Homophobe Beleidigungen in Dreieich: Ein Alarmzeichen für die wachsende Queerfeindlichkeit in Deutschland

In Dreieich, einer Stadt im Süden Frankfurts, wurden am Sonntag zwei Männer Opfer homophober Beleidigungen aus einem vorbeifahrenden Auto heraus. Wie queer.de berichtet, ereignete sich der Vorfall gegen 17:45 Uhr in der Rostädter Straße im Bereich des Kleingartenvereins Sprendlingen, als die beiden Männer im Alter von 42 und 52 Jahren zu Fuß unterwegs waren.

Ein erschreckender Trend: Queerfeindliche Gewalt nimmt zu

Dieser Vorfall ist leider kein Einzelfall, sondern fügt sich in ein besorgniserregendes Gesamtbild ein. Nach aktuellen Zahlen des Bundesministeriums des Innern und für Heimat wurden 2023 bundesweit 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen erfasst – ein dramatischer Anstieg gegenüber den 1.188 Fällen des Vorjahres. In Hessen allein stieg die Zahl queerfeindlich motivierter Straftaten um erschreckende 63 Prozent: von 83 Fällen in 2023 auf 135 in 2024.

Die Tat in Dreieich folgte einem bekannten Muster: Drei unbekannte Täter beleidigten die beiden Männer mit queerfeindlichen Aussprüchen aus einem grauen Kompaktwagen heraus und fuhren anschließend davon. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen und bittet unter der Telefonnummer (069) 8098-1234 um Hinweise aus der Bevölkerung.

Polizeiliche Unterstützung für LSBTIQ*-Personen

Positiv hervorzuheben ist, dass die hessische Polizei bereits früh auf die zunehmende Gewalt gegen queere Menschen reagiert hat. Wie die Polizei in ihrer Mitteilung betont, verfügt das Präsidium Südosthessen über eine spezielle nebenamtliche LSBT*IQ-Ansprechstelle. Diese landesweite Initiative steht queeren Vereinen, Institutionen sowie Opfern LSBT*IQ-feindlicher Straftaten als vertrauensvolle und vorurteilsfreie Anlaufstelle zur Verfügung.

Das Problem der Dunkelziffer

Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass Experten von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Viele Betroffene bringen Straftaten nicht zur Anzeige – sei es aus Scham, Angst vor weiterer Diskriminierung oder mangelndem Vertrauen in die Behörden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser betonte daher, dass queerfeindliche Gewalt klar benannt und gezielt verfolgt werden müsse.

Gesellschaftliche Verantwortung

Der Vorfall in Dreieich macht deutlich, dass Queerfeindlichkeit nicht nur ein Problem extremer Gruppierungen ist, sondern mitten in der Gesellschaft stattfindet. Zu den häufigsten Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen gehören neben Beleidigungen auch Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen. 2023 wurden bei Gewalttaten 212 Opfer registriert.

Hessens Innenminister Roman Poseck bezeichnete Straftaten aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Identität als "unerträglich" und betonte, dass sie in der Gesellschaft keinen Platz haben dürften. Der Anstieg um 63 Prozent innerhalb eines Jahres sei "ein deutliches Warnsignal", das ernstgenommen werden müsse.

Hilfe und Unterstützung

Für Betroffene queerfeindlicher Gewalt gibt es Unterstützung. Die Kriminalpolizei in Offenbach ist unter (069) 8098-1234 erreichbar. Darüber hinaus stehen in allen hessischen Polizeipräsidien speziell geschulte Ansprechpersonen für LSBT*IQ-Belange zur Verfügung, die als Vertrauenspersonen innerhalb der Polizei fungieren.

Der Fall in Dreieich zeigt einmal mehr: Queerfeindlichkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nur durch gemeinsame Anstrengungen bekämpft werden kann. Es braucht nicht nur konsequente Strafverfolgung, sondern auch Aufklärungs- und Präventionsarbeit, um LSBTIQ*-Personen ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen.

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