Hamburger Pride-Award würdigt Susanne Baers Pionierarbeit für queere Rechte

Der CSD Hamburg ehrt in diesem Jahr eine wahre Pionierin: Susanne Baer erhält den Ehren-Pride-Award für ihre außergewöhnlichen Verdienste um die Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten. Die Auszeichnung würdigt nicht nur ihre Rolle als erste offen lesbische Richterin am Bundesverfassungsgericht, sondern auch ihren unermüdlichen Einsatz für Demokratie und Verfassung.

Eine Juristin mit Visionskraft

Susanne Baer ist mehr als nur eine Juristin – sie ist eine Wegbereiterin, die Recht und Geschlechterstudien auf einzigartige Weise verbindet. Seit 2002 lehrt sie als Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist deutschlandweit die einzige Juristin mit einem Lehrstuhl für "Öffentliches Recht und Geschlechterstudien". Ihre Forschungsarbeit in den Bereichen Antidiskriminierungsrecht und feministische Rechtswissenschaft hat das juristische Denken in Deutschland nachhaltig geprägt.

Bereits 2010 war Baer bei einer Bundestagsanhörung zur Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes als Sachverständige tätig und setzte sich dafür ein, dass das Merkmal sexuelle Identität in den Gleichheitsgrundsatz aufgenommen wird. Obwohl der Antrag damals am Widerstand von Union und FDP scheiterte, zeigt ihr Engagement die Beharrlichkeit, mit der sie für queere Rechte kämpft – ein Kampf, der bis heute andauert.

Historische Momente am Bundesverfassungsgericht

2011 schrieb Susanne Baer Geschichte, als sie als erste offen lesbische Frau Bundesverfassungsrichterin wurde. Ihre zwölfjährige Amtszeit bis 2023 war geprägt von wegweisenden Entscheidungen für die LGBTQ+-Community. Besonders bedeutsam war ihre Beteiligung an der Entscheidung, homosexuellen Paaren bei Adoptionen mehr Rechte einzuräumen.

Baer erinnerte sich später an diesen Moment als einen "großen Moment" für sie persönlich – nicht nur wegen der positiven Entscheidung, sondern auch weil diese einstimmig ausfiel. Diese Einstimmigkeit zeigt, wie ihre fachliche Expertise und menschliche Überzeugungskraft auch ihre Kolleg*innen erreichen konnte.

Sichtbarkeit als Schlüssel zum Wandel

Die Bedeutung von Susanne Baers Arbeit geht weit über juristische Texte hinaus. Als offen lesbische Frau in einem der höchsten Ämter der deutschen Justiz hat sie Sichtbarkeit geschaffen und gezeigt, dass queere Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen erfolgreich sein können. Ihre Expertise in der Geschlechterforschung ermöglicht es ihr, vielfältige Perspektiven in die juristische Argumentation einzubringen.

"Mit Susanne Baer ehren wir eine Pionierin, die Recht, Wissenschaft und Haltung vereint – und damit zeigt, dass Sichtbarkeit, Gerechtigkeit und queeres Leben untrennbar zusammengehören", erklärten die Co-Vorsitzenden des Hamburger CSD-Vereins, Jenny Saitzek und Christoph Kahrmann. Diese Worte fassen zusammen, was Baers Lebenswerk ausmacht: die Verbindung von juristischer Exzellenz mit gesellschaftlichem Engagement.

Ein Vermächtnis für die Zukunft

Die Auszeichnung wird am 26. Juli im Rahmen der Pride Night auf Kampnagel überreicht und markiert den Auftakt zum Hamburger CSD am 2. August. Das diesjährige Motto "Wir sind hier, um zu bleiben. Queere Menschen schützen" könnte passender nicht sein für eine Frau, die ihr Leben dem Schutz und der Förderung von Minderheitenrechten gewidmet hat.

Der Pride-Award würdigt seit mehreren Jahren Personen des öffentlichen Lebens, die Vorbildcharakter für die queere Community haben. Nach Influencer Fabian Grischkat im letzten Jahr, Riccardo Simonetti, der Initiative #outinchurch und WDR-Journalistin Georgine Kellermann steht nun Susanne Baer in dieser ehrenvollen Reihe.

Susanne Baers Auszeichnung ist mehr als eine Ehrung – sie ist ein Zeichen dafür, dass wissenschaftliche Exzellenz, juristische Kompetenz und gesellschaftliches Engagement Hand in Hand gehen können. Ihr Einsatz zeigt, warum queere Menschen geschützt werden müssen und warum ihre Stimmen in allen gesellschaftlichen Bereichen gehört werden sollten.

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