Jakub Jankto beendet Karriere: Wie ein schwuler Fußballpionier neues Kapitel aufschlägt

Der tschechische Fußballprofi Jakub Jankto hat seine aktive Karriere beendet. Nach einer schweren Knöchelverletzung und dem Wunsch, mehr Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, gab der 29-Jährige sein Karriereende bekannt. Jankto hatte 2023 als einer der ersten aktiven internationalen männlichen Profi-Fußballspieler sein Coming-out öffentlich gemacht und war damit zu einer wichtigen Stimme für LGBTQ+-Sichtbarkeit im Profisport geworden.

Ein Pionier geht von Bord

In einem emotionalen Statement auf Instagram erklärte Jankto am 21. August, dass er aufgrund einer "sehr schweren Verletzung" seine Fußballkarriere nicht fortsetzen könne. "Ich habe die Bänder in meinem Knöchel komplett beschädigt", schrieb der ehemalige Nationalspieler der Tschechischen Republik, der zuletzt für Cagliari Calcio in der italienischen Serie A spielte.

Sein Karriereende markiert das Kapitelende einer bemerkenswerten Laufbahn, die ihn über verschiedene europäische Ligen führte. Von seinen Anfängen bei Slavia Prag wechselte er 2014 nach Italien zu Udinese, spielte später für Sampdoria, Getafe in Spanien und kehrte zwischenzeitlich zu Sparta Prag zurück, bevor er seinen letzten Vertrag bei Cagliari erfüllte.

Mutiges Coming-out als historischer Moment

Im Februar 2023 machte Jankto Schlagzeilen weit über den Sport hinaus, als er in einem bewegenden Video öffentlich bekannt gab, schwul zu sein. "Ich möchte mein Leben in Freiheit leben, ohne Ängste, ohne Vorurteile, ohne Gewalt, aber mit Liebe", erklärte er damals.

Sein Mut war besonders bemerkenswert, da er aus der Tschechischen Republik stammt – einem Land, in dem LGBTQ+-Rechte noch nicht vollständig etabliert sind und queere Menschen oft mit gesellschaftlichen Vorurteilen konfrontiert werden. Mit seinem Coming-out wurde Jankto zu einem wichtigen Vorbild, nicht nur für junge LGBTQ+-Menschen in Osteuropa, sondern weltweit.

Parallelen zu Deutschland: Langsamer Wandel im Fußball

Jantkos Geschichte resoniert besonders stark in Deutschland, wo der Profifußball noch immer mit Homophobie und mangelnder LGBTQ+-Sichtbarkeit kämpft. Während deutsche Spieler wie Marcus Urban und Thomas Hitzlsperger erst nach ihrer aktiven Karriere über ihre Sexualität sprachen, ging Jankto den mutigen Schritt während seiner aktiven Laufbahn.

Die Bundesliga und andere deutsche Profiliagen haben in den letzten Jahren zwar Fortschritte bei der Inklusion gemacht – mit Initiativen wie den Regenbogen-Aktionen während der Pride-Monate – doch ein aktiver Profi, der sich während seiner Karriere outet, fehlt weiterhin. Jantkos Beispiel zeigt, dass solche Schritte möglich sind und positive Resonanz finden können.

Familie im Fokus: Der neue Lebensabschnitt

Neben der schweren Verletzung war auch der Wunsch, mehr Zeit mit seinem Sohn David zu verbringen, ausschlaggebend für Jantkos Entscheidung. "Wir haben nur eine Familie und ich wollte meinem Sohn in Prag nahe sein", erklärte er. Diese Prioritätensetzung zeigt eine andere Seite des Profisports – jenseits von Ruhm und Erfolg geht es um die wichtigen Beziehungen im Leben.

Jankto, der seinen Sohn mit seiner ehemaligen Partnerin Markéta Ottomanská hat, arbeitet nun bereits als Co-Trainer für die U7-Mannschaft von FK Dukla Prag. Dieser Übergang ins Trainerdasein könnte ihm ermöglichen, seine Erfahrungen und Werte an die nächste Generation weiterzugeben.

Ein Vermächtnis über den Sport hinaus

Mit 45 Länderspielen und vier Toren für die tschechische Nationalmannschaft hinterlässt Jankto solide sportliche Statistiken. Doch sein wahres Vermächtnis liegt in seinem Mut, Sichtbarkeit zu schaffen und anderen LGBTQ+-Sportlern den Weg zu ebnen.

Seine Geschichte erinnert daran, dass Sport eine Plattform für gesellschaftlichen Wandel sein kann. In einer Zeit, in der LGBTQ+-Rechte in verschiedenen Teilen Europas unter Druck stehen, bleiben Vorbilder wie Jankto wichtige Stimmen für Akzeptanz und Inklusion.

"Danke an alle Menschen, die mich unterstützt haben. Ich schätze das sehr", schrieb Jankto zum Abschluss seiner Karriere. Diese Dankbarkeit und Demut, gepaart mit seinem Mut zur Authentizität, machen ihn zu einer inspirierenden Figur weit über den Fußball hinaus.

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