Datenlücke mit Folgen: USA verweigern Veröffentlichung von LGBTQ+-Zensusdaten – Deutschland zeigt andere Wege

Die US-Regierung unter Donald Trump steht erneut in der Kritik: Eine gemeinnützige Rechtsberatungsorganisation verklagt die Regierung, weil sie sich weigert, wichtige LGBTQ+-Zensusdaten zu veröffentlichen. Die Klage, die am Montag (22. September) eingereicht wurde, wirft der Trump-Administration vor, „rechtswidrig" Daten zurückzuhalten, die für die Aufnahme von Fragen zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität in die nächste American Community Survey entscheidend wären. Diese Verweigerung zeigt einen beunruhigenden Trend – während Deutschland zunehmend Fortschritte bei der Sichtbarmachung seiner LGBTQ+-Community macht.

Deutschland als Vorreiter: Mehr Sichtbarkeit durch Daten

Während die USA wichtige Datenerhebungen blockieren, zeigt Deutschland einen anderen Weg. In Deutschland liegt der Anteil von Queers in der Gesamtbevölkerung bei 12 Prozent. 5 Prozent fühlen sich zum selben Geschlecht hingezogen, weitere vier Prozent sind laut eigener Aussage bisexuell. Diese Zahlen stammen aus der aktuellen Ipsos-Studie von 2024, die Deutschland als eines der Länder mit dem höchsten erfassten LGBTQ+-Anteil in Europa ausweist.

Besonders aufschlussreich ist der Generationenvergleich: In Deutschland identifizieren sich 11,2 Prozent der 14- bis 29-Jährigen als LGBT. Bei den 50- bis 65-Jährigen sind es 6,4 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen sogar nur 5,7 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur eine größere Offenheit jüngerer Generationen, sondern auch die Bedeutung kontinuierlicher Datenerhebung für das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen.

Fortschritt und neue Herausforderungen in Deutschland

73 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass lesbische, schwule oder bisexuelle Menschen vor Diskriminierung geschützt werden sollten. Bei trans* Personen stimmen sieben von zehn Befragten (70 %) der Aussage zu. Diese hohen Zustimmungswerte zeigen eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber der LGBTQ+-Community in Deutschland.

Allerdings gibt es auch besorgniserregende Entwicklungen: Vor allem bei jungen Männern nehmen queerfeindliche Ansichten aber auch in Deutschland eher zu. In Deutschland unterstützen zwei von drei jungen Frauen (65 %) der Gen Z queere Zuneigung in der Öffentlichkeit. Bei den jungen Männern in Deutschland liegt der Wert lediglich bei 30 Prozent. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen, dass trotz allgemeiner Fortschritte gezielte Aufklärungsarbeit notwendig bleibt.

USA: Systematische Löschung von LGBTQ+-Daten

Die aktuelle Klage in den USA ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit Donald Trumps Amtsantritt im Januar hat die Regierung wichtige LGBTQ+-Online-Ressourcen gelöscht, einschließlich HIV-Präventionsberatung. Die Verwaltung hat mehr als 8.000 Webseiten und mindestens 3.000 Datensätze entfernt oder geändert, von denen sich die meisten auf Diversity-, Gleichstellungs- und Inklusionsinitiativen sowie LGBTQ+-Geschichte bezogen.

Dr. Jonathan B Freeman, der die Klage gemeinsam mit Democracy Forward eingereicht hat, kritisiert: "Das Census Bureau versprach Transparenz bei diesen Tests, hat aber genau die Informationen zurückgehalten, die zur Bewertung der Eignung von Fragen zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität in unserer wichtigsten jährlichen demografischen Erhebung des Landes benötigt werden. Als Forscher weiß ich, wie wichtig Daten sind, um sicherzustellen, dass Bürgerrechte eingehalten werden und dass die öffentliche Politik die Realitäten des Lebens der Menschen widerspiegelt."

Warum Daten für die LGBTQ+-Community so wichtig sind

Die Bedeutung verlässlicher Daten kann nicht überschätzt werden. In Deutschland haben diese Erhebungen bereits zu konkreten Verbesserungen geführt. Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen homosexuelle Paare den Bund der Ehe in Deutschland eingehen. Allein im Jahr 2018 heirateten rund 21.800 gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland. Inzwischen liegt die Anzahl der Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare bei rund 8.800 neu geschlossenen Ehen pro Jahr.

Zudem ermöglichen Daten die Identifikation von Diskriminierung: Diskriminierungserfahrungen machen queere Menschen auch am Arbeitsplatz: Sie fühlen sich oftmals weniger wertgeschätzt oder erleben einen höheren Leistungsdruck als ihre heterosexuellen Kolleg:innen. Dennoch stehen immer mehr Personen der LGBTQIA+-Community offen zu ihrer sexuellen Identität: So sprechen mittlerweile 37,5 Prozent der homosexuellen Personen an ihrem Arbeitsplatz mit allen offen über ihre Geschlechtsidentität. Zum Vergleich, im Jahr 1997, lag der Anteil dieser noch bei lediglich 12,7 Prozent.

Ein Blick in die Zukunft: Was Deutschland von der US-Situation lernen kann

Die Situation in den USA zeigt deutlich, wie schnell erkämpfte Fortschritte wieder verloren gehen können. Wegen einer Trump-Exekutivanordnung stoppt das Census Bureau die Arbeit an Statistiken, die zum Schutz der Rechte von Transgender-Personen beitragen könnten, berichtet der ehemalige Direktor Robert Santos.

Für Deutschland bedeutet dies, die bestehenden Fortschritte zu sichern und auszubauen. Deutschland wurde unter den Top 10 der LGBTQ+-freundlichsten Länder in Europa eingestuft, mit einem Wert von 66,13 Prozent im Rainbow Europe Index. Diese Position gilt es zu verteidigen und weiter zu verbessern.

Die systematische Erfassung und der Schutz von LGBTQ+-Daten sind keine bloße Statistik – sie sind essentiell für die Sichtbarkeit, den rechtlichen Schutz und die politische Teilhabe queerer Menschen. Deutschland hat hier bereits wichtige Schritte unternommen, muss aber wachsam bleiben, dass diese Errungenschaften nicht durch politische Stimmungswechsel gefährdet werden. Die Entwicklungen in den USA sollten als Warnung dienen: Datenerfassung ist ein Grundpfeiler für Gleichberechtigung und muss entsprechend geschützt werden.

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