Ein längst überfälliges Zeichen der Anerkennung: Köln ehrt Dirk Bach mit eigenem Platz

Nach jahrelangem Rechtsstreit ist es nun endlich soweit: Köln hat offiziell einen Dirk-Bach-Platz. Die entsprechenden Schilder sind angebracht, auch wenn die Fläche am Schauspielhaus derzeit noch eine Baustelle ist. Diese längst überfällige Ehrung für den 2012 verstorbenen schwulen Entertainer und Aktivisten ist mehr als nur eine symbolische Geste – sie ist ein wichtiger Schritt für die Sichtbarkeit queerer Geschichte in Deutschland.

Kampf um die Namensgebung

Der Weg zum Dirk-Bach-Platz war steinig und spiegelt die komplexen Strukturen kommunaler Entscheidungsfindung wider. Die Aidshilfe Köln und das Centrum Schwule Geschichte hatten bereits 2021 vorgeschlagen, einen Platz nach dem beliebten Künstler zu benennen. Die Bezirksvertretung Köln-Innenstadt unterstützte die Idee, während der Kölner Stadtrat eine Erweiterung des bestehenden Offenbachplatzes bevorzugte.

Erst das Oberverwaltungsgericht Münster beendete den Streit mit seiner Entscheidung im Januar, dass die Bezirksvertretung das Recht zur Platzbenennung besitzt. Ein juristischer Sieg, der symbolisch für den langen Kampf um gesellschaftliche Anerkennung steht, den queere Menschen auch heute noch führen müssen.

Mehr als nur Entertainment: Dirk Bachs gesellschaftliches Engagement

Dirk Bach war weit mehr als der beliebte "Dschungelcamp"-Moderator, als den ihn viele in Erinnerung haben. Der gebürtige Kölner engagierte sich zeitlebens sozialpolitisch und war als Stifter für das Lebenshaus der Aidshilfe Köln aktiv, das nach seinem Tod in Dirk-Bach-Haus umbenannt wurde. Seine Arbeit als Schauspieler, Synchronsprecher und zeitweise als Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses zeigt die Vielseitigkeit seiner kulturellen Beiträge.

Bach nutzte seine Popularität bewusst, um Aufmerksamkeit für wichtige gesellschaftliche Themen zu schaffen und war ein Vorbild für viele junge LGBTQ+-Menschen, die in ihm einen erfolgreichen, offen schwul lebenden Mann in der Öffentlichkeit sahen.

Deutschland und die queere Erinnerungskultur

Die Benennung des Dirk-Bach-Platzes reiht sich ein in eine wichtige Tradition der Würdigung queerer Persönlichkeiten in Deutschland. Von Karl Heinrich Ulrichs, der sich 1867 als erste Person öffentlich als homosexuell outete, über Magnus Hirschfeld, den Gründer des Instituts für Sexualwissenschaft, bis hin zu Claire Waldoff, der offen lesbisch lebenden Kabarettistin der 1920er Jahre – Deutschland hat eine reiche Geschichte queerer Pioniere.

Moderne Vorbilder wie Klaus Wowereit mit seinem legendären "Ich bin schwul, und das ist auch gut so" oder Fußballer Thomas Hitzlsperger zeigen, dass die Sichtbarkeit queerer Menschen in allen Gesellschaftsbereichen wichtig bleibt.

Symbolkraft über Köln hinaus

Der Dirk-Bach-Platz ist mehr als eine lokale Ehrung – er sendet ein Signal an queere Menschen in ganz Deutschland. In einer Zeit, in der LGBTQ+-Rechte wieder verstärkt unter Druck geraten, zeigt die offizielle Anerkennung durch eine deutsche Großstadt, dass queere Geschichten und Beiträge zur Gesellschaft gewürdigt und sichtbar gemacht werden.

Auch wenn der Platz derzeit noch eine Baustelle ist, steht er bereits jetzt als Monument für Akzeptanz, Vielfalt und die Bedeutung, die queere Menschen für unsere Kultur und Gesellschaft haben. Dirk Bach hätte sich sicher über diese späte, aber umso bedeutsamere Ehrung gefreut.

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