Gewalt beim CSD Duisburg: Ein Schatten über das bunte Fest der Vielfalt

Beim Christopher Street Day (CSD) in Duisburg wurde die fröhliche Atmosphäre des Pride-Festes am vergangenen Samstag durch zwei gewalttätige Vorfälle überschattet. Wie die Polizei am Montag mitteilte, warf ein 42-jähriger Mann eine Bierflasche auf einen Ordner und leistete später Widerstand gegen die Polizei. In einem separaten Vorfall wurde ein 16-Jähriger sexuell belästigt.

Angriff auf Ordner und Polizeibeamte

Der erste Vorfall ereignete sich, als ein stark alkoholisierter 42-Jähriger eine Bierflasche auf einen Ordner der Veranstaltung warf. Glücklicherweise wurde der Ordner nur am Arm getroffen und blieb unverletzt. Als die alarmierte Polizei eintraf, eskalierte die Situation weiter: Der bereits vorbestrafte Angreifer beleidigte und beschimpfte die Einsatzkräfte. Bei der Festnahme verhielt er sich aggressiv und schlug um sich, wodurch ein Polizeibeamter leicht verletzt wurde. Der Mann wurde in Polizeigewahrsam genommen und ihm wurde eine Blutprobe entnommen. Er muss sich nun wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Sexueller Übergriff auf Minderjährigen

Ein zweiter schwerwiegender Vorfall ereignete sich, als ein 20-jähriger Mann einem 16-Jährigen in den Intimbereich fasste. Obwohl das Opfer den Täter zunächst nicht identifizieren konnte, erstattete es Anzeige. Inzwischen konnte das Kriminalkommissariat 12 den Tatverdächtigen ausmachen. Auch ihn erwartet ein Strafverfahren.

Teil eines besorgniserregenden bundesweiten Trends

Diese Vorfälle in Duisburg reihen sich in eine beunruhigende Entwicklung ein, die sich 2024 bundesweit bei CSD-Veranstaltungen abzeichnet. Die Amadeu-Antonio-Stiftung berichtete, dass ein Drittel aller CSDs in Deutschland im Jahr 2024 Ziel rechtsextremer Angriffe wurden. Das Bundesinnenministerium verzeichnete bereits für 2023 einen massiven Anstieg queerfeindlicher Hasskriminalität mit 1.499 Fällen im Bereich "sexuelle Orientierung" und 854 Fällen im Bereich "geschlechtsbezogene Diversität".

Ähnliche Vorfälle ereigneten sich 2024 in mehreren deutschen Städten: Beim CSD Hannover kam es zu queerfeindlichen Übergriffen, in Wernigerode gab es eine mutmaßliche Anschlagsdrohung mit Waffenfund, und in Brandenburg stürmten Vermummte ein Pride-Fest. In Flensburg wurden acht große Regenbogenflaggen verbrannt.

CSD Duisburg als Symbol des Zusammenhalts

Der CSD Duisburg 2024 stand unter dem Motto "Zusammenhalt!" und begann traditionell mit dem Hissen der Regenbogenflagge vor dem Rathaus. Die vom Verein DUPride e.V. organisierte Veranstaltung umfasste eine Demonstration durch die Innenstadt zum König-Heinrich-Platz und ein anschließendes Straßenfest. Besonders erfreulich war die Verleihung des Akzeptanzpreises "Brücke der Solidarität" an Sarah Ungar für ihr Engagement in der Wirtschaft und Arbeitswelt.

Forderungen nach mehr Schutz

Als Reaktion auf die Zunahme von Queerfeindlichkeit fordern Verbände und Politiker verstärkte Schutzmaßnahmen für CSD-Veranstaltungen und queere Menschen. Sven Lehmann, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, betont, dass das Bedürfnis nach Sicherheit bei CSDs ernst genommen werden müsse. Er verwies auf den Aktionsplan "Queer leben" der Bundesregierung, in dem Sicherheit eines der zentralen Handlungsfelder ist.

Die Vorfälle in Duisburg zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft geschlossen gegen Hass und Gewalt aufsteht. Pride-Veranstaltungen sind nicht nur bunte Feste, sondern wichtige Symbole für Gleichberechtigung und Akzeptanz. Sie müssen geschützte Räume bleiben, in denen alle Menschen ohne Angst feiern und für ihre Rechte einstehen können.

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