An der University of Reading fühlen sich Studierende nicht mehr sicher auf dem Campus. Der Grund: Eine neue Toilettenpolitik, die trans Personen den Zugang zu Einrichtungen ihrer Geschlechtsidentität verwehrt. Während diese Entwicklung in Großbritannien für Aufregung sorgt, zeigen deutsche Universitäten, wie Inklusion erfolgreich umgesetzt werden kann.
Angst und Unsicherheit in Reading
Die britische Universität implementierte im Juni eine neue Regelung, die trans Personen dazu verpflichtet, Sanitäreinrichtungen entsprechend ihrem "biologischen Geschlecht" zu nutzen. Diese Entscheidung basiert auf einem Urteil des Obersten Gerichtshofs von April 2024, welches das britische Gleichstellungsgesetz eng auslegt.
Die Auswirkungen sind verheerend: "Ich war seit der Änderung nicht mehr auf dem Campus, weil ich mich unsicher fühle," berichtet ein Student gegenüber PinkNews. Eine Mitarbeiterin erklärt: "Als lesbische Frau bin ich mir bewusst, dass es zu 'Gender-Policing' kommt, bei dem die Weiblichkeit von Frauen in Frage gestellt wird."
Die lokale Reading Trans Movement und die studentische Gruppe UoR Trans Rights verurteilten die Maßnahme als "transphob" und organisierten Proteste. Ihre Kritik: Die Universität habe überhastet gehandelt, ohne eine ordnungsgemäße Gleichstellungsprüfung durchzuführen oder trans Personen zu konsultieren.
Deutsche Universitäten als Vorbild
Während die University of Reading rückschrittliche Maßnahmen ergreift, zeigen deutsche Hochschulen, wie Inklusion erfolgreich funktioniert. Die Universität Hamburg hat beispielsweise ein umfassendes Konzept für "All Gender WCs" entwickelt, um allen Mitgliedern der Universitätsgemeinschaft diskriminierungsfreien Zugang zu Sanitäreinrichtungen zu gewährleisten.
Die Ruhr-Universität Bochum geht noch einen Schritt weiter: Neben geschlechtsneutralen Toiletten werden auch Umkleideräume für alle Geschlechter in Sportstätten eingerichtet. "Toiletten sollen ein sicherer Ort sein, den jede Person ohne Stress oder Angst nutzen kann," erklärt die Universität ihr Konzept.
Auch die Universität Bamberg verfügt über geschlechtsneutrale Toiletten, die von allen Personen unabhängig von ihrem Geschlechtsausdruck genutzt werden können. Diese Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Antidiskriminierungsstrategie.
Rechtliche Fortschritte in Deutschland
Der Kontrast zwischen britischen und deutschen Entwicklungen könnte nicht größer sein. Während Großbritannien rückschrittliche Interpretationen des Gleichstellungsrechts vorantreibt, hat Deutschland seine LGBTQ+-Rechte kontinuierlich ausgebaut. Seit November 2024 können Personen über 18 Jahren ihr Geschlecht durch Selbstbestimmung ändern - ein Meilenstein für trans Personen.
Deutsche Universitäten profitieren von diesem fortschrittlichen rechtlichen Rahmen. Die Freie Universität Berlin gilt als besonders LGBTQ+-freundlich und verfügt über spezialisierte Abteilungen für schwule und lesbische Mitglieder der Universitätsgemeinschaft. Die Technische Universität München veranstaltet regelmäßig Diversitätskonferenzen und unterstützt verschiedene LGBTQ+-Clubs.
Mehr als nur Toiletten
Die Universität Freiburg zeigt mit ihrem monatlichen "Rosa Café" beispielhaft, wie umfassende Unterstützung aussehen kann. Dieser sichere Raum ermöglicht es LGBTQ+-Studierenden und -Mitarbeitenden, sich zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen.
Während die University of Reading trotz Protesten an ihrer ausgrenzenden Politik festhält und sich hinter rechtlichen Ausreden versteckt, demonstrieren deutsche Hochschulen, dass Inklusion nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich umsetzbar ist. Die Botschaft ist klar: Sicherheit und Würde für alle Universitätsmitglieder sind keine Verhandlungssache, sondern ein Grundrecht.
Die Entwicklungen in Reading sollten als Warnung vor den Auswirkungen rückschrittlicher Politik dienen. Gleichzeitig zeigen deutsche Universitäten eindrucksvoll, dass eine andere, inklusivere Zukunft möglich ist - eine Zukunft, in der sich alle Studierenden sicher und willkommen fühlen können.