Rechtsextreme Gewalt erschüttert queere Vielfalt in Bad Freienwalde: Staatsschutz ermittelt nach brutalem Angriff

Nach dem brutalen Angriff vermummter Rechtsextremer auf eine Kundgebung für Vielfalt und Toleranz in Bad Freienwalde laufen die polizeilichen Ermittlungen auf Hochtouren. Wie queer.de berichtet, führte die Polizei in der vergangenen Woche Durchsuchungen im Kreis Märkisch-Oderland durch und nahm einen Tatverdächtigen ins Visier, der offenbar Verbindungen zur rechtsextremen Szene haben soll.

Ein Angriff auf das Herz der Demokratie

Was am vergangenen Sonntag in Bad Freienwalde geschah, war mehr als nur ein Angriff auf Menschen – es war ein Angriff auf die Werte, für die unsere Gesellschaft steht. Die Kundgebung "Für ein buntes Bad Freienwalde" sollte ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und demokratische Werte setzen. Stattdessen wurde sie zum Schauplatz rechtsextremer Gewalt, die erschreckend an die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte erinnert.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung stürmte eine Gruppe von etwa einem Dutzend Vermummten auf den Marktplatz und griff gezielt Teilnehmende an, von denen viele der queeren Community angehörten. Laut RBB setzten die Angreifer Schlagwerkzeuge und Holzlatten ein – eine Eskalation der Gewalt, die zeigt, mit welcher Brutalität Rechtsextreme gegen alles vorgehen, was sie als Bedrohung ihrer Ideologie empfinden.

Wenn Bürgermut auf Hass trifft

Das Bündnis "Bad Freienwalde ist bunt" organisiert bereits seit 2021 jährlich ein Fest für Vielfalt und Toleranz. Zu den Unterstützern gehören unter anderem die "Omas gegen Rechts", die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) und das örtliche Bertolt-Brecht-Gymnasium. Diese breite gesellschaftliche Allianz zeigt, dass der Kampf für Demokratie und Menschenrechte in Brandenburg längst nicht nur von politischen Aktivisten geführt wird, sondern tief in der Zivilgesellschaft verwurzelt ist.

Umso erschütternder ist es, dass Menschen, die sich für ein respektvolles Miteinander einsetzen, mit brutaler Gewalt konfrontiert werden. Die Tatsache, dass gezielt Angehörige der queeren Community attackiert wurden, verdeutlicht die menschenverachtende Ideologie der Täter.

Verbindungen ins rechtsextreme Netzwerk

Die polizeilichen Ermittlungen haben einen 21-jährigen Tatverdächtigen ins Visier genommen, der offenbar Verbindungen zur rechtsextremen Partei "Der Dritte Weg" haben soll. Diese neonazistische Gruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gründete erst im April 2023 ihren Landesverband Brandenburg und orientiert sich an der völkisch-nationalistischen Ideologie des Nationalsozialismus.

Besonders beunruhigend ist, dass der Verdächtige bereits in der Vergangenheit durch Angriffe auf ähnliche Veranstaltungen aufgefallen sein soll. Dies deutet auf ein systematisches Vorgehen hin, mit dem Rechtsextreme versuchen, demokratische Meinungsäußerung und das öffentliche Eintreten für Vielfalt zu unterbinden.

Brandenburg im Fokus rechtsextremer Gewalt

Der Angriff in Bad Freienwalde reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie rechtsextremer Übergriffe in Brandenburg. Das Land, das im September Landtagswahlen erlebt, kämpft seit Jahren mit einer stark ausgeprägten rechtsextremen Szene. Die Tatsache, dass Brandenburgs Innenminister René Wilke persönlich nach Bad Freienwalde reiste, um seine Solidarität zu bekunden, unterstreicht die politische Brisanz des Vorfalls.

Für die queere Community in Brandenburg bedeutet dies eine zusätzliche Belastung in einem ohnehin schwierigen Umfeld. Während in anderen Bundesländern Pride-Veranstaltungen und Demonstrationen für LGBTQ+-Rechte meist friedlich verlaufen, müssen Aktivisten in ostdeutschen Regionen mit realer Bedrohung rechnen.

Ein Signal der Hoffnung trotz allem

Trotz der erschreckenden Gewalt darf nicht übersehen werden, dass die Kundgebung "Für ein buntes Bad Freienwalde" stattgefunden hat und breite Unterstützung erfuhr. Dies zeigt, dass auch in Regionen mit starker rechtsextremer Präsenz Menschen bereit sind, für demokratische Werte einzustehen. Die schnelle und entschlossene Reaktion der Ermittlungsbehörden, die binnen weniger Tage Durchsuchungen durchführten und einen Tatverdächtigen identifizierten, sendet ein wichtiges Signal: Rechtsextreme Gewalt wird nicht toleriert.

Der Staatsschutz ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Mobiltelefone und Kleidungsstücke wurden bei den Durchsuchungen sichergestellt – Beweise, die hoffentlich dazu beitragen werden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Für die queere Community und alle, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzen, bleibt Bad Freienwalde ein Mahnmal dafür, dass Demokratie und Menschenrechte täglich verteidigt werden müssen. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass Zivilcourage und Zusammenhalt stärker sind als Hass und Gewalt.

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