Liverpool Pride 2025 kehrt zurück - Wie eine Wohltätigkeitsorganisation die Rettung einleitete

Nach einer dramatischen Wendung wird Liverpool Pride 2025 doch stattfinden. Die Veranstaltung, die ursprünglich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten abgesagt worden war, wird nun von Sahir House, Liverpools ältester LGBTQ+-Wohltätigkeitsorganisation, übernommen. Diese Entwicklung berichtet PinkNews und zeigt eindrucksvoll, wie die Community zusammensteht, wenn es darauf ankommt.

Von der Absage zur Hoffnung

Die LCR (Liverpool City Region) Pride Foundation hatte im Juni mitgeteilt, dass die für den 26. Juli geplante Veranstaltung nicht stattfinden könne. Finanzielle und organisatorische Herausforderungen, steigende Kosten und Schwierigkeiten bei der Finanzierungsbeschaffung sowie die Trennung von Sponsor Barclays machten die Durchführung unmöglich.

Doch die LGBTQ+-Community in Liverpool gab nicht auf. Sahir House sprang in die Bresche und kündigte an, dass Pride 2025 "lauter, stolzer und wirklich unser" werden würde. Die seit 1985 bestehende Organisation zeigt damit, was möglich ist, wenn Community-Solidarität über finanzielle Zwänge triumphiert.

Parallelen zu deutschen Pride-Herausforderungen

Die Probleme in Liverpool sind kein Einzelfall. Auch in Deutschland stehen Pride-Veranstaltungen vor ähnlichen Schwierigkeiten. Internationale Berichte zeigen, dass sich große Unternehmen zunehmend aus der Pride-Finanzierung zurückziehen - ein Trend, der auch deutsche Veranstalter trifft.

Besonders besorgniserregend ist die Zunahme rechtsextremer Bedrohungen. Die Amadeu Antonio Stiftung musste einen "Regenbogenschutzfonds" einrichten, da im vergangenen Jahr 27 Pride-Märsche in Deutschland von rechtsextremen Gruppen ins Visier genommen wurden - überwiegend in ostdeutschen Städten.

Community-Powered Pride als Zukunftsmodell

Sahir House verspricht eine andere Art von Pride - eine, die "inklusiv, zugänglich, gemeinschaftszentriert und stolz in Liverpools queerer Geschichte und Aktivismus verwurzelt" ist. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit lokalen Freiwilligen, Kreativen und Basisorganisationen durchgeführt.

Das Programm umfasst eine Kundgebung am St. George's Plateau, einen friedlichen Protestmarsch, jugend- und familienfreundliche Bereiche sowie eine lebendige Straßenfeier im Pride Quarter. Die Parade beginnt am Pier Head und endet an der M&S Bank Arena, mit Reden um 10:30 Uhr und dem Marsch um 11:30 Uhr.

Finanzielle Realitäten und Überlebenskampf

Die Rettung von Liverpool Pride kommt allerdings nicht ohne Kosten. Sahir House steht selbst vor enormen finanziellen Herausforderungen und muss monatlich 20.000 Pfund aufbringen, um seine lebenswichtigen Dienste aufrechtzuerhalten. Bereits 2022 verlor die Organisation zwei Drittel ihrer jährlichen Finanzierung durch den Stadtrat Liverpool - 200.000 Pfund -, als ihr Angebot für HIV-Unterstützung von Organisationen aus Manchester überboten wurde.

Ähnliche Finanzierungsprobleme kennen auch deutsche LGBTQ+-Organisationen. Der CSD Deutschland e.V. hat einen Bildungsfonds eingerichtet, während die Robert Bosch Stiftung Programme für queere Flüchtlinge unterstützt.

Internationale Solidarität als Stärke

Liverpool Pride hat bereits internationale Aufmerksamkeit erfahren. 2023 veranstaltete die Stadt einen Marsch für das wegen des Ukraine-Krieges ausgefallene Kyiv Pride, bei dem 60.000 Menschen teilnahmen - ein Rekord für Liverpool. Diese Solidarität zeigt die globale Dimension der LGBTQ+-Bewegung.

In Deutschland unterstützen Organisationen wie GiveOut Germany die internationale LGBTQ+-Menschenrechtsarbeit, während der LSVD sich für queere Migranten und Flüchtlinge einsetzt.

Ein Modell für die Zukunft

Die Rettung von Liverpool Pride durch Sahir House könnte wegweisend für die Zukunft der Pride-Bewegung sein. In einer Zeit, in der sich Unternehmenssponsoren zurückziehen und politische Spannungen zunehmen, zeigt das Beispiel, dass Community-getragene Veranstaltungen nicht nur möglich, sondern vielleicht sogar authentischer sind.

Für deutsche LGBTQ+-Organisationen bietet Liverpool ein ermutigendes Beispiel: Mit genügend Community-Unterstützung, kreativen Finanzierungslösungen und dem Mut, traditionelle Sponsoring-Modelle zu hinterfragen, können Pride-Veranstaltungen auch in schwierigen Zeiten stattfinden. Die Botschaft ist klar: Pride gehört der Community - und die Community lässt Pride nicht sterben.

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