LinkedIn entfernt Schutz vor Deadnaming und Misgendering – Ein bedenklicher Trend

LinkedIn hat stillschweigend eine wichtige Klausel aus seinen Hassrede-Richtlinien entfernt, die transgender Personen vor Deadnaming und Misgendering schützte. Wie PinkNews berichtete, wurde diese Änderung am 28. Juli 2025 von der gemeinnützigen Organisation Open Terms Archive entdeckt, die Änderungen in den Nutzungsbedingungen digitaler Dienste dokumentiert.

Was bedeuten Deadnaming und Misgendering?

Misgendering bezeichnet die bewusste oder unbewusste Verwendung falscher Pronomen oder die Anrede einer transgender Person mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht statt ihrer tatsächlichen Geschlechtsidentität. Deadnaming ist die Verwendung des früheren, nicht mehr genutzten Namens einer transgender Person.

Beide Praktiken können für Betroffene extrem verletzend und traumatisierend sein. In Deutschland wird dies besonders relevant, seit am 12. April 2024 das Selbstbestimmungsgesetz verabschiedet wurde, das transgender und nicht-binären Menschen ermöglicht, ihre rechtlichen Dokumente an ihre Geschlechtsidentität anzupassen – ein Meilenstein für Trans*-Rechte in Deutschland.

Die stillen Änderungen bei LinkedIn

Zuvor listete LinkedIn in seinem Abschnitt "Hassvolle und abwertende Inhalte" explizit "Misgendering oder Deadnaming von transgender Personen" als Beispiel für verbotene Verhaltensweisen auf. Diese spezifische Formulierung wurde nun entfernt, obwohl "Geschlechtsidentität" weiterhin als schützenswertes Merkmal aufgeführt wird.

Ein LinkedIn-Sprecher betonte gegenüber The Advocate, dass sich die grundlegenden Richtlinien nicht geändert hätten: "Persönliche Angriffe oder Einschüchterung gegen jeden, der auf seiner Identität basiert, einschließlich Misgendering, verstößt gegen unsere Belästigungsrichtlinie und ist auf unserer Plattform nicht erlaubt."

Teil eines besorgniserregenden Trends

Die LGBTQ+-Rechtsorganisation GLAAD verurteilte die Entscheidung scharf. Ein Sprecher bezeichnete sie als "offenen Anti-LGBTQ-Schritt" und warnte vor einem gefährlichen Trend: "Nach Meta und YouTube früher in diesem Jahr entscheidet sich noch ein weiteres Social-Media-Unternehmen dafür, feige Geschäftspraktiken zu übernehmen, um anti-LGBTQ-politische Ideologen auf Kosten der Nutzersicherheit zu besänftigen."

Tatsächlich änderte Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, im Januar 2025 seine Hassrede-Richtlinien und erlaubte es Nutzern seitdem, LGBTQ+-Personen allein aufgrund ihrer Sexualität als "geisteskrank" zu bezeichnen – eine Entscheidung, die massive Kritik hervorrief.

Bedeutung für die deutsche LGBTQ+-Community

Diese Entwicklungen sind auch für Deutschland von Bedeutung. Während das Land mit dem Selbstbestimmungsgesetz progressive Schritte unternommen hat, zeigen sich auf internationalen Plattformen Rückschritte beim Schutz vor Diskriminierung. LinkedIn ist als wichtigstes berufliches Netzwerk besonders relevant – diskriminierende Äußerungen können hier direkte Auswirkungen auf Karrieren und Arbeitsmöglichkeiten haben.

Deutsche LGBTQ+-Organisationen wie der dgti e.V. und der Bundesverband Trans beobachten diese Entwicklungen mit Sorge, da Social Media-Plattformen eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Diskurs spielen.

Was bedeutet das für Nutzer*innen?

Obwohl LinkedIn beteuert, dass die grundlegenden Schutzmaßnahmen bestehen bleiben, sendet die Entfernung expliziter Beispiele ein problematisches Signal. Es erschwert die Durchsetzung der Richtlinien und kann dazu führen, dass diskriminierende Inhalte weniger konsequent gemeldet und entfernt werden.

Für transgender und nicht-binäre Nutzer*innen in Deutschland und weltweit bedeutet dies, dass sie noch wachsamer sein müssen. Die Community ist aufgerufen, diskriminierende Inhalte weiterhin zu melden und sich gegenseitig zu unterstützen – auch wenn die Plattformen selbst ihre Schutzmaßnahmen verwässern.

Die Entwicklung bei LinkedIn reiht sich ein in eine besorgniserregende Tendenz großer Tech-Unternehmen, explizite Schutzmaßnahmen für marginalisierte Gruppen zurückzunehmen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, da rechtspopulistische Bewegungen weltweit an Einfluss gewinnen und LGBTQ+-Rechte unter Druck geraten. Umso wichtiger wird es, dass Nutzer*innen, Organisationen und Politik wachsam bleiben und den Schutz vulnerabler Gruppen einfordern.

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