Church of England entfernt diskriminierende Klausel gegen Homosexualität aus Ordination

Die Church of England hat einen historischen Schritt unternommen und eine diskriminierende Klausel entfernt, die Homosexualität als "unehrenhaft" bezeichnete. Diese Entscheidung markiert einen wichtigen Wendepunkt für LGBTQ+-Rechte in der anglikanischen Kirche und wirft gleichzeitig Fragen über ähnliche Entwicklungen in deutschen Kirchengemeinschaften auf.

Ein jahrzehntelanger Kampf gegen Diskriminierung

Am 15. Juli 2025 stimmte die Generalsynode der Church of England überwältigend dafür, eine Klausel aus dem Dokument "Issues in Human Sexuality" von 1991 zu entfernen. Dieses 48-seitige Dokument hatte über drei Jahrzehnte lang angehende Geistliche dazu verpflichtet, zuzustimmen, dass "homosexuelle Praktiken besonders unehrenhaft" seien und LGBTQ+-Christen zur sexuellen Abstinenz aufgerufen.

Charles Bączyk-Bell, ein offen schwuler anglikanischer Priester in London, beschreibt die Bedeutung dieser Entscheidung: "Nun, da es weg ist... öffnet es den Weg für eine Liberalisierung der Kirchenpolitik zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen und bedeutet, dass wir aufhören können, es als eine Art Referenztext zu verwenden." Das Dokument war bereits bei seiner Veröffentlichung veraltet und wurde systematisch dazu eingesetzt, Menschen aus der Ordination auszuschließen.

Parallelen zur deutschen Kirchenlandschaft

Während die Church of England diese wichtigen Reformen durchführt, zeigt sich in Deutschland ein differenzierteres Bild. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist bei der Gleichstellung deutlich weiter vorangeschritten. In 14 von 20 Landeskirchen sind bereits kirchliche Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare möglich.

Besonders progressiv zeigt sich die Evangelische Kirche Hessen Nassau (EKHN), die bereits seit Jahren betont, dass bei Trauungen die sexuelle Orientierung keine Rolle spielt. Die EKHN setzt sich sogar weltweit für die "Ehe für alle" ein. Ähnlich fortschrittlich ist die Evangelische Kirche im Rheinland, wo die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare vollkommen normal geworden ist.

Der steinige Weg zu mehr Inklusion

Die aktuellen Entwicklungen in der Church of England sind Teil des größeren "Living in Love and Faith"-Prozesses, der seit Jahren die Fragen von Identität, Sexualität und Beziehungen in der Kirche neu bewertet. Im Juli 2024 hatte die Generalsynode bereits Beschränkungen für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in eigenständigen Gottesdiensten aufgehoben.

Diese Reformen stoßen jedoch nicht überall auf Zustimmung. Konservative Anglikaner, insbesondere in Afrika und Asien, haben mit der Bildung einer "parallelen Provinz" gedroht. Die Entscheidung der Church of England, Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen, hat die Spaltung sowohl im Inland als auch in der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft vertieft.

Menschliche Geschichten hinter den Reformen

Hinter diesen institutionellen Veränderungen stehen unzählige persönliche Geschichten von LGBTQ+-Christen, die jahrzehntelang um Anerkennung und Würde in ihrer Glaubensgemeinschaft gekämpft haben. Das nun entfernte Dokument hatte nicht nur theologische Auswirkungen, sondern prägte das Leben vieler Menschen, die sich zwischen ihrer sexuellen Identität und ihrem Glauben zerrissen sahen.

Die Entscheidung der Church of England sendet ein starkes Signal: Sprache und Annahmen, die "kontextuell unangemessen" sind und "voreingenommen und beleidigend für viele Menschen" erscheinen, haben keinen Platz mehr in der modernen Kirche. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer inklusiveren Glaubensgemeinschaft.

Ausblick und deutsche Perspektiven

Während die Church of England diese historischen Reformen durchführt, können deutsche LGBTQ+-Christen auf eine bereits weiter fortgeschrittene Landschaft blicken. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers hatte bereits 2017 unter Landesbischof Ralf Meister den Weg für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geebnet.

Die Entwicklungen in England zeigen, dass der Kampf für LGBTQ+-Rechte in religiösen Gemeinschaften ein langwieriger Prozess ist, der Mut, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft zu schwierigen Gesprächen erfordert. Die Entfernung der diskriminierenden Klausel ist mehr als nur eine administrative Änderung – sie ist ein Symbol für den Wandel hin zu einer Kirche, die alle Menschen in ihrer Vielfalt willkommen heißt.

Für deutsche LGBTQ+-Christen bietet diese Entwicklung sowohl Inspiration als auch eine Erinnerung daran, dass der Fortschritt möglich ist, auch wenn er Zeit braucht. Die Kirche als Institution mag sich langsam wandeln, aber die Botschaft ist klar: Liebe und Glaube kennen keine Grenzen.

Zurück zum Blog