Sachsen hält am Genderverbot fest: Ein Bundesländer-Vergleich der aktuellen Sprachpolitik an Schulen

Sachsen bestätigt seine restriktive Haltung zur geschlechtergerechten Sprache an Schulen. Zum 1. August 2025 tritt eine neue Verordnung in Kraft, die Genderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkt oder Binnen-I weiterhin verbietet, wie das Kultusministerium mitteilte. Bildungsminister Conrad Clemens (CDU) führt damit den Kurs seines Vorgängers Christian Piwarz fort.

Ein deutschlandweiter Flickenteppich der Sprachregelungen

Sachsen steht mit seinem Genderverbot nicht allein da. Ein Blick auf die Bildungslandschaft zeigt ein uneinheitliches Bild: Während einige Bundesländer ähnlich restriktive Regeln eingeführt haben, zeigen sich andere wesentlich liberaler im Umgang mit geschlechtergerechter Sprache.

Bayern gilt als Vorreiter der Genderverbote und führte bereits zum 1. April 2024 ein umfassendes Verbot von Genderzeichen in Behörden, Schulen und Hochschulen ein. Interessant dabei: Schüler*innen müssen keine Notenabzüge befürchten, wenn sie dennoch gendern – das Verbot gilt nur für Lehrkräfte und offizielle Dokumente.

Baden-Württemberg verfolgt einen moderateren Ansatz und verzichtet auf ein generelles Verbot, während Hessen seit April 2024 Punktabzüge für gegenderte Texte verhängt. Berlin plant die Umsetzung der KMK-Regelungen erst für 2026.

Zwischen sprachlicher "Klarheit" und Inklusion

Die Begründungen für die Genderverbote ähneln sich in den betroffenen Bundesländern. Sachsens Kultusministerium argumentiert mit der Notwendigkeit "sprachlicher Klarheit" und beruft sich auf die Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung. Als Alternative sollen Paarformen wie "Schülerinnen und Schüler" oder geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet werden.

Diese Argumentation stößt bei LGBTQ+-Aktivist*innen und Bildungsgewerkschaften auf deutliche Kritik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) positioniert sich klar gegen die "Genderverbote" und sieht darin einen Rückschritt für die Inklusion nicht-binärer Menschen im Bildungswesen.

Ein aufgeheiztes gesellschaftliches Klima

Die Debatte um geschlechtergerechte Sprache hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Kulturkampf entwickelt. Wie die ehemalige Duden-Chefin Kathrin Kunkel-Razum bereits 2023 bedauerte, ist in der "aufgeheizten Atmosphäre" kaum noch eine sachliche Diskussion möglich.

Besonders problematisch wird die Situation für trans und nicht-binäre Schüler*innen, die durch solche Verbote symbolisch unsichtbar gemacht werden. Während die Ministerien von "sprachlichen Hürden" sprechen, die durch Genderzeichen entstünden, entstehen durch deren Verbot andere Barrieren – nämlich für diejenigen, die sich in der traditionellen binären Sprache nicht wiederfinden.

Die Rolle der Wissenschaft

Sprachwissenschaftler*innen sind sich uneinig über die Auswirkungen von Genderzeichen auf die Sprachentwicklung. Während Kritiker*innen Verständlichkeitsprobleme anführen, betonen Befürworter*innen die wichtige symbolische Funktion inklusiver Sprache für gesellschaftliche Teilhabe.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sieht in pauschalen Genderverboten sogar verfassungsrechtliche Probleme und warnt vor einer Einschränkung der freien Meinungsäußerung.

Ausblick: Wohin fĂĽhrt der Weg?

Der Umgang mit geschlechtergerechter Sprache an Schulen bleibt ein Spiegelbild gesellschaftlicher Spannungen. Während konservativ regierte Länder auf Verbote setzen, versuchen andere Bundesländer einen ausgewogeneren Weg zwischen sprachlicher Tradition und inklusiver Modernisierung zu finden.

Für die LGBTQ+-Community bedeuten diese unterschiedlichen Regelungen eine zusätzliche Herausforderung: Je nach Wohnort erleben queere Jugendliche unterschiedliche Grade der Akzeptanz und Sichtbarkeit im Bildungssystem. Ein einheitlicher, inklusiver Ansatz wäre nicht nur sprachpolitisch, sondern auch bildungspolitisch wünschenswert – denn Sprache formt das Bewusstsein, und Bewusstsein formt unsere Gesellschaft.

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