ein Gegenprotest angekündigt hat. "Das ist das, was uns bei der Planung und Vorbereitung beschäftigt", erklärt ein Polizeisprecher.

Die Bedrohungslage ist keineswegs abstrakt: Erst am vergangenen Wochenende protestierten in Falkensee Teilnehmer in T-Shirts der rechtsextremistischen Gruppe "Deutsche Jugend Voran" gegen eine CSD-Veranstaltung. Ihre Shirts trugen Aufschriften wie "heimattreu" und "kampfbereit" – ein deutliches Signal der Einschüchterung.

Parallelen zur bundesweiten Entwicklung

Die Situation in Brandenburg ist symptomatisch für eine deutschlandweite Zunahme von Angriffen auf queere Personen und Veranstaltungen. Auch in anderen Bundesländern sehen sich CSD-Organisatoren zunehmend mit Bedrohungen konfrontiert, was eine verstärkte Sensibilisierung für Schutzmaßnahmen zur Folge hat.

Die Polizei reagiert auf diese Entwicklung mit einer angepassten Strategie: "Selbstverständlich fließen die Ereignisse aus Bad Freienwalde in die Lagebeurteilungen und den jeweiligen Kräfteansatz für künftige Veranstaltungen mit ein", betont die Polizeisprecherin. Faktoren wie Teilnehmerzahlen, Veranstaltungsort und mögliche Gegenversammlungen werden nun systematisch in die Sicherheitsplanung einbezogen.

Mehr als nur Sicherheit – ein Zeichen für Vielfalt

Trotz der angespannten Lage lassen sich die Veranstalter nicht einschüchtern. In Bad Belzig, Luckenwalde und Neuruppin sind bislang keine Gegenproteste bekannt, und die Organisatoren setzen ein wichtiges Zeichen für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Bundesregierung hat bereits betont, dass Schutz und Akzeptanz für queere Menschen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen sind ein deutliches Signal: Brandenburg und die Polizei stehen hinter den Werten von Vielfalt und Toleranz. Gleichzeitig machen die Ereignisse deutlich, dass der Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung noch lange nicht gewonnen ist – und dass es mehr denn je den Mut und die Solidarität aller braucht, die für eine offene Gesellschaft einstehen.

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